Muslim-Funktionäre Stammgäste in TV-Talks

Mit Milli Görüs, einer konservativ-islamischen Organisation, der DITIB, dem verlängerten Arm der AKP und mit dem Zentralrat der Muslime, wo sich Wölfe und Brüder gute Nacht sagen, diskutieren Anne Will , Maischberger und Co. über gesellschaftliche Probleme. Da wird der Bock zum Gärtner gemacht.

© Sean Gallup/Getty Images
© Sean Gallup/Getty Images

Die Diskussionskultur hat in Deutschland ihren Tiefpunkt erreicht. Das Land der Dichter und Denker befindet sich in einer kulturellen Krise. Als der Welterklärer Peter Scholl-Latour die „Spaßgesellschaft“ anprangerte, da wurde er belächelt und für senil erklärt. Doch der kluge alte Mann, der nicht nur die ganze Welt bereiste, sondern sich ausgezeichnet mit der islamischen Kultur auskannte, hat Recht behalten. Das Ergebnis dieser Spaßgesellschaft sind u.a. pseudopolitische Talk-Shows à la Anne Will und Maischberger und Co.

Den Machern dieser Sendungen geht es nicht um die Sache an sich, vielmehr geht es um die Quote und vor allen Dingen darum, dass sich am Ende nahezu jeder Sendung alle lieb haben. Das ist der moderne kritische Diskurs, der in diesen Shows gepflegt wird. Am Ende dieser Shows ist man genauso schlau wie zu Beginn.

Insbesondere wenn es um wichtige Themen wie die Integration der hier lebenden Muslime in die deutsche Gesellschaft oder wenn es um den islamistischen Extremismus geht, da offenbaren sich die Unfähigkeit der Macher dieser Sendungen und die mangelhaften Kenntnisse der Moderatorinnen.

Über die Verbesserung der Integration sowie die zunehmende Radikalisierung der muslimischen Jugendlichen in Deutschland, darüber diskutieren sie gerne mit dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek. Die Moderatorinnen erwarten ernsthafte und konstruktive Vorschläge von Mazyek, der u.a. auch die Muslimbrüder und die grauen Wölfe vertritt, dass er Wege aufweist, die die Radikalisierung stoppen können und die Integration fördern. Bei Maischberger konnte es sich Mazyek sogar leisten zu lügen, ohne dabei auch nur ein bißchen rot zu werden. Mit Islam.de habe er nichts zu tun! Warum sollte er das auch nicht tun? Es hat doch ohnehin keine Bedeutung, was man sagt. Die nächste Einladung ist ihm ohnehin sicher. Er hat diesbezüglich lediglich mit der DITIB Stress, weil sie nach statistischen Auswertungen feststellen mussten, dass Mazyek häufiger in den deutschen Talk-Shows eingeladen wurde als die DITIB-Funktionäre.

Auch zum Thema „Silvester-Nacht“ in Köln hatte man sich die richtigen Experten eingeladen. In der Sendung „Hart aber Fair“ fand man auch prompt die Ursache. Einer der Teilnehmer sah den Grund für diese Ereignisse in der aussichtslosen Situation der Flüchtlinge aus dem Maghreb-Staaten. Was sollen diese armen „Opfer“ auch machen, wenn sie keine Unterkunft und keine Papiere haben?

Wenn es um die türkische Politik geht, dann werden Funktionäre der DITIB eingeladen, Funktionäre einer Organisation, die vom türkischen Staat gesteuert wird. Diese sollen die politischen Entwicklungen in der Türkei dem deutschen Fernsehzuschauer erklären. Insbesondere nach dem gescheiterten Militärputsch und den darauf folgenden „Säuberungen“ hat man sich wieder diesen Experten bedient. Inzwischen verfügt die DITIB auch über Expertinnen, man lebt ja schliesslich in einem demokratischen Land, wo Gleichheit der Geschlechter herrscht.

