Bei Illner: Woran erkennt man einen Verschwörungstheoretiker?

Manchmal sticht unsere Maybrit Illner der Hafer, und dann haut sie eine dieser Fragen raus, die das ganze Propaganda-Gedöns in sich zusammenfallen lässt: „Viele Verschwörungstheoretiker tragen Doktor- und Professorentitel, wie kann man die denn von den Seriösen unterscheiden?“

Screenprint: ZDF/maybrit illner

Es ging um „Pandemie und Protest“, also darum, dass die Zahl der Zweifler an der Alternativlosigkeit deutschen Politikschaffens doch zuletzt stark zugenommen habe. In Stuttgart und München gingen Tausende auf die Straße und auch ein paar in Köln, Demonstranten, die Kölns Gouvernante Henriette Rekers (Armlänge Abstand) pars pro toto am Tag zuvor so charakterisierte: “Mit großer Empörung habe ich gestern die unangemeldete Demonstration einer rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Mischpoke in unserer Stadt wahrgenommen.”

So ungeschickt wie Henriette Reker ist Maybrit Illner diesmal nicht, alle Demonstranten in einen Topf zu schmeißen, und so kam es zu dieser ganz besonderen Frage: „Viele Verschwörungstheoretiker tragen Doktortitel und Professorentitel, wie kann man die denn unterscheiden von den Seriösen?“ Tja, da konnte der Wirrologe vom Helmholtz-Institut, der sich die spärlich verbliebenen Haare zum Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, auch nicht recht weiterhelfen, außer, dass man sich den Hintergrund anschauen solle. Der Dr. Wodarg, um nur einen im Regierungs-Verschiss Stehenden zu nennen, ist SPD-Mitglied, reicht das als Hintergrund? Und wenn ja, was soll uns das sagen?

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Christiane Woopen vom Europäischen Ethikrat der EU empfiehlt, die Demonstranten ernst zu nehmen, und warnt davor, ihnen Etiketten anzuheften, hat aber dann doch zwei Aufkleber dabei: faschistisch Orientierte und Impfgegner. Und Herr Hans findet, der Saarländer könnte seiner Regierung ruhig dankbar sein, denn „wir haben als erste das Demonstrationsrecht zurückgegeben“. Viele Dank auch, märssi, Herr Ministerpräsident.

Aber vergessen wir die Ethikrätin, den Spiegel-Mann, den schnöseligen Herrn Hans und den alternativlosen Wirrologen. Interessant war nur der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, der vor der nächtlich angestrahlten Altstadt als Kulisse zugeschaltet war. Gleich vorweg ein wichtiger Hinweis für den eingefleischten Zuschauer von Dauerwerbesendungen bei den Privaten: Achtung! Den Boris können Sie nicht wählen, wenn sie außerhalb von Tübingen wohnen.

Gottseidank für die Konkurrenz im Lager der Alternativlosen. Denn Palmer ist ein Mann mit Verstand und klaren Worten, ganz im Gegenteil zu all den anderen Grünen, die außer Pathos und Unsinn wenig vorzubringen haben.

Zunächst sagte Palmer über die Demonstranten, „wer streitet, ist noch im Gespräch“, ganz im Gegenteil zur Alternativlosigkeit von 2015, wo Kritiker diffamiert wurden. Schön auch, wie Palmer den Apokalyptiker Lauterbach, SPD, ganz nebenbei in die Ecke schob, in die er gehört.

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Zunächst aber musste sich Palmer für ein Zitat entschuldigen, für das die Dauerempörten und Vertreter der kindgerechten Sprache unter den Grünen Palmers Parteiausschluss fordern. Der hatte im Frühstücksfernsehen gesagt: „Ich sage es ihnen jetzt mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“ Das sei „dumm formuliert“, so Palmer, aber Statistik. Die Corona-Opfer hätten „im Schnitt noch 9 Monate zu leben gehabt“. „Falschinfo“, rief der Herr vom Helmholtz-Institut dazwischen, die hätten noch 9 Jahre zu leben gehabt, das habe er selber ausgerechnet.

