Die Krise von Hormuz erteilt den Europäern eine Lehrstunde. Wer Energiepolitik strategisch falsch interpretiert und in ideologischem Moralin verkocht, steht eines Tages mit dem Rücken zur Wand. Die Stunde der Entscheidung naht.
IMAGO / ZUMA Press Wire
Mit der Moral ist es eine komplizierte Angelegenheit. Ethisch-humanistisch fundiert vermag sie Gesellschaften zu stabilisieren und zur Prosperität zu führen. Allerdings ruhen in ihr auch die fatalen Kräfte des Fanatismus. Kräfte, die sich zu wahren Massenpsychosen emporschrauben und gesellschaftlich manifestieren können.
Es ist daher verständlich, dass es denjenigen, die ihr Leben ethisch und rational fundiert haben, schwerfällt, die Beweggründe von Individuen nachzuvollziehen, die trotz der sichtbaren Energiekrise und des wirtschaftlichen Verfalls am Kurs der Klimapolitik festhalten. Die Net-Zero-Doktrin, die präzise der Eliminierung günstiger Energie entspricht und zur radikalen Umsetzung der Degrowth-Ideologie führen soll, hat in den Kreisen moralisierender Ökosozialisten den Rang einer Ersatzreligion eingenommen.
Ein ganzes Heer subventionierter Energieeffizienzberater, Bio-Zertifizierer und Solar-Subventionsplaner umkreist die gemästeten Subventionstanker der grünen Kunstindustrie wie ein Bienenschwarm.
Der Rückzug von Evonik-Chef Christian Kullmann, der seine scharfe Kritik am staatlichen CO₂-Raubzug zurückgenommen hat, zeigt: Die Theorie der Incentives, die unser Verhalten steuern, beschreibt den grünen Umverteilungsmechanismus, den die Politik etabliert hat, am besten. Jede Subvention ist auch stets eine Art Schweigegeld – ein wirksames Bindemittel im Club der Abkassierer, die das Risiko des Wettbewerbs hinter sich gelassen haben,
Die Spitze dieser parasitären Ökonomie bildet im Grunde genommen der Fördermittelberater. Ihm obliegt die unehrenvolle Aufgabe, das sauerverdiente Geld der Steuerzahler möglichst effektiv in die politisch präferierten Kanäle umzuleiten, wo es dann in den Taschen der Pseudo-Unternehmer und Subventionsjäger ihren Zielhafen findet.
In diesem etablierten Handlungsschema, das weite Teile der Ökonomie infiziert hat, ist es unmöglich, den energiepolitischen Amoklauf mithilfe lautstarker und gewichtiger Stimmen aus der Wirtschaft zu enttarnen. Die Öffentlichkeit bleibt uninformiert und wird von den staatsaffinen, grün-ideologisierten Mainstream-Redaktionen systematisch über die tatsächliche Lage im Unklaren gelassen.
Wählen wir ein Beispiel, ein pars pro toto, um diese These zu untermauern. Nachdem klar wurde, dass die EU-Kommission unter massivem Druck der europäischen Industrie etwas Druck vom Kessel des CO₂-Handels nehmen würde, schaltete der Mediensektor in den Angriffsmodus.
Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) beispielsweise publizierte eine ganze Serie von Artikeln, die diese fingierte Reform des CO₂-Ablasshandels kritisierte. Der Grundtenor der Artikel lautet: Mit der Entkernung, wie die NOZ es nennt, des Emissionshandels setze die EU ein falsches Zeichen. Journalisten, die unbestreitbar der kruden Ideologie des Degrowth folgen und sich ökosozialistischer Ideen verschrieben haben, leisten ihren Beitrag, die Dosis des Gifts, das den Patienten schwer krank gemacht hat, immer weiter zu erhöhen.