Integriert euch oder geht

Aber der Einfluss der Funktionäre hat Verbündete, die Maas-Kahane-Zensur wirkt: Seit kurzem ist der Facebook-Account von Mimoun Azizi blockiert. Radikale erregten sich über seine Aufforderung, sich in Deutschland zu integrieren. Mahnende Stimmen von Migranten – unerwünscht:

Gestern wurde mein Facebook-Account deaktiviert. Zuvor wurde ich als „Hurensohn“, „Verräter“, „Ziegenficker“ bezeichnet. Andere drohen damit meine Mutter zu „fi…“!

Lassen Sie mich eines klarstellen – diejenigen, die solch ekelhaften Beleidigungen von sich geben, um andere zu entwürdigen – nun – sie haben sich bereits selbst entwürdigt.

Vor einigen Wochen wurde eine Familienangehörige von mir konkret bedroht. Die bedrohte Person ist um die 70 Jahre alt.

Mich erreichen Nachrichten, dass man bestimmten Vereinen und Menschen verbietet, mit mir zusammen zu arbeiten.

Deutsche, die die herrschende Meinung kritisieren, sind „Rechte“ oder „Nazis“. Deutsche muslimischen Glaubens, die die Demokratiefeindlichkeit einiger muslimischer Organisationen anprangern, sind a priori „Islamhasser“.

Das sind Äußerungen von Leuten, die nicht über die Fähigkeit verfügen, einen kritischen und sachlichen Diskurs zu führen.

Für die, die mich als „Ziegenficker“ etc. bezeichnen … habe ich noch keine Kategorie finden können – wo ich sie einordnen könnte.

In Deutschland zu leben bedeutet, die freiheitlich-demokratische Verfassung anzuerkennen und zu akzeptieren. Ich erinnere jene, die mir so begegnen daran, dass wir in Deutschland leben.

Deutschland ist ein demokratisches Land. Zu den wichtigen Pfeilern dieser Demokratie gehört insbesondere die Meinungsfreiheit. Gleichwohl gilt es laut Grundgesetz, die Würde des Menschen zu achten! Die Würde ist unantastbar, so steht es im Grundgesetz! Dieser Begriff der Würde entstammt der kantschen Philosophie.

Es lohnt sich für jene, die mich seit Monaten und seit gestern sehr massiv beleidigen, sich mit den Gesetzen und Gepflogenheiten dieses Landes vertraut zu machen. Das nennt man Integration!

Der Islam, liebe Leute, die meine Mutter „fi…“ wollen, beinhaltet auch den Begriff der Würde. Offensichtlich handelt es sich hier um welche, sich für äußerst gläubig halten, aber weder den Islam kennen, noch mit den Traditionen und Gesetzen dieses Landes vertraut sind.

Ich lebe gerne hier! Ich mag die deutsche Sprache! Ich lese sehr gerne Goethe, Schiller, Rückert… Ich liebe die deutsche Philosophie. Ja, das tue ich! Und ich bin Deutschland dankbar. Warum? Ich habe hier studieren können, ich habe Arbeit, zu essen und zu trinken und ein Dach über meinem Kopf.

Ich bin aber auch muslimischen Glaubens. Ich bete und faste. Wo ist das Problem? Wir haben in Deutschland verschiedene Religionen und es herrscht hier Religionsfreiheit. Dieses Privileg gibt es nur in wenigen Ländern auf dieser Erde.

Der Mensch verfügt über einen freien Willen. Er kann sich für Deutschland entscheiden – für dieses wunderbare Land mit seinen Menschen, die sehr hilfsbereit sind und vielen Menschen ein neues Zuhause bieten.

Der freie Wille erlaubt es Menschen, sich auch gegen Deutschland zu entscheiden. Das ist legitim. Aber dann wäre es nur konsequent, dieses Land auch zu verlassen – und nicht stattdessen hier zu bleiben, weil es sich finanziell lohnt, aber gleichzeitig gegen liberale und demokratische Kräfte zu kämpfen und diese „Ziegenfi…“ zu nennen.

