Die deutsche Wirtschaftskrise wandert langsam aber sicher auch in die Bilanzen der Banken hinein. Vor allen Dingen die Krise im zum größten Teil kreditfinanzierten Mittelstand belastet Sparkassen und Genossenschaftsbanken in zunehmendem Maße.
picture alliance / Jan Eifert | Jan Eifert
Das Jahr 2025 endet für die deutsche Wirtschaft als Katastrophenjahr. Rund 24.000 Unternehmen meldeten Insolvenz an – ein Rekordwert, der lediglich im Krisenjahr 2003 nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der anschließenden Rezession übertroffen wurde. Seinerzeit gingen insgesamt 39.000 Betriebe in die Insolvenz.
Deindustrialisierung und Kreditausfälle
Der Kreditausfall im abgelaufenen Jahr wird auf rund 57 Milliarden Euro geschätzt. Diese Forderungsausfälle treffen Lieferanten und Banken schwer, zumal sich der deutsche Mittelstand mit etwa 40 Prozent über Kredite der Sparkassen sowie 25 Prozent über Mittel der Volks- und Raiffeisenbanken finanziert.
Die Folgewirkungen der um rund 20 Prozent eingebrochenen Industrieproduktion reichen weit in andere Wirtschaftsbereiche. Zulieferbetriebe ebenso wie industrienahe Dienstleistungen geraten zunehmend unter Druck – und gehen vielerorts in die Knie.
Druck unter der Oberfläche
Auf den ersten Blick erscheint die Lage im deutschen Bankensektor dennoch weiterhin stabil. Der Branchenriese Deutsche Bank steigerte im dritten Quartal 2025 seinen Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Zuwächse verzeichnete das Institut dabei über alle Geschäftsbereiche hinweg – vom klassischen Kreditgeschäft über das Investmentbanking bis hin zur Vermögensverwaltung.
Das einst über Jahrzehnte stabile Drei-Säulen-Bankmodell Deutschlands – bestehend aus privaten Großbanken, öffentlich-rechtlichen Instituten wie Sparkassen und Landesbanken sowie den Genossenschaftsbanken – zeigt nach außen weiterhin Wachstum. Doch unter der Oberfläche bilden sich immer tiefere Risse: Jahre niedriger Zinsen haben die Margen der Geldhäuser stark geschmälert, und die abrupt erfolgte Zinswende belastet Wirtschaft und Verbraucher gleichermaßen. Hinzu kommt die problematische enge Verflechtung zwischen Genossenschaftsbanken und Politik.
So geriet etwa die Agrargenossenschaft BayWa in Bayern beinahe in die Insolvenz, nachdem sie sich durch globale Investments in erneuerbare Energieprojekte engagiert hatte – ein Verlust von 100 Millionen Euro blieb zurück.
Und die Beispiele der heraufziehenden Bankenkrise mehren sich: So realisierte die VR-Bank Dortmund Nordwest Verluste durch riskante Immobilienfonds-Investments in Höhe von 280 Millionen Euro, was eine Sanierung durch den Genossenschaftlichen Sicherungsfonds (BVR) erzwang.
Auch die VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden verlor vor zwei Jahren einen ähnlichen Betrag in dubiosen Immobiliendeals und rief ebenfalls den BVR als Retter in der Not auf den Plan. Die Beispiele illustrieren, dass Banken angesichts eines rückläufigen Kreditgeschäfts mit dem Mittelstand gezwungen sind, auf der Risikokurve nach außen zu wandern, um operative Gewinne zu erzielen.
Die Folgen sind spürbar: Eine BaFin-Analyse zeigt, dass im vergangenen Jahr etwa 1,9 Prozent der Kredite der Sparkassen und 2,2 Prozent der Kredite der Genossenschaftsbanken notleidend waren. Das entspricht einem Volumen von 36,5 Milliarden Euro – ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Banken sind in der Konsequenz dazu gezwungen, ihre Kreditrisikovorsorge zu erhöhen – mehr Kapital wird eingefroren und die Vergabe neuer Kredite damit erschwert. https://finanz-szene.de/banking/fusionsdruck-problemkredite-regionalbanken/
Filialsterben und Hypothekenkrise im Anflug
Auch die Raiffeisenbank im Hochtaunus geriet zuletzt in erhebliche finanzielle Schieflage, nachdem sie Wertberichtigungen ihres Immobilienportfolios von einer halben Milliarde Euro vornehmen musste.