Weiter heißt es: „Beim Emissionshandel der EU soll der Industrie in Zukunft ein größerer Puffer gewährt werden, um steigenden Preisen entgegenzuwirken.“
Dann wird es offen parteiisch: „Es wäre ein falsches Signal, nun jene Konzerne zu bestrafen, die massive Summen in Alternativtechnologien gesteckt haben“, heißt es in der NOZ. Kurz zur Erhellung: Diese massiven Summen speisen sich, zum großen Teil aus geraubtem Steuergeld, aus Preisgarantien, die dazu führen, dass Verbraucher überhöhte Kosten zu tragen haben. Ein gewaltiges Extraktions- und Raubschema, das den grünen Korporatismus, die enge Verflechtung grünenideologischer Politik mit Teilen der Wirtschaft beschreibt.
Um dies korrekt einzuordnen: Im vergangenen Jahr erzeugten Wind- und Solarenergie gerade einmal 15 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs Deutschlands. Ein verheerendes Ergebnis nach billionenschweren Subventionen und der systematischen Bevorzugung der grünen Kunstökonomie vor der wesentlich effizienteren Konkurrenz kombustibler Kraftstoffe.
Zu Beginn des Ukraine-Konflikts bezog Europa über ein Viertel seines Petroleums aus Russland. Hier läge die kurzfristige Entlastung für das sich auftürmende Energieproblem. Doch an eine Verhandlungslösung ist nach wie vor nicht zu denken. Es scheint unvorstellbar, aber noch immer mauert der grüne Block und verhindert dank der Medien mit Erfolg die Erschließung eigener Ressourcen. Die Verlängerung der Kohleverstromung und ein rascher Einstieg in das Gas-Fracking liegen im Interesse all derer, die noch an die wirtschaftliche Zukunft ihrer Heimat glauben wollen.
Energiepolitik ist zu einem Spielfeld der Moralisten verkommen, die möglicherweise in der Vergangenheit mit dem Gedanken spielten, sich mithilfe der erneuerbaren Energien aus der Abhängigkeitsfalle zu befreien. Doch muss man nicht technisch versiert sein, um zu ahnen, dass dies in eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Katastrophe führen musste.
Wer sich auf das dünne Eis einer Debatte mit ideologisierten grünen Moralisten wagt, weiß: Es ist nahezu unmöglich, den Vertretern dieser Pseudoreligion klarzumachen, dass ökologischer Fortschritt in der Produktion einzig und sichtbar für alle, die sich nicht hinter der grünen Ideologie verstecken, das Ergebnis des freien Marktes ist. Hier fließen nämlich auch gesellschaftliche Präferenzen für saubere Umwelt, zur Befreiung von Luftverschmutzung und Lärmbelästigung, in den Preismechanismus ein.
Diejenigen, die das leugnen, verfolgen eine politische Agenda. Sie sind in Wahrheit Etatisten, die sich in einem Kontrollregime wohler fühlen als in einer offenen Gesellschaft mit Wettbewerb, in dem jedermann etwas leisten muss, um sein Einkommen zu erzeugen. Deutschland ist ein NGO-infiziertes Gebilde, in dem zu viele Menschen meinen, sich den Eskapismus von Leistung und Realität erlauben zu können.
Doch die Krise von Hormuz und die zum Teil hektisch herbeigeführte Energiekrise hat gnadenlos die Schäden dieser ideologischen Verfehlungen so ehrlich und transparent dokumentiert, wie es zuvor nicht möglich war.
Es ist interessant zu beobachten, dass Teile der politischen Phalanx nun die Nerven verlieren und die Rückkehr zur Atomkraft fordern, während die Abteilung für öffentliche Zerstreuung in den Medien nibelungentreu und unbelehrbar die Erzählung des Märchens von der CO₂-bedingten Klimaapokalypse fortschreibt.
Dass es ökonomisch für Deutschland und die EU nicht gut ausgehen wird, ist offensichtlich.
Die Klima-Apologeten dabei zu beobachten, wie sie künftig mit Dissidenten verfahren werden, ist allerdings bestes Comedy-Gold.





Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein