Milliarden für künstliche Intelligenz reichen den Anlegern nicht mehr: Sie wollen Gewinne sehen. Hohe Ölpreise und neue Inflationssorgen setzen die Börsen zusätzlich unter Druck. Nun müssen Technologiekonzerne und Notenbanken liefern.
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Es war eine bemerkenswerte Entwicklung. Während die großen Technologiewerte in dieser Woche wieder unter Druck gerieten, hielten sich viele andere Aktien deutlich besser. Die Börse verabschiedet sich also nicht grundsätzlich von Aktien. Sie wird nur bei den bisherigen Lieblingen etwas wählerischer.
Dafür gab es in dieser Woche gleich mehrere Gründe. Tesla musste einen deutlichen Gewinnrückgang einräumen. Meta präsentierte zwar kräftig steigende Umsätze, aber auch erhebliche Kosten. Und der Chipausrüster Lam Research zeigte, dass selbst glänzende Quartalszahlen nicht automatisch für Begeisterung sorgen.
Die Unternehmen investieren gewaltige Summen in künstliche Intelligenz. Doch die Anleger wollen zunehmend wissen, wie viel davon am Ende als Gewinn übrig bleibt. Hinzu kam der Ölpreis. Brent kostete am Donnerstag zeitweise wieder rund 111 Dollar je Barrel. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sorgen für Nervosität. Teures Öl verteuert Transporte und Produktion und kann damit die Inflation erneut anheizen. Das macht die Lage für die Notenbanken schwierig. Denn solange die Inflation ein Problem bleibt, gibt es wenig Spielraum für sinkende Zinsen. Immerhin fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Donnerstag auf knapp fünf Prozent.
Früher schickte Elon Musk Raketen ins All. Inzwischen verdient er auch kräftig mit künstlicher Intelligenz. Wie kräftig, zeigten die Quartalszahlen von SpaceX am Dienstag. Der Umsatz sprang um 161 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 4,4 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte noch ein Verlust von 1,1 Milliarden in den Büchern gestanden. Die Aktie gewann am Mittwoch knapp acht Prozent. SpaceX verdient weiterhin viel Geld mit seinem Satelliteninternet Starlink. Doch inzwischen ist das Geschäft mit künstlicher Intelligenz sogar der größte Umsatzbringer. Die Sparte Super Intelligence erzielte im dritten Quartal rund 7,6 Milliarden Dollar Umsatz. Dahinter stecken unter anderem Rechenzentren, Cloud-Dienstleistungen und KI-Software. Damit ist aus dem Raketenunternehmen längst ein Technologiekonzern geworden, der in mehreren der derzeit spannendsten Märkte gleichzeitig mitmischt. Allerdings hat das seinen Preis. SpaceX investierte allein im dritten Quartal 19,6 Milliarden Dollar. Und am Donnerstag verlor die Aktie nach ihrem Kurssprung vom Mittwoch wieder rund neun Prozent. Auf Wochensicht blieb damit nur noch ein kleines Minus. Das zeigt, wie nervös Anleger inzwischen auf die gewaltigen KI-Ausgaben reagieren.
Das gilt auch für Meta.mEigentlich liefen die Geschäfte bei Meta ausgesprochen gut. Der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 26 Prozent auf 64,6 Milliarden Dollar. Das Werbegeschäft bleibt eine wahre Geldmaschine. Trotzdem verlor die Aktie am Donnerstag rund acht Prozent. Ein Grund war eine Belastung von 9,9 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit einem Vergleich über die Auswirkungen sozialer Netzwerke auf die psychische Gesundheit Jugendlicher. Dadurch sank der operative Gewinn um 37 Prozent auf knapp 13 Milliarden Dollar. Die operative Gewinnmarge halbierte sich von 40 auf 20 Prozent. Allerdings ist diese Zahl erklärungsbedürftig. Ohne die einmalige Belastung wäre der operative Gewinn auf rund 22,9 Milliarden Dollar gestiegen und damit höher ausgefallen als im Vorjahr. Das eigentliche Problem liegt deshalb woanders.
Auch in der kommenden Woche wird es bei künstlicher Intelligenz ernst. Am Mittwoch legt Microsoft seine Quartalszahlen vor. Besonders interessant wird, wie stark das Geschäft mit Cloud-Dienstleistungen und KI weiterwächst.
Auch Alphabet steht weiter unter Beobachtung. Die Google-Mutter investiert gewaltige Summen in Rechenzentren und KI-Modelle. Gleichzeitig muss sie ihr bisher hochprofitables Suchmaschinengeschäft verteidigen. Denn wenn Nutzer ihre Antworten zunehmend direkt von einer KI bekommen, könnte das die klassische Suche verändern. Und damit auch das Geschäft mit Werbung. Für Alphabet ist das eine besondere Herausforderung. Der Konzern muss mit künstlicher Intelligenz neue Einnahmen erzielen, ohne dabei seine bisherigen Gewinne zu gefährden. Die interessante Frage ist deshalb nicht nur, wie schnell die Cloud-Sparte wächst. Sondern auch, ob sich der enorme Aufwand für Rechenleistung zunehmend bezahlt macht. Google muss gewissermaßen sein eigenes Geschäftsmodell umbauen, bevor es ein anderer tut. Das kann teuer werden. Nichtstun allerdings auch.
