Die deutsche Düngeverordnung verschärft den Anstieg der Getreidepreise

Historisch sind sie zu nennen, jene Steigerungen, die sich derzeit bei den Getreidepreisen abspielen. Und: Es ist eine explosive Mischung, die sich ankündigt. Verschärft wird die kritische Lage in Deutschland durch schwarz-grüne Landwirtschaftspolitik.

IMAGO / Jochen Tack
Düngung mit Gülle

»Teilweise historische Preisausschläge« bei Getreide, Mais und Ölsaaten wie Raps beobachtet der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse, Thorsten Tiedemann: »Wenn sich die Preise noch eine Weile so halten für Pflanzenöle und für Getreide, dann wird sich das in-nerhalb einiger Monate sicherlich in den Lebensmittelpreisen auch im Supermarkt niederschlagen«, sagte er gegenüber der dpa.

Bei fast allen Agrarrohstoffen meldet die Welternährungsorganisation FAO steigende Preise. Seit sieben Jahren ist mit dem FAO-Preisindex von 31 Prozent über dem des Vorjahres der höchste Stand erreicht. Der Preis für die Tonne Mahlweizen liegt im Augenblick bei 247 Euro, sonst kostete die Tonne rund 170 Euro. Ebenfalls liegt der Preis für die sogenannten Ölsaaten wie Raps mit 553 Euro pro Tonne auf einem historischen Hoch. Ursache laut Welternährungsorganisation FAO: der grüne Run auf Biokraftstoffe.

Für Milchviehhalter, die viel Raps und Soja als Futtermittel benötigen, bedeutet dies sehr hohe Kosten fürs Viehfutter. Ebenso steigen im Schweine- und Geflügelbereich die Futterkosten in immer größere Höhen. Es liegen zudem in den Lagerhäusern zu geringe Vorräte im Vergleich zum Verbrauch – eine explosive Mischung.

Deutlich teurer ist auch der aktuelle Maispreis an der europäischen Börse MATIF mit rund 250 Euro pro Tonne und damit immerhin etwa 70 Euro mehr als vor einem Jahr.

An der maßgeblichen Weizenbörse in Chicago sind die Preise aufgrund neuer Prognosen über Erntemengen etwas unter Druck geraten. Es kann gut sein, dass dies eine Gegenbewegung zu dem doch recht wahnwitzigen steilen Anstieg der Preise bis vor kurzem ist.

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Es läuft jedes Jahr das ähnliche Spiel ab: Regelmäßig liegen die Schätzungen über die Erntemengen über den tatsächlich geernteten Mengen. Dies hat für den Getreidehandel die angenehme Folge, dass die Preise niedrig sind, für die erzeugenden Bauern den unangenehmen Effekt, dass sie zu wenig Geld für ihre Ernte bekommen. Erst im September und Oktober, wenn die Ernte den Handelshäusern gehört, werden die Mengen nach unten korrigiert, und die Preise steigen wundersamerweise wieder.

Doch es gibt derzeit eine Reihe von Hinweisen darauf, dass die Ernte in diesem Jahr nicht so gut wird; denn das Wetter ist schlecht, kühl und regnerisch, und es bleibt vermutlich eine Weile noch so. So liegt der wärmeliebende Mais noch immer weit zurück, der erste Mais sollte eigentlich schon vor 4-5 Wochen aufgegangen sein. Es ist ihm zu kalt, die Pflanzen ziehen es vor, noch unter der Erde zu bleiben. Die positiven Effekte der alten Bauernregel »Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun und Fass« kippen zumindest partiell in das andere Extrem.

Auf einet Reihe von Flächen geraten die Maissaaten zudem unter Druck: überall dort, wo zu viel Wasser auf dem Boden steht und nicht nach unten abfließt. Zu viel Wasser ist Gift für den Mais, wissen die Bauern. Er bekommt zu wenig Sauerstoff, wächst kaum, wird braun.

