Fake-Nuss spezial: Rekordtote und Stapelsärge – wenn der Journalismus stirbt

Nicht traurig, sondern komisch war, dass das Satiremagazin „Postillion“ den SPIEGEL korrigierte. Aber in gewisser Weise auch ein medialer Höhepunkt im Corona-Jahr.

„In Deutschland sind binnen 24 Stunden 1.129 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben“, behauptete der SPIEGEL nach den Weihnachtsfeiertagen. Das sei ein „trauriger Höchststand“. Dabei handelte es sich um keinen Höchststand, sondern groben Unfug: da über die Feiertage Gesundheitsämter und andere Behörden kaum besetzt waren, gab es den so genannten Meldestau, der sich dann erwartungsgemäß in einer nachträglichen Welle von Todesmeldungen auflöste. Wie übrigens schon zu Ostern – das Phänomen des Meldeverzugs ist also nicht neu. Es starben also nicht an einem Tag 1.129 Menschen, sondern 1.129 wurden an einem Tag gemeldet, viele davon nachträglich. Wie hoch die Zahl der Toten an den Feiertagen jeweils tatsächlich war, ist wegen dieser Verschiebung offen. Auch, ob sie im Vergleich zu der Zeit vor Weihnachten höher lag – oder ob sie sogar zurückging.

Nicht traurig, sondern komisch war, dass das Satiremagazin „Postillion“ den SPIEGEL korrigierte. Aber in gewisser Weise auch ein medialer Höhepunkt im Corona-Jahr.

Wobei: es gab noch einen zweiten. Auch beim SPIEGEL. „Im Land der Verharmloser stapeln sich die Särge“, berichtete das Magazin atemlos aus Sachsen.

Die stapeln sich allerdings, wie der Leser erfährt, nicht in Massengräbern, sondern bei Bestattungsunternehmern. Zweifellos gibt es in Sachsen viele Tote, die mit oder an Corona starben. Nur führen die SPIEGEL-Autoren nirgends einen Beleg an, dass deshalb ganz Sachsen ein „Land der Verharmloser“ ist. Eine Umfrage der Deutschen Bank hatte zwar ergeben, dass gut 14 Prozent der Menschen in Sachsen in der Corona-Epidemie „keine Krise“ sahen. Nur wurde die Befragung im September durchgeführt, als die Infektionszahlen in Sachsen tatsächlich sehr niedrig waren.
Als im Oktober und November die 7-Tages-Inzidenz im Nachbarland Tschechien auf über 800 (841 am 1.11.) stieg, blieb die Grenze trotzdem uneingeschränkt offen. Erst am 16. November stoppte die Landesregierung den kleinen Grenzverkehr. Da war die Infektionswelle längst übergeschwappt. An den so genannten Verharmlosern dürfte das weniger gelegen haben als im Missmanagement durch die sächsische Staatsregierung. Stand 31. Dezember 2020 sind in Sachsen fünf Prozent der über 80jährigen Männer positiv auf Covid-19 getestet – im Bundesschnitt nur 2,4 Prozent. Auch das spricht weniger für „Verharmloser“ im ganzen Land, sondern für einen schlechten Schutz der Alten- und Pflegeheime.

Nach Sachsen wurden bisher 68 000 Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs geliefert – aber bis Dienstag gerade 1500 verimpft.

Viel zu späte Grenzschließung, schlechter Schutz für die Alten, sehr schleppende Impfung – das alles weist auf eine schlechte Organisation durch die Landesregierung hin – während Ministerpräsident Michael Kretschmer sich als besonders harter Corona-Bekämpfer inszeniert, und „autoritäre Maßnahmen des Staates“ ankündigt.
Normale Maßnahmen hätten schon genügt.

Statt nach dieser Verantwortlichkeit zu fragen, nimmt der SPIEGEL populistisch ein ganzes Land in Haftung.

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Kommentare ( 65 )

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Ulrich
5 Monate her

Die Tatsache, dass ein Großteil der Gesundheitsämter an Wochenenden und über die Feiertage das Virus einen guten Mann sein läßt, spricht eigentlich für sich. Fällt irgendwo ein Strommast um, ruht der Energieversorger nicht, bis der Schaden behoben ist. Ich habe noch nie gehört, dass die dann normalen Feierabend machen und die Stromlosen damit vertrösten, dass ja schließlich Wochenende sei. Aber in einer Pandemie, bei der hierzulande täglich ein vollbesetzter Jumbo-Jet abstürzt und die Leichen unbeerdigt in den deutschen Straßen liegen, ist Wochenendruhe erste Gesundheitamtmitarbeiterpflicht. Vielleicht sollten wir auch mal für diese klatschen.

Markus Machnet
5 Monate her
Antworten an  Ulrich

Es ist schwer Beamte aus ihrer Beamtenruhe zu bringen.
Evtl. mit mehr Geld, da dürfte der Puls zumindest kurzfristig etwas ansteigen.
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, daß dadurch der Arbeitseinsatz zunimmt. Schließlich soll das Rentenalter bei bester Gesundheit erreicht werden. Da ist übermaßige Tätigkeit oder gar Streß kontraproduktiv.

Pankratius
5 Monate her

Das Blatt an der Hamburger Erregungsspitze Nr. 1 (Wendt) ist seit etlichen Jahren eine journalistische Fälscherwerkstatt mit Professor Dr. Dr. h.c. c. meritis mult. Claas Relotius temporaliter emeritus an der Spitze.
Fälschung und Zutreffendes sind bei dem Ding, das behauptet zu schreiben, was sei, genau so wenig zu unterscheiden wie die Lehrmeinung seiner Scribenten von der Tatsachenschilderung . Mal Herrn Relotivus dazu als Sachverständigen hören.

