Sir Patrick Stewart war erst umjubelter Shakespeare-Darsteller, dann wurde er als Kommandant des Raumschiffs Enterprise weltberühmt. Seine Wirkung geht weit über die Fans von „Star Trek“ hinaus. Er prägte einen Management-Stil.
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Drei Wörter, mehr brauchte es nicht. „Make it so“: Machen Sie es so. Erfunden hat Patrick Stewart die Formel nicht. Gene Roddenberry, das Genie hinter „Star Trek“, hatte sie ihm 1987 in das Drehbuch der Pilotfolge geschrieben.
Aber Stewart hat den Befehl berühmt gemacht. Er sprach ihn mit der Ruhe eines Mannes, der gut zugehört hat und deshalb nicht mehr zweifeln muss. Es wurde „sein“ Satz.
Hinter den ikonischen Wörtern steht eine Führungsphilosophie. Bei einer Krise an Bord des Raumschiffs Enterprise – des Flaggschiffs der Sternen-Föderation – befiehlt Captain Jean-Luc Picard nicht von oben herab. Er fragt auch unter größtem Zeitdruck seine Offiziere: „Vorschläge?“. Er hört die Ideen seiner Leute an: des ersten Offiziers William Riker, des Sicherheitsoffiziers Worf, des Chefingenieurs Jordi La Forge, des Androiden Data. Er wägt kurz ab, dann entscheidet er sich für einen der Vorschläge: „Make it so.“
Diese Führungsmethode hat Karriere gemacht. Im Jahr 1995 erschien „Make It So – Leadership Lessons from Star Trek: The Next Generation“. Das Management-Buch wurde ein Bestseller. Eine Generation von Führungskräften hat daraus gelernt, dass Zuhören keine Schwäche ist und dass die besten Ideen keineswegs immer vom Chef kommen.
Gute Manager verstehen das, schlechte verstehen es nicht. Das war schon immer so und wird so bleiben.
Sternzeit 1940, Mirfield
Die Mission startet am 13. Juli 1940 in Mirfield im britischen Yorkshire, mitten im Krieg. Das Elternhaus ist arm, der Vater gewalttätig. Der junge Patrick flüchtet sich in die Bücher von Shakespeare.
Mit fünfzehn verlässt er die Schule und arbeitet als Lokalreporter. Er hat keine Gönner und keine Förderprogramme, er hat nur Fleiß. Er spart, lernt und steht früh auf.
So wird aus dem geprügelten Jungen aus der Arbeiterstadt ein umjubelter Schauspieler an der Royal Shakespeare Company. In mehr als 60 Produktionen spielt er Könige, Feldherren und Verräter. Er ist Heinrich IV. und Heinrich V. und ein Shylock. Für seinen Claudius (neben David Tennants Hamlet) bekommt er den prestigeträchtigen „Olivier Award“.
Patrick Stewart war ein ernster, strenger Theatermann alter Schule. Für ihn war der Text ein Vertrag, und die Pause gehörte zum Satz.
Kahlkopf mit Charisma
Hollywood will ihn zunächst nicht. Gene Roddenberry will ihn nicht. Aber die anderen Produzenten wollen ihn – und setzen sich durch.
Ein anderer großer Schauspieler rät Stewart von der Rolle des Picard ab. Ian McKellen, der später den Gandalf in „Der Herr der Ringe“ spielt, ist ein jahrelanger Freund von Stewart und sagt ihm: Du gehörst auf die Bühne. In Hollywood wird zudem geraunt, die Serie werde wohl die erste Staffel nicht überleben.
Sie läuft dann sieben Jahre.
Der Anfang fällt nicht leicht. „Ich habe Jean-Luc Picard nicht verstanden“, bekennt Stewart später. Er sei nie ein Science-Fiction-Fan gewesen. Mit seiner Arbeit in der ersten Staffel ist er unzufrieden. Den Schlüssel zur Rolle findet er dort, wo er als Schauspieler zu Hause ist: Er hat Shakespeares Herrscher gespielt, Männer mit Hunderten Untergebenen und schwerer Verantwortung. Also spielt er den Raumschiff-Kapitän wie einen von ihnen. Er geht „Star Trek“ an wie klassisches Kostümtheater.
Wo andere vor der Kamera stehen, steht er auf der Bühne. Das Publikum merkt den Unterschied.
Professor im Rollstuhl
Ab 2000 spielt er in den Superheldenfilmen der „X-Men“-Reihe den Professor Charles Xavier – einen Gelehrten im Rollstuhl, einen Mutanten mit übernatürlichen Geisteskräften.
