Trump deutet Rückkehr Russlands ins SWIFT‑System an

In einem Post auf Truth Social deutet US‑Präsident Donald Trump die baldige Rückkehr Russlands in das Zahlungssystem SWIFT an. Es wäre das Ende der Sanktionen gegenüber Russland. Doch so schnell schießen die Preußen nicht.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Julia Demaree Nikhinson

Währungspolitik ist Geopolitik. Dies gilt insbesondere, sobald der US‑Dollar mit im Spiel ist. Und das ist er quasi überall und zu jeder Zeit auf der Welt, ganz gleich, wie oft europäische und chinesische Medien die Totenglocke über King Dollar läuten ließen. Es mag gerade der europäischen Politik und Peking ein Dorn im Auge sein, aber der US‑Dollar ist und bleibt fürs Erste die globale Leit‑ und Reservewährung der Welt und eröffnet den USA damit, ihre Marktdominanz zu verteidigen und gleichzeitig ihr Schuldenproblem relativ problemlos in die Zukunft hinüberzurollen. Washington arbeitet unter Hochdruck daran, dass sich an diesem Währungsgefüge vorläufig nichts ändern wird.

In diesem Kontext muss man den Truth‑Social‑Post von US‑Präsident Donald Trump vom Wochenende interpretieren: Trump deutete in einem Video an, dass Russland bereit sei, in das global von den USA regulierte Finanzsystem SWIFT zurückzukehren.

Sinngemäß formulierte Trump: Russland habe verstanden, dass SWIFT und der Dollar die Zukunft seien – und nicht die Traumidee einer BRICS‑Währung. Und in der Tat: Man hat lange nichts mehr vom BRICS‑System gehört; es scheint den beiden wichtigsten Akteuren, China und Russland, nicht zu gelingen, ein Währungssystem zu verankern, das letzten Endes auf die geldpolitische Lauterkeit Pekings und Moskaus vertrauen müsste. Und wer ist schon bereit, größere Portfolio‑Anteile und Cash‑Reserven in einem chinesischen CBDC aufzubewahren, der der politischen Willkür Pekings ausgesetzt ist?

Zurück zu Truth Social: Es ist hinlänglich bekannt, dass der US‑Präsident bei seiner Medienarbeit gern erratisch agiert. Aber dennoch gibt uns besagter Post einen wichtigen Hinweis auf die strategische Linie der amerikanischen Währungspolitik.

Rückzug der USA
EZB warnt vor Dollarknappheit
Die Strategie liegt offen auf dem Tisch: Im Zuge des Iran‑Konflikts und angesichts der Knappheit an den Energiemärkten gewährte Washington Russland den sanktionsfreien Verkauf seines Öls im Verkaufskanal seiner Schattenflotte. US‑Finanzminister Scott Bessent verlängerte diese Ausnahmeregelung in der vergangenen Woche um einen weiteren Monat, um Druck vom Kessel der Öl‑ und Gaspreise zu nehmen. Das lenkt den Blick auf die Frage: Wie wird Energie global eigentlich fakturiert? Welche Währung dominiert? An dieser Stelle entfaltet sich die ganze Macht des Dollar‑Imperiums.

Selbstverständlich erfolgt der Löwenanteil der Fakturierung in US‑Dollar; etwas mehr als achtzig Prozent des globalen Energiehandels laufen in US‑Dollar ab. Die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten steht noch immer außer Frage. Und die Nachfrage nach amerikanischen Schuldtiteln ist derzeit so hoch wie noch nie.

Interessanterweise stammen die größten Käufe von US‑Staatschulden aus Großbritannien, der EU und Japan. Sie alle versuchen, einer möglichen Dollarknappheit im Krisenfall vorzubeugen. Wenn die Flucht in den Greenback eine mögliche Flucht in den Greenback darstellt, treiben diese Ströme die Währungskosten durch die Decke.

Die Mär vom Ende des Dollars
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Zudem schlug der Versuch der EU-Politik fehl, mit der eigenen Währung Euro in ein mögliches währungspolitisches Vakuum durch den Rückzug des US‑Dollars vorzustoßen. Der unüberlegte machtpolitische Eskapismus Brüssels und Londons verhinderte, dass man seinerseits den globalen Anleihenmarkt über den Eurohebel als eine Art Dumping‑Ground für die enormen Staatsschulden der europäischen Staaten hätte nutzen können.

In Europa schoss man sich mit einer Flut von Sanktionspaketen gegenüber Russland gleich 20‑Mal ins Knie – möglicherweise dabei auch einmal in den Kopf. Moskau war der dominante internationale Kunde, der seine Energiegeschäfte bereitwillig in Euro abwickelte und so die Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung stabilisierte. Russland wickelte sein gesamtes Gasgeschäft mit Europa in Euro ab. Doch das ist nun Geschichte.

Die Idee des Euro als Leitwährung ist nun Geschichte; seit die Europäer entschieden haben, ihre Ökonomien auf erneuerbaren Flatterstrom aufzusetzen. Ideologie hat Konsequenzen. Dies gilt erst recht für den Devisenmarkt, der nationale Risiken schneller einpreist als andere Märkte. Seit etwa drei Jahren erodiert die Bedeutung des Euro im internationalen Währungssystem; langsam, aber stetig. Und mit Blick auf die blutleere, überregulierte und nicht mehr wettbewerbsfähige europäische Industrie dürfte sich an diesem Befund fürs Erste nichts mehr ändern.

Es ist gut möglich, dass das Treffen der beiden Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin im vergangenen Jahr in Alaska den sichtbaren Anfang einer schrittweisen Koordinierung der Devisen‑ und Energiepolitik zwischen den USA, Russland und China gemacht hat. Es passt in diese Erzählung, dass die USA Russland in diesen Wochen immer wieder den sanktionsfreien Verkauf seines Öls ermöglichen und damit in erster Linie Europa signalisieren: ARC ist Real – Amerika‑Russland‑China koordinieren ihre Aktivitäten nicht zuletzt auf den Energiemärkten.

An dieser Stelle möchte ich meine These aus dem vergangenen Jahr erneuern: Der US‑Dollar als globale Reserve‑ und Leitwährung wird Bestand haben, auch während der Transformationsphase der globalen Ökonomie in eine multipolare Ordnung. Und es wird zwischen den USA und China ein neues Handels‑ und Verhandlungs-Gleichgewicht geben. Dass die Vereinigten Staaten künftig nicht durch Peking übervorteilt werden, wird die Neuordnung des Nahen Ostens sicherstellen, zu der auch die Kontrolle über den wichtigsten maritimen Flaschenhals der Welt, die Straße von Hormuz, zählt.

Die kommenden Wochen und Monate werden uns darüber in Kenntnis setzen, welche Spieler das geopolitische Schachbrett in der Zukunft dominieren werden. Für uns in Europa bleibt eines gewiss: Energiepreise werden à la longue ein höheres Plateau erreichen, wir treten in eine lange Phase der Inflationierung und des industriellen Rückbaus ein.

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Kommentare ( 4 )

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Baron Fred
3 Stunden her

Habe ich das richtig verstanden? Trump ist größer als Jesus?
Er hat den Ukrainekrieg der NATO (also seinen) nicht beendet bekommen.
Er hat den Regimewechsel im Iran nicht hinbekommen.
Er erlaubt sogar Russland sein Öl zu verkaufen und will das die wieder in US-Dollar handeln.
Er will sogar die Straße von Hormuz öffnen, die vor seinem völkerrechtswidrigem Angriffskrieg nie geschlossen war.
Mehr stumpfsinnige Propaganda ohne jeden Beweis habe ich lange nicht gelesen…
Einzig die Einschätzung der EU – nicht Europas – sollte richtig sein. Nur da könnte ich auch meine Oma fragen.

ralf12
3 Stunden her

Die Frage ist, ob Russland zurück zu Swift möchte. Aktuell hat es das nicht nötig. Die USA haben durch den Mißbrauch des Dollar als Sanktionsmittel diesen nachhaltig geschwächt. Die BRICS Währung steht noch nicht auf der Tagesordnung, man kommt in diesem größten Währungsraum der Welt (es sind nicht die G7) sehr gut ohne Dollar aus. Aktuell erwägen die VAE ihr Öl für chinesische Währung zu verkaufen. Der Petrodollar ist Geschichte, Trump hat erkannt, dass sich die USA selber ins Knie geschossen haben, als sie den Dollar als Waffe einsezten und versucht nun Schadensbegrenzung. Das die US-Vasallen GB, Japan und EU… Mehr

AmitO
3 Stunden her

Die Frage ist doch eher, ob Russland noch zu SWIFT zurückkehren möchte.
Mit MIR sind die doch gut zufrieden und bietet Unabhängigkeit vom unzuverlässigen Westen.

Haba Orwell
4 Stunden her

> Sinngemäß formulierte Trump: Russland habe verstanden, dass SWIFT und der Dollar die Zukunft seien – und nicht die Traumidee einer BRICS‑Währung.

Aha. Bekanntlich hat der „Arzt“ noch nie-nie-niemals Unwahrheit verkündet (das war Sarkasmus). Würde er es ehrlich meinen, würde er den Vasallen in Westeuropa verkünden, dass das Provozieren Russlands (Piraterie, Drohnen) nicht durch den NATO-Artikel 5 geschützt ist.