Fake-News und Manipulation: Das ZDF-Indoktrinations-Arsenal

Ausgewogene Berichterstattung kann man beim ÖRR mit der Lupe suchen. Wo die Fakten nicht die gewünschte Aussage hergeben, wird auch mal gefälscht, wie nun beim heute journal. Es brauchte den ganzen Druck freier Medien und der sozialmedialen Öffentlichkeit, um den Verantwortlichen nach 36 Stunden so etwas wie eine Entschuldigung abzupressen.

picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

36 Stunden braucht das ZDF, um für einen skandalösen Fehler im ZDF heute journal halbherzig um Entschuldigen zu bitten. Der Beitrag entspreche nicht den den Standards des Senders und „hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen“. Genauer gesagt: Dieser Beitrag hätte in dieser Form nie produziert und redaktionell abgenommen werden dürfen.

Am 15. Februar 2025 berichtet das ZDF-„heute journal“ – moderiert von Dunja Hayali – über Einsätze der US-Polizei- und Zollbehörde „Immigration and Customs Enforcement“ (ICE). Die ZDF-Botschaft lautet: ICE-Agenten würden Eltern vor den Augen ihrer Kinder abführen und Minderjährige direkt vor ihren Schulen festnehmen.

Das ZDF zeigt, wie sich ein weinendes Mädchen an seine Mutter klammert, die festgenommen wird. Die Videosequenz ist KI-generiert, der folgende Videoausschnitt ist bereits vier Jahre alt und zeigt zwar die Festnahme eines Kindes, allerdings aufgrund einer Amokdrohung, nicht, wie die Redakteurin aus dem Off erläutert, um es abzuschieben.

Pikant: Noch in der Anmoderation weist Dunja Hayali darauf hin, dass nicht alle Aufnahmen von ICE-Einsätzen, die im Netz kursieren, echt seien. Die Moderatorin insinuiert damit, dass das ZDF keinen solchen Manipulationen aufsitze.

Diesen Eindruck möchte das ZDF auch bei der Beantwortung von Presseanfragen und gegenüber der Öffentlichkeit zunächst aufrechterhalten. Mehrfach lässt der Sender verlauten: Der Fehler liege lediglich darin, dass man das KI-generierte Material nicht entsprechend gekennzeichnet habe.

Also setzt man beim ZDF absichtlich gefälschte Videos und altes Videomaterial ein, das man falsch kontextualisiert? Als die entsprechenden Medien nachbohren, versucht man es mit weiteren Ausreden, die Sendung wird gelöscht und wieder hochgeladen, nachdem die Videos entfernt wurden – seltsam, wenn es doch ganz und gar beabsichtigt war, dieses Material zu verwenden. Erst am 17. Februar ist der Druck, den freie Medien und eine verärgerte Social-Media-Öffentlichkeit aufbauen, so groß, dass die „Entschuldigung“ folgt, begleitet vom Versprechen, korrigierend zu berichten.

Das ach so seriöse ZDF – trotz neun Milliarden an Zwangsgebühren will oder kann es seinen Verpflichtungen und seinem Auftrag nicht nachkommen. Und diese Verbreitung von Falschinformationen ist ein besonders skandalöser, aber keinesfalls singulärer Aussetzer.

Ausgewählte Beispiele von ZDF-Indoktrination

In diesem Fall half die Ideologie wohl über fachliche Skrupel hinweg. Das hat Methode. Immer wieder fällt das Zweite Deutsche Fernsehen durch mehr oder minder subtile Manipulation und Meinungslenkung auf. Einige Beispiele – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

ZDF-Team besucht abgeschobenen Kriminellen in Kabul

Acht Minuten lang ging es in „zdf heute“ am 18. Oktober 2025 gefühlig um das „Schicksal“ eines etwa 24 Jahre alten Afghanen, der im August 2024 zusammen mit 27 weiteren kriminellen Afghanen – ausgestattet mit je 1.000 Euro Handgeld – mit einem Charterjet von Qatar Airways von Leipzig nach Kabul ausgeflogen worden war. Angekündigt war der Kurzfilm mit dem Titel „Abgeschoben nach Afghanistan – und jetzt?“

Verantwortet wurde der Beitrag unter anderem von Katrin Eigendorf. Die preisgekrönte ZDF-Kriegsberichterstatterin postete am 19. Oktober stolz auf X: „Unserem ZDF-Team in Kabul ist es gelungen, einen der 28 im August abgeschobenen Afghanen zu treffen. Raheem – so nennen wir ihn – möchte nicht erkannt werden, aber er erzählt seine Geschichte. Ein spannender Einblick in die Realität von Migration und Asyl.“ Raheems Familie habe sich verschuldet, um die Schlepper zu bezahlen, seine Frau und Kinder habe er zurückgelassen. Als ältester Sohn hätte er Geld verdienen und nach Afghanistan schicken sollen.

Dann wird er, so erzählt er, in einen Streit mit Messern verwickelt. Was er als harmlos empfindet, eine kleine Auseinandersetzung, wird als Straftat gewertet. Raheem kommt für drei Jahre ins Gefängnis. Im August 2024 wird er abgeschoben.

Raheem fürchtet nicht die Taliban, es sei die wirtschaftliche Not, die ihn nach Deutschland führte. Im Gespräch erklärt er dem ZDF-Team, er wolle zurück, in Afghanistan habe er keine Zukunft. Professoral wird das ZDF in diesem Fall ebenfalls unterstützt: Drohende Verelendung im Heimatland sei ein Grund, jemanden nicht abzuschieben. Sagt der Völkerrechtler Andreas Zimmermann aus Potsdam. Assistiert von einem Herrn Tareq Alaows von Pro Asyl.

Die Frage, was an Kosten für den Trip eines ZDF-Teams nach Kabul angefallen ist, wird natürlich nicht beantwortet werden. Sinnvoller angelegt wären solche gewiss beachtlichen Beträge, wenn das ZDF regelmäßig die Schicksale und Perspektiven der Opfer migrantischer Gewalt dokumentierte.

Manipulatives Framing einer Merz-Rede auf einem CDU-Parteitag

In den „heute“-Nachrichten zum CDU-Parteitag vom 3. Februar wurde die Reaktion der CDU-Delegierten auf eine Parteitags-Rede von Friedrich Merz mit falschen Bildern kombiniert. Über die AfD hatte Merz unter großem Beifall der Delegierten gesagt: „Wir werden mit dieser Partei, die sich da Alternative für Deutschland nennt, nicht zusammenarbeiten. Vorher nicht, nachher nicht. Niemals!“

Doch das ZDF blendet unmittelbar nach Merz‘ Worten Bilder aus dem Plenum ein, wo die Delegierten schweigend dasitzen, mit skeptischem Blick und verschränkten Armen. Dazu heißt es aus dem Off: „Trotzige Zustimmung auch bei den Delegierten aus West wie Ost.“ Klar, was das ZDF damit suggerieren wollte: Die CDU würde Merz bei seiner Abgrenzung von der AfD nicht trauen. Framing heißt diese Methode. Für das dumme Volk „zuordnen, einordnen“ nennen das die medialen Volksgouvernanten.

ZDF-Wahl-Schlagabtausch mit linkem Studentenpublikum

Am 5. Februar 2025 lief die ZDF-Runde „Schlagabtausch“ zur anstehenden Bundestagswahl. 90 Minuten lang diskutieren vor bestelltem Publikum: Alexander Dobrindt (CSU), Christian Lindner (FDP), Jan van Aken (Die Linke), Sahra Wagenknecht (BSW), Felix Banaszak (die Grünen) und Tino Chrupalla (AfD). Schon nach der ersten Sendeminute war klar, wohin die Sendung steuerte: Als Banaszak (Grüne) und van Aken (Linke) vorgestellt wurden, klatschte das Publikum begeistert – bei den anderen Gästen blieb es stumm.

Das Publikum bestand aus zusammengekarrten linken Studenten. Das räumte ZDF-Redakteur Dominik Rzepka bei der Analyse der Sendung hinterher sogar ein: „Im Publikum saßen relativ viele Zuschauer und Zuschauerinnen von der HU Berlin und der FU Berlin – also zwei eher linken Universitäten in Berlin –, die extra auch angeschrieben und eingeladen wurden.“

ZDF stilisiert Richterkandidatin sechs Monate lang zum Opfer erster Klasse

Am 11. Juli 2025 fiel die im Bundestag angesetzte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf (SPD-Vorschlag) und von zwei weiteren Bewerbern – Ann-Katrin Kaufhold (ebenfalls SPD-Vorschlag) sowie von Günter Spinner (CDU-Vorschlag) – aus, da eine Reihe von Unionsabgeordneten gegenüber der Fraktionsführung signalisierten, sie würden Brosius-Gersdorf nicht wählen. Damit stand die für die Richterbestellung nötige Zweidrittelmehrheit des Bundestags in Frage. Die SPD zog daraufhin Brosius-Gersdorf zurück. Gewählt wurden schließlich am 25. September 2025: Prof. Dr. Günter Spinner, Prof. Dr. Ann-Katrin Kaufhold und Dr. Sigrid Emmenegger.

„Brosius-Gersdorf“ war den ganzen Sommer 2025 hindurch vor allem ein ÖRR-, im besonderen ein ZDF-Aufregerthema. Schnell war ein Narrativ in die Welt gesetzt worden: Brosius-Gersdorf sei wegen einer „rechten Kampagne“ gescheitert. Die finsteren Mächte: Cicero, Tichys Einblick, NIUS, Bild, NZZ, Junge Freiheit und Co.

Von „Schlammschlacht“, „Schmutzkampagne“, „Hetze“ gegen die „angesehene und streitbare Juristin“ Brosius-Gersdorf und von Irreführung war im ÖRR die Rede. Am 20. Juli 2025 sprach ZDF-heute-Moderatorin Dunja Hayali von einer „Wucht von Verleumdung und Desinformation“. Andere assistierten: Die „Kampagne“ gegen Brosius-Gersdorf sei eine Attacke gegen die Wissenschaftsfreiheit, gegen die „phantastische“ Juristin würden nur haltlose Diffamierungen aufgetischt.

Auch der von Hayali interviewte Philipp Sälhoff, Geschäftsführer des Think Tanks „polisphere“ wiederholte mehrfach den Triggerbegriff „Des- bzw. Falschinformation“, ohne ihn zu begründen. Der ZDF-Zuschauer erfuhr auch nichts zu Sälhoffs Hintergrund: Er gehört der „Grünen Akademie“ an, angebunden an die grünen-nahe Böll-Stiftung.

Die höchst umstrittenen Aussagen Brosius-Gersdorfs wurden nicht eingeblendet: Etwa über Richterinnen mit Kopftuch, eine Corona-Impfpflicht, Gendern des Grundgesetzes oder ein AfD-Verbot. Auch nicht, was Brosius-Gersdorf bei einer Anhörung im Bundestag im Februar 2025 zum Thema Abtreibung sagte: „Ob dem Embryo und später Fötus der Schutz der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes zukommt, das ist in der Tat in der Verfassungsrechtswissenschaft sehr umstritten. Meines Erachtens gibt es gute Gründe dafür, dass die Menschenwürdegarantie erst ab Geburt gilt.“

Dem nicht genug: Für das ZDF war die Causa Brosius-Gersdorf damit lange noch nicht abgeschlossen. Fünf Auftritte hatte Brosius-Gersdorf im zweiten Halbjahr 2025 bei ZDF-Mann Markus Lanz: zweimal noch im Juli 2025, dann erneut im Oktober, im November und im Dezember 2025, hier zuletzt im Jahresrückblick.

