700 Jahre Braukunst – und jetzt Insolvenz

Jetzt trifft es die nächste große Brauerei. Sieben Jahrhunderte Brautradition schützen nicht vor Deutschlands Standortkrise: Die Aktienbrauerei Kaufbeuren ist insolvent. Für 84 Mitarbeiter beginnt das Zittern, bis zur Hälfte der Arbeitsplätze könnte fallen.

IMAGO / MiS

Die Krise der deutschen Brauereien trifft die nächste Traditionsmarke: Die Aktienbrauerei Kaufbeuren, deren Wurzeln bis ins Jahr 1308 zurückreichen, hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Mehr als sieben Jahrhunderte Braugeschichte geraten damit ins Wanken.

Der Betrieb soll vorerst weiterlaufen, Kunden würden weiter beliefert, versichert Sanierungsexperte Volker Peter Zimmerer. Doch für die 84 Mitarbeiter beginnt eine ungewisse Zeit. Die Gehälter sind nur für drei Monate über Insolvenzgeld gesichert; nach BILD-Informationen könnten bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.

Als Gründe nennt der Sanierer stark gestiegene Energiekosten, einen hohen Personalbestand und zu wenige neue Produkte, etwa im Bereich alkoholfreier oder zuckerarmer Sorten. Dazu kommt ein Grundproblem der Branche: Die Deutschen trinken immer weniger Bier. 2025 soll der Konsum um 5,8 Prozent gesunken sein, der Abwärtstrend setzt sich fort.

Kaufbeuren ist kein Einzelfall. Laut Deutschem Brauer-Bund gaben in den vergangenen sechs Jahren 137 Brauereien in Deutschland auf. Auch große Namen schließen oder verkaufen Standorte. Was früher als Inbegriff deutscher Genusskultur galt, steht heute unter Kostendruck, Konsumwandel und Standortlasten.

Die Insolvenz der Aktienbrauerei Kaufbeuren ist damit mehr als eine Firmenmeldung: Wieder ein weiteres Warnsignal aus dem deutschen Mittelstand.

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Kommentare ( 29 )

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Kraichgau
1 Tag her

Wo immer weniger „bio-„deutsche leben,wird auch immer weniger Bier getrunken,während sheesha-bars florieren…wie kann das nur so kommen?

ThomasP1965
8 Stunden her
Antworten an  Kraichgau

Natürlich sind, wenn man entsprechend strukturiert ist, die Ausländer an allem schuld. Das ist auch so schön einfach. Einen Sündenbock zu haben ist prima, dann muss man in einer komplizierten Welt nicht mehr nachdenken.

GEZ zahlende Ratte
1 Tag her

Vielleicht hätten sich die Brauer mit Müller-Milch zusammentun und ein zu Kalkutta-Germoney passenderes Ayran o.ä. entwickeln sollen… Immerhin hat 2.-Wahl-Merzel, der nicht straflos Lügenfritz genannt werden darf, die Braubranche nicht wie z.B. die Luftfahrt zur Schlüsselbranche erklärt… So gibts noch Hoffnung dass der ein oder andere Betrieb seine Nische findet bzw. besser ausnutzt…

Apfelmann
1 Tag her

Es trinken immer weniger Menschen Bier. Das ist kein Zukunftsgeschäft. Ausserdem trinken die immer zahlreicher vertretene Muslime keinen Alkohol. Das ist also ein Branchenproblem und nicht mit Wirtschaftsschwäche o.ä. zu erklären. Dafür werden viel mehr Energydrinks und Alkoholfreie Getränke verkauft. Also eher ein Verschiebung. Schlaue Unternehmen können das kompensieren, Reine Bierbrauerein werden es in Zukunft schwer haben.