Riffelblech
5 Monate her

Die Journalisten der sog. Qualitätsmedien sind doch nur billige Selfifotografen ,die für eine besonders schräge Meldung jeden inneren Halt aufgeben und sich auch noch die dümmsten Nummern einfallen lassen .
Um wem zu gefallen ?
Natürlich ihren Geldgebern aus der Regierung.
Regierungskritik — Fehlanzeige !
Wüstes Beschimpfe und Verunglimpfung der Regierungskritiker — immer wieder gerne !

Hanno Spiegel
5 Monate her

Willfähiger Helfer aus Tradition: Das RKI:
Zwischen 1933 und 1945 war das Robert Koch-Institut, das ehemalige Preußische Institut für Infektionskrankheiten, als staatliche Forschungseinrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens eng in die nationalsozialistische Gewaltpolitik eingebunden. Das Institut unterlag in dieser Zeit einem erheblichen personellen und organisatorischen Wandel. Seine Forschungs- und Beratungstätigkeit stellte es willfährig in den Dienst des NS-Regimes. Im Frühjahr 1933 wurden sämtliche Mitarbeiter jüdischer Herkunft entlassen.

https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Geschichte/Dokumente/Erinnerungszeichen_Broschuere.pdf?__blob=publicationFile

andreas donath
5 Monate her
Antworten an  Hanno Spiegel

Und ob es das ist! Für mich haben Zahlenspiele und Publikationen des RKI schon seit längerem keine Relevanz mehr – es kommt aus der (Kader-)Schmiede der Merkel, Spahn, Söder und Co. und ist damit für mich potenziell verdächtig, manipuliert zu sein. Schauen Sie sich diesen willfährigen Wieler doch an – eine Bücklingsnatur sondersgleichen. Vor Monaten hat dieser unerträgliche Mensch schon gefordert, dass die Regierungsmaßnahmen in Sachen Corona nicht hinterfragt werden dürfen. Wieler und Drosten: Ein schreckliches Gespann der Merkel-Handlanger ohne wissenschaftliche Expertise, auch wenn Drosten so tut als ob – sein PCR-Test ist eine einzige Frechheit.

Korner
5 Monate her

Journalismus? Der ist spätestens seit 2015 mausetot. Die wenigen ehrlichen, kann man an einer Hand abzählen. Zwar sitzen die hier (noch nicht) im Gefängnis, werden aber ebenso hart isoliert und ausgegrenzt. Deutschland steckt in der Propagandafalle der Merkel. Dass Merkel auch noch den politischen Gegner eingespannt hat, um ihr perfide Spiel abbilden zu können, ist wirklich einmalig in der Geschichte Deutschlands.

andreas donath
5 Monate her
Antworten an  Korner

Das ist kein politischer Gegner mehr, es ist eine große Einheitspartei, genau so wie Merkel es seit ihrer Sozialisierung gewöhnt ist.

karel
5 Monate her

Fakt ist, daß die Übersterblichkeit in Sachsen inzwischen bei 39 % im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum liegt.
Es ist schon eigenartig, daß die „Verharmloser“, die gern den Grippe-Vergleich bemühen, nun plötzlich den Bundesminister Spahn anklagen wegen der zögerlichen Verteilung der Impfstoffe.
Was nun?
Der Selbstbetrug befreit auch nicht vor Übernahme von Verantwortung

Korner
5 Monate her
Antworten an  karel

Falsche Zahlen helfen nicht.

Ulrich
5 Monate her
Antworten an  karel

Eine Übersterblichkeit ist nur aussagekräftig im Kontext mit der Sterblichkeitsrate der Folgemonate. Erst wenn es zu keiner „Untersterblichkeit“ kommt, wird es interessant.Wir hatten schon Übersterblichkeiten im Sommer, bedingt durch Hitzeperioden, gefolgt von Untersterblichkeit.

Alexis de Tocqueville
5 Monate her
Antworten an  karel

Die Sterblichkeit im Vorjahr war auch niedrig, eine Untersterblichkeit. Im langjährigen Mittel ist die Sterblichkeit immer noch ganz normal.
Man denke mal an den Grippewinter vor zwei Jahren.

reiner
5 Monate her

komme mir vor wie im mittelalter, wo man noch an hexen,teufel und sonstwen glaubte.die hexenverbrennungen (kritische bürger oder journalisten) waren dann das endstadium des schwachsinns.der ganze scheiß ist so leicht zu durchschschauen nur machen sich 80% der michel nicht die mühe mal im net zu recherchieren oder wollen es nicht wahrhaben..merkel mit ihrer presse testet die belastbarkeit aus bis zur nächsten ,,bombe,,.

Kassandra
5 Monate her
Antworten an  reiner

Der Mensch der Aufklärung stirbt gerade.
Mundtot ist er zu großen Teilen jedenfalls schon.
Gegen indoktrinierte Gläubige kann man nichts machen. Bis solche auf dem Boden der Tatsachen aufprallen, ist alles Porzellan bereits zerdeppert.

Contenance
5 Monate her

Schönstes „magisches Denken“ – Grenzschließungen und Ausgangssperren schützen die Alten in den Pflegeheimen.

Evtl kommt ja der Durchbruch im Kampf gegen Covid, wenn man mal wieder eine Hexe verbrennt.

MariaundJosef
5 Monate her
Antworten an  Contenance

Ich wüsste da eine…..🧙

Fragen hilft
5 Monate her

Wenn man seine Träume verwirklichen will,
muss zuallererst die Realität aus dem Denken entfernt werden durch immer und immer und immer wieder diffamieren und verleumden.

Philokteta
5 Monate her

Nun ja, ich fürchte, die meisten Bürger erkennen nicht, daß sie hinters Licht geführt werden.