Harte Kritik an Merz’ Wirtschaftspolitik – feige geäußert

17 Unternehmerverbände protestieren gegen das deutsche Lieferkettengesetz. Ihre Kritik könnte vernichtend sein. Doch den Unternehmern fehlt es an Mut und Größe, durch die Vordertür zu gehen – sie kratzen wie Bittsteller am Dienstboten-Eingang.

picture alliance / dts-Agentur | -

Zwei Regierungserklärungen stehen in dieser Woche auf der Tagesordnung des Bundestages. Am Freitag geht es um die Wirtschaftspolitik der schwarz-roten Koalition und um ihre Reformvorhaben. Eine Regierungserklärung zur Außenpolitik hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) bereits an diesem Donnerstag gehalten. Doch selbst, als es um Außenpolitik ging, konnte Merz die Wirtschaft nicht außen vorhalten. Zu sehr hängen seine Phantasien, ein angesehener Staatsmann zu werden, mit der Kraft der nationalen Wirtschaft hinter ihm zusammen.

Regierungserklärung zur Außenpolitik
Friedrich Merz will „die Sprache der Machtpolitik lernen“
Entsprechend sollte folgende Meldung wie ein Hammer einschlagen: 17 Wirtschaftsverbände haben die Reformpolitik der schwarz-roten Bundesregierung heftig kritisiert. Es geht um das nationale Lieferkettengesetz. Die Umsetzung einer EU-Richtlinie. Die Regierung Merz hat entgegen aller Versprechen einen Entwurf vorgelegt, um die schweren Folgen dieses Gesetzes für die deutsche Wirtschaft zu mildern. Dieser Entwurf sei aber unzureichend, kritisieren die Wirtschaftsverbände.

Das Lieferkettengesetz verpflichtet Unternehmen dazu, die Herkunft ihrer Waren bis in die letzte Schraube nachzuweisen. Das führt dazu, dass die bürokratische Last für die Unternehmen ins Unzumutbare steigt und sie entweder handlungsunfähig oder gesetzesbrüchig werden. Zwar streicht die Regierung in dem Entwurf einige Dokumentationspflichten. Doch sie hält an den „Sorgfaltspflichten“ fest. Was in der Praxis dazu führe, dass die Unternehmen eben doch alles „kleinteilig“ dokumentieren müssen, kritisieren die Verbände. Damit geht Deutschland immer noch über das hinaus, was die EU eigentlich fordert. CDU, CSU und SPD sollen das Gesetz daher stoppen.

Das ist eine harte Forderung. Das trifft die Regierung Merz an einem Punkt, dem sie selbst hohe Priorität einräumt. Können sich CDU, CSU und SPD diesem Druck also überhaupt noch entziehen? Ja. Locker. Denn die Funktionäre der Verbände machen es ihnen einfach, sie in der Sache zu überhören. Sie treten nicht wie mutige Reformatoren auf, die ihre Thesen an die Pforte der Bundesregierung schlagen.

Konjunkturprognose der Bundesregierung
„Aufschwung“ schwächelt trotz der staatlichen Milliarden aus der Schuldenorgie
Die Funktionäre der Wirtschaftsverbände wählen den Dienstboten-Eingang. Sie spielen das dazugehörige Papier ans RND. Journalisten, die von der gleichen Regierung bevorzugt gewählt werden, um ihre Vorhaben vorab zu proklamieren, weil sie auf ein regierungsfreundliches Echo hoffen dürfen. Der Vorab-Veröffentlichung in den RND-Medien lassen die Verbände erstmal keine öffentliche Erklärung folgen. Statt selbstbewusste Reformer sind sie Dienstboten aus feudalen Zeiten, die devot am Hintereingang harren und hoffen, der Herr möge ihnen gnädig gestimmt sein.

Die deutsche Wirtschaftskrise ist gewaltig: Stagnation über Jahre hinweg. Es wäre ein Schrumpfen, wenn die Regierung Merz nicht mit ihrer gewaltigen Schuldenorgie geliehenes staatliches Geld in den Umlauf pumpen würde. Die Arbeitslosigkeit wächst, obwohl es gleichzeitig einen Arbeitskräftemangel gibt – oder geben soll. Für eine solch gewaltige Wirtschaftskrise müssen sich vielfältige Gründe finden lassen.

Und in der Tat: Die Feigheit und der Opportunismus der deutschen Wirtschaftsfunktionäre ist ein Grund, warum die deutsche Wirtschaft so vor die Wand fahren konnte, wie sie es seit über einem Jahrzehnt tut. Die Funktionäre hätten alles Recht, fordernd und selbstbewusst aufzutreten. Doch stattdessen agieren sie devot wie Dienstboten in feudalen Zeiten. Die Einladung zur nächsten Berliner Party ist ihnen wichtiger als der Zustand der Wirtschaft. Statt Reformen zu bekommen, lassen deutsche Wirtschaftsfunktionäre sich mit Lachshäppchen abspeisen. Buchstäblich.

