Die Tagesschau entscheidet bei Kriminalfällen nach Relevanz, Tragweite und überregionaler Bedeutung. So lautet jedenfalls die Begründung, wenn bestimmte Fälle wieder einmal nicht berichtet werden. Warum sie sich mit der Argumentation immer wieder selbst ein Bein stellt, zeigt aktuell Memmingen.
picture alliance/dpa/swd-medien, Screenprint Tagesschau - Collage: TE
Die Tagesschau entscheide bei Kriminalfällen nach Relevanz, Tragweite und überregionaler Bedeutung. So lautet jedenfalls die Begründung, wenn bestimmte Fälle wieder einmal nicht berichtet werden. Diese Formel klingt nüchtern, professionell, sauber abgewogen. In Wahrheit ist sie längst selbst zum Prüfstein für das Flaggschiff der Öffentlich-Rechtlichen – und für deren Glaubwürdigkeit – geworden.
Denn die Frage lautet nicht, ob jeder Kriminalfall aus jeder Stadt in die Hauptnachrichten gehört. Die Frage lautet, wann ein Fall für die Tagesschau plötzlich gesellschaftliche Bedeutung bekommt, wann er auf den Lokalteil schrumpft – und wann er wieder einmal unter den Tisch fällt. Genau an dieser Stelle beginnt der subjektive Filter, den Tagesschau, ebenso wie Öffentlich-Rechtliche seit Jahren mit sich herumschleppen.
Seit dem Mordfall Maria Ladenburger wird die Tagesschau an diesem Maßstab gemessen. Damals erklärte sie ihre tagelange Zurückhaltung mit einer angeblichen fehlenden überregionalen Bedeutung und damit, dass einzelne Kriminalfälle nur in Ausnahmefällen berichtet würden. Seither achten Zuschauer sehr genau darauf, wann diese Ausnahme gilt und wann sie ausgerechnet dort verschwindet, wo Tat, Täterprofil und politisches Versagen unangenehm zusammenfallen.
Dabei fällt die Tagesschau nicht an einem einzelnen Fall durch, sondern an der Wiederholung. Wenn eine Tat in das bekannte Raster von rechter Gefahr, Islamfeindlichkeit oder Diskriminierung passt, wird sie schnell zum Signal für das ganze Land. Wenn ein Opfer deutscher Staatsbürger ist und der Tatverdächtige aus dem Milieu gescheiterter Asylpolitik kommt, wird aus gesellschaftlicher Relevanz auffallend oft regionale Bedeutung.
Die Formel von der „regionalen Bedeutung“ ist kein neutraler Maßstab, sondern ein Machtinstrument der Auswahl. Alexander Teske war von 2018 bis Ende 2023 Planungsredakteur bei der Tagesschau. Er beschreibt eine Redaktion, in der die entscheidende Schleuse bei den Chefs vom Dienst liegt. Dort wird nicht nur sortiert, dort wird politische Wirklichkeit gewichtet. Was aus der Republik in Hamburg groß wird, entscheidet sich nicht erst im Sprechertext, sondern in der Konferenz davor.
Teske nennt die Chefs vom Dienst die heimlichen Chefs der Tagesschau. Viele sitzen seit Jahren, teils Jahrzehnten auf ihren Posten, kaum Rotation, kaum Fluktuation. Teske beschreibt sie politisch als links der Mitte; in der 14-Uhr-Konferenz werde ausführlich die taz studiert, ein anderer Chef vom Dienst habe früher selbst für die taz geschrieben. Das ist kein Betriebsdetail, sondern der Resonanzraum, in dem entschieden wird, ob ein Fall Deutschland erklären darf oder im Regionalen verschwindet.
Der entscheidende Befund: Nachrichten, die nicht in ihr Weltbild passen, werden von den Chefs vom Dienst kleingeredet und schaffen es nicht in die Sendung. Genau dort sitzt der Filter der „regionalen Bedeutung“. Er ist keine journalistische Naturkonstante, sondern eine Deutungsschleuse. Ein Fall bleibt regional oder wird bundespolitisch, je nachdem, ob er in das redaktionelle Weltbild passt.