Jedenfalls entschuldigte sich Palmer bei denen, den er auf die Füße getreten ist, und wir fassen im Folgenden zusammen, was kluge Leute schon sein Monaten in die tauben Ohren der Berliner Verantwortungsgemeinschaft predigen:

Wie überall unter „Protection Phase“ nachzulesen sei: Intensiver Schutz der Risikogruppen, wie er, Boris, es in Tübinger Alten- und Pflegheimen auch gemacht habe. Dass das in Deutschland immer noch nicht gemacht wird, sei grob fahrlässig. Der Shutdown fordere ungleich mehr Todesopfer (laut Palmer 2 Mio. Kinder in armen Ländern). Das Einigeln sei zunächst richtig gewesen, bis man einschätzen konnte, ob genügend Intensivplätze vorhanden sind, seitdem ist es nicht mehr zielführend. Anscheinend hatte Palmer alle am Tisch überzeugt, jedenfalls regte sich kein Widerstand mehr, vielleicht auch, weil Illner extra den Vater von Palmer erwähnte, der als Remstalrebell eine lokale schwäbische Berühmtheit war.

Dann bekundete vor allem die Ethikrätin Mitleid mit den Wirtschafts-Opfern der Schließungen, wenn es auch ein wenig an die Messeropfer und die gefühlte Kriminalität erinnerte. Spiegelmann und Augstein-Spezi Blome sah am Ende schon den Wiederaufstieg der AfD auf sich zukommen. Er konnte sogar schon klar deren Slogan erkennen: „Frau Merkel, das sind Ihre Arbeitslosen!“ Gute Nacht.


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Kommentare ( 106 )

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Heike
5 Monate her

Eine widerwärtige Verschwörungstheorie erkennt man daran,dass sie heute eine Impfpflicht verneinen und morgen eine Impfpflicht einführen. Eine widerliche Verschwörung gegen das Volk erkennt „man“ an der derzeitigen deutschen „Regierung“. Merkel schwurbelt von Pressefreiheit und lässt mit brachialer Gewalt die Stimme des Volkes niederknüppeln – die Staatsmedien tragen Merkels Banner. Wie ich diese Regierungsfiguren und Medienwaschlappen verachte!

Soeren Haeberle
5 Monate her

Woran erkennt man einen Verschwörungstheoretiker?

Marshall McCluhan:
„Nur die kleinen Geheimnisse müssen beschützt werden.
Die großen werden von der Ungläubigkeit der Öffentlichkeit geheimgehalten.“

Thomas Jefferson:
„Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt; die Wahrheit steht von alleine aufrecht.“

suprav32
5 Monate her

Sehr geehrte Herr Paetow, was mich immer ärgert ist die Tatsache dass manche Experten beispielweise Prof- Dr. Meyer-Hermann als Virologe und Mediziner präsentitiert wird, der hat aber einst Physik, Mathematik und Philosophie in Frankfurt am Main und Paris studiert. Ich frage mich dann immer wieder, ob Frau Illner wenn Sie beoispielsweise zum Zahnarzt geht Ihren Juristen konsoldiert, oder Ihre Brötchen beim Apotheker kauft – Lustig wird es wenn der Physiker Meyer-Hermann in der Sendung Stellung beziehen soll zu Ausführungen von anderen wirklichen Experten wie Sucharit Bhakdi. Sucharit Bhakdi ist ein deutscher Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Er ist emeritierter Professor… Mehr

WGroeer
5 Monate her
Antworten an  suprav32

Ich kann nur staunen über diesen Rechenkünstler (R-Zahl mit 3 Kommastellen).
„Falschinfo“, rief der Herr vom Helmholtz-Institut dazwischen, die hätten noch 9 Jahre zu leben gehabt, das habe er selber ausgerechnet.“
Es sind zwar etwas ältere Zahlen, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Pflegeheimen soll bei Frauen ca. 8,5 und Männern bei 6,5 Jahren liegen.
Den Nachweis, wie sich das Coronavirus die gesündesten und langlebigsten Bewohner herauspickt, um auf die 9 Jahre zu kommen, wäre ein echter Knaller für eine medizinische Fachzeitschrift.

