Bei Illner: Keine deutsche Beteiligung am Krieg im Iran

Die Bundesregierung erteilt Donald Trump eine Abfuhr bei der militärischen Unterstützung zur Sicherung des Schiffsverkehrs. Wieder einmal macht Merz einen Rückzieher – nachdem er Trump zuvor in Washington umgarnt hatte. Wolfgang Ischinger bemängelt das Fehlen einer gemeinsamen europäischen Antwort. Europa steht schwach am politischen Spielfeldrand da. Von Fabian Kramer

Screenprint: ZDF / Maybrit Illner

In einer modernen und globalisierten Welt ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass der weltweite Schiffsverkehr ungehindert stattfindet. Freie Seewege sind die Lebensadern der Weltwirtschaft. Durch den militärischen Konflikt im Iran sind die Seewege im Nahen Osten nicht mehr sicher. Weil der Iran die Straße von Hormus militärisch blockiert, können wichtige Güter und Ressourcen nicht mehr transportiert werden. Der amerikanische Präsident Donald Trump fordert deshalb von Deutschland und Europa militärische Unterstützung, damit der Schiffsverkehr wieder fließen kann.

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Doch Bundeskanzler Friedrich Merz winkt ab. Merz geht auf Distanz zu Trump. Noch zu Beginn des Krieges konnte der CDU-Politiker gar nicht schnell genug nach Washington fliegen, um Donald Trump zu umgarnen. Davon möchte der Kanzler heute nichts mehr wissen. Wieder einmal macht Merz einen Rückzieher. An diesem Donnerstag debattieren die Gäste bei Maybrit Illner wie die Wochen zuvor über den Krieg im Iran. Es sitzt zum wiederholten Male nur ein Politiker aus der zweiten Reihe in der Runde. Offensichtlich möchte die Bundesregierung so wenig wie möglich zum Konflikt sagen.

Inhaltlich gehaltvoll ist die Sendung nicht. Wichtige Aspekte werden gar nicht erst besprochen. Was ein längerer Krieg beispielsweise für unseren Wohlstand bedeutet, ist nicht Teil der Diskussion. Die Redaktion sollte sich nach der vierten Iran-Sendung in Folge fragen, ob es für die Zuseher nicht langsam ein bisschen eintönig wird. In Deutschland finden schließlich aktuell wichtige Landtagswahlen statt, die für die Koalition in Berlin bedeutend sind.

Der Krieg ist völkerrechtswidrig

Für einen kurzen Moment sah es so aus, als stünden Kanzler Merz und die Bundesregierung in Sachen Iran an der Seite von Donald Trump. Mittlerweile aber will der Kanzler mit dem Krieg und Donald Trump nichts mehr zu tun haben. Die SPD ist seit jeher skeptisch gegenüber Amerika. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der sozialdemokratische Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Adis Ahmetovic, sehr kritische Worte zum Krieg der Amerikaner gegen den Iran findet. „Es ist ein falscher Krieg“, kritisiert der Hannoveraner Bundestagsabgeordnete. Er ergänzt: „Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig.“

Für den SPD-Mann ist klar, dass Deutschland sich aus militärischen Aktionen heraushalten sollte. „Es ist nicht unser Krieg“, stellt Ahmetovic klar. Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht. Weil die Iraner die Straße von Hormus blockieren, ist ein wichtiger Seeweg des internationalen Schiffsverkehrs lahmgelegt. Sollte die Blockade weiter andauern, hätte es gravierende Folgen für Deutschland und die Welt. „Wir werden die ökonomischen Auswirkungen zu spüren bekommen“, mutmaßt Ökonomin Veronika Grimm richtigerweise. Sie sagt deshalb zu recht: „Es stimmt nicht, dass es nicht unser Krieg ist.“

Wie schwach ist Europa?

Trump droht mit längerer Hormuz-Sperrung
Europa müsste an der Seite der USA seine Energieadern schützen
Von europäischer Seite kamen bisher erstaunlich wenige Ideen, wie man mit der Situation des Krieges im Iran umgehen sollte. Zwar äußern sich immer wieder einzelne Regierungschefs wie der deutsche Bundeskanzler, aber eine gemeinsame Strategie gibt es nicht. „Eine gemeinsame europäische Antwort wäre besser gewesen“, kritisiert das diplomatische Urgestein Wolfgang Ischinger die Abfuhr von Kanzler Merz an Donald Trump, diesem bei der Sicherung der Straße von Hormus nicht zu helfen. Aus der Sicht von Ischinger wäre es sinnvoller gewesen, wenn man eine mögliche Unterstützung der Amerikaner an die stärkere Unterstützung Trumps für die Ukraine gekoppelt hätte.

„Wir haben jetzt keinen Deal“, bemängelt der ehemalige Chef der Münchener Sicherheitskonferenz. Der Sicherheitsexperte Peter Neumann sieht die Sache anders. „Man muss als Verbündeter nicht jeden Quatsch mitmachen“, erklärt er. Neumann plädiert für mehr europäische Eigenständigkeit. „Es sollte ein Weckruf für uns sein“, fordert er. Sein Wunsch nach europäischer Eigenständigkeit dürfte unerfüllt bleiben.