Insgesamt wird es in diesem Jahr auf der Nordhalbkugel zu viel Wasser und zu viel Kälte geben – schlecht für die Ernten. Auf einer Reihe von Flächen konnten die Bauern bis jetzt noch nicht einmal die Maissaat auf die Felder bringen, weil die zu feucht waren und unter Wasser standen, nicht befahrbar sind. Umgekehrt sieht es auf der Südhalbkugel aus, vor allem Südamerika erwartet geringere Erntemengen.
Ändern kann sich dies, wenn doch noch schnell Wärme und Sonnenschein kommen und bis zur Erntezeit Ende August anhalten. Dies halten viele Bauern mit langer Erfahrung langsam für unwahrscheinlich. So viel zur angeblichen katastrophalen Klimaerwärmung, wie sie gepredigt wird. Warmzeiten waren bisher immer die besseren Zeiten als Kaltzeiten.

Die Rolle der Düngeverordnung in Deutschland

Eine besonders unrühmliche Rolle spielt Deutschland. Ministerin Julia Klöckner hat bekanntlich auf Druck von Umweltministerin Schulze, hinter der zahllose grüne NGOs stehen, eine Düngeverordnung durchgepeitscht, die dramatische Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion in Deutschland hat.

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Die Düngemengen, die die Landwirte auf den Feldern ausbringen dürfen, sind drastisch beschränkt worden, und damit die Zufuhr von Nahrung für die Pflanzen. Die wachsen dadurch nicht mehr gut, als Folge gehen die Erntemengen zurück, vor allem die Erntemengen des qualitativ wertvollen Brotweizens. Dies bedeutet, dass Deutschland mehr Weizen importieren muss, dies trägt ebenfalls zu einer Verknappung des Angebotes und damit höheren Preisen bei.

Deutschland wiederholt damit das dänische Experiment. Dort wurden ebenfalls die Düngemengen aus vorgeschobenen Umweltschutzgründen reduziert, in der Folge war Dänemark kaum mehr in der Lage, seinen Brotweizen selbst zu produzieren, sondern beträchtliche Mengen mussten importiert werden. Erst 2016 wurde dieses Experiment beendet, doch es wird noch mehrere Generationen dauern, bis sich die ausgelaugten Böden wieder erholt haben werden und einigermaßen brauchbare Ernten möglich sind.

Auf die Weizenmärkte wird sich das deutsche Experiment insofern auswirken, als dass die nicht mehr produzierten Mengen von den bereits unter Druck stehenden Weltmärkten importiert werden müssen. Weitere Folgen: höhere Knappheit an Nahrungsmitteln und damit Hunger in ärmeren Ländern, die sich keine teuren Importe leisten können.

Thorsten Tiedemann beobachtet, dass die Selbstversorgung Deutschlands bei Agrarrohstoffen abnehme. Deutschland sei in diesem Getreidewirtschaftsjahr auf einen Nettoexport von nur noch rund zwei Millionen Tonnen gekommen. Früher seien »auch schon mal netto sieben bis zehn Millionen Tonnen« exportiert worden. Tiedemann: »Das sind nicht mal fünf Prozent der gesamten Getreideproduktion, die wir hier übrig haben.«

Bezogen auf sämtliche Lebensmittel jedoch ist Deutschland nur noch zu 85 Prozent in der Lage, sich selbst zu versorgen. Es muss also Lebensmittel importieren, obwohl es zu den Ländern zählt, die von Klima und Güte der Bodenflächen sowie der Leistungsfähigkeit der Landwirte bevorzugt sind.

Noch ist unklar, wie sich die großen Weizenexporteure wie Russland und Ukraine verhalten werden. In Russland wird eine gute Ernte erwartet. Doch es könnten gut Exportbeschränkungen auferlegt werden, die zu einer Verknappung des weltweiten Weizenangebotes beitragen. Denn der Verbrauch vor allem von Weizen steigt schneller als die Produktionsmengen.

