Papierfabrik Zanders in Bergisch-Gladbach: Am Tag der Arbeit war Schluss mit der Arbeit

Während die Unternehmerfamilien von Zanders früher viel auch für die Stadt geleistet haben, können sich jetzt die Bürger die hohlen Sprüche von der lokalen Verantwortung fürs Globale anhören. Die klingen in den Ohren der Beschäftigen und ihrer Angehörigen wie Hohn.

Symbolbild

Schock in Bergisch-Gladbach. Am 1. Mai, am Tag der Arbeit, war Schluss mit der Arbeit. Die Mitarbeiter der Papierfabrik Zanders brauchen ab heute, Montag, nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen. Ihre Fabrik hat am 30. April den Betrieb eingestellt! Am Freitagabend kam das Aus für die letzten 360 Beschäftigten.
Zanders hat sich einen Namen als Hersteller qualitätsvoller Papiere gemacht, produzierte in einem hart umkämpften und schwierigen Markt unter anderem edle Papiere mit dem »Gohrsmühle« Wasserzeichen. Doch die Produktion wurde aufgrund steigender Kosten immer unrentabler.

Den letzten Ausschlag gaben jene grotesken CO2-Steuern, die seit diesem Jahr auf Benzin, Diesel, Heizöl und Kohle erhoben werden und nicht nur Produktion, Kochen und Heizung verteuern, sondern auch Transportkosten drastisch heraufsetzen.
Zanders hätte jetzt für sieben Millionen Euro neue CO2-Zertifikate kaufen müssen, ansonsten hätten nach Angaben des Kölner Stadtanzeigers ein Bußgeld in Höhe von drei Millionen Euro gedroht. Gelder, die die Papierfabrik für sogenannte »Verschmutzungsrechte« hätte bezahlen müssen.

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Dabei hat sie nichts anderes getan, als Hitze und Dampf zu erzeugen, eine Pulpe aus Fasern und viel Wasser auf eine Siebbahn aufzuspritzen und die entstehende Papierbahn in vielen Stufen mit Wärmeeinsatz zu trocknen, bis sich dann am Ende die Fasern zu einer Papierschicht verbunden haben. Ein sehr alter, kunstvoller Prozess, bei Zanders mit modernen Maschinen, mit eigenem Kraftwerk sowie Wasserversorgung und -aufbereitung und moderner Logistik so effektiv wie heute möglich umgesetzt.

Die Papierfabrik durchlebte in den vergangenen Jahren eine wechselvolle Geschichte und war mehrfach in Schieflage geraten. Im Juni 2018 beantragte das Unternehmen bereits ein Insolvenzverfahren, schließlich stieg zuletzt eine skandinavische Investorengruppe mit einem Fokus in der Papierproduktion ein. Bei Zanders wurden teuer sehr hohe Umweltstandards erfüllt, eine effektive Logistik aufgebaut und mit modernen Papiermaschinen gearbeitet. Viel mehr ist kaum möglich. Wenn eine solche moderne Fabrik keine Chance mehr hat, dann ist sehr viel verloren.

1829 wurde die Papierfabrik J.W. Zanders gegründet und stellte seitdem hervorragende haderhaltige Qualitätspapiere her. Papierherstellung ist aufwendig, erfordert viel Wasser und Energie sowie teure Maschinen.

‚Mit Bestürzung‘ hat sich Bergisch Gladbachs neuer Bürgermeister Frank Stein zum Aus von Zanders geäußert. »Das ist ein schwarzer Tag für Bergisch Gladbach«, ließ er sich in einem offiziellen Statement zitieren. »Es ist unstrittig, dass die Stadt sich ohne diese bedeutende Firma niemals in der Form entwickelt hätte, wie es sie heute gibt.«

Kein Wort von ihm jedoch zu den Gründen in einer vollkommen durchgedrehten Energie- und Umweltpolitik. Kunststück, der Mann ist in der SPD und der gemeinsame Kandidat von SPD, Grünen und FDP. Ein neues »Ampelbündnis« will die Stadt in die »Klimaneutralität« führen. Jetzt ohne Geld, und ohne Papierfabrik. Aber das stört niemanden weiter.

"Klimagerechtigkeit"
Ein verheerendes Urteil aus Karlsruhe
Die arbeitslosen hochqualifizierten Papiermacher können sich jetzt auf den »Weg in die Klimaneutralität« machen, wozu Theresia Meinhardt und Maik Außendorf (Vorsitzende der Bündnis 90/die Grünen-Fraktion Bergisch Gladbach) alle Bürgerinnen und Bürger Bergisch Gladbachs einladen: »Unsere Stadt wird mit Frank Stein endlich den Weg in die Klimaneutralität einschlagen und den Transformationsprozess in der Mobilität, im Bauen und im alltäglichen Konsum hin zu einem nachhaltigeren Leben aktiv gestalten. Gemeinsam möchten wir uns auf den Weg machen, dass wir auch im Lokalen globale Verantwortung übernehmen.«

Dem FDP-Chef Christian Lindner, zu dessen Wahlkreis Bergisch-Gladbach mit der Papierfabrik gehört, fällt nichts anderes ein als: »Der Strukturwandel ist jetzt auch in Bergisch Gladbach angekommen – das ist keine einfache Situation, aber unaufhaltsam.« Papierherstellung findet künftig eben vorwiegend in Skandinavien statt mit langen Transportwegen nach Deutschland. SPD, Linke und fast alle anderen machen den skandinavischen Investor verantwortlich, der allerdings keinen wirtschaftlichen Sinn mehr erkennt, eine in Deutschland immer teurer werdende Produktion zu bezahlen.