Kraichgau
1 Tag her
Antworten an  Apfelmann

stimmt so nicht,effes und alk-freie Biere sind bei musels gar nicht so unpopulär,weiss es aus Erfahrung in den Herkunftsländern

P.Z.
1 Tag her

Saufen gegen die Pleite, was für ein hirnloses Argument.
Ich empfehle allen Mitarbeitern dieser Firma und natürlich auch der Geschäftsleitung einschließlich ihren Aktionären sich noch einmal in Erinnerung zu rufen, wo genau man bei der letzten Wahl auf dem Wahlzettel sein Kreuz gemacht hat. Vielleicht führt das ja zu völlig neuen Erkentnissen.
Gilt übrigens gleichermaßen für fast alle Firmen in diesem „besten Deutschland, das wir je hatten „denen das Wasser gerade Oberkante Unterlippe steht.

P.Z.
1 Tag her

Saufen gegen die Pleite! Was für ein hirnloses Argument.
Ich empfehle, dass sich die Mitarbeiter dieser Firma und natürlich auch die Geschäftsleitung einschließlich ihrer Aktionäre noch mal in Erinnerung rufen, wo genau sie ihr Kreuz bei der letzten Wahl gemacht haben.
Vielleicht führt dieser Vorgang zu gewünschten neuen Erkenntnissen.
Gilt übrigens auch für fast alle anderen Unternehmen, denen das Wasser gerade Oberkante Unterlippe steht. 😎😃😃

Wilhelm Roepke
1 Tag her

Ich bin zwar entsetzt über die Wirtschaftspolitik der Regierung, aber dafür würde ich ihr dann doch keine Schuld zuweisen wollen. Wer heutzutage kein alkoholfreies Bier braut, ist selbst schuld. Und dass die Deutschen Millionen Muslime ins Land lassen und auf eigene Kinder verzichten, läuft jetzt auch schon seit über 60 Jahren. Hinzu kommt die gute Trinkwasserqualität: Bier war aufgrund des Alkohols immer der Garant der Keimfreiheit der Flüssigkeit, ähnlich wie Most, Cidré, Wein, Sekt, etc, und Kalorienlieferant bei Lebensmittelknappzeit gerade zur Fastenzeit am Ende des Winters. Das braucht es einfach nicht mehr, unser Wasser ist ausgezeichnet und Lebensmittelknappzeit herrscht auch… Mehr

Antaam
23 Stunden her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Da halte ich gegen: Es kommt ganz darauf an, WO man lebt. Als wir in Neustadt/Weinstraße lebten, konnten wir das Wasser aus der Wasserleitung trinken. In Leipzig dagegen, wo wir seit der Rente wieder wohnen, schmeckt das Leitungswasser überhaupt nicht. Es ist ein bisschen Chlor o.ä. beigemischt. DAS trinke ich nicht! Übrigens Bier. Alkohol an sich ist nicht schädlich. Es kommt auf die Menge an. Ich habe schon alkoholfreies Bier getrunken. Es schmeckt nicht. Da fehlt etwas zur Abrundung. Natürlich die mittleren Jahrgänge und die jüngeren Jahrgänge kennen ja meist nur Industriefraß von Mc und Co. sowie Döner, Pizza usw.… Mehr

twsan
1 Tag her

Man sollte eine Mitarbeiterbefragung durchführen:

„Wen haben sie gewählt?“.

Ggf. als Endfrage: „Warum haben Sie das Ende ihres Betriebes gewählt…?“

Last edited 1 Tag her by twsan
Hans Nase
1 Tag her

Nicht verwunderlich:

  • Viel „Neubürger“ trinken halt keinen Alkohol.
  • Den länger schon hier Lebenden wurde über viele Jahrzehnte ausschließlich die Gefahren von Alkoholgenuss eingetrichtert.
  • Biertrinken ist Tradition. Und Traditionen werden dem Bürger ebenfalls seit Jahrzehnten als gestrig, verstaubt, uncool oder gar rechts madig gemacht

Auf gut deutsch. Das Brauereisterben ist die direkte Konsequenz des Versagens der Konservativen…