Immer dieselben Vertreter einer Minderheit der Muslime

Auch wenn es um das Thema „kultursensible“ Wohlfahrt geht, dann dürfen diese Funktionäre in den Talk-Shows nicht fehlen. Der Zentralrat der Muslime hat sich das Thema „muslimische“ Wohlfahrtspflege auf die Fahnen geschrieben. Zusammen mit der DITIB und Milli Görüs verhandeln sie bei der Islamkonferenz mit der Bundesregierung über die Gründung eines „muslimischen“ Wohlfahrtssystems. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: in deutschen Talk-Shows dominiert eine Minderheit den Diskurs und wird dabei von den Machern dieser Sendungen und den Moderatorinnen förmlich hofiert. So wird heute in den Talk-Shows für Demokratie und gegen Unrecht diskutiert. Da wird der Bock zum Gärtner gemacht. Warum auch nicht? Es funktioniert doch!

Wenn es zwischenzeitlich etwas zu langweilig wird, dann holt man sich den „Quassel-Imam“, damit die Leute etwas zu lachen haben.

Gleichzeitig unterstützt die Bundeszentrale für Politische Bildung Vereine wie Rahma e.V., die ebenfalls zum Zentralrat gehören, bei der Etablierung der Demokratie in der BRD. In Berlin besucht eine Bürgermeisterin der Grünen eine Moschee, die für ihre Haltung bekannt ist. Man sucht ja schliesslich den Dialog.

Familienministerin Schwesig fördert aus Versehen womöglich auch aus Unwissenheit Vereine, die sich als „etwas“ problematisch erweisen.

Man fragt sich hier – wer guckt von wem ab? Die Moderatorinnen dieser unsäglichen Shows von den Politikerinnen oder läuft es umgekehrt? Die Antwort kennt nur der Wind.

Man gewinnt den Eindruck durch diese „pseudopolitischen“ Talk-Shows, dass die Muslime in Deutschland – immerhin inzwischen deutlich mehr als 5 Millionen – einem dieser Verbände angehören müssen. Wir, die 80% Muslime in Deutschland, die nicht in diesen Verbänden organisiert sind und von diesen auch nicht vertreten werden möchten, existieren für die Medien nicht und konsekutiv auch nicht in den Augen der deutschen Bevölkerung? Dass diese Verbände zusammen nicht mal 20% der hier lebenden Muslime repräsentieren, wird einfach ignoriert. Wenn es um die Angelegenheit der Muslime geht, dann reagieren diese Moderatorinnen reflexartig. Sie laden Verbandsfunktionäre ein, um mit diesen über das Scheitern der Integration zu diskutieren?

Mit Milli Görüs, einer konservativ-islamischen Organisation, der DITIB, dem verlängerten Arm der AKP und mit dem Zentralrat der Muslime, wo sich Wölfe und Brüder gute Nacht sagen, diskutieren Anne Will, Maischberger und Co. über gesellschaftliche Probleme. Um für ein ausgewogenes Gleichgewicht zu sorgen – wir leben schliesslich in einer Demokratie – aber auch um den Diskurs spannend zu gestalten – werden Menschen eingeladen, die entweder keine Ahnung von diesen Strukturen haben oder rhetorisch unterbelichtet sind. Das nennt sich heute politische Kultur.

Wo bleiben die deutschen Intellektuellen? Wo bleibt die Stimme der liberalen Muslime? Offensichtlich haben sich die ersten in ihren Bibliotheken verkrochen und die anderen sind unsichtbar. In den Talk-Shows sehen wir immer die gleichen Gesichter.

Man will schreien, aber irgendwie bleibt einem der Schrei im Halse stecken!

Inzwischen hat man das Gefühl, dass wir „kleine Staaten“ im Staate haben. Damit sind nicht die Talk-Shows gemeint. Aber diese Talk-Shows haben zu dieser Entwicklung erheblich beigetragen. Die Verantwortlichen in den Medienanstalten werden ihrer Verantwortung nicht gerecht!

Zum Schluss fällt mir ein Spruch eines alten Freundes ein: “Auch der grösste Zauberer konnte aus einem Esel kein Pferd machen!“

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Kommentare ( 28 )

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