China kauft beträchtliche Mengen auf; das Land will auf keinen Fall eine Hungersnot seiner Landsleute riskieren und sorgt vor. Erinnert werden muss daran, dass der eigentliche Grund jener Aufstände in der arabischen Welt, die vielfach als »arabischer Frühling« gedeutet wurden, Hungeraufstände waren, als die Brotpreise ins Unermessliche stiegen.

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Kommentare ( 39 )

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Felicitas21
3 Jahre her

Reden wir hier mal konkret von Gülle. Dort hat die EU erst unlängst Deutschland abgemahnt, weil wir mehr Gülle ausbringen, als laut EU Verordnung zulässig. Dafür sind vor allem die Massentierhaltungen verantwortlich, weniger die kleinen Bauern.

Jan des Bisschop
3 Jahre her
Antworten an  Felicitas21

Reden wir doch mal über Biogas, warum wird die Gülle nicht zu Mathan umgewandelt und in Biogasanlagen verbrannt, keine Luftverschmutzung durch Ammoniak und saubere Gewässer. Statt dessen nur Links-Grünes Gemurkse

F.Peter
3 Jahre her

Nachdem schon länger darüber diskutiert wird, wer sich in Zukunft noch ein Auto leisten können sollte wird jetzt nahtlos dazu übergegangen, die Diskussion auf die Grundbedürfnisse der Menschen auszuweiten. Demnächst wird sich nur noch der gutbetuchte – öfter in Staatsdiensten stehende – noch Kuchen leisten können, vom Sonntagsbrötchen ganz zu schweigen!
Es wird so kommen, wie schon öfter gesagt: Wer Grün wählt wird gequält.
Oder ein anderer aus der Landwirtschaft: Viel Schei… auf dem Feld, viel Grün.
In der Politik ist es umgekehrt!

Peterson82
3 Jahre her

Die Anpassung der Düngemittel-Menge war schon längst ein überfälliger Schritt. Was hierzulande im wahrsten Sinne des Wortes auf die Felder gejaucht wird, hat weniger mit der bedarfsgerechten Düngung der Pflanzen zu tun sondern ist billiges Verklappen von Unrat den man sonst teuer entsorgen müsste. Es gibt unzählige Regionen dessen Oberflächengewässer massiv Nitrat-belastet ist, das Trinkwasser teurer werden lässt weil es teuer gefiltert werden muss und das uns noch über Jahrzehnte Spaß bereiten wird. Mag sein dass man mit massivsten Dünger-Einsatz einen Ertrag erhält der sehr respektabel ist, es ist dennoch ein Ertrag den man sich mit massiven Umweltschäden erkauft und… Mehr

89-erlebt
3 Jahre her
Antworten an  Peterson82

Was meinen sie womit die Äcker in RUS, Ukraine, USA, Canada zu Brotweizen Qualität „gebracht“ werden, von Soja aus Brazil ganz zu schweigen.

Agrophysiker
3 Jahre her
Antworten an  Peterson82

Nur zur Information. Die Düngemengen sind längst beschränkt, insbesondere für Gülle. Und so ist der Grenzwert für Gülledüngung auf guten Grünlandflächen weit unterhalb des Entzugs. Teilweise darf die Differenz immerhin noch mit Mineraldünger ausgeglichen werden. Auch wird längst der Stickstoffgehalt im Boden gemessen. Und der war nach der Ernte auf meinen Feldern (gemnessen!), so niedrig, dass ich er eigentlich nicht einmal für die Verottung des Strohs ausgereicht hat. Deshalb habe ich das abgegeben. Denn Stroh auf den Feld ergibt Humus und bindet bei der Verrottung Stickstoff. Rechnerisch ist es aber umgekehrt. Da entlastet eine Strohabgabe die Düngebilanz und erlaubt so… Mehr

Phil
3 Jahre her

Es stellt sich ernsthaft die Frage wie die Politik das Modern Grand Solar Minimum, in welches wir uns momentan gerade begeben und die dadurch zunehmende Energieknappheit und Ernteausfälle der Klimaerwärmung in die Schuhe schieben werden? Irgendwann merkt auch der letzte Vollpfosten dass die prophezeite Erwärmung nicht stattfindet, er sich wegen Strommangels während 3/4 des Jahres den Arsch abfriert und kein Futter mehr auf den Tisch bekommt. Ich denke mal das man die Grünen und ihre Erfüllungsgehilfen spätestens in 10 Jahren an eben jenen Bäumen aufknüpfen wird, welche noch nicht zum heizen, oder für den Bau von Windrädern abgeholzt wurden.