Der Untergang von Zanders darf als ein weiterer »Erfolg« der »Decarbonisierung« Deutschlands betrachtet werden, in dem sich eine energieintensive Produktion nicht mehr rechnet. Das musste auch der norwegische Alukonzern Norsk Hydro erkennen, der praktisch nicht mehr in die Aluhütte Neuss investiert, sondern Ungarn als aufstrebenden Standort forciert.

Was Generationen überdauerte, schaffen klimaneutralitätsstrunkene Linke und Grüne, in wenigen Jahren zu zerstören. Während die Unternehmerfamilien von Zanders früher viel auch für die Stadt geleistet haben, können sich jetzt die Bürger die hohlen Sprüche von der lokalen Verantwortung fürs Globale anhören. Die klingen in den Ohren der Beschäftigen und ihrer Angehörigen wie Hohn. Sie – sowie die Geschäfte in Bergisch-Gladbach – wissen hoffentlich, wem sie ihr Aus zu verdanken haben.

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Kommentare ( 247 )

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D. Ilbert
2 Monate her

Eine kleine, winzige Spitze des Eisberges. Warten wir ab, bis die „wirklich wichtigen“ Land unter melden. Dabei denke ich an Deutschlands Werften, an die Tourismusindustrie, an das Hotel- und Gaststättengewerbe, an ungezählte „Kleingewerbetreibende“, die „am Mann“ arbeiten, vom Friseur über den Masseur bis zur Hure.Wer einen Oldtimer fährt, mag ermessen, in welchen Schwierigkeiten sich Luftfahrtgesellschaften befinden. Vom Erlöseinbruch mal ganz abgesehen. 80% der Maschinen seit 14 Monaten am Boden. Stellen Sie mal ein Auto 14 Monate weg. Da geht anschliessend fast nichts mehr. Wie die Papierhersteller, werden sich die Alu- und Stahlkocher „vom Acker machen“. Deutschland hat fertig. Es merkt… Mehr

Helmut in Aporie
2 Monate her

Wenn alle digitalisiert ist und wir alle gechipt sind, braucht man kein Papier mehr. Aber Vorsicht, Chips werden auch knapp. Neben Autos werden jetzt auch WLAN-Router knapp. Homeoffice ohne Router?
Die gewollte Unterbrechung der Lieferketten zeitigt erste Erfolge!
Nächstes Jahr haben wir hier Chaos. Die Grünen werden es aber richten.

Heinz
2 Monate her

Nachtrag:
Armin Laschet: „Wir brauchen einen höheren CO2-Preis.“

  • Handesblatt.com 4.5.
elly
2 Monate her

„Angesichts hunderter geplanter Beförderungen in Bundesministerien fordert der Bund der Steuerzahler (BdSt) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Eingreifen auf. Verbandspräsident Reiner Holznagel sagte der „Bild“-Zeitung: „Die geplanten Beförderungen muss die Bundeskanzlerin sofort stoppen.“ Der Zeitung zufolge planen zahlreiche Minister in den Monaten vor der Bundestagswahl Beförderungen. Sie haben sich demnach dafür im Haushalt 2021 hunderte neue Stellen genehmigen lassen. Angesichts der „epochalen Krise“ und der damit verbundenen Staatsverschuldung „greift keine Erklärung für das Vorgehen einzelner Minister, getreue Beamte jetzt zu befördern“, so Holznagel. Der BdSt-Präsident forderte „ein Machtwort“ von Kanzlerin Merkel. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr, sagte: „Mit hunderten neuen Stellen… Mehr

Paul Brusselmans
2 Monate her

Statt herumzujammern, sollte man die Opportunitäten sehen. Bei guter Renovierung kann aus den Betriebsgebäuden ein Flüchtlingsheim entstehen. Ausserdem eignet sich der Standort hervorragend für ein Gender- und Antirassismusinstitut.Papier wird sowie voll überschätzt, vor allem dieses teure Geschäftspapier für Briefe, mit denen sich die Wirtschaftsbosse die Zeit vertreiben, anstatt den Klimawandel endlich anzugehen.

Zeit auch, dass endlich Zewa, Sanft & Sicher und die anderen Toilettenpapierhersteller denselben Weg gehen, um die Klimaziele umzusetzen. Ich persönlich habe bereits meinen Kühlschrank in den Garten gestellt und die Tür geöffnet und kühle die Atmosphäre.

