Vom eigenen Golfplatz in Doonbeg im Westen Irlands aus kritisierte US-Präsident Donald Trump am Sonntag Wolodymyr Selenskyj: „Er muss aufhören, den Dieseltreibstoff in Russland zu vernichten". Ziele gebe es genug – Diesel sei nicht dabei, das schade der Welt.
picture alliance / AP Photo/Peter Morrison | Peter Morrison
Die Rekordpreise auch an den amerikanischen Zapfsäulen sind der Anlass für diese Kritik Trumps am ukrainischen Präsidenten: Der landesweite Dieselpreis durchbrach erstmals die Marke von sechs Dollar – zeitweise lag er über 6,05, später sogar bei 6,20 Dollar. Seit Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran Ende Februar ist Diesel in den Vereinigten Staaten um 55 bis 65 Prozent teurer. Superbenzin stieg etwas weniger, aber ebenfalls kräftig. Diesel bewegt bekanntlich Lkw, auch Züge, Schiffe und Erntemaschinen. Wenn Diesel-Treibstoff knapper wird, werden auch Lebensmittel und Lieferungen teurer – und das wenige Wochen vor den Midterms am 3. November.
Donald Trump bestritt, dass der Irankrieg und die zeitweise Komplettsperre der Straße von Hormus die Ursachen für die Teuerung des Treibstoffs seien. Verantwortlich sei vielmehr, so der US-Präsident, „was mit Russland und der Ukraine passiert“. Die Linie ist nicht neu. Energieminister Chris Wright sagte bei CBS, die Diesellage sei schwierig, weil russische Raffinerien schwer beschädigt seien. Und US-Finanzminister Scott Bessent sprach bei Fox von einem „Energieschock“, weil die Ukraine russische Energie- und Raffinerieanlagen „in die Luft jagen“ wolle.
Treibstoff-Mangel akut verschärft
Die IEA zeichnet ein differenzierteres Bild: Die Nettoexporte von Diesel und LNG aus den Golfstaaten lagen im August nur noch bei gut einem Viertel des Vorkriegsniveaus. Die ukrainischen Schläge gegen Russlands Raffinerien und der fast vollständige Stopp russischer Produktexporte – Moskau verhängte im Juli ein Diesel-Exportverbot – verschärften noch die Mangellage. Die Golf-Staaten und Russland zusammen stellten vor dem Irankrieg fast 45 Prozent des seegestützten Welthandels mit diesen Kraftstoffen.
Ein ranghoher europäischer Beamter, der an von Washington vermittelten Gesprächen beteiligt ist, nannte Trumps Vorwurf gegen Selenskyj im Gespräch mit dem Politikmagazin Politico absurd: Russischer Diesel sei für den US-Verbrauch nie zentral gewesen. Die Regierung suche Sündenböcke, weil sie mit dem Irankrieg nicht zurechtkomme. Ein Energie-Waffenstillstand müsse auch gegenseitig sein. Putin respektiere das allerdings nicht.
Russlands Außenminister Lawrow sagte am Samstag, die „Sonderoperation“ werde auch während aller Friedensgespräche fortgesetzt. Und Kiew wertet die russischen Raffinerien als legitime Ziele: Sie finanzieren Russlands Krieg.


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