Wolfgang Schuckmann
3 Jahre her

Letzter Satz. Doch ,doch, nur nicht die, die nach einer gesunden Ratio normal wären.

Publizist
3 Jahre her

Schade, dass der Artikel ein Propaganda-Foto der Grünen und ihrer Gefolgschaft in den Medien für den Titel verwendet. So wie dort darf in Deutschland schon lange kein Bauer mehr Gülle ausbringen; die deutschen Landwirte halten – bis auf Ausnahmen – einschlägige Richtlinen genau ein. Das ändert nichts daran, dass insbesondere kleine und mittlere Betriebe von der Politbürokratie mit immer mehr Verordnungen in den Ruin getrieben werden. Die Folgen sind bekannt: Konzerne, deren Eigentümer sich weder für die regionale noch die ökologische Bedeutung der Landwirte interessieren, betreiben radikale Großflächenwirtschaft, auf denen die Böden zum Nachteil der Biodiversität standardisiert werden. So sieht… Mehr

Wolfgang Schuckmann
3 Jahre her
Antworten an  Publizist

OK, was Sie schreiben triffts ziemlich auf den Kopf. Wenn die bodenständige Landwirtschaft erst Mal beerdigt ist, werden die neuen Besitzer des Landes genau erklären was ein Kilo Brot kosten wird. Ist dies erst Mal geschafft werden die heute den Bauern Knüppel zwischen die Beinewerfenden es genau umgekehrt machen. Sie werden dann den Leuten genau erklären warum dies oder jenes unbedingt verwendet werden muss um die Ernährung sicher zu stellen.

Norbert Gerth
3 Jahre her

Antwort: Dummheit und Gleichgültigkeit. Jedenfalls bei ca. 85% der Bevölkerung zwischen Rhein und Oder. Ansonsten der feste Glaube, dass Strom aus der Steckdose, Geld aus dem Geldautomaten und Lebensmittel vom ALDI kommen.

StefanH
3 Jahre her

Erinnert schwer an Argentinien: Da sind die Rinderzüchter so hoch besteuert – zwischenzeitlich sogar mit Exportsteuer, damit mehr Rindfleisch für die Ärmeren im Land bleibt -, dass sie keine Lust mehr auf Rinderzüchten hatten und auf Getreide oder Soja umstiegen. Was dazu führte, dass es bald nicht mal mehr für die eigene Bevölkerung reicht und nun ein Exportstopp verhängt wurde. Die umliegenden Länder lachen sich ins Fäustchen …

Alfonso
3 Jahre her

Niemand zwingt die Wähler das links-grüne Parteienkonsortium CDSUFDPSPDGRÜNELINKEFW zu wählen, sie tun es freiwillig.

nachgefragt
3 Jahre her

So sieht es aus! Es wird hier keinen „Nahrungsmittel-Nationalismus“ geben, wie auch schon keinen „Impfstoff-Nationalismus“ oder „Energie-Nationalismus“. Hier wird konsequent jeder Fortschritt bekämpft, jedes lebensnotwendige Gut so sehr verknappt, dass nur noch Wohlhabende und Wohlmeinende privilegiert versorgt werden. Ansonsten gilt: Zuerst wird Europa und die ganze Welt versorgt, die dreckigen Deutschen kriegen, was übrig bleibt. Den ganzen Schwachsinn bezahlen, was alles auch noch verteuert wurde, das ist für unsere Wohlfühlpolitiker Ehrensache. Es ist schließlich nicht ihr Geld. Sie nehmen es sich nur. Da kann man auch mal großzügig sein und eine Runde ausgeben, alle einladen.