Britsch
2 Monate her

Zumindest für mich gibt es die CDU als Partei / Demokratische Partei schon länger nicht mehr. Eine Vereinigung in der Letztendlich alles von einer Person (Merkel) entschieden und bestimmt wird, sowie sämtliche Posten verteilt und bei nicht 100% Gefolgschaft entzogen werden ist in keiner Weise eine Partei bzw. Demokratisch Partei. Die CDU wurde eigentlich allgemein beurteilt daß Sie die Interessen der Mitte vertritt Merkel hat die einstige Partei der CDU / das was angestrebt und vertreten wird wesentlich nach „Links“ verschoben und Diejenige, welche dem nicht gehorsamst und freudig gefolgt sind sämtlicher Posten enthoben, gegen sie intregiert und so kalt… Mehr

Hannibal Murkle
2 Monate her

Selbst zumeist merkeltreue Medien bekommen Zweifel: „Der Überbietungswettbewerb der Klimaradikalen“ https://www.welt.de/debatte/kommentare/article230845879/Umweltpolitik-Ueberbietungswettbewerb-der-Klimaradikalen.html „… Die Richter hatten am Bundesklimaschutzgesetz nur eines als verfassungswidrig kritisiert: dass es für die Zeit nach 2030 keine Regelungen trifft. Doch dank ungenauer Formulierungen und Begrifflichkeiten glaubten Politiker und Klimalobbyisten, aus dem Urteil herauslesen zu können, dass in Wirklichkeit etwas anderes gefordert sei: sofort wirkende, unmittelbare Verschärfungen an allen Fronten des Klimaschutzes. …“„… Auf die Politik aber wirkte der Richterspruch wie ein Habichtschrei auf einen Hühnerhaufen. Bezahlbare Energie, Wettbewerbsfähigkeit, internationale Absprachen, alles steht zur Disposition. …“„… Die regierungsnahe Denkfabrik Agora Energiewende sieht gar die Zeit gekommen, „Klimaräte“ zu… Mehr

JamesBond
2 Monate her

Weiter so, vielleicht merken sich die Grünen mal einen Satz: Der beste Treibstoff für die Bienen ist das Benzin, um die kleinen Tierchen zu den benötigten Trachten und Bestäubungsaufganen zu bringen – ohne Sprit ist keine Berufsimkerei möglich!
Aber die Bienenkisten auf dem Stadtbalkon reißen es raus – Deutschland im Klimawahn.

DeeJay
2 Monate her

Auch ohne diese Forderung von 7 Mio. wäre das Licht dort ausgegangen. Das Unternehmen ist seit 2018 von einer Insolvenz in die nächste gestolpert. Und irgendwann ist dann eben mal Schluß und aus die Maus. Die Maschinen gehörten dem Unternehmen schon nicht mehr und auch das Gelände gehört der Stadt. Alles jetzt auf die CO2 Zertifikate zu schieben mag ja zwar dem eigenen Weltbild dienen, ist aber nicht DER Grund für das Ende des Unternehmens.

Schwabenwilli
2 Monate her
Antworten an  DeeJay

„Die Papierproduktion und die Zellstoffherstellung sind traditionell sehr energieintensiv und wasserintensiv. Steigende Betriebskosten und immer strengere gesetzliche Auflagen erfordern deshalb häufig eine ökologische Optimierung der industriellen Prozesse. Das hat zur Folge, dass Wasserkreisläufe immer weiter geschlossen werden und Aufbereitungsanlagen benötigt werden, die diese Kreislaufwässer behandeln können. Außerdem resultieren daraus aufkonzentrierte Wässer und Abwässer, für die sich bestehende Wasseraufbereitungsanlagen und Abwasseraufbereitungsanlagen oftmals nicht mehr eignen. Hinzu kommen immer strengere Umweltauflagen für die Einleitung der Abwässer, beispielsweise gemäß AbwV Anhang 19 und 28, die deutlich aufwendigere oder erweiterte Aufbereitungsschritte nach sich ziehen. Letztlich bedarf es neuer oder erweiterter Aufbereitungskonzepte“ https://www.he-water.group/de/branchen/papier-zellstoff.html Es ist… Mehr

moorwald
2 Monate her
Antworten an  DeeJay

Aus dem Einzelfall auf das Ganze zu schließen, ist immer riskant. Da mag so viel zusammengekommen sein, das Ende einer Firma hat fast nie nur eine Ursache.
Das ändert aber nichts daran, daß elektrische Energie in Deutschland zu teuer ist (wir leisten uns eine doppelte Versorgung, Erneuerbare plus konventionelle Reserve – oft nicht mehr rentabel) und die Verfügbarkeit unsicher ist.

89-erlebt
2 Monate her

Tja, und nun – am 13.09.20 haben 36 % CDU, 28 % GRÜ und 19 % SPD gewählt – nun gibt es für die ersten die Quittung. Jeder bekommt das, was er gewählt hat. Die Papierfabriker haben den Vorteil, dass sie noch aus noch vorhandenen Steuer Töpfen bedacht werden können. Unter ganz Grün gibts nix mehr.