Die Geldhäuser reagieren auf den wachsenden Druck mit harten Einschnitten. Jährlich werden in Deutschland über 1.000 Bankfilialen geschlossen. Die Sparkasse vor Ort dürfte schon bald der Vergangenheit angehören. Dies erschwert nicht nur älteren Kunden den Zugang zu persönlichen Gesprächen, sondern trifft vor allem Bankkunden in ländlichen Regionen. Besonders mittelständische Betriebe, Handwerksbetriebe, Bäckereien und Händler vor Ort, die auf persönliche Finanzierungsberatung angewiesen sind, finden zunehmend seltener direkte Ansprechpartner und ein vertrauensvolles Bankenumfeld.
Bilanzschäden werden sichtbar
Bankbilanzen spiegeln die gesamtwirtschaftliche Lage wider. Zugleich stehen sie unter dem Einfluss finanz- und fiskalpolitischer Entwicklungen. Ein über Jahre hinweg erhöhter Kreditausfall zehrt dabei ebenso massiv an der bilanziellen Substanz der Geldhäuser wie die weltweit hohe Staatsverschuldung, die zu deutlichen Abwertungen der in den Bilanzen geführten Anleihebestände geführt hat.
Kurz gesagt: Je länger die Krise der Privatwirtschaft anhält und je stärker sie durch fiskalpolitische Undiszipliniertheit und wachsende Staatsschulden verschärft wird, desto geringer fällt das Kreditvergabepotenzial des Bankensektors aus.
Genau an dieser Stelle sehen wir die Krux der Geldpolitik. So kann die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen und ihre Finanzierungskosten des privaten Bankensektors senken, wie sie will. Die Kreditvergabe entscheidet sich in der Realwirtschaft im Zusammenspiel zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen und den kreditgebenden Banken.
Sollte sich daher der Konjunkturverlauf in Deutschland nicht erheblich aufhellen, wovon bei gegebenen politischen Rahmenbedingungen nicht auszugehen ist, dürfte das Kreditgeschäft auf der einen Seite erheblich erlahmen, während die Kreditausfälle auf der anderen Seite weiter akzelerieren werden. Dies wäre ein weiterer Ausweis für die These, dass sich die deutsche Ökonomie weiterhin tiefer und tiefer in eine Kontraktionsphase hinein bewegt.





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Insolvenzrekord 2025 nicht nur in der Industrie Auch bei Arztpraxen und Apotheken. gibt es Insolvenzrekorde.
2025 haben weitere Apotheken geschlossen.
Wir haben aktuell den niedrigsten Stand an Apotheken seit 50 Jahren.
Quelle:ÖRR
Der Apothekerverband macht für den Insolventanstieg die sinkende und unzureichen gesetzliche Kostenerstattung verantwortlich. Arme Menschen verzeichten so, auf dringend notwendige Medikamente – Zustand wie in 3. Welt Ländern.
Für alle in der Welt hat dieses „Politik-Kartell“ Geld, nur für die eigenen Bedürftigen und Kranken nicht.
Auch karitative Organisationen betteln um Geld in Deutschland, um es dann im Ausland der 3. Welt zu verprassen.
es ist zu befürchten, dass die politik eine von ihr mitverursachte bankenkrise zur schleifung der unabhängigen banken missbrauchen wird.
Das ist doch das misserfolgversprechende sozialistische Planwirtschaftsmodell. Nur so weiter mit der Klimaplanwirtschaft, die sich nur mit Subventionen rechnet.
Vielleicht sollte man sich seine Bank etwas genauer ansehen.
Ich stelle mir da mal vor, wie eine Bank dankbar ist, dass über kleine, prosperierende Medienunternehmen ein, wenn auch kleines, Plus verlässlich erwirtschaftet wird. Z.B. per Internetradio.
Wenn mittelständische Betriebe, Handwerksbetriebe, Bäckereien und Händler vor Ort, die auf persönliche Finanzierungsberatung angewiesen sind, dann sind sie wenn es eng wird , verraten und verkauft ! Fast jedem Privatkreditnehmer wird doch eine Kreditausfallversicherung (aus dem eigenenHaus ) aufs Auge gedrückt , daher können die Verluste nicht kommen.
