Wer die Sprache beherrscht, braucht keinen Gender-Stern

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die „Gender“-Sprache ab. Erfreulich ist es, dass sich immer wieder Meister (und Meisterinnen!) der deutschen Sprache öffentlich diesem Unsinn widersetzen. Zuletzt Dieter Hallervorden, der Gendern eine Vergewaltigung der Sprache nennt.

IMAGO / Metodi Popow
Dieter Hallervorden

In den Öffentlich-Rechtlichen ZDF, ARD und DLF, in den meisten Zeitungen, in Firmen wie Audi, in den endlos vielen Büros für „Gleichstellung“ der Ministerien, Kommunalverwaltungen, unteren Behörden, Kirchenämter, Hochschulen, mittlerweile sogar in vormals bürgerlichen Lehrerverbänden, progressiven Parteien ohnehin: Alle beweisen sie sich zwar sprachlich und auch sonst bestenfalls halbgebildet, aber sie gerieren sich pseudo-feministisch haltungsstark: Wider alle Sprachgeschichte, Grammatik und Verständlichkeit wollen sie mit der Brechstange nicht nur schriftlich, sondern auch phonetisch ein „Zeichen“ setzen, zum Beispiel so: BürgerInnen, Bürger:innen, Bürger_innen, Bürger/innen, Bürger*innen. Beistand bekommen sie von Parteien, deren Parteiprogramme schon auch mal über dreihundert „Gendersterne“ schmücken, und von einem Heer an Gender-Forscher_:/*Innen (m/w/d oder so ähnlich).

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Der (Zwangs-)Gebührenzahler, der sich etwa beim ZDF dagegen beschwert, wird – falls es aus der „Zuschauerredaktion“ überhaupt eine Reaktion gibt – gouvernantenhaft belehrt. Und genderversessene leibhaftige Professoren der Linguistik, die „Framing“ durchaus zu Recht als Merkmale von Diktaturen identifizieren, „framen“ alle, die etwas gegen den Gender-Unfug haben, als „AfD-Umfeld.“ Auch diese Professoren werden zwangsfinanziert – diesmal vom Steuerzahler.

Da ist es gut, dass sich der deutsche Michel wenigstens hier gottlob widerspenstig zeigt. Je nach Umfrage lehnen zwischen 65 und 87 Prozent die „Gender“-Sprache ab. Und besonders erfreulich ist es, dass sich immer wieder Meister (und Meisterinnen!) der deutschen Sprache öffentlich diesem Unsinn widersetzen.

Soeben hat dies Dieter Hallervorden getan. „Das Schlosspark Theater wird, so lange ich da ein bisschen mitzumischen habe, sich am Gendern nicht beteiligen“, sagte Hallervorden über seine Bühne in Berlin. Alles, was vonseiten des Theaters herausgegeben werde, solle „nicht dazu dienen, die deutsche Sprache zu vergewaltigen“, erklärte der 85-Jährige soeben bei der Vorstellung des Spielplans 2021/2022. „Natürlich entwickelt sich Sprache“, sagte Hallervorden. „Aber sie entwickelt sich nicht von oben herab auf Befehl. Es hat in der letzten Zeit nämlich zwei Versuche gegeben. Einmal von den Nazis und einmal von den Kommunisten. Beides hat sich auf Druck durchgesetzt, aber nur temporär – und zwar auf Zwang.“ 

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Hallervorden, der ja durchaus kreativ mit der Sprache zu spielen weiß, ist beileibe nicht der einzige Prominente aus dem Kulturbereich, der dem Gendern den Kampf angesagt hat. Dieter Nuhr hatte es schon vor drei Jahren getan. Auch Elke Heidenreich lehnt das Gendern grundsätzlich ab. „Ich kann es auf den Tod nicht leiden, die Sprache so zu verhunzen“, sagte sie. Sie empfinde diese sprachlichen Veränderungen einfach als grauenhaft, aber auch als „verlogen“. Heidenreich weiter: „Wenn ich Künstler sage, meine ich alle Menschen, die Künstler sind, auch die Frauen. Dieses feministische Betonen in der Sprache geht mir gegen den Strich … Ich bin vehement dagegen und lade gern den Zorn der ganzen Nation dafür auf mich – ist mir vollkommen egal“, sagte sie. Oder wie die Wiener Altfeministin (Selbstbeschreibung) und Kulturjournalistin Andrea Schurian über den Genderstern bzw. Genderdoppelpunkt sagte: „Ich will in keinem stillen Sprachloch verschwinden oder der Appendix einer Atempause sein.“

Und einer der ganz Großen der deutschen Sprache hat es anlässlich einer Preisverleihung am 20. August 2021 erneut so gesagt: Reiner Kunze. Er nennt die Genderisierung der Sprache eine eklatante Verarmung der Sprache, eine Denunzierung aller Sprechenden, die sich dagegen verwahren, und eine Einschränkung der Freiheit des Denkens. Wörtlich: „Der Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie, die sich gegen die deutsche Sprachkultur und das weltliterarische Erbe richtet, das aus dieser Kultur hervorgegangen ist.“ Und da kann der sonst so leise Reiner Kunze zornig werden: „Das ist ein Verbrechen gegen unsere Sprache!“

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Kommentare ( 111 )

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Deutscher
1 Monat her

Die Feministinnen sollen ihre gendernde Lingualakrobatik bitte in zweckdienliches Französisch umwandeln.

Last edited 1 Monat her by Deutscher
Deutscher
1 Monat her

Offenbar auch in dieser Hinsicht gut gealtert, der Didi.