Autour
1 Tag her

Tja die Fehler sind ja beschrieben… wer es nicht schafft auf die Alternativen umzusteigen wird es schwer haben gerade auch wenn sein Bier sich nicht signifikant vom Einheitsbrei unterscheidet…
Auch sind die deutschen Brauerreien mit dem Brauereigesetzt geknebelt… man hat gar nicht wirklich die Möglichkeit so wie z.B. in Belgien zu experimentieren und neues zu wagen weil es dann auf einmal nicht mehr Bier heissen darf…
Tja,… so sind sie halt die Deutschenumstandskästen… weil nicht sein kann was nicht sein darf… gute nacht

Koepenicker
1 Tag her
Antworten an  Autour

Die Regelungen für sogenannte „besondere Biere“ (§ 9 Abs. 7 ,BierstG) ,wird dann auch noch von den Bundesländern unterschiedlich ausgelegt.
Was z.B. in Berlin oder Hamburg immer noch Bier heißen darf ,darf es in Bayern noch lange nicht. Das Gute daran ist allerdings ,dass Chemische Zusätze, künstliche Aromen oder Konservierungsstoffe auch weiterhin strikt verboten bleiben.

Or
1 Tag her
Antworten an  Autour

Nun ja, die Belgier bezeichnen ihr Bier auch nicht wirklich als Bier, bzw. es hat dort viele Namen.

Sei‘s

Blondes, Oud Bruin, Dubbel, Tripel, Quadrupel, Blanche, Lambic, Gueuze, Kriek, Kwak

um nur Einige zu nennen.

Aber deren Vielfalt ist beeindruckend !

Koepenicker
1 Tag her

Ruinöser Preiskampf und Monopolbildung fordern das nächste Opfer. Solange Bier nach dem Prinzip ‚Geiz ist geil‘ für 9,99 € verramscht wird, sterben unsere Traditionsbrauereien aus. Wir brauchen endlich Wettbewerbshüter mit Zähnen, die den Mut haben, diese Riesen-Strukturen zu zerschlagen. Stirbt der Mittelstand, verliert Deutschland nicht nur Geld, sondern auch seine Identität!

Or
1 Tag her
Antworten an  Koepenicker

Schwierig.

Meiner Meinung nach, müsste dem Käufer klar gemacht werden, daß Bier Handwerk ist.
Das Bier Jahrhunderte alte Tradition ist.
Das, wenn als Ingredienz „Hopfenextrakt“ drauf steht, man an dem Bier ein großes Fragezeichen machen kann.

Ich persönlich kaufe nahezu ausschließlich Nicht-Werbe-Biere, bzw. wenn’s geht, lokal, oder von bewusst kleinen Brauereien.

Lucius de Geer
1 Tag her
Antworten an  Or

„…daß Bier Handwerk ist…“ – So ein Quark, das ist seit dem 19. Jh. ein industriell hergestelltes Massenprodukt mit hohen Qualitätsstandards. Handwerklich könne Sie Ihr eigenes Bier in der Garage brauen.

Or
1 Tag her
Antworten an  Lucius de Geer

Dann schauen Sie mal in kleinere Brauereien, bzw. besuchen Sie die mal, lassen Sie sich dort rumführen.
Macht Spaß und da können Sie noch was lernen.

Koepenicker
1 Tag her
Antworten an  Or

Ich ebenso.
Sie haben recht damit das hier viel Aufklärung von Nöten ist. Und das fängt eben-wie Sie richtig beschreiben-mit dem Unterschied zwischen Hopfenextrakt und echtem Hopfen an. Deutschland und die USA sind heute die größten Produzenten von Hopfen. Nur nutzen unsere Großbrauereien lieber das günstige Hopfenextrakt. Der Qualitätshopfen geht eher ins Ausland und wird dort verwendet um aromatische Biere zu erzeugen.
Und so traurig das auch ist ,ich als Berliner trinke lieber bayrische Biere als die P…e ,die hier angeboten wird. (Außer Craft Biere)
In der Beziehung haben die Bayern ,wirklich etwas richtig gemacht.