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Kommentare ( 8 )

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P. Pauquet
38 Minuten her

Welche katastrophalen Folgen die Politik der letzten 30 Jahre bis zum heutigen Tag hat, wissen wir alle! Energieunsicherheit über Mangel bis zum nicht mehr tragbaren Preis, Steuern auf Alles und Jedes, Amoklauf der Bürokratie und jede Menge andere Sauereien. … Dazu geht es nun zunehmend an unsere persönliche Substanz. Unsere Demokratie und Freiheit, das Grundgesetzt. … Es ist schon in großenen Teilen nur noch ein Text auf Papier. Die Industrie/Wirtschaft hat bestimmte Körperöffnungen genutzt, um ganz nah bei den Mächtigen zu sein, um gemeinsame Sache zu machen und dabei nicht erkannt, dass sie sich selber abschießt. Heute wird gejammert über… Mehr

Last edited 34 Minuten her by P. Pauquet
Klaus D
49 Minuten her

Dienstboten-Eingang……ist ja auch doof auf der einen seite zu fordern siehe HDE der auch auf der liste ist* aber sich dann bei denjenigen über anderes zu beschweren. Wäre so als wenn ich zu meinem chef gehe nachdem ich mehr lohn gefordert habe und mich über die neuen arbeitszeitregeln beschwere. Kommt super an! Und wenn wir schon dabei sind das dieses lieferkettengesetz falsch (schwachsinn) ist ja dann bitte auch keine subventionen an die verbände geben denn die sind genau so vernichtend für eine volkswirtschaft. *Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert angesichts belastender Krisen und notwendiger Zukunftsinvestitionen (Digitalisierung, Nachhaltigkeit) verstärkt staatliche Subventionen und… Mehr

RMPetersen
52 Minuten her

Unternehmen hatten in Deutschland nie soviel politischen Einfluss wie zB die in den USA oder Frankreich.
Vielleicht am meisten bei dem Schwenk vom Freihandel zur Abschottung nach dem Gründercrash 1873/74. Und nach 1933 ebenso wenig wie jetzt.

Logiker
1 Stunde her

Es sind doch nicht nur die feigen Wirtschaftsfunktionäre.

Es sind alles Systemkader an der Spitze von Berufsverbänden, IHKs, kassenärztlichen Vereinigungen, Lehrerverbänden usw. usf.

Alles Berufsfunktionäre, die dem System treu dienen, weil sie davon persönlich profitieren. Oftmals schon allein nur durch die Tatsache, dass es ihren Job überhaupt gibt.

Genau das ist es, was außerparlamentarisch evaluiiert werden muß – alles, was auch nur irgendwie systemabhängig ist.

Wer es in diese Jobs geschafft hat, war kein Rebell, sondern systemkonform.

Last edited 57 Minuten her by Logiker
H. Hoffmeister
1 Stunde her

Herr Thurnes, Ihre Einschätzung „Die Feigheit und der Opportunismus der deutschen Wirtschaftsfunktionäre ist ein Grund, warum die deutsche Wirtschaft so vor die Wand fahren konnte, wie sie es seit über einem Jahrzehnt tut.“ trifft es ganz genau. Es sind halt überwiegend angestellte Manager, die sich nicht ihrem Unternehmen verpflichtet fühlen, sondern der Politik anbiedern. Dies gilt im übrigen auch für die meisten Verantwortlichen in Eigentümer-geführten Firmen. Selbstzerstörerischer Opportunismus und fast schon pervers zu nennende Staatsgläubigkeit sind die Regel. Am Ende haben alle verloren, wenn sie Figuren wie Merkel, Trittin, Habeck, Merz, Klingbeil etc ihr Schicksal wieder und wieder anvertrauen.

Unterthan
1 Stunde her

Ich denke, man hat ganz einfach Angst vor dem medialen Dauerfeuer aus ÖRR und angeschlossenen Organisationen. Das ist nun leider sehr verständlich. Die Landwirte haben diese einseitige Kommentierung und Berichterstattung schon erleben müssen. Insofern tasten sie sich beim RND erst mal vor. Wenn die schon patzig reagieren sollten, zieht man die Kritik vermutlich wieder zurück.

Will Hunting
1 Stunde her

Seltsamerweise hat niemand ein Problem damit, sich ohne unabhängige Expertisen, hunderttausende Euro aus dem Kreuz leiern zu lassen.
EGG, PV, E- Autos, überteuerte Energie ect.
Solange das flutscht, jammert leise.
Das geht alles in Richtung Anlagebetrug.
Aber lt. Sparkasse Gelsenkirchen ist die Kriegskasse gut gefüllt.
So, well done.

Alf
1 Stunde her

Die Feigheit und der Opportunismus der deutschen Wirtschaftsfunktionäre ist ein Grund, warum die deutsche Wirtschaft so vor die Wand fahren konnte, wie sie es seit über einem Jahrzehnt tut. 
Es sind nicht nur Mitläufer.