W aus der Diaspora
1 Monat her

Für mich, als Frau, ist gendern der verzweifelte Versuch alles männliche zu negieren. Die Gederisten möchten zu gern eine Welt ohne Männer. Wahrscheinlich haben die Frauen irgendwann feststellen müssen, das sie den Männern in ihrem Umfeld „nicht das Wasser reichen“ können. Sollte dann noch hinzu gekommen sein, dass die Männer diese Frauen nicht beachtet haben, so wurde dadurch Hass geweckt. Gendern ist nichts anderes als der Ausdruck von Hass auf Männlichkeit. Alleine schon deshalb müsste Gendern als Hassrede verboten werden. Aber auch weil da solche Sätze bei raus kommen (____ = lange Pause): Draußen auf dem Schulhof tragen die Schüler______innen… Mehr

Ecke
1 Monat her

Heute beim DLF – Taliban*Innen. Nur noch krank. Die sind einfach nicht mehr zu reformieren, man kann die Anstalten nur noch schleifen-

EndemitdemWahnsinn
1 Monat her
Antworten an  Ecke

Bei den Taliban ist die Frauenquote wohl zu niedrig, dann redet man sie eben herbei.

schwarzseher
1 Monat her

Ich werde nicht müde, meinen Vorschlag zu wiederholen. Bevor der feministische Gender Schwachsinn begann, wußte jedes Kind, daß das generische Maskulinum wie Einwohner, Wähler, Teilnehmer, Sportler, Studenten etc. etc. Männer und Frauen gleichermaßen einschloß. Der Schwachsinn trat erst auf, als einige gestörte Feministinnen beim Wort maskulin in Ohnmacht fielen. Deshalb schlug ich schon wiederholt vor, die allgemein gültige Grundform als generisches Neutrum zu bezeichnen. Im konkreten Fall müßten die Männer sich dann mit der neutralen Grundform ( z. B. Wähler ) begnügen, was den Männern ( da nicht hysterisch ) völlig egal wäre, wärend die Frauen exklusiv ( und wieder… Mehr

LadyGrilka55
22 Tage her
Antworten an  schwarzseher

Als alte (klassische) Feministin falle ich bei dem Wort „maskulin“ nicht in Ohnmacht. Das ganze Gerede von den „toxischen alten weißen Männern“ findet ich ohnehin extrem schwachsinnig, das Gender-Gaga ebenfalls. Und außerdem ging mir kürzlich ein furchtbar ketzerischer Gedanke durch den Kopf, nämlich: Wir bräuchten endlich wieder richtige Männer in diesem Land.
Wie konnte es nur dazu kommen, dass ich sowas denke?! 😉

WKW
1 Monat her

Schauen Sie sich die Kommentare der Tagesspiegelleser zu dem Thema an. Dann weiß ich zumindest (ich war leider auch für Berlin, habe aber die Zusammensetzung der Bevölkerung nicht gekannt),warum es falsch war, diesen Ort wieder als Hauptstadt einzusetzen. Weitere Bemerkungen zur Bevölkerung muß ich mir verkneifen, sonst wird mein Leserbrief nicht veröffentlicht.

Tacitus
1 Monat her
Antworten an  WKW

Ihre Umsicht ehrt Sie!
Sagen wir es beim Namen: Berlin ist in manchen Stadtteilen bzw. Genres einfach ganz gruselig aufgestellt!
Ich hatte damals auch Berlin favorisiert, würde es heute aber niemals mehr tun.

Alt-Badener
1 Monat her

Ja richtig, es ist ein Verbrechen gegenüber der Sprache. Alles dient nur einem Zweck: Dem Ausschalten oder dem Vernichten der deutschen Nation. Und (fast) alle Parteien haben sich auf dieses Niveau herabgelassen und werden dafür sogar gewählt werden. Und nur ganz, ganz wenige Deutsche merken, was in Wirklichkeit geschieht, nämlich die Abschaffung der nation namens Deutschland.

Dorothe
1 Monat her

Das Gendern ( neben der Migrationswaffe und der FFF-Bewegung, die den Sozialismus befördert ) soll unser Kultur, unsere (Sprach-)Heimat zerstören. Nachdem alle auf alle gehetzt wurden ( alt gegen jung, arm gegen reich, Männer gegen Frauen………….. ) will man eine Gesellschaft erschaffen, die mit dem was ich kenne und schätze, nicht mehr viel gemein hat.
Gendern: NEIN DANKE!

Wolfgang M
1 Monat her

Glückliche Franzosen. Da ist das Gendern verboten. Den Franzosen ist ihre Sprache wichtiger als irgendwelche blödsinnigen Modeerscheinungen unter der Flagge des Feminismus. Keiner unserer Kanzlerkandidaten würden es wagen, im Amt das Gendern zu verbieten.
Nebenbei. Es gibt Feministinnen, die das Gendern ablehnen, ähnlich wie Quoten und den gesamten Unsinn.

reconquistadenuevo
1 Monat her

Man muss sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Schon seit zwei Jahren verwende ich auf allen meinen Schreiben an Behörden etc. folgende Anrede:
„Sehr geehrte Damen und Herren und ggf. Diverse*innen ! „.
Es ist ja nicht verboten, poltisch „hyperkorrekt“ zu sein.
Zur Nachahmung empfohlen.

EndemitdemWahnsinn
1 Monat her
Antworten an  reconquistadenuevo

Coole Idee, wobei ich das „ggf.“ da noch weglassen würde. Das weiß man ja meistens gar nicht, wenn man einen allgemeinen Brief schreibt, ob es sich um Damen, Herren oder gar um Diverse*innen oder eine Mischung handelt, die das lesen.