Kann ich ein Lied von singen – bin Solo-Selbständiger gewesen und jetzt schlage ich mich mit Gelegenheitsjobs durch. So machen das auch andere – ich kenne einige Leute, die das machen MÜSSEN. Was die Finanzdecke der Banken angeht, so weiß ich nicht, ob der Run auf Edelmetalle sich hier auswirkt. Auch hier kenne ich nicht wenige Leute, denen erstens die Gebührenpolitik der Banken gegen den Strich geht und die zweitens keine Lust haben, wenn ihre Guthaben (so noch vorhanden – sic) zusehens schmelzen. Diese Leute ziehen dann sukzessive ihr Geld ab, lassen nur noch das auf den Konten, was für… Mehr
es ist das erklärte ziel der eu, die anzahl der banken zu verkleinern, einige grosse too big to fail banken statt vieler kleiner, dabei waren es die vielen kleinen sparkassen und volksbanken, die den erfolgreichen deutschen mittelstand erst möglich machten. ein weiterer hebel zur deindustrialisierung.
All die verursachten finanziellen Belastungen der Politik auf die Wirtschaft und Privatleute durch Klimawahn und Asylwohlfühlausgaben, und das Geld verschleudern ins Ausland kommt irgendwann an sein Ende. „There is no free lunch“.
Oder anders ausgedrückt: Der Sozialismus funktioniert so lange bis das Geld der anderen Leute ausgeht. So langsam scheint mir, dass dieses Geld ausgeht und man keine anderen Leute mehr findet.
Kredite sind nicht das Geld anderer Leute.
Der Geldverleiher, der nutzt für sein Geschäft das Geld anderer Leute.. Abet Banken erschaffen (girieren) mittels Buchungsvorgang, der die Bankbilanz lediglich verlängert, komplett neues „Geld“.
Ich verstehe die Panikmache hier nicht. Rekord-Insolvenz, Wirtschaft in der Krise,… . Seit 2021 ist Deutschland dabei möglichst schnell klimaneutral zu werden. Klimaneutralität heißt Deindustrialisierung! Unseren „demokratischen“ Parteien war und ist das klar. Deshalb tun sie alles, damit der Weg dorthin möglichst schnell geht. Leider haben die Scholz-Regierung und auch die Merz-Regierung vergessen dem Wähler zu sagen, das Klimaneutralität auch Verarmung heißt. Statt dessen hat Scholz noch fröhlich verkündet, uns stehe ein Wirtschaftswunder wie in den 1950er Jahren bevor. Vielleicht hat er aber auch nur gemeint, uns stände ein negatives Wirtschaftswachstum bevor, mit dem wir unser grünes (oder hat er… Mehr
Aber gelogen hat der Scholz ja nicht: aus einem ehemals reichen Land nun ein armes zu machen, ist ja auch irgendwie ein Wirtschaftswunder. Nur halt umgekehrt! Aber das sollen uns Andere erstmal nachmachen…
„kurzum: halt eben so lang, wie sich CDU-Wähler das noch antun.“ Vermutlich dann, bis auch CDU-Wähler spüren, daß sie ärmer werden. Aber das kann dauern, CDU-Wähler gehören ja nicht unbedingt zu den Armen, die Flaschen sammeln müssen.
Ein CDU-Wähler der sein Häuschen verliert, gehört auch sehr schnell zu den Armen. Die Frage ist nur, ob er realisiert wer ihm das eingebrockt hat. Wahrscheinlich nicht, denn sonst wäre er kein CDU-Wähler.
Das Problem eines Großteils der satten Mittelschicht ist, dass sie nur aus Schmerzen lernen.
Was erwarten Sie von Leuten, die es immer noch nicht realisiert haben, was für eine giftige Brühe sie sich vor ein paar Jahren einspritzen ließen!?
Der Mensch lernt auf dieser Ebene wenig bis nichts.
Eine Rechtfertigung fürs eigene Fehlverhalten ist immer noch einfacher als die Erkenntnis, man habe falsch gehandelt.
Entschuldigung, der Kommentar gehört zu einem anderen Artikel. Ist mir irrtümlich passiert.
Auch wenn Unionswähler verarmen, stellen sie die politischen Ursachen nicht fest. Sie schieben die Schuld auf alles andere. Es sind immer nur ungünstige Umstände, deren Opfer die Union ist und die sie am großen Wundervollbringen hindern. Die, die zuletzt immer noch Union gewählt haben, werden es auch weiterhin tun. Sie würden noch Union wählen, wenn Heidi Reichinnek Vorsitzender wäre.