Mehr Pendler sollen auf die Bahn – aber die fährt weniger

Die Litanei ist immer dieselbe: weniger Autos, Reisen, dafür mehr Zug, mehr Bus. Pendler sollen deutlich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen und »umsteigen«. Doch wohin?

John MacDougall/AFP/Getty Images

Noch so ein genialer Vorschlag rotgrüner Aktivisten: Das Pendeln mit dem Auto muss teurer werden. Das ruft vehement ein Spiegel-Autor in die Runde. Immer nach dem neuen Lieblings-Motto: »Mehr Geld für CO2«. Nein, die Abzocke soll nicht nur Abzocke sein, sondern das Verhalten von Bürgern und Unternehmen soll geändert werden. Natürlich zum Besseren, und das bedeutet in diesem Fall zum angeblich Klimafreundlichen.

Der Autor hat scheinbar eine diebische Freude daran, mehr Geld von Bürgern zu fordern, die sich ins Auto setzen und oft weite Wege zur Arbeitsstätte in Kauf nehmen. Die Angabe eines handfesten Grundes, welchen Einfluss Deutschlands Pendler auf das Weltklima überhaupt haben, fehlt. Der würde die schöne Verschleierung der üblen Schwindelei vermiesen.

Das Umweltbundesamt will bekanntlich schon seit langem die Pendlerpauschale abschaffen und erklärt, da zwei Drittel der Berufspendler mit dem Auto fahren, wirke diese Subvention dem Klimaschutz entgegen und trage zu Luftverschmutzung, Lärm und Zersiedelung bei.

Die offensichtlich zu hoch bezahlten Umweltbundesamtler propagieren schon lange mit großem Vergnügen eine hohe Maut und andere »schmerzhafte Maßnahmen«. Die seien nötig, um die Pariser Klimaziele zu erfüllen und die eigenen Selbstverpflichtungen einzuhalten. Immer wieder dieselben unsäglichen Worthülsen.

Der CDU ist die ganze Diskussion nicht so recht geheuer. Einerseits will sie weiter ins grüne Horn blasen und Ökoeindruck schinden, auf der anderen Seite fürchtet sie um die letzten Wähler. Sie will Pendler vor finanziellen Belastungen durch die geplante CO2-Steuer schützen und die Kilometerpauschale erhöhen, doch der ganze Schwindel soll natürlich ökologisch ausgestaltet werden und den Bürgern im ländlichen Raum helfen. Unions-Fraktionsvizechef Andreas Jung: »Wenn mit der CO2-Bepreisung fossile Kraft- und Brennstoffe schrittweise teurer werden, muss es im Gegenzug finanzielle Erleichterungen geben.« Er will die Beutelschneiderei »Mobilitätspauschale« nennen.

Die Litanei ist immer dieselbe: weniger Autos, Reisen, dafür mehr Zug, mehr Bus. Pendler sollen deutlich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen und »umsteigen«. Doch wohin? Vor allem die Bahn ist an ihren Grenzen angekommen, zu wenig Lokführer, zu wenig Fahrdienstleiter, zu wenig Strecken – mehr geht nicht mehr. Niemand sagt, wie Bus und Bahn ausgebaut werden sollen.

Den Segen des so genannten öffentlichen Personennahverkehrs erfuhren gerade Berufspendler in Dresden: Sie wollten am Morgen in die Züge der Städtebahn Sachsen einsteigen, warteten an den Haltestellen – doch es kam kein Zug. Das Unternehmen verbindet normalerweise die Städte Dresden, Neustadt, Königsbrück, Kamenz, Pirna oder Altenberg, tausende Pendler benutzen die Züge täglich. Doch jetzt hat das Unternehmen von einem Tag auf den anderen den Betrieb komplett eingestellt.

Die Kosten aufgrund von Gleistraßen, die in einem erbärmlichen Pflegezustand seien, stiegen so hoch, dass die Liquidität des Unternehmens massiv belastet wurde. Mehrfach seien Züge mit Bäumen kollidiert, die auf die Zugstrecke ragten oder auf die Schienen gefallen waren, beschwerten sich der Geschäftsführer der Städtebahn Torsten Sewerin. Durch diese Kollisionen seien Schäden in einem siebenstelligen Eurobereich entstanden. Schadensersatzprozesse aber sind langwierig und teuer.

Die Städtebahn Sachsen: »In Folge dessen gab es Diskussionsthemen zwischen verschiedenen Stakeholdern die nunmehr überraschend Ende der vergangenen Woche in einer rechtlichen Auseinandersetzung gemündet haben.«

Die Schienenanlagen gehören der Deutschen Bahn, die für die Benutzung durch Züge der Sachsenbahn so genannte Trassenpreise in Millionenhöhe erhält.

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Kommentare ( 79 )

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Das ist mal wieder typisch deutsche Politik! Seit Jahrzehnten wird nicht nur zu wenig in die Bahn investiert – das machte man unter Mehdorn lieber im Ausland – und baute ganze Streckennetze in ländliche Gegenden ab und jetzt schwadronieren die gleichen Verantwortlichen, die Menschen sollen mehr Bahn fahren.
Ich muss mal nachschauen, was genau man unter Schizophrenie versteht………..

Nachdem die Politik dafür gesorgt hat,
dass der Bürger aufs Land gezogen ist,
pendeln muss, muss jetzt Neues gedacht werden: für eine geringe Monatsrate müsste ihm jetzt ein E-Auto zur Verfügung gestellt werden, damit seine Mobilität gewährleistet ist. Ein Umbau des ÖPNV in die Fläche ist nur langfristig möglich, wenn überhaupt wünschbar und bezahlbar.
Die Autoindustrie wäre vorausschaubar ausgelastet, das Konkurrenzdenken der Automobilbesitzer wäre ausgeschaltet.
der Gedanke könnte auch weiter ausgebaut werden.
Strombedarf wäre berechenbar – Atomstrom nach neuer Technik.

