Der Osterschinken kommt aus dem 3-D-Drucker

Ein Lebensmittelmanager erklärt, dass künftig zumindest das Kantinenessen aus dem 3-D-Drucker kommt: abgestimmt auf ärztlich verschriebene, physiologische Bedürfnisse; aus Tuben genau jene Menge, die gegessen wird. Der Fortschritt ist unaufhaltsam.

© Maciej Frolow

Auf meinen Balkonen in der Innenstadt wachsen die süßesten Erdbeeren, leckersten Tomaten, der frischeste Salat; im Herbst schwärzen sich die Oliven und die Feigen gibt´s zu Kiwis. Ich habe der Großstadtwüste ein kleines Paradies abgerungen.

Das grüne Paradis und das Blaukorn

Darauf bin ich stolz. Das ist es mir wert. Das muss es auch. Denn meine Erdbeeren, berechne ich die Gestehungskosten ohne anteilige Rückenschmerzen, sind die teuersten der Stadt. Die Oliven kann man vermutlich mit Silber aufwiegen, die Bananen sind klein und strohig und entziehen sich jeder Kalkulation und Genuß. Gerne schwärmt meine Familie von der Naturbelassenheit; aber ich fürchte, damit ist es nicht so weit her: Heimlich streue ich Blaukorn und gelegentlich greife ich zur Giftspritze, gezwungenermaßen, aber wenigstens ohne Treibgas. Die Erde stammt aus dem Klärwerk, ich will nicht über die Reststoffe aufgeklärt werden. Ich bekämpfe mit meinem Balkoneinsatz heldenmütig CO2, aber die Fahrt zum Gartencenter produziert vermutlich mehr Klimagas, als mein grüner Daumen jemals beseitigt.

Grüner wird's nimmer
Brandenburg, Spargel und Grüne - oh weh
Aber wie gesagt ist es mir das wert – das Auge rechnet nicht, es genießt, wenn es grün sprießt. Unser Verhältnis zu Natur, Landwirtschaft und Lebensmitteln ist romantisch. Wir leben anders, als wir sollen und als man es uns sagt. Außerhalb des Balkons herrschen die unerbittlichen Gesetze der Ökonomie. Gerade hat wieder eine Zeitschrift die Formel für gesundes Leben enthüllt. Wir kennen sie längst: Obst und Gemüse aus regionalem Anbau, frisch und unverarbeitet, das Ei vom freilaufenden Huhn, das Kotelett, wenn überhaupt, vom Schwein, das sich im Schlamm suhlt, ehe es vom freundlichen Metzger lächelnd hinüberbegleitet wird auf seinen langen Weg zu meinem Teller.

Das freilaufende Huhn im Stall

Sie kennen das alles. Die Realität ist eine andere. In den Supermärkten der Innenstadt, da wo die Vertreter des zeitgeistigen Lebensstils wohnen, wuchern die Gefriertruhen und breiten sich die Regale mit Fertigkost aus. Das geht auch gar nicht anders. Frisch kochte einst mein Mütterchen; sie war Hausfrau, hatte Zeit dazu und wäre heute ein bestaunter Anachronismus. Zeit ist Geld und und die mit Geld haben keine Zeit zum Kochen, außer am Wochenende. Die ohne Geld haben keine Wahl: ihnen bleibt das Fleisch aus dem Billigregal, wo sich beide Gruppen treffen.

Ein rabiater Naturschutz zerstört gewachsene Kulturlandschaften
Naturschutz frisst Vogelschutz: Der Fuchs ist kein Veganer
Wochenmärkte werden nur noch von Rentnern besucht; wie Brokkoli zubereitet wird, sagt mir der Gemüsebauer, wissen die modernen Großstädter nicht mehr (er sagte politische unkorrekt: „Die jungen Frauen“, aber das verkneife ich mir). Schon geputzter Salat, in der mit Chlor desinfizierten Tüte mit Fertigsauce aus der anderen Tüte, das läuft. Wegen der Vogelgrippe wurden die Herden freilaufender Hühner in Ställe verbannt, um sie vor Infektion und Krankheit zu schützen, die aus der Luft oder von der Erde kommt, die sie kratzen. Ihre Eier dürften trotzdem als freilaufend verkauft werden. Wir lassen uns gerne täuschen. Wir träumen von der Kuh auf der Alm. Almwirtschaft gibt es aber kaum mehr, der Anteil von Milch glücklicher Bergbauernkühe in den damit beworbenen Milchpackungen entspricht vermutlich der Verdünnung von Wirkstoffen in Globuli. Der Metzger schlachtet nicht mehr selber, das geschieht zentral in streng hygienisch kontrollierten Schlachtfabriken.