ZDF-USA-Korrespondent Theveßen lässt sich über einen ermordeten christlichen Influencer aus

Am 10. September 2025 wurde der rechtskonservative christliche US-Influencer Charlie Kirk bei einer Debattenveranstaltung an der Utah Valley University von einem 22-Jährigen erschossen. ZDF-USA-Korrespondent Elmar Theveßen war am Tag nach dem Attentat in der ZDF-Sendung „Lanz“ zugeschaltet. Dort sagte er über den ermordeten Kirk, dass dieser unter anderem die Steinigung von Homosexuellen gefordert habe.

Diese Aussage hatte Kirk nie getätigt. „Da sind rassistische Äußerungen, da sind minderheitsfeindliche Äußerungen, er gehört zu den Rechtsradikalen in den USA“, hatte Theveßen schließlich bei „Lanz“ über Kirk gesagt. Die Sätze, die Theveßen zitierte, waren indes aus dem Zusammenhang gerissen. Das ZDF hatte sich nach Kritik an den Aussagen von Theveßen entschuldigt, Theveßen bedauere, dass er an dieser Stelle nicht ausführlicher gewesen sei, hieß es von dem Sender.

Hamas-Mitglied arbeitete für das ZDF – zwölf Jahre lang

Das ZDF ist nicht wählerisch bei der Auswahl seiner Mitarbeiter. Ende Oktober 2025 musste der Sender bestätigen, dass ein Mitarbeiter seiner Partnerfirma in Gaza Mitglied der Hamas war. Ahmed A. Mutair arbeitete als Techniker bei der Firma Palestine Media Production, die das ZDF-Studio in Tel Aviv mit Material aus dem Gazastreifen belieferte. Er kam bei einem israelischen Angriff auf die Produktionsfirma ums Leben.

ZDF-Korrespondent Thomas Reichart sprach im ZDF-„heute journal“ am 19. Oktober über A. A. Mutair indes zunächst von einem „Kollegen“. Bald stellte sich jedoch heraus: Der Mann gehörte der Hamas als Zugführer an. Nach ZDF-Angaben hat Israel ein Dokument vorgelegt, das dies belegt. Als Reaktion stellt das ZDF die Zusammenarbeit mit der Partnerfirma PMP vorläufig ein.

Zugleich beschwichtigte das ZDF. Mutair sei nur für Technik zuständig gewesen. Was das Hamas-Mitglied indes über Jahre hinweg inoffiziell „journalistisch“ in das PMP-Team eingespeist haben könnte, etwa an Bildern aus Gaza, bedürfte einer Untersuchung. Und wie viel Geld deutscher Gebührenzahler floss im Laufe der Jahre an PMP? Das ZDF arbeitete mit dem Unternehmen seit 1996 zusammen.

Mangelnde Distanz zum Hamas-Terror zieht sich auch durch die Berichterstattung. So sprach wiederum Hayali im Zusammenhang mit dem Israel-Hamas-„Friedens“-Deal von der Freilassung von „palästinensischen Geiseln“ durch Israel statt – korrekt – von Gefangenen bzw. Häftlingen. Denn anders als die von der Hamas entführten Geiseln handelt es sich bei den im Gegenzug freigelassenen Palästinensern  um Terroristen, Mörder und Gewalttäter. Auch hier also desinformatives Framing. Das ZDF tut dies als Ausrutscher ab – ein „Versprecher“ und „unbeabsichtigter Fehler“.

„Genosse“ Daniel Günther (CDU) darf seinen Traum von Zensur ausbreiten

Am 7. Januar 2026 ging es bei „Lanz“ gegen Medien, die dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und CDU-Linksausleger Daniel Günther (deswegen sein Spitzname „Genosse“) zuwider sind („Nius und solche Portale“), und die er als „Feinde der Demokratie“ bezeichnete. Die Nachfrage von Lanz, bezogen auf Günthers Wortschwall gegen diese Medien, lautete: „Also was Sie jetzt gerade