In den 70er Jahren fuhr ich werktäglich mit der Bahn zum Dienst. Die fuhr alle halbe Stunde. Das war nicht optimal. Ein 15- oder 20-Minuten-Zyklus wäre mir lieber gewesen. Aber es war akzeptabel. Plötzlich in den 80ern führte die Bahn einen Zyklus von einer Stunde ein. Das war nicht mehr akzeptabel. Da versuchte ich es mit einer Pendlergruppe. Das war auch nicht optimal. Es gab zu häufig Terminprobleme, bei denen man dann doch mit der Bahn fahren musste. So stieg ich schließlich auf einen zu beschaffenden Zweitwagen um. Das brachte die größte Freiheit. Im letzten Jahr wurde nach ca. 25… Mehr
Ich glaube, ein Hauptziel aller Maßnahmen ist der „Grad der Erschöpfung“, der immer noch weiter gesteigert werden soll und werden wird. Gegen vielerlei Härten anarbeiten. Vielerlei Personengruppen mitversorgen. Notgroschen, von dem man im Alter Brot kaufen wollte, erzwungen für klimadekadente Maßnahmen ausgeben müssen. Dadurch noch mehr Zukunftsverzweiflung. Aber auch Zeitaufblähung für Arbeitsweg mit Öffis, zusätzlich Enge, Aggression, Stress. Ungleichbehandlung allüberall. Usw. Usw. Es geht mMn nicht nur um die finanzielle Belastung, sondern auch und vor allem um einen psychischen Angriff. Mehr Belastung, weniger Freizeit, keine Erholung. Weniger Informationsbeschaffungszeit, keine Kraft für Widerstand. Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Ich habe täglich mehr das… Mehr

Sie beschreiben gut untersuchte Stressreaktionen, die tatsächlich als lebensverkürzend betrachtet werden können. Was Wunder, bei allem, was der Einzelne tagtäglich abfedern soll.
Und da die Abreaktion nicht nach außen erfolgen darf, frisst der einzelne Wut und Zorn in sich hinein, bis er platzt.

Ich sehe hier schon wieder ein Problem, was vom Ende her angegangen wird. Die Pendler sollen umsteigen. Punkt. Aber wenn ich (als Politiker, der an seine Sache glaubt) das doch möchte, dann muss ich doch erst einmal schauen, ob für die Umsetzung meiner Idee auch schon alle Voraussetzungen geschaffen wurden! Heißt, ein breites, funktionierendes Schienennetz, genug Material (welches auch fährt, wenn es schneit oder heiß ist), Personal für alles drumherum, die Anbindung an den ÖNV etc. pp. Habe ich das nicht _wie im vorliegenden Fall in Deutschland_ dann muss ich ZUERST das alles ausbauen! Wenn es dann reibungs- und verspätungslos… Mehr

Es ist bei Merkel bei all „ihren“ Entscheidungen alternativlos, dass zunächst Infrastruktur abgeschaltet wird, bevor funktionierender Ersatz bereit steht.
Bei der Migration ist es sogar so, dass nie entsprechende Infrastruktur in ausreichendem Maße zur Verfügung stand.
Hut ab, dass man mit solcher Politik in Deutschland durchkommt! Sollten Wahlen nicht gefälscht sein, sagt das natürlich auch viel über die Wähler aus.

Eine Bekannte arbeitet in Köln, kann sich jedoch kein Auto leisten. Sie benötigt für eine Strecke 2-2,5 Stunden. Und das in einer Großstadt. Wen wollen diese Idioten eigentlich verarschen?

Warte, warte nur ein Weilchen,
dann kommt Habeck auch zu dir,
Annalena und ihr’sgleichen
machen Steuervieh aus dir.
Für die Haltung sorgt die STASI
Deine Meinung zählt’n Dreck,
deinen Diesel fährt wer and’res,
und das Pack, ja das kann weg.

Also: immer schön weiter die Totmacher wählen, dann wird das schon.

Es ist doch immer dasselbe mit den Rotgrünen .
Den Kopf in den Wolken und den Rest bist zum Hals im Schlamm .
Und sowas will diesen Staat,diese Klima retten .
Lächerlich !

Ich bin seit Jahrzehnten das meiste mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Seit Merkels Grenzöffnung habe ich dabei eine Reihe schlimme Dinge erlebt; Übergriffe auf Frauen ober besser Kinder, bis zu mehreren tätlichen Angriffen auf mich selbst. Alle von jungen Männern mit Migrationshintergrund verübt bzw. offensichtlich erst seit kuzem hier eingewanderte. Die körperlichen Angriffen auf mich fanden meistens in Zusammenhang mit einen Übergriff eines Migranten statt wo ich diesen zurecht wies. Trotzdem ist außer den üblichen wilden Drohungen meistens nichts passiert und ich halte es weiterhin für unbedingt geboten diese Leute bei schweren Grenzüberschreitungen zurecht zu weisen. Was ich sagen will, die… Mehr

Klingt nach indischen Verhältnissen bei der Bahn und Indien gilt ja noch als Entwicklungsland. Obwohl, dort fahren die Züge: Pro Tag werden 22 Mio Passagiere befördert. Armes Deutschland, das von so einer selbsternannten „intellektuellen Elite“, die eigentlich einer Horde irrer Lemminge gleicht, immer weiter an die Wand gefahren wird. Ein Land, in dem von denen, die es aufgebaut haben, bald niemand mehr hier leben will!

Das ist gar nix: In Shinjuku steigen pro Tag (!) 3,5 Millionen Passagiere um.