butlerparker
5 Monate her
Antworten an  WGroeer

Aus der Rechnung von Meyer-Herrmann (was ich von Männern mit Doppelname halt , verbietet mir die Nettiquette zu sagen) ist zu schließen, das in Altenheimen das Virus lebensverlängernd wirkt und nicht lebensverkürzend. Wahrscheinlich wollte er das sagen…….

Volksschauspieler
5 Monate her

„Lebenserwartung in Deutschland möglicherweise sprunghaft angestiegen?“. Positive Wirkung infolge des Lockdown?

Die durchschnittliche Lebenserwartung in 2017 lag in Deutschland bei ca. 81 Jahre.

Das durchschnittliche Alter der infolge Covid19-Verstorbenen soll 82 Jahre betragen.

Der Herr vom Helmholtz-Institut hat bei Illner angegeben, dass die Corona-Opfer im Schnitt noch 9 Jahre zu leben gehabt hätten.

Durchschnittliches Alter der Covid19-Opfer: 82 Jahre + 9 Jahre verlorene Lebenszeit = 91 Jahre (neue durchschnittliche Lebenserwartung???).

Oder trifft der Corona-Virus mit Covid19 nur auf Menschen mit besonders hoher Lebenserwartung?

Oder habe ich das Ganze falsch verstanden?

D. Ilbert
5 Monate her
Antworten an  Volksschauspieler

Das Internet hilft weiter.

Ein heute geborenes Kind hat eine statistische Lebenserwartung von rd. 82 Jahren.

Wenn es ein Mensch in Deutschland, geboren 1940, „geschafft hat“ 80 Jahre alt zu werden, dann besitzt er als Mann noch eine statistische „Restlebensdauer“ von 7,7 Jahren und als Frau eine solche von 9,17 Jahren. Es sei denn eine Treppe, ein Autofahrer, Corona oder was/wer auch immer kommen ihm dazwischen.

Volksschauspieler
5 Monate her
Antworten an  D. Ilbert

Vielen Dank für Ihre Info.

Und die durchschnittliche „Restlebensdauer“ kann einem auch aufgrund vorzeitigem Tod wegen einer schweren (Vor-)Erkrankung, ob mit, durch oder ohne Corona, verkürzt werden.

Mit statistischen Berechnungen in die ferne Zukunft ist das so eine Sache. Erst wenn die Zukunft Gegenwart geworden ist, kann man feststellen, ob sich die Lebenswirklichkeit an die Berechnungsergebnisse gehalten hat.

butlerparker
5 Monate her
Antworten an  D. Ilbert

Nach Ihrer Rechnung müsste sich die Lebenserwartung ja dann verkürzt und nicht verlängert haben……

caesar4441
5 Monate her

Ich stelle mir die Frage : Wenn Frau Illner zwischen seriösen und unseriösen Doktoren und Professoren unterscheidet ,könnte das nicht strafrechtliche Folgen haben ?
Was ist ein unseriöser Professor ?

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  caesar4441

Mir fallen da ganz spontan welche ein, wenn ich an solche denke, die den Klimazauber propagieren.
Zumal behauptet wird, dass die da allesamt gar nicht irren könnten…

honky tonk
5 Monate her
Antworten an  caesar4441

Da sollte man gleich bei der Titelvergabe regeln zBsp. Dr. ser oder Prof. unser.