Der am Vortag um fast drei Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte September gesunkene Tech-Auswahlindex Nasdaq 100 schloss am Freitag prozentual unverändert bei 28.958 Punkten. Auf Wochensicht verbuchte er ein Minus von 0,8 Prozent. Die im Tech-Sektor dominierende KI-Fantasie hat zuletzt einige Schrammen davongetragen. Die Debatte darüber, ob sich die immens hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz am Ende auszahlen werden, bestimmt nach wie vor das Bild.
Der Leitindex Dow Jones Industrial verlor am Freitag 1,2 Prozent auf 52.215 Zähler. Daraus ergibt sich eine Wochenbilanz von plus 0,4 Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 ging es zum Wochenschluss um 0,5 Prozent auf 7.624 Punkte nach unten. Er verzeichnete damit für die beendete Handelswoche ein Minus von 0,5 Prozent.
Der Dow hat sich im Oktober bereits sichtbar von den zwei vorangegangenen, schwachen Monaten erholt. Dagegen ist der Nasdaq von seinem früh im Oktober erreichten Rekordhoch deutlich zurückgefallen. Im bisherigen Jahresverlauf liegt er aber immer noch vorn.
Bei American Express stand zum Wochenschluss ein Kursrückgang von 3,7 Prozent zu Buche, obwohl der Finanzkonzern nach Quartalszahlen sein Gewinnziel für 2026 angehoben hatte. American Express streicht rund 3.500 Stellen und will auf diese Weise die steigenden Kosten in den Griff bekommen. Im Dow landeten die Papiere auf dem letzten Platz.
Chevron führten den Dow mit einem Zuwachs von 2,9 Prozent an. Auch seit Jahresbeginn sind die Chevron-Papiere mit einem Plus von 53 Prozent der stärkste Wert im US-Leitindex. Der Energiekonzern profitierte und profitiert von den steigenden Ölpreisen. Dem Ölsektor insgesamt gaben am Freitag Kursgewinne von 7,1 Prozent für den Ölfelddienstleister SLB (ehemals Schlumberger) nach Quartalszahlen Auftrieb. SLB sprach zudem von einer allmählichen Erholung seiner Geschäfte im Nahen Osten trotz Unterbrechungen durch den Iran-Krieg.
SpaceX verhandelt Kreisen zufolge mit zumindest einem großen Anbieter über den Kauf von mindestens 80.000 Mobilfunkmasten und würde damit in das herkömmliche Mobilfunkgeschäft einsteigen. Bislang verdient der Raumfahrt- und KI-Konzern von Elon Musk in diesem Bereich sein Geld mit dem satellitengestützten Internetdienst Starlink. Eines der Unternehmen, mit denen SpaceX derzeit Gespräche führt, ist Crown Castle, das zusammen mit American Tower und der nicht börsennotierten Vertical Bridge zu den größten Eigentümern von Mobilfunkmasten zählt.
Während Crown Castle mit einem Plus von 9,1 Prozent und American Tower mit plus 4,1 Prozent von den Nachrichten profitierten, wurden Aktien von Mobilfunkanbietern davon belastet. AT&T und T-Mobile US verloren acht beziehungsweise 7,7 Prozent aufgrund der Befürchtungen hinsichtlich der neuen Konkurrenz. SpaceX legten um 1,9 Prozent zu.
Nach dem schwachen Vortag blieb auch der Dax am Freitag unter Druck. Enttäuschende Konjunktursignale aus Frankreich verstärkten die wegen hoher Ölpreise und KI-Zweifeln ohnehin großen Sorgen der Anleger noch einmal. Der deutsche Leitindex büßte letztlich 0,7 Prozent auf 25.182 Punkte ein und rutschte zurück unter die 21-Tage-Linie als Indikator für den kurzfristigen Trend. Auf Wochensicht ist der Dax damit um 1,7 Prozent gefallen. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor am Freitag 0,7 Prozent auf 29.876 Zähler.
Die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone hat sich im Oktober überraschend deutlich eingetrübt, wie der Einkaufsmanagerindex von S&P Global zeigt. Demnach wird die Wirtschaft vom Inflationsdruck und den Sorgen um den französischen Staatshaushalt belastet. Aus Sicht von Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank wird die Protestwelle in Frankreich zum Konjunkturrisiko, wenngleich die Daten für die deutsche Industrie Grund zum Optimismus gäben. Peter Reichel von der Investmentbank Oddo BHF sprach an den Märkten von einem „Balanceakt“ zwischen Wachstum, Inflation und Zinsen.