Beim Feiertagsessen geht’s ans Eingemachte
Ostern ohne Hase, Huhn, Ei und Lamm?
Realität und Traum klaffen auseinander, je weiter Stadt und Land sich voneinander entfernen. Die Produktion von Lebensmitteln wird mittlerweile streng abgeschirmt wie früher die Munitionsherstellung. Konsumenten könnten entsetzt sein ob der Realität. Harte Ökonomie und verträumte Ökologie passen nicht mehr zusammen. Kinder lieben Fischstäbchen und reagieren entsetzt, wenn sie in die traurigen Augen einer toten Forelle schauen. Ich gehe dann auf meinen Balkon. Meine Spatzenhorde ahnt nicht, dass ihre geliebten Körner nicht aus Bioanbau stammen, sie zanken sich laut zeternd trotzdem drum. Ein Lebensmittelmanager erklärte mir, dass künftig zumindest das Kantinenessen aus dem 3-D-Drucker kommen wird: abgestimmt auf meine ärztlich verschriebenen, physiologischen Bedürfnisse; aus den Tuben genau jene Menge, die auch gegessen wird. Das spart Ressourcen. Es wird nichts mehr weggeworfen, die Tube ist wiederverschließbar, aus der das kommt. Muß ich mich freuen? Das spielt keine Rolle. Der Fortschritt ist unaufhaltsam. Ich zähle meine kommenden Erdbeeren; heuer werden es ungefähr 24.

Unterstützung
oder

Kommentare

Ihre Argumente, Gedanken oder Informationen bringen wir ganz oder gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und Verunglimpfung von Personen sowie Links, mindestens solche mit unklarer Herkunft. Hinweis

  • Harry James mit Armbrust

    Meine liegen schon seit 2 Wochen 🙂

    Wir brauchen doch kein extra Forum. Man lässt uns doch bei Tichy sogar in diesem Thread ein wenig gärtnern 🙂

    Vor dem Internet gab es mehr Stammtische und mehr Gespräche übern Zaun 🙂

  • Wir lagen vor Madagaskar

    Tja.. absammeln, und dann? Nachbars Hühner begackern nur dämlich die hingeworfene Gabe. Und die schwarzen Ameisenvölker des Waldes ignorieren den Bündnisfall.

    Man muß dieses Geschmiere schon selbst um die Ecke bringen, was einem auch schon wieder leid tut. Einfach widerlich das.

    • Duke

      Sie müssen der Anfänge erwehren: im zeitigen Frühjahr, wenn die Biester aus ihrem Winterschlaf erwachen (also bevor man sie sieht) Schneckenkorn streuen. Das wird dann effektiver gefressen weil noch kein großes Nahrungsangebot da ist. Sie man so erledigt hat legen im Jahr dann schon mal keine Eier mehr. Und dann immer schön dran bleiben… Regelmäßig alle 3
      -4 Wochen nachstreuen, auch wenn man gerade keine Schnecken sieht. Dann kriegen sie das Problem auch in den Griff. Bei einem starken Befall darf man nicht zimperlich sein. Mit „Bio“ hat das leider nicht mehr viel zu tun. Aber ich nehme an den vollgeschleimten und angefressenen Salat mögen Sie auch nicht. Für eine halbwegs biologische Schneckenbekämpfung fällt mir nur ein Nistmöglichkeiten für heimische Vögel aufzustellen. Wenn Sie abgesammelte Schnecken meucheln wollen: in einem Eimer mit Salz bestreuen und in der Tonne entsorgen. Aber Vorsicht:Das gibt eine wiederliche schleimige Sauerei.