Stiller Ruf
5 Monate her

Muss man schon verstehen: Nachdem das helldeutsche Establishment und die an seinen Lippen (und Subventionen) hängenden Michels, den Begriff, „Nazi, endlich zu Tode inflationiert haben, musste ja irgendwann ein neuer Slogan her. Der Anfang der Manipulation ist die Verwirrung der Begriffe. Die „Verschwörungtheoretiker“, jetzt ist sind sie halt da …

butlerparker
5 Monate her

Gustav von Rochow1 preußischer Staatsminister und Innenminister 1792 – 1847

Referenz: https://beruhmte-zitate.de/zitate/136002-gustav-von-rochow-es-ziemt-dem-untertanen-seinem-konige-und-landesh/

„Es ziemt dem Untertanen, seinem Könige und Landesherrn schuldigen Gehorsam zu leisten und sich bei Befolgung der an ihn ergehenden Befehle mit der Verantwortlichkeit zu beruhigen, welche die von Gott eingesetzte Obrigkeit dafür übernimmt; aber es ziemt ihm nicht, die Handlungen des Staatsoberhauptes an den Maßstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen und sich in dünkelhaftem Übermute ein öffentliches Urteil über die Rechtmäßigkeit derselben anzumaßen.“

Strassenarbeiter
5 Monate her

Lieber Herr Paetow, ich möchte mich endlich mal bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich diese belehrenden Fernsehformate ansehen und dann hier darüber berichten. Ich habe es aufgegeben, mir diese Talk- und Politikmanipulationsshows anzusehen, weil mir mein Arzt keine geeigneten Psychopharmaka verschrieb, die mich davon abhalten könnten, meinen Fernseher zu zertrümmern.
Am schlimmsten finde ich, dass die Haltung, die hinter diesen Formaten und den meisten eingeladenen Vorsprechern offensichtlich ist, dass das Publikum nur mittelmäßig intelligent ist.

honky tonk
5 Monate her
Antworten an  Strassenarbeiter

Naja, der Zuseher dieser Formate ist wahrscheinlich im Durchschnitt nur durchschnittlich intelligent, meiner Vermutung nach sogar eher unterdurchschnittlich oder schlicht Masochist oder dienstverpflichtet.

Frank v Broeckel
5 Monate her

Bestes Beispiel hierfür ist der NDR:

Erst gestern erklärte ein unter einem massiven Gottkomplex leidenden Psychoanalytiker(!) dem NDR, weshalb der renommierte Professor Pueschel, immerhin der Direktor des rechtsmedizinischen Institutes des Universitätsklinik Hamburg Eppendorf in Wahrheit überhaupt nicht recht haben kann, weil dieser interviewte Psychoanalytiker persönlich halt immer alles besser weiß!

Ja, immer und wirklich alles!

H. Priess
5 Monate her

Wenn ich die Maßstäbe der Politik und Medien anlege bin ich auch ein VTler. Ich glaube nichts, ich habe viele Zweifel, ich bin bei allem ein Sketiker und informiere mich breitgefächert in den Medien. Dabei habe ich noch sehr konservative Ansichten, also die die vor 20 Jahren noch der CDU/CSU zugehörten die ja jetzt stramm nach links gerückt sind. Also passe ich voll in das Bild der Vorurteile. Herr Palmer hat nach meiner Meinung Recht. Verräterisch finde ich, daß es keine exakten Zahlen gibt von den nun fast 8000 Toten an was sie nun wirklich gestorben sind. Von mit oder… Mehr

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  H. Priess

Obduziert wird, gegen die frühere und inzwischen revidierte Empfehlung des RKI, wohl in HH und in Berlin. Das UKE HH hat seine Studie am 8.5.2020 öffentlich in einer PK vorgestellt – und da dort Ärzte und Pathologen zu Gunsten der Patienten zusammenarbeiten, auch gleich passende Schlüsse mitsamt Änderungen der Therapien einführen können. Inzwischen werden die Erkenntnisse von Prof. Dr. Klaus Püschel, Direktor des Institutes für Rechtsmedizin, Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin, und Prof. Dr. Jan Sperhake, Institut für Rechtsmedizin weltweit genutzt und dienen Wissenschaftlern und Ärzten als grundlegend für den Umgang mit Menschen, die an dem… Mehr