Auch im aktuellen Fall Memmingen zeigt sich dieser Maßstab erneut. Dieselbe Stadt war groß genug, als eine Moschee mit Tierblut beschmiert und ein Schweinekopf an einem Halbmond angebracht wurde. Wenige Tage später wird ein 14-jähriger Junge brutal ermordet, der Tatverdächtige war nach Behördenangaben ein abgelehnter palästinensischer Asylbewerber. Auf Tagesschau.de findet sich dazu nach aktueller Suche bislang nichts. Genau hier beginnt der aktuelle Fall „regionale Bedeutung“ Memmingen.
Jermaine B. war 14 Jahre alt. Ein Junge aus Memmingen, der Baustellen mochte, dessen Vater von der kindlichen Begeisterung für „Bob der Baumeister“ erzählt, der nun ausgerechnet in einem Abrisshaus tot gefunden wurde. Ein Kind. Wieder. Verschwunden am Samstagabend, später gefunden in einem leerstehenden Gebäude nahe dem Bahnhof. Die Obduktion ergab Gewalt gegen den Hals, Stichverletzungen gab es nach Angaben der Ermittler nicht.
Der Tatverdächtige: 37 Jahre alt. Nach dem Fund der Leiche soll er sich in dem Gebäude in einem Schrank versteckt haben. Als Polizisten ihn entdeckten, soll er sie mit einem Messer bedroht haben. Er floh. Später kam es erneut zu einem Polizeieinsatz. Wieder soll der Mann, der eigentlich nicht mehr in Deutschland hätte sein dürfen. ein Messer gezogen haben. Die Beamten schossen, der Verdächtige starb im Krankenhaus. Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Junge und der Tatverdächtige sich kannten.
Dann folgt der Teil, bei dem aus einem Kriminalfall wieder mal ein Staatsversagen wird. Der Mann war nach Angaben der Regierung von Schwaben ein abgelehnter Asylbewerber. Er wurde geduldet, weil seine Identität ungeklärt war. Geboren worden sein soll er im Westjordanland, seine Nationalität blieb unklar. In Deutschland war er bereits rechtskräftig verurteilt worden: 2021 wegen Sachbeschädigung, 2026 wegen unerlaubten Aufenthalts ohne Ausweisdokumente. Eine Abschiebung scheiterte nach den vorliegenden Angaben an fehlenden Nachweisen seiner Nationalität.
Das ist der Kern. Ein Junge ist tot. Der mutmaßliche Täter war ein Mann, dessen Aufenthalt der Staat nicht beenden konnte, weil der Staat nicht einmal sicher wusste, wer dieser Mann war. So sieht der völlige und geduldete Kontrollverlust aus, wenn er nicht mehr in parlamentarischen Reden vorkommt, sondern in einem Abrisshaus in Memmingen.
Bei Tagesschau.de findet sich bisher nichts zu diesem Fall. Es gibt keinen Schwerpunkt, keine Meldung, keine sonstwie geartete Einordnung. Kritiker spotten, dass es aber sicher ein „Wir bleiben bunt“-Marsch der örtlichen Omas gegen Rechts geben wird. Ein orchestrierter Ablauf der letzten Jahrzehnts: deutsche Kinder und Bürger werden ermordet, die öffentlich-rechtlichen berichten, wenn, dann spät, oder aber am liebsten, wenn der Kerzenlauf gegen Fremdenfeindllichkeit mit eingebunden werden kann. Offenbar hat sich in Memmingen da noch nichts formiert.
Der öffentlich-rechtliche Nachrichtenbetrieb, der sonst jede lokale Entgleisung sekundenschnell zum gesellschaftlichen Symptom erhebt, scheint hier plötzlich den Lokalteil wiederentdeckt zu haben. Denn Memmingen war für die Tagesschau-Welt keineswegs unsichtbar. Wenige Tage zuvor wurde die Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde mit Tierblut beschmiert, ein Schweinekopf wurde auf einem Halbmond am Eingangsbereich platziert. Der Staatsschutz übernahm, die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt wegen eines mutmaßlich islamfeindlichen Hintergrunds. Darüber berichteten zahlreiche Medien, auch ein Tagesschau-Beitrag auf Facebook ist auffindbar.