  • Duke

    Verträumte Ökologie und knallharte Ökonomie. Das ist in unserer modernen Industriegesellschaft bzw. einer Welt, in der die Bevölkerungszahl völlig unkontrolliert explodiert, ein unauflösbarer Konflikt. Anstatt sich ehrlich zu machen und zu sagen: Wir sind schon längst viel zu viele Menschen. Wenn alle halbwegs gut leben wollen und genug zu essen haben wollen müssen wir uns damit arrangieren, dass Nutztiere industriell „produziert“ werden und Nahrungsmittel mit allen Tricks aus dem Chemiekabor hergestellt werden. Leider wollen wir nicht in so einer Welt leben. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Westliche Industriegesellschaften haben schon längst damit begonnen sich selbst zu schrumpfen indem Frauen durchschnittlich weniger als 2 Kinder bekommen. Aber anstatt das als Lichtblick für die Umwelt und Zukunft der Menschheit zu begreifen wird politisch mit allen Mitteln versucht die Bevölkerungszahl durch forcierte Migration aus Ländern, in denen sich die Menschen völlig verantwortungslos und losgelöst von jeder Realität in ihren Herkunftsländern massiv vermehren, stabil zu halten. Es wird immer argumentiert die Wirtschaft/ unsere Sozialsystem bräuchte diese Zuwanderung! Das ist eine völlig einseitige Argumentation. Was ist mit den Herausforderungen der Industrie 4.0? Einen Großteil der Arbeit werden in Zukunft voraussichtlich Roboter übernehmen können. Das Jahrhundert der Arbeit (20. Jahrhundert) ist zu Ende. Wir werden die schrumpfende Bevölkerung vermutlich durch die Robotik kompensieren können und in Zukunft viel weniger arbeiten müssen um unseren Lebensstandard halten zu können. Und der gebeutelten Natur wird ein wenig Erholung vom Virus Mensch auch nur gut tun. Weniger Menschen ist Naturschutz pur!

  • Luisa

    Lieber Herr Tichy,
    der 3-De-Burger erinnert tatsächlich an Brust oder Keule mit Loius de Funes. Feue mich, dass Sie solche fruchtbaren Balkon-Pflanzen haben und hoffe auf eine reichliche Ernte und Genuss ohne ende. Als ich noch keinen Garten hatte, habe ich das ähnlich gemacht. Obst (Äfpfel, Zwetschgen, Brombeeren, wilde Himbeeren, fand ich auf Streuwiesen, um die niemand gekommert hat) beim Wandern. Ebenso Kräuter, Habebutten, Holunder und Schwammerl.
    In diesem Sinne fröhliche Entspannung!

  • Johann Thiel

    24 Erdbeeren.
    Tichys original limited Erdbeer-Edition.
    Super cool 😋😋😋

  • Andreas Schneider

    Dieser Beitrag erinnert mich an den Familienvater aus einer der Ruhrgebietsstädte, der (es muss um 1995/96 herum gewesen sein) seinen Kindern das Landleben näher zu bringen gedachte und bei einem Bekannten in meiner alten Heimat 2 Wochen „Urlaub auf dem Bauernhof“ buchte.

    Nach 4 Tagen wurden die Differenzen unüberbrückbar, die Familie brach den Urlaub ab und der Vater zog wegen entgangener Urlaubsfreuden vor den Kadi. Er führte Geruchs- und Lärmbelästigung durch die Tiere an, ferner auch den Arbeitslärm durch den landwirtschaftlichen Betrieb. Der einheimische Richter schmetterte das Anliegen u. a. mit dem Hinweis ab, dass Nutzvieh keinen 8-Stunden-Tag kenne.

    Der städtisch geprägten Vorstellung von „Natur“ begegne ich seit meinem Umzug immer wieder aufs Neue – ein gepflegtes Traumbild, aber dort leben wollen die Wenigsten.

    • Luisa

      Schade, denn es hat was! Bei uns ist es allerdings so ruhig, dass man die Stille wieder hören kann. Die kleine Schaffamilie aus der Nachbarschaft blöckt nicht, Krach machen die kleinenm wildgewordenen Hunde. Maschinen nur zum Mähen oder später n den Weinbergen zu hönen.

      • Andreas Schneider

        Ich habe meine Heimat gewiss nicht freiwillig verlassen.

        Dennoch habe ich noch die Zeiten erlebt, in denen sie Tiefstflüge aller NATO-Luftwaffen unter der Ortung der ca. 12 km entfernten Radarstation erdulden musste. Mit „ländlicher Ruhe“ war es da nicht weit her; man bekundete uns seinerzeit jedoch von außen, es handele sich um den „sound of freedom“. Umso grotesker erscheinen mir da die städtischen Bekundungen um den „Fluglärm“ der zivilen Luftfahrt.