Es ist im Grunde wieder Picard: ein Mann der Vernunft in einer Welt der Gewalt. Stewart prägt die Figur über mehr als ein halbes Dutzend Filme, im melancholischen Meisterwerk „Logan“ spielt er ergreifend einen ehemaligen Geistesriesen, der in der Altersdemenz verschwindet.
Von 2020 bis 2023 kehrt Stewart noch einmal als Picard ins Fernsehen zurück – in einer Serie, die vor allem ein Geschäftsmodell der Streamingdienste ist: Man nimmt bekannte Marken und wärmt sie neu auf. Jetzt irrt der – in der Rolle wie im Leben – gealterte Admiral Jean-Luc Picard durch eine düstere, zerfahrene Handlung. Die Zuversicht, die das Original ausgemacht hatte, ist verschwunden.
Doch in einem fast sieben Jahrzehnte währenden Lebenswerk bleibt das nur eine Fußnote.
Das Ende der Reise
Patrick Stewart stirbt am 28. Oktober 2026 in seinem Haus in Los Angeles an Alzheimer und Lewy-Körper-Demenz. Er wird 86 Jahre alt.
Es ist eine bittere Pointe, dass am Ende ausgerechnet einem Mann das Gedächtnis versagte, der Tausende Verse im Kopf mit sich trug. Die Queen hatte ihn 2010 zum Ritter geschlagen. Den Titel „Sir“ trug er mit dem großen Stolz eines Menschen, der ihn sich erarbeitet hatte. Denn geschenkt hatte man ihm nichts.
Seine Memoiren standen auf der Bestsellerliste der „New York Times“. Irgendwann hat er mal gesagt, er wolle den Leuten zurufen: „Ich bin Schauspieler, nicht bloß ein Raumschiffkapitän.“ Er war beides. Er hat uns gezeigt, dass man zuhören und trotzdem führen kann – und dass Haltung aus Arbeit entsteht und nicht aus Pose.
Patrick Stewart hat uns gezeigt, dass Shakespeare auch im Weltraum funktioniert. Make it so.


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Ich mochte Captain (und später Admiral) Jean-Luc Picard in „Star Trek – The Next Generation“ auch sehr gerne. Aber der Wert eines Menschen bemisst sich für mich nicht in irgendwelchen Ehrungen, Auszeichnungen oder Adelstiteln. Deshalb, auch wenn er stolz auf den von der Queen verliehenen Titel war, einfach: Alles Gute für Patrick Stewart, wo immer er jetzt ist.
„…und dass Haltung aus Arbeit entsteht und nicht aus Pose.“ Den Halbsatz könnten sich mal Millionen hier hinter die Ohren schreiben! Ach halt. Verstünden sie ihn, dann bräuchten sie ihn nicht…
DEM HYPE UM IHN kann ich mich nicht so direkt anschließen. Wenn jemand nicht nur in TE, sondern heute auffallend auch in den Mainstreammedien so hochgehyped wird, dann ist mir das suspekt. Er wurde zwar wesentlich älter als ich jetzt bin, aber gesehen habe ich von ihm nichts. Meine Star Trek – Generation war Mr. Spock, nicht Jean-Luc Picard. Dass er, obwohl mit seiner Glatze jetzt nicht direkt optisch auf dem Level eines Robert Redford, vor allem von Frauen wegen seines understatements und seiner „Bescheidenheit“ gelobt wird, hat so ein Geschmäckle. Ein englisches Sprichwort erkennt die Doppelbödigkeit und Widersprüchlichkeit der… Mehr
Ergänzung : Der Chef entscheidet und trägt dafür die Verantwortung. Ich würde den mir durchaus aus beruflicher Managementerfahrung bekannten Satz vom Zuhören um seine nicht unwichtige Fortsetzung ergänzen. Mir scheint, dass es heutzutage eher an der Entscheidung, ihrer Umsetzung und der Verantwortung mangelt. Im Film ist es übrigens etwas leichter als im realen Leben, in einem Unternehmen und natürlich auch in der Politik. Altkluge ( Bullshit)Schwätzer gibt es heute mehr als genug. Werden sie konkret praktisch gefordert, zerbröseln die Blender in ihre mikroskopischen Teile. Da war und ist nichts. Besonders in Schland und wohl auch im europäischen Wertewesten.
Danke für viele unvergessliche Star Trek stunden, Ruhe in Frieden Jean-Luc
„Die Zeit ist ein Gefährte, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen…“
„Tee, Earl Grey, heiß.“
„Sie haben die Brücke, Nummer Eins.“
Der beste Captain der Enterprise ist im Ruhestand. Farewell Jean-Luc!