Den Europäern fehlt jegliches strategisches militärisches Denken. Ohne die USA als Impulsgeber innerhalb der Nato hätte Europa in der Sicherheitspolitik gar keinen Kompass. Die USA haben mit ihrem präzisen Angriff auf die Führung der Mullahs bewiesen, dass sie über militärische Fähigkeiten verfügen, die es in Europa nicht mal im Ansatz gibt. Außerdem gibt es keine politische Einigkeit zwischen den Ländern. „Von einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik ist nichts mehr übrig“, kritisiert Wolfgang Ischinger zu recht. Europa wird wohl auch in Zukunft mit dem Katzentisch der internationalen Politik vorliebnehmen müssen.

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Kommentare ( 8 )

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ceterum censeo
37 Minuten her

Ich frage mich, wann Trump die USA aus der NATO holt. Von dort unter der „Ägide“ dieser EU-Führung hat Trump nichts zu erwarten. Dann braucht er die NATO-Mitglieder nicht zu fragen, ob sie Unterstützung leisten und dabei mangels Strategie eine Abfuhr nach der anderen geben.

Dieter Rose
37 Minuten her

Die USA haben bewiesen…aber war es richtig dass sie bewiesen haben?
„Bei allem, was du tust, betrachte das Ende!“
Schade, dass das Humanistische Gymnasium zurückgedrängt wurde…

Hutschnur
47 Minuten her

Ich schaue die Talkshows in den ÖR nicht. Normalerweise lese ich auch bei TE die Meinungen dazu nicht. Es interessiert mich nicht. Was mich aber interessiert ist der Frieden auf der Welt. Wie wäre es zur Abwechlung den mal wenn wir in Deutschland, in der EU, Gespräche mit Russland aufnehmen würden? Schließlich sind wir Nachbarn, anstatt uns von den USA in einen weiteren Krieg ziehen zu lassen? Wer hat uns den die sichere Energieversorgung gesprengt? Sollte nicht mal darüber berichtet werden was USrael tatsächlich mit diesem Angriff ereichen will? Bei einem Sieg über Iran hätte die USA die Kontrolle über… Mehr

Gerd07
56 Minuten her

Man kommt mit dem Kopfschütteln nicht hinterher!

Keine deutsche Beteiligung am Krieg im Iran => keine amerikanische Beteiligung beim Schutz deutscher Schiffe in der SvH?

Mal abgesehen von der offensichtlichen Möglichkeit eine Einigung in anderen offenen Fragen zu erzielen.

Udo Zimmermann
59 Minuten her

öWürde man ein Staatsrechtsarbeit schreiben, käme man zu recht zu dem Fazit das der Iran- Krieg rechtswidrig seiten der USAund Israel begonnen wurde. Israel , auf deren Seite ich grundsätzlich stehe, nutzte die Chance mit Unterstützung der USA gegenüber dem Iran militärische Schläge zu führen, die diese nmM mindestens 10 Jahre zum Führen eines Angriffskrieges zurück wirft.Die Gründe der USA liegen im Willen zur absoluten Führung des Energiemarktes. Zwischenfazit: Israel könnte die eigenen Ziele erreicht haben, die zusätzlich Bombardierung in Gaza für mich unverständlich und ein politischer Fehler. Die USA? Strategischer in der Straße in Hormuz und nicht eingetroffene Vorhersagen… Mehr

Apfelmann
1 Stunde her

Selbst die AFD schwenkt seit langen um und distanziert sich immer mehr von den Machenschaften von Trump. Man merkt immer deutlicher wie Weidel die AFD in die Mitte führt und koalitionsfähig machen will. Keine Partei in Deutschland wird diesen Krieg unterstützen.

tiptoppinguin
1 Stunde her

Die Sprengung der Pipeline in der Ostsee ging für die deutschen Eliten doch schon in Ordnung, da ist es nur konsequent wenn die Energieversorgung durch die Straße von Hormuz auch noch ausfällt. Hauptsach‘ Ukraine!
Deutschland steht bald wieder auf der Seite der Verlierer, so wie schon nach zwei Weltkriegen. Finis Germania-> „top“, Felix Germania-> „flop“

Waehler 21
1 Stunde her

Ich bin mir nicht sicher, ob die Politik des Außenkanzlers eine Taumel-Politik ist oder ob ihm nur sein Geschwätz (was mein dieser Mann schon ernst aber nicht sagt, außer Steuererhöhung) abermals um die Ohren geflogen ist.
Möglicherweise hat er aber auch zufälligerweise andere Instruktionen bekommen. Von wem auch immer.
Sollte er sich überfordert fühlen, da hilft in Berlin Tennisspielen! Frag dich mal den Kai!

Last edited 1 Stunde her by Waehler 21