  • Harry James mit Armbrust

    Da lobe ich mir meinen kleinen Acker – Luftlinie 100 Meter vor dem Dorf – aber auch 50 steile Meter Fußweg gehören dazu. Zum Glück gibt es ja das Auto. Da grabe ich jedes Jahr im Frühjahr mit der Grabegabel um. Dann werden als erstes dicke Bohnen gelegt – danach kommen die Kartoffeln in die Erde und Mitte Mai folgen dann die vorgezogenen kleinen Pflänzchen von Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkolie, Zucchinie in verschiedenen Sorten, Wirsing, Porree, Sellerie, Fenchel etc. Die Ränder der Gemüsebeete zieren Möhren und Zwiebeln – ab und auch auch Schalotten. Da ich dort kein Wasser habe, muss ich auch nicht gießen, so bleibt mir bis zum Herbst nur das Unkraut jähten und ernten. Im Herbst kommt das das ausbuddeln der Kartoffeln. Den ersten grünen Spargel durfte ich in diesem Jahr schon ernten, die Erdbeeren dauern noch etwas, die Kirschen und Johannisbeeren haben bereits geblüht.
    Gedüngt wird mit Rinderdung zu kleinen Pellets gepresst.
    Es ist teils harte Arbeit – dafür spare ich mir das Fitnessstudio. Wenn im Sommer drei Blumenkohlköpfe gleichzeitig fertig sind, dann schimpf ich auch mal, denn nach Feierabend da stehen, und den Blumenkohl in passenden Portionen blanchieren, abkühlen und einfrieren macht nicht immer Spaß – das Essen im Winter dafür umso mehr.
    Tomaten, Paprika und Gurken wachsen am Haus, die sind empfindlicher und wollen mehr betüttelt werden.
    Mit Romantik hat das wenig zu tun, eher mit Hobby. Wenn ich die Preise des Saatguts bedenke, dann spare ich nicht mal dabei, aber ich lebe recht gesund. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass das nix für jeden ist, denn dafür kostet es zuviel Zeit.

    Guten Appetit wünsche ich bei dem Genuss der Erdbeeren 🙂

    • Luisa

      Strahlt Zufriedenheit aus. Wir haben einen kleinen Nutzgarten hintern Haus. Mi ungefähr allem, was auch Sie aufzählen. Mein Mann besorgt den Nutzgarten und ich die Blumen. Wir haben auch Aprikosen, die ich zu Marmelade verarbeite und gerade so reichen bis die neuen kommen.

      • Harry James mit Armbrust

        🙂

        Ich hab da noch eine Quitte stehen, noch ist sie jung – da mach ich abwechselnd ein Jahr Quittengelee und im anderen Jahr Quittenlikör. Meine Nachbarn lieben die ungeraden Jahre :-))

        Und ja, es macht zufrieden, wenn ich abends sehe was ich geschafft habe, wenn im Herbst die Gefrierschränke und der Keller voll ist. Wenn ich sehe, wie das was ich mache Erfolg hatte – direkter Erfolg, den ich essen kann. Das ist einfach etwas anderes, als durch den Job, Geld aufs Konto, und davon einkaufen gehen.

        Ich wünsche Ihnen ein richtig gutes Gartenjahr!

    • Wir lagen vor Madagaskar

      Blumenkohl ist mir noch nichts geworden. Dito Rosenkohl. Nix da. Letztes Jahr aber Glück gehabt mit den Gurken. War in der Saison vorher auch mau. Apropos: Zitronenernte auf dem Berliner Balkon – ganz ordentlich! Wie aus dem Bilderbuch. Ich liebe den Klimawandel. Wie die Schnecken. Die selbst in den 4. Stock gekrochen kommen, um sich über meine 24 oder so Erdbeeren der Sorte Mieze Schindler herzumachen. Im Garten das gleiche Theater. Am schlimmsten die roten Nacktschnecken. Dazu Pflaumenwickler, Ameisen ohne Ende – die schwarzen aus dem Wald, hatten ihre Filiale direkt ins Haselhochbeet gesetzt, da war aber Schluß mit lustig, geschützt oder nicht, dann die lieben Kohlweißlinge, bald zur Rosenblüte kommt auch der Rosenlaubkäfer wieder .. der Kampf geht weiter 😉

      • Harry James mit Armbrust

        🙂
        Rosenkohl ist bei mir nur einmal was geworden. Aber bevor ich zum Ernten kam waren die Rehe dran. Na ja, ich hab dann trotzdem noch eine Portion bekommen, mir dazu aber bei einer bekannten Jägerin ein schönes Stück Rehrücken besorgt. Die Art der „Rache“ schmeckte richtig gut 🙂

        Ich habe sehr wenig Probleme mit Kohlweißlingen. Allerdings pflanze ich auch immer Porree, Zwiebeln und Kohl wild durcheinander. Da finden die den Kohl wohl nicht so leicht 🙂
        Gegen die Nacktschnecken helfen Weinbergschnecken. Im Herbst sammeln und im Garten aussetzen. Die fressen die Eier der Nacktschnecken.

