Creditreform erwartet mehr überschuldete Privathaushalte und Firmeninsolvenzen

Inflation, Zinserhöhung und Umbau der Energie führen laut Creditreform dazu, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte erstmals seit vier Jahren wieder steigen wird. Auch Firmeninsolvenzen werden deutlich zunehmen.

IMAGO / Michael Gstettenbauer

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage für viele Privathaushalte in diesem Jahr erheblich verschlechtern wird. „Es ist die Kombination aus lang anhaltender Inflation, langfristigem Energieumbau und der Zins-Zäsur an den Märkten, die die finanziellen Lasten der Verbraucher mittelfristig vergrößern wird“, sagte der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, dem Handelsblatt. Als Konsequenz rechnet er damit, dass die Zahl der überschuldeten Menschen am Ende dieses Jahres erstmals seit vier Jahren wieder steigen wird.

Zum Energieumbau gehören die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, Öl- und Gasheizungen künftig quasi zu verbieten und die Pflicht, bestehende Heizungsanlagen gegen Wärmepumpen auszutauschen. Der Präsident des Eigentümerverbandes „Haus und Grund“, Kai Warnecke, hat davor gewarnt, die Vorschriften für den Austausch alter Heizungen weiter zu verschärfen. Er mahnte, für viele Eigentümer sei das finanziell nicht zu stemmen. Die Sanierungskosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus beziffert er auf mindestens 150.000 Euro (TE berichtete).

Auch auf europäischer Ebene bahnen sich hohe Kosten für Immobilienbesitzer an. Laut eines EU-Richtlinienentwurfs sollen bis 2033 alle Wohngebäude einen höheren Energiestandard erreichen. Nach Einschätzung des Parlamentarischen Geschäftsführers der CDU/CSU-Abgeordneten im EU-Parlament, Markus Pieper, müssten bis 2033 rund sechs Millionen Wohnhäuser saniert werden, wenn die EU-Richtlinie zur Energieeffizienz verabschiedet wird. Kritiker warnen vor dieser „Zwangssanierung“.

Die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen in Deutschland, dürfte nach Hantzschs Einschätzung dann über neun Prozent betragen. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 8,48 Prozent. Hantzsch erklärt die zu erwartende Kehrtwende in diesem Jahr mit den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Verbraucher. „Die hohen Guthaben, die während Corona auf den Konten der Verbraucher aufgebaut wurden, haben, gepaart mit einer historischen Konsumzurückhaltung, für einen Puffer gesorgt, der aber heute nahezu aufgebraucht ist“, sagte er.

Parallel dazu seien Unternehmen „massiv subventioniert“ worden, um einen Arbeitsplatzabbau zu verhindern. Doch nun werde die Unterstützung für die Wirtschaft wieder zurückgefahren. „Viele Durchwurschtler treffen jetzt auf ein hochvolatiles Wettbewerbsumfeld.“ Hantzsch erwartet daher, dass die Zahl der Firmeninsolvenzen 2023 deutlich zunehmen werde – mit den entsprechenden Folgen für Arbeitsplätze.

Hinzu kommt der Arbeitsplatzabbau durch Unternehmensschließungen und Verlagerungen der Produktion ins Ausland wegen der hohen Energiekosten hierzulande. Die Deindustrialisierung Deutschlands im Sinne grüner Politik hat damit längst begonnen. All das sind pessimistische Aussichten – und zwar über das Jahr 2023 hinaus.

(mit Material von dts)

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Kommentare ( 10 )

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Ingolf
11 Monate her

Man könnte es mit der Ironie der „Ampel“ versuchen und anführen, es gibt ja keine Überschuldung, sondern nur eine Zunahme des „Sondervermögens“. Aber, ernsthaft. Wer glaubt denn, dass die EU-Vorgaben in den Nachbarstaaten Deutschlands überhaupt zur Umsetzung gelangen? Einzig der „Musterknabe Deutschland“ wird die Vorgaben umsetzen bzw. diese Vorgaben noch übertreffen wollen, um damit ein „Zeichen“ zu setzen. In den Nachbarstaaten wird man sich ein weiteres Mal über die Dummheit in diesem Land wundern. Vergessen werden sollte auch nicht, dass wir mit der „Grundsteuerreform“ einen weiteren Kostenfaktor erleben werden, der zusätzliche Kosten verursachen wird. Für Stuttgart gab es bereits die… Mehr