Warum ist Memmingen bei einem Schweinekopf an einer Moschee sofort ein Fall für die nationale Empörungsordnung, während ein ermordeter 14-Jähriger und ein abgelehnter, wegen ungeklärter Identität geduldeter Asylbewerber offenbar nicht einmal die Meldeschwelle erreichen?
Das ist der doppelte Maßstab in seiner Reinform. Wenn die Tat in das gewohnte Raster von Islamfeindlichkeit, rechter Gefahr und bedrohtem Zusammenleben passt, wird aus einer Stadt im Allgäu ein Brennpunkt der Republik. Wenn dieselbe Stadt wenige Tage später einen ermordeten Jungen beklagt und die Spur zu einem abgelehnten Asylbewerber führt, schrumpft der Fall plötzlich auf Regionalformat.
So funktioniert öffentlich-rechtliche Auswahl inzwischen vor aller Augen. Der Fall soll nicht erzählen, was er erzählt. Er soll kein Beispiel sein. Er soll keine Frage nach Abschiebung, Identitätsklärung, Duldung, Vorstrafen und Behördenversagen auslösen. Also bleibt er klein. Klein genug für die Provinz. Klein genug für die örtliche Trauer. Klein genug, damit die große Erzählung keinen Riss bekommt.
Dieses Muster kennt man. Im Fall Maria Ladenburger erklärte die Tagesschau 2016 ihre anfängliche Nichtberichterstattung mit der angeblich regionalen Bedeutung und mit der Linie, man berichte nur über ausgewählte Kriminalfälle von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz. Die Festnahme eines afghanischen Tatverdächtigen nach dem Mord an einer Freiburger Studentin fiel zunächst offenbar nicht darunter. Unter massivstem Druck entschloss man sich dann doch dazu, darüber zu berichten: „Die Begründung: Das Thema habe nun die Schwelle zur gesellschaftlichen Diskussion überschritten, daher sei es nun auch für die „Tagesschau“ ein Thema.“, so der Stern dazu. Seit Tagen wird zum Mordfall Jermaine berichtet. Wieder einmal wird ein Kind, ein Mensch, durch einen abgelehnten Asylbewerber ermordet. Die Schwelle zur gesellschaftlichen Diskussion ist schon vor zig, zig Mordfällen überschritten worden. Sie lautet ganz zentral: Warum befinden sich immer noch kriminelle, abgelehnte Asylbewerber zu hunderttausenden im Land? Warum wird nichts daran geändert? Warum wird im Gegenteil immer weiter verschärft und verschärft? An der Klärung dieser Frage, die die Gesellschaft umtreibt, hat die Tagesschau sehr offensichtlich ein sehr untergeordnetes Interesse.
Es geht explizit um die Behandlung dieser Mordfälle in den relevanten TV-Nachrichten und auf der Webseite. Nur für den Fall, dass wieder einmal jemand meint, dass es da doch eine Kachel von zwölf in einem längeren Instagram-Reel gegeben haben sollte.
Die gestanzte Formel ist seitdem bekannt: Einzelfall, regionale Bedeutung, keine voreilige Instrumentalisierung. Sie kommt erstaunlich zuverlässig immer dann, wenn die Fakten politisch sehr, sehr unbequem werden. Bei anderen Fällen wird sofort eingeordnet, gedeutet, gewarnt und gemahnt. Aufgeblasen. Übergewichtet. Dann genügt ein Symbol, ein Verdacht, ein möglicher Hintergrund, und schon ist das ganze Land gemeint.
Memmingen zeigt diesen Tagesschau-Mechanismus gnadenlos. Ein Schweinekopf an einer Moschee wird zum Zeichen für ein bedrohtes Zusammenleben. Ein ermordeter Junge im Abrisshaus bleibt, wenn es nach diesem Nachrichtenfilter geht, offenbar ein lokales Unglück. Dabei liegt die bundespolitische Relevanz offen auf dem Tisch: ein abgelehnter Asylbewerber, ungeklärte Identität, Duldung, Vorstrafen, keine Abschiebung, am Ende wieder ein totes Kind und Familien am Abgrund.
Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der Milliarden aus Pflichtbeiträgen erhält, hat nicht das Recht, solche Wirklichkeit wegzusortieren. Er muss berichten, gerade wenn die Fakten nicht in den gewünschten Lehrplan passen. Wer beim Schweinekopf sofort die Republik erkennt und beim ermordeten Jungen Jermaine wie bei zahllosen anderen den Blick senkt, betreibt keine Nachrichtenarbeit mehr. Er betreibt Wirklichkeitsverwaltung.


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Vielleicht betreibt die Tagesschau Unwirklichkeitsverwaltung.
es ist grundsätzlich „erstaunlich“,wie ein ehemaliges Antifa-Blatt wie die TAZ es geschafft hat,ehemalige Mitarbeiter in fast allen grossen Redaktionen Deutschlands,vom ÖRR bis zu Springer,zu verankern.
Mann würde bei einigen diesen Hintergrund schlicht nicht vermuten,wie beim berühmten Robin Alexander…der bei jedem Regierungschef mit im Flieger sitzt und betont „Konservativ“ tut,aber ein Grünen-Fan ist
wer dieses rote Käseblatt noch aus den 80ern kennt mit den Seitenlangen Sandinista-Jubeltexten,versteht,wie sich der rote Krebs in der Republik ausbreiten konnte,getarnt ebenso wie die Melonenpartei….
und ansonsten sollte Schweinskopfsülze als Gemeinschaftsverbindendes Geschenk bei keiner religioesen Feier fehlen 🙂
Dieses Verhalten ist wunderbar: Ein weiterer Beweis für die linke Schlagseite des ÖRR und somit ein weiterer Grund für die Anschaffung dieses Propagandasystems.
Sie liefern die Belege konstant selbst: Jeden. Einzelnen. Tag.
Wirklichkeitsverwaltung ?
Echt jetzt ?
Nach Meinung vieler ist das lupenreiner Meinungsterrorismus ,
Faktenverdrehung und Hetze !
Wenn Memmingen in der Tagesschau genannt werden soll, müssen wohl erst ein paar Jungs beim Stadlfest Döpdödödöp singen. Vorher geht da nix.
Ja, wir alle wissen das. Hat es Konsequenzen? Organsiert wer eine bundesweite Initiative und alle zahlen auf einen Schlag keine GEZ mehr? Oder sammeln sich Millionen GEZ Zahler auf der Straße, um zu protestieren? Nein, es geht weiter, wie bisher. Wie gewählt, so geliefert.
Was mir Rätsel aufgibt zum Fall in Memmingen, der Junge war seit Sonnabend verschwunden, am Montag wurde seine Leiche gefunden, der Tatverdächtige noch vor Ort, wieso? Hat er dort gelebt und das ist niemandem aufgefallen? Mich würde auch mal interessieren, wie eine Oma gegen rechts reagieren würde, wenn ihr Enkel Opfer migrantischer Gewalt werden würde. Zum ÖRR erübrigt sich jeglicher Kommentar, findet bei einem großen Teil der Bevölkerung nicht mehr statt,kann weg.
Wenn die Haltungsmedien seit 2015 regelmäßig, täglich über Bandenkriminalität, Gruppenvergewaltigungen, Messerattacken und die ganzen anderen migrantischen „Wohltaten“ berichtet hätten, wären die Parteien längst dazu gezwungen worden wirklich etwas gegen diesen Wahnsinn zu unternehmen und das wissen die Medien doch genau!
Insofern sind die Haltungsmedien an allen Gewalttaten, die dadurch resultieren maßgeblich mitschuldig und gehören zeitnah aufgelöst!
Zu reformieren gibt es da nichts mehr.
Danke Frau Taxidis für diesen Beitrag. Er trifft ins Schwarze!