      • Wir lagen vor Madagaskar

        Das mit dem Durcheinander ist keine schlechte Idee. Das klappt auch mit den Wühlmäusen so. Da wir keinen Rasen haben sondern eine richtige Wiese mit allem was die Natur so bietet, findet jeder zu fressen. Neben dem Kohlweißling noch 21 weitere, verifizierte Schmetterlingsarten!

        Und ja, Weinbergschnecken habe wir auch genug, zudem die schon seltene einheimische Nacktschnecke sowie diverse andere Gehäuseschnecken. Fehlt nur noch das Reh ..

      • Harry James mit Armbrust

        Wenn ich im Herbst die Kartoffeln raus mache, oder im Frühjahr pflanze und dabei fein still so vor mich herarbeite, dann laufen sie manchmal im Abstand von nur wenigen Metern vorbei. Aber sie haben es bei mir, im Acker, natürlich leichter 🙂
        Große Ackerfläche drumrum und ein Stückchen weg sogar ein kleines Wäldchen. Ich lass inzwischen im Herbst alles stehen was ich wegen Minderwuchs nicht für mich ernte. Da wird über Winter fleißig dran rum gefressen. Egal ob Porree oder Wirsing. Den Sommer über scheinen die Tiere sonst genug zu finden. Allerdings wurde letztes Jahr mein Mangold auch regelmäßig aufgefuttert. von allem anderen, selbst Salat, hielt man sich fern, aber beim Mangold waren die Blätter immer wieder abgefuttert 🙂

        Als ich da oben angefangen bin, hatte ich es mir viel schlimmer vorgestellt. Zaun darf ich nicht, und will ich auch gar nicht. Für die Vögel hab ich Hagebuttenrosen und Hollunder, da bleibt für mich genug übrig. Von den Kirschen halten sie sich eh fern, warum auch immer.

      • Wir lagen vor Madagaskar

        Sie sind schon mutig. Ein Garten so einfach mitten auffen Acker? Wie funktioniert das? Hatte sich Familie Schwarzkittel schon mal für den Sonntag anmeldet?

        Mangold war bei mir auch sofort weg über Nacht. Einfach so weggeschleimt. Doch kein großer Verlust. Viel besser, überaus schmackhaft und auch gesund – und ohne Oxalsäure – sind Brennessel(!) Das Ganze übrigens umsonst, verlangt keine Pflege, ist anspruchslos, wird von den Viechern gemieden und wächst überall ( es muß ja nicht gerade die Autobahnraststätte sein).

      • Duke

        Ich würde Insektenhotels aufstellen um Nützlinge anzulocken. Ihr Problem mit dem massiven Schädlingsbefall klingt so als wenn bei Ihnen im Garten dass biologische Gleichgewicht zwischen Fressfeinden und Beute völlig gekippt wäre.
        Gegen Ameisen hilft nur Ameisengift. Das finden romantische Stadtökos zwar furchtbar aber die kaufen ihren Salat ja auch im Biosupermarkt. Übrigens wurde dieser Luxus-Salat statt mit bienenfreundlicher Chemie dann mit Kupferlösung (=
        schwermetallhaltigem Zeug, (dass das Grundwasser versäucht und für Menschen nachgewiesen giftig ist) gegen Unkräuter gespritzt. Darf sich aber trotzdem Öko nennen weil Kupfer in der Natur vorkommt und nicht chemisch hergestellt wurde. Das der Kunde „Bio“ ganz anders auffasst ist Teil des Konzepts. Die Ökolandwurtschaft lügt sich selbst, bzw ihren gutgläubigen Kunden in die Tasche! Kein geweblicher Biobauer hackt und jätet jeder Woche seine riesigen Felder von Hand gegen Unkraut ab! Biolandwirtschaft fällt wohl auch unter Fake-News.