Martin Muehl
11 Monate her

Warenkorb/Inflation
Kurz gesagt: der Warenkorb wurde geändert. 2022 wurden die Kosten für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe noch mit 252,20 Promille gewichtet, für 2023 werden diese mit 165 Promille gewichtet.
So wird die wirkliche Inflation heruntergerechnet.
(Quelle: Epoch Times)

Tizian
11 Monate her

Das nach den wichtigsten Industrie-und Energiezweigen jetzt auch noch der Immobilienmarkt nicht nur reguliert und quasi verstaatlicht werden soll, sondern vom EU-Moloch und der eigenen Regierung zuerst noch kaputtgemacht wird, scheint bei den meisten Immobilienbesitzern noch gar nicht richtig angekommen zu sein, egal ob privater Vermieter oder Eigennutzer. Was aber nun endgültig offensichtlich wird ist vor allem auch, daß in unserem angeblich so reichen Land selbst viele Immobilienbesitzer praktisch pleite sind, von der Hand in den Mund leben und selbst kleinere Investitionen kaum oder gar nicht finanziell stemmen können. Die Masse der Bürger ist schon jetzt entweder in soziale und… Mehr

alter weisser Mann
11 Monate her

Stichwort: Zwangssanierungen
Ich werde genau gar nichts tun, was die Politik da erwartet. Ob das in der Breite machbar oder überhaupt durchsetzbar ist, bleibt abzuwarten.
Aber gut, in einem Land wo alle schön brav sind ….

alter weisser Mann
11 Monate her

Es gab unter Abwicklern immer mal die sarkastische Aussage „Der Kredit ist die Ursache der Pleite“. Das realisiert sich immer dann, wenn die Zinsen steigen.
Zur Erinnerung: Auf die Pleitewelle hat man seit Corona gewartet, jetzt kommt der Zinsanstieg und tritt sie los.

CIVIS
11 Monate her

„Pessimistische Aussichten für 2023“ können die Ampel-Parteien und die Bundesregierung nun gerade gar nicht gebrauchen.

Also warten wir mal ab, bis -wie üblich- eine querdenkende Creditreform als Institution „alter weißer Männer“ in die „Rechte Ecke“ gestellt wird.

Und danach sind dann alle Aussagen von Creditreform „Verschwörungstheorien“.

P.S.: Querdenken war und ist für mich noch immer eine Auszeichnung !

Albert Pflueger
11 Monate her

Man darf nicht vergessen, daß der EU-Verbraucherschutz Konsumenten davor schützt, Darlehen aufzunehmen, die sie nicht vor Erreichung des Rentenalters zurückzahlen können. Man bekommt dann einfach das Geld nicht. Das wird ganze Ortschaften betreffen. Und dann? Endlich weg mit den Grünen? Vielleicht doch AfD wählen? Wir werden sehen.

Albert Pflueger
11 Monate her

Wenn die Sanierungskosten für Häuser so hoch sind, wie hier angegeben, dann bedeutet das bei 5% Zins und 2% Tilgung eine zusätzliche monatliche Belastung von 875 Euro, zu zahlen aus dem Netto, nach Steuern und Sozialabgaben. Da muß das Auto weg, man muß einen Roller kaufen und radeln. Die Verarmung nimmt ihren Lauf. Die Grünen müssen entmachtet werden. Ich kann nur empfehlen, mal „Achtung Reichelt“ zu schauen auf youtube, der fährt eine knallharte Strategie gegen die Grünen, ja, das ist Propaganda, gebe ich zu, aber sie dient einer guten Sache, weil die Zuspitzungen den wahren Charakter dieser Politik lediglich grell… Mehr

Albert Pflueger
11 Monate her

Man darf nicht vergessen, daß es sehr viele Häuser gibt, die aufgrund ihrer Bauweise nicht so gedämmt werden können, daß sie die jeweilige Energieeinsparverordnung erfüllen. Für Fachwerkhäuser ist das das Aus, die gehen kaputt, wenn man sie komplett einpackt. Die Ansicht wird ohnehin komplett verschandelt, mit Schaudern erinnern sich Ältere an manche vorgesetzte Fassade aus Eternitplatten, hinter der das Holz vergammelte, weil es nicht ausreichend belüftet wurde.

Sani58
11 Monate her

Da kann man nur sagen: diese Regierung gehört abgelöst. Baldmöglichst.
Aber wer hört schon auf die paar alten weißen …. womöglich auch noch aus dem Osten.