Die Chartexperten der HSBC sehen den Dax, der im Oktober bisher im Bereich von 25.000 bis 25.700 Punkten schwankt, gefangen zwischen den besonders beachteten 50- und 200-Tage-Indikatorlinien. Sie sprechen von einem „Grad an Unentschlossenheit“, sehen aber die Chance auf einen „Nährboden“ für eine neue Trendbewegung, sofern die 200-Tage-Linie nachhaltig verteidigt wird. Aktuell verläuft sie bei etwa 24.879 Zählern. Kommende Woche rücken dann die Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) in den Fokus.
Einige Dax-Titel wurden von US-Werten belastet. Dazu gehörten die 0,9 Prozent schwächeren Adidas-Anteile, die laut Händlern darunter litten, dass der US-Schuhkonzern Deckers Outdoor seinen Ausblick senkte. Infineon-Aktien büßten derweil 2,4 Prozent ein, mit Blick auf den Nasdaq 100 blieben die Anleger auch im europäischen Tech-Sektor nervös.
Noch massiver erwischte es aber MTU mit 4,8 Prozent und die Deutsche Telekom mit 3,2 Prozent Kursminus. Der Triebwerksbauer war Dax-Schlusslicht angesichts durchwachsener Resultate des Wettbewerbers Safran. Die Telekom gab ihre Vortagsgewinne wegen neuer Sorgen vor US-Konkurrenz durch SpaceX wieder ab.
Besser erging es wegen Branchenvorgaben dem Zementkonzern Heidelberg Materials und dem Konsumgüterhersteller Beiersdorf. Die Titel der beiden Dax-Werte stiegen nach überzeugenden Quartalsberichten der Konkurrenten Holcim und L’Oreal um 1,7 beziehungsweise 2,4 Prozent.
Ein Bericht über ein nachgebessertes Kaufangebot des Chemiekonzerns BASF hievte die Evonik-Aktien mit 2,7 Prozent ins Plus auf 21,26 Euro. BASF sei jetzt dazu bereit, etwa 24 Euro je Aktie zu zahlen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut einem Bericht der „Financial Times“ hatten zuletzt 22,15 Euro je Aktie im Raum gestanden. BASF-Aktien reagierten kaum darauf.
Wenig Reaktion zeigten auch die Titel von Munich Re. Nach der jüngsten Kursrally nahmen die Anleger nüchtern zur Kenntnis, dass der Rückversicherer nach einem starken dritten Quartal sein diesjähriges Gewinnziel anhob. Seit Juni sind die Aktien bereits um fast 28 Prozent gestiegen.
Bei Atoss Software entschieden sich die Anleger nach gutem Lauf für Gewinnmitnahmen, der Kurs des im Kleinwerte-Index SDax notierten Softwareanbieters sackte um neun Prozent ab. Dem erhöhten Margenausblick stand gegenüber, dass Atoss den Gesamterlös nun eher am unteren Ende seiner Prognosespanne sieht. SGL Carbon konnte mit dem Verkauf eines ehemaligen Standorts in den USA punkten, die Aktien stiegen um 2,5 Prozent. SGL erhöhte außerdem die Jahresprognose für den freien Barmittelzufluss.
Der Blick nach vorn
Die kommende Woche könnte an den Börsen ziemlich spannend werden. Am Mittwoch entscheidet die amerikanische Notenbank über die Zinsen. Die Entscheidung wird um 19 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Einen Tag später folgt die Europäische Zentralbank. Gleichzeitig nimmt die amerikanische Berichtssaison weiter Fahrt auf. Neben Microsoft stehen die Ergebnisse weiterer großer Technologiekonzerne im Mittelpunkt.
Am Donnerstag um 13.30 Uhr deutscher Zeit kommen außerdem gleich zwei wichtige US-Konjunkturdaten: die erste Schätzung des Wirtschaftswachstums im dritten Quartal und der PCE-Preisindex für September. Beide Zahlen könnten die Zinserwartungen kräftig bewegen.
Fällt die Wirtschaft überraschend stark aus und bleibt die Inflation hoch, dürfte die Notenbank wenig Grund für eine lockerere Geldpolitik sehen. Gleichzeitig müssen die Unternehmen beweisen, dass ihre gewaltigen KI-Investitionen tatsächlich neue Gewinne bringen.
Damit treffen zwei Fragen aufeinander: Wie teuer bleibt das Geld? Und wie viel lässt sich damit künftig verdienen? Die Börse hat bereits ziemlich große Antworten eingepreist. Jetzt müssen die Unternehmen sie nur noch liefern. Das könnte der schwierigere Teil werden.

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