        Ich finde gegen Schnecken bringen Hochbeete auch was.
        Ansonsten hat man früher zum Schutz gegen alle möglichen Fraßfeinde Gemüsebeete mit Buchshecken eingezäunt. Wenn die schön dicht sind könnte das tatsächlich was bringen.

      • Wir lagen vor Madagaskar

        Ihre Tipps sind sicher richtig, wenn man einen Reihenhausgarten hat. Ein Ameisennest unter der Terrasse oder die Wühlmaus mit rotgeweinten Augen unter der Rasenwüste. Da wird kein Pardon gegeben, gekämpft wird bis zur letzten Blumenzwiebel.

        Wir haben einen Naturgarten mit anderen Dimensionen. Ich müßte schon die Luftwaffe anfordern, um flächendeckend Schneckenkorn auszubringen. Auf diese Weise müßten die Weinbergsschnecken auch dran glauben. Nö, lass mal stecken.

        Im übrigen sind die Neozoen weniger das Problem, sondern die Neophyten, denn diese beanspruchen wirkliche Arbeit mit Säge und Spaten.

      • Harry James mit Armbrust

        Der Bio-Bauer benutzt Kupfer. Die Pflanzen werden damit gespritzt, das ist biologisch und somit bleibts beim Bio-Gemüse ….

      • Duke

        Ja, technisch gesehen gilt mit Schwermetall behandeltes Gemüse als nicht gespritzt, aber gesund ist das dann trotz der sprachlichen Umettikettierung trotzdem nicht. Und richtig schlecht für die Umwelt (Grundwassers) noch dazu. Aber hauptsache „Bio“. Das nenne ich mal Verbrauchertäuschung!

    • Duke

      Tolle Sache! Ich bin auch dabei mir einen kleinen Gemüsegarten hinter dem Haus anzulegen. Nicht um Geld zu sparen sondern aus Lust an der frischen Luft, Spaß an der Sache selbst und ansonsten: wer weiß schon was uns in Zukunft noch alles blüht! Wenn ich mich im Notfall eine Woche aus dem eigenen Garten ernähren kann brauche ich nicht so viele Vorräte horten wie unsere Regierung uns Bürger nahe legt. Im Zweifelsfall geht es auch länger.

      • Harry James mit Armbrust

        Da kommt ganz schnell mehr als eine Woche dabei raus :-))

        Viel Spaß und Erfolg wünsche ich dabei!

  • Tesla

    Essen aus dem 3D-Drucker – das erinnert mich an den Film „Brust oder Keule“ mit Lois de Funès. Eigentlich eine Filmkomödie. Ich glaube, Lois de Funès hätte selbst wohl nie geahnt, wie weit dieser Film (wirklich) seiner Zeit voraus war.

    • Luisa

      Danke für die wunderbare Erinnerung.Für mich einer seiner besten. Werde schauen, ob es eine DVD gibt. Danke Tesla und einen guten Tag.

  • Schwabenwilli

    “ Unser Verhältnis zu Natur, Landwirtschaft und Lebensmitteln ist romantisch. “

    Ich empfehle jedem interessierten sich den Film „Landraub“ von Kurt Langbein und Christian Brüser zu besorgen.

    Was den 3-D-Drucker betrifft, da tut sich einiges. Essen könnte ich mit durchaus vorstellen, aus zusammengemanschten Kohlehydraten, Proteinen, Fetten, Farb und Geschmacksstoffen ein Essen zu „zaubern“, 12 Milliarden Menschen sollten was zu beißen haben aber das ist wohl nur die Vorstufe von soylent green.

    Der Balkon oder der Vorstadt Schrebergarten wird’s aber nicht ganz hergeben, lieber so’n paar Hektar in Kasastan oder Zentralasien mit Kühen, Kartoffeln, Weizen, Obst und Gemüse und jeder Menge scharfer Waffen.

    • claudia50

      Vegetarische Frikadellen oder Würstchen, vegane Fertigprodukte
      das ist schon Pertischale- und Reagenzglasampe in 3-D.

  • Gerd Sommer

    Und wie lange fahren Sie mit Ihrem SUV zum Biobauern, um die Sahne, die dann hoffentlich per Hand aufgeschlagen wird, zu den 24 Erdbeeren zu kaufen? :)))

    Einen Guten u schöne Feiertage gehabt zu haben.