Der Irankrieg sorgt auch bei Maischberger für hitzige Gefechte. Gute Sitten und eine respektvolle Diskussionskultur bleiben bisweilen auf der Strecke. Besonders ungehobelt: Bijan Djir-Sarai. Der Ex-Generalskretär zeigt eindrücklich, warum seine FDP niemand vermisst. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ARD / Maischberger
Die geopolitische Hitzewelle aus dem Nahen Osten schlägt bis ins ARD-Studio hinein. Nach den massiven Luftangriffen Israels und der USA gegen den Iran, nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei und den Gegenangriffen der Iraner auf zivile Ziele in der Golfregion geht es um die Frage, ob das Mullah-Regime nun kippt oder ob der Westen in einen zermürbenden Dauerkrieg hineinstolpert.
Sahra Wagenknecht bezweifelt, dass man „Demokratie und Freiheit herbeibomben“ kann. Sie versucht, die Kriegspropaganda zu zerpflücken. „Man hat uns das Gleiche schonmal erzählt, in Afghanistan, im Irak…“, sagt die BSW-Gründerin. Der Angriff sei ein „unverantwortliches Verbrechen, das Trump hier begeht“, denn „ihm geht es überhaupt nicht um Demokratie“. Schließlich habe es bereits vor dem Schah einmal einen demokratisch gewählten Präsidenten gegeben, aber der sei weggeputscht worden. Selbst das Atomabkommen mit dem Iran habe Trump gekündigt. Wagenknecht habe nun „Angst, dass der Iran möglicherweise zerfällt“.
Bijan Djir-Sarai widerspricht vehement. Es dürfe „nicht passieren, dass sich Diktatoren durch das Völkerrecht geschützt fühlen“. Das Atomabkommen etwa sei „ein großer Fehler“ gewesen und Trump habe es während seiner ersten Amtszeit „völlig zu Recht aufgekündigt“. Denn im Schatten des Abkommens habe der Iran ein Raketenprogramm und „überall in der Region Schattenarmeen aufgebaut“. Für Djir-Sarai steht fest: „Die Iraner werden versuchen, unangreifbar zu werden. Indem sie Atomwaffen bekommen.“
Wagenknecht hält den Pazifismus hoch: „Wenn wir auf dieser Welt Frieden wollen, dann müssen Verhandlungen, dann muss Diplomatie das Sagen haben und nicht das Faustrecht und nicht die Waffen.“ Die Warnung vor der Atombombe sei ein alter Hut. „Es wird seit 30 Jahren erklärt, der Iran sei kurz davor, eine zu bauen, aber er baut sie nicht.“ Außerdem: Noch zwei Stunden vor den Angriffen habe der Oman verlautbart, man mache bei den Verhandlungen große Fortschritte, und trotzdem seien plötzlich die Bomben gefallen.
Sie hat Mühe, ihre Gedanken zu Ende zu formulieren. Djir-Sarai unterbricht sie wie ein Duracell-Häschen. Immer wieder fällt er ihr ins Wort, wird bisweilen sogar unangenehm laut. Seine Verbalattacken gipfeln in dem Vorwurf: „Ich weiß nicht, warum sie dieses Regime hier so verteidigen.“ Da platzt Wagenknecht der Kragen: „Also jetzt hören Sie auf! Mir anzudichten, dass ich dieses verbrecherische Regime verteidige, ist jetzt wirklich das Allerletzte.“
Djir-Sarai bleibt stur: „Aber Sie können doch nicht faktenfrei hier diskutieren.“ Er fordert eine harte Hand gegen die Mullahs. Auch nach dem Tod der führenden Köpfe seien die Strukturen im Land noch immer gefestigt: „Das Regime ist vorbereitet auf die Szenarien, die jetzt eintreten.“ Wagenknecht warnt vor den Folgen für Europa: „Auch dieser Krieg läuft über das Drehkreuz Ramstein.“ Deshalb werde möglicherweise auch Deutschland zum Ziel iranischer Attacken. „Die Gefahr ist doch wirklich groß, dass wir jetzt Terroranschläge und vieles weitere erleben“, sagt sie. Unterdessen habe sich Friedrich Merz vor Trump „in den Staub geworfen“, statt klare Kante zu zeigen. So zeige sich, dass auch „alles, was sie uns vier Jahre über den Ukraine-Krieg erzählt haben, eine riesengroße Heuchelei war“. Wagenknecht: „Wir diskreditieren doch unsere Werte. Immer größere Teile der Welt nehmen uns das nicht mehr ab.“
Anja Kohl (ARD-Wirtschaftsexpertin) seziert auf dem Journalistenpodium die wirtschaftlichen Folgen der Angriffe. Es gehe weniger um die Einführung einer Demokratie, als vielmehr darum, China vom iranischen Öl abzuschneiden. Kollege Ronzheimer weiß derweil nichts von derartigen Zusammenhängen. Für ihn geht es nur um Demokratie und Menschenrechte. Und Gregor Peter Schmitz findet: „Es ist nicht das erste Mal, dass ein US-Präsident über Kriegsgründe lügt.“ Der Chefredakteur des sterbenden „Stern“ ist heute noch blasser als sonst. Er redet kaum drei Sätze, aber alle gegen Trump. Der sei „der Präsident, der am amoralischsten handelt“ und habe ohnehin keine Strategie.
Das kritisiert auch Kohl: „Hegseth sagt was anderes als Rubio, Rubio sagt was anderes als Trump. Also: Der Masterplan steht nicht.“ Jetzt würden die Mullahs „all in gehen“ und „sich wehren mit allem, was sie können“. Zumal der Iran völlig isoliert sei. Kohl: „Wer sich raushält, ist Russland und China. Die wissen ganz genau, warum sie sich raushalten. Das sollte uns zu denken geben.“
Auch die wahren Hintergründe hat Kohl klar ausgemacht: Der eigentliche Treiber sei Israel. Das Land forciere eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Nahen Osten und sei die neue Cybermacht, die „nach einer Vormachtstellung strebt in der Region“.

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