Lufthansa stellt mehr und mehr Flüge ein

Die Lufthansa streicht das Kurzstreckengeschäft drastisch zusammen. Und sie ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die auf die horrenden Kosten reagiert, die der Luftfahrt in Deutschland auferlegt werden. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist bedroht.

picture alliance / Wolfgang Minich | Wolfgang Minich

Ziemlich genau 100 Jahre nach dem glorreichen Start geht es jetzt ans Eingemachte: Auf der traditionsreichen innerdeutschen Flugstrecke zwischen Bremen und Frankfurt wird demnächst kein Flugzeug der Lufthansa mehr fliegen. Ab 1. Juli wird diese Strecke vom Flugplan gestrichen.

Sie bleibt nicht die Einzige: bis Oktober werden es rund 20.000 Flüge sein, die über die laufende Sommersaison gestrichen werden. Wenn ab 25. Oktober nach dem neuen Winterflugplan geflogen wird, geht die „Konsolidierung“, nahtlos weiter, so die Lufthansa. So sollen allein zwischen Frankfurt und Berlin elf Flüge in der Woche weniger stattfinden.

Für die Passagiere bedeutet dies, dass Direktverbindungen innerhalb Deutschland seltener werden und für Reisen ins Ausland deutlich häufiger über Zürich, Wien oder Brüssel geflogen und dort umgestiegen werden muss. Immer weniger Flugzeuge der Lufthansa also fliegen auf innerdeutschen und europäischen Strecken. Der Konzern zieht sich immer weiter vom deutschen Heimatmarkt zurück. Damit reagiert das Management darauf, dass es hierzulande immer mehr Geld verliert, und dass die Verluste mit Kurzstrecken die soliden Gewinne aus dem internationalen Langstreckengeschäft auffrisst.

Vor allem sind hierzulande die Preise für den Flugkraftstoff Kerosin massiv angestiegen. Seit langem beklagen Lufthansa sowie die anderen Fluggesellschaften zudem die sehr hohen Steuern, Gebühren und Kosten für Luftsicherheit an deutschen Flughäfen. Die Verkehrssteuer soll zum 1. Juli zwar leicht gesenkt werden. Das ist allerdings nur Kosmetik, die Kosten bleiben insgesamt hoch.

Ausgerechnet zum 100. Geburtstag der Lufthansa steigert sich also das Streichkonzert im Unternehmen: Am 6. Januar 1926 schlossen sich der Deutsche Aero Lloyd und die Junkers Luftverkehr AG zur ersten Deutschen Luft Hansa AG (damals noch in drei Worten geschrieben) zusammen. Bremen war von der ersten Stunde an dabei: Die junge Fluggesellschaft band die Hansestadt sofort in ihr brandneues Liniennetz ein. Diese Route diente Bremer Kaufleuten und Reedern des Norddeutschen Lloyd, um schnell in den Süden der Republik oder zu Anschlüssen ins europäische Ausland zu kommen.

Gab im Frühjahr 1926 Erhard Milch, Vorstandsmitglied in Berlin-Tempelhof, noch die erste Pressekonferenz und sprach hoffnungsvoll über die Ziele der neuen Lufthansa, über den Ausbau des Europaverkehrs, auch über die Alpen hinweg, die Erschließung des Fernen Ostens, den Brückenschlag von Europa nach Südamerika, so verkünden heute Manager, welche deutschen und innereuropäischen Strecken weiter stillgelegt werden müssen. Die gewerkschaftlich organisierte Belegschaft beschenkt den Jubilar mit Streikwochen und grüne Politik mit immer gravierenderen Hindernissen.

Dass die traditionsreiche Verbindung nun in die Brüche geht, liegt nicht daran, dass es keine Reisenden mehr gibt: Pro Woche wurden mit kleineren Jets wie dem Bombardier CRJ mehr als 5000 Passagiere transportiert.

Die Tochtergesellschaft Lufthansa CityLine wurde bereits mit sofortiger Wirkung stillgelegt. Damit sollte vor allem die Macht der Gewerkschaften begrenzt werden. Denn für diese Fluggesellschaft galten historisch gewachsene, relativ teure Tarifverträge, die eng an den Kernkonzern gekoppelt waren. Die Belegschaften waren über die mächtigen Spartengewerkschaften wie Cockpit organisiert. Ein Streik bei der CityLine konnte das gesamte Lufthansa Netzwerk lahmlegen.

So hatte die Pilotengewerkschaft der Lufthansa auch durchgesetzt, dass die CityLine ab 2027 keine größeren Jets wie Airbus A319 oder A320 mehr hätte betreiben dürfen, um die Strecken nicht zu kannibalisieren. Diese Linie hätte nur mit kleinen alten Regionaljets mit maximal 90 Sitzen fliegen dürfen – wirtschaftlich nicht mehr rentabel.

Die neue City Airlines unterliegt diesen Beschränkungen nicht und hat gewissermaßen die „Lizenz zum Wachsen“. Für sie sind bereits 40 fabrikneue Airbus A220-300 fest bestellt. Mit ihnen können bis zu 150 Passagiere transportiert werden.

Das sind vollständig neu entwickelte Maschinen mit zu einem großen Teil aus Kohlefaser-Verbundstoffen gefertigten Tragflächen und einem Rumpf aus einer Aluminium-Lithium-Legierung, die ebenfalls erheblich an Gewicht spart. Die Triebwerke sind mit Getriebe-Fan-Motoren von Pratt&Whitney ausgerüstet, bei denen sich die große Schaufel vorne langsamer als die Turbine im Inneren dreht. Das macht das Flugzeug deutlich leiser und sorgt für geringeren Kerosinverbrauch. Die Fenster sind größer und die Gepäckfächer bieten spürbar mehr Platz als bei älteren Regionaljets. Damit lassen sich Kurzstrecken wirtschaftlich und energieeffizient betreiben; allerdings verlangen diese Maschinen gesonderte Type Ratings für die Piloten, also eine separate Ausbildung.

Lufthansa ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die ihre Flüge einschränkt. Ryanair hatte bereits seit langem angekündigt, sich vom Berliner Flughafen BER zurückzuziehen. Der irische Konzern, dessen Geschäftsmodell auf niedrigen Kosten basiert, bezeichnet den deutschen Luftverkehrsmarkt schlichtweg als „kaputt und nicht mehr wettbewerbsfähig“. Die Flughäfen Dortmund, Dresden und Leipzig werden überhaupt nicht mehr angeflogen.

Die frei werdenden Jets hat Ryanair in Länder wie Italien, Spanien, Großbritannien oder Polen verlegt, wo die Bedingungen aus Sicht der Airline profitabler sind. Auch in Hamburg und an Regionalflughäfen wie Memmingen, Karlsruhe/Baden-Baden und Weeze wurden im großen Stil Kapazitäten und Routen gestrichen.

Dies wirft grundlegende Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland auf, wie dies auch Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, betont. Steigende Standortkosten, regulatorische Belastungen und internationale Konkurrenz setzen Flughäfen und Airlines unter Druck. Er fordert weniger Sonderlasten, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und ein Ende der Streichungsspirale.

Denn ein gut funktionierender Luftverkehr ist weit mehr als nur ein billiges Transportmittel für die Flüge in den Urlaub, er ist das globale „Schnellstraßen-Netz“ für Güter, Wissen und Kapital. Eine schlechtere Anbindung an den globalen Luftverkehr wirkt wie ein „wirtschaftlicher Flaschenhals“, der Wachstum ausbremst und die internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächt.

Denn das Geheimnis der Luftfracht liegt im Unterschied zwischen Masse und Wert. Während Containerschiffe die schweren, sperrigen Massengüter wie Kohle, Autos oder Getreide transportieren, übernimmt das Flugzeug die „Kronjuwelen“ der globalen Wirtschaft. Hier fliegen unter anderem wertvolle Mikrochips, Halbleiter und Computerbauteile, Impfstoffe und empfindliche Medikamente mit.

Und nur dunkelgrün Angehauchte können angesichts der enormen wirtschaftlichen Bedeutung des Luftverkehrs die derzeitigen drastischen Einschränkungen in Deutschland als Weg zu „Klimaneutralität“ bejubeln.

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Kommentare ( 54 )

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Mausi
18 Stunden her

Was erstaunt daran? Mag sein, dass durch den Iran Treibstoffmangel aufgetreten ist. Aber unsereRegierenden kommen durch den Irankrieg, durch Herrn Trump ihrem Ziel immer näher: Keine Flüge, keine Autos – denn auch der Strom ist im Grunde zu teuer für AkkuAutos, die sich nach fünf oder bereits drei Jahren nicht mehr verkaufen lassen. 15 Minuten Städte sind das Ziel. 15 Minutenradius für jeden. Was für Menschen mit Gehschwierigkeiten bedeutet, dass sie 30 Miuten laufen müssen. Oder werden genügend Parkplätze und Ladestationen für E-„Geh“hilfen eingeplant oder für Lastenfahrräder? Denn wer will das Zeug in den Abstellraum im Keller schaffen? Jetzt noch… Mehr

Stefan Frings
1 Tag her

Neben den üblichen Ausführungen wird ein Thema zum Flugverkehr erläutert, was sonst selten vorkommt, nämlich die Wirkungen des Arbeitsrechts. Das spielt übrigens bei den Luftsicherheitsgebühren mit hinein, wo die Luftsicherheitsassistenten seit 2011 Gehaltssteigerungen von über 100% erzielt haben. Diese zahlt ja der Fluggast über seine Gebühren, anders als der Bahnfahrer, der für die Kontrollen an den Bahnhöfen keine Extragebühren zu entrichten hat. Die Probleme der deutschen Luftfahrt sind am stärksten im Inlandsflugverkehr zu sehen, am wenigstens im Interkontinentalverkehr. Bei letzterem bieten deutsche Flughäfen durchaus wettbewerbsfähige Flüge. Vergleichen Sie einmal Flüge ab -sagen wir- Frankfurt mit Amsterdam, Paris oder Zürich und… Mehr

Mausi
18 Stunden her
Antworten an  Stefan Frings

Luftsicherheitsassistenten: Gehaltssteigerungen gerade dieser Art können bei Arbeitskräftemangel durchgesetzt werden. Wahrscheinlich erfordert dieser Beruf eine Sorgfalt, die beim Nachwuchs nicht zu finden ist. Das verknappt das Angebot an Arbeitskräften. Gut für den Rest.
Meine Herren und dann muss man sich mal vorstellen, dass die Fachkräfte im BTag, in den LTagen automatische Diätenerhöhungen bekommen. Nicht nach Leistung, nicht nach wirtschaftlicher Lage, sondern nach Inflation. Hinzu kommt der Zins- und Zinseszinseffekt. Ein Paradies. Für diese Stellen gibt es Bewerber ohne Ende. Eigentlich müssten die Diäten aufgrund der vielen Bewerber, aufgrund des Überschusses an ArbKräften sinken, nicht steigen.

Last edited 18 Stunden her by Mausi
Silverager
1 Tag her

Man hört förmlich das Jauchzen aus Berlin über die tollen CO2-Einsparungen wegen der wegfallenden Flüge.
Vielleicht sollte unsere Regierung noch die Flughafensteuern erhöhen und eine hohe Sonderabgabe auf Kerosin erheben.
Dann geht’s noch viel schneller.

askja
1 Tag her

Ich kann mich noch erinnern, wie der Ryanair-Chef nach der Dotcom-Blase und nach 9/11 im Jahre 2001 wie folgt zitiert wurde: Let’s people fly, let’s the economy grow. Diese Einstellung braucht es auch in der deutschen Bundesregierung, als Grundlage für den deutschen Wirtschaftsstandort. Alles was dem im Wege steht, Luftsteuern usw., muss aus dem Weg geräumt werden. Dann läuft die deutsche Wirtschaft wieder. Einfach mal gucken mit welchen Alternativen dies machbar wäre.

bfwied
1 Tag her

Wenn man in Deutschland etwas tut, dann macht man es 250%ig! Wenn man also das „Weltklima“ „retten“ will, dann strebt man am besten in Höhlen zurück! Da es gar nicht so viele Höhlen gibt, träumt man von Wohlwaben, von denen aus man innert 15 Min. zu Fuß alles erreicht, was man als Grüner für notwendig erachtet. Der Mensch muss verwaltet werden im Sinne der grünroten Ideologie. Wozu also fliegen, die Medikamente sollen halt per Schiff kommen, auch wenn vielleicht ein paar Weiß-Braune über den Jordan gehen müssen.

Rob Roy
1 Tag her

Es ist ganz einfach: Schraubt Lufthansa den Binnenverkehr zurück, so wird es auch weniger Zubringerflüge nach Frankfurt oder München geben, wenn man interkontinental reisen möchte. In Folge dessen werden immer weniger Menschen Fernflüge mit Lufthansa buchen, sondern auf andere Gesellschaften ausweichen, solange das möglich ist.

Last edited 1 Tag her by Rob Roy
Axel Fachtan
1 Tag her

Wenn es keine Industrie mehr gibt, werden auch keine Flieger mehr gebraucht.
Für die postindustrielle Gesellschaft reichen Postkutschen.
Allerdings Vorsicht: Pferde furzen und das wird besteuert.
Ersatz für die Luftverkehrssteuer.
Pecunia non olet. (Geld stinkt nicht)

Egge940
1 Tag her
Antworten an  Axel Fachtan

Oh nein, wenn ich nicht mehr für 300 € aus meinem Nachbarort in den Urlaub fliegen kann, geht die Welt unter. Wie kann man nur so negativ sein…

Ralph Martin
1 Tag her

Reisen bildet und dies ist eine Gefahr für auf ein ungebildetes Volk angewiesene Regierung.

Dr. Meersteiner
1 Tag her

Das ist der Wohlstand des Weniger und von der Mehrheit so gewünscht.

Karl Renschu
1 Tag her

Und jwd in Schweden geht eine junge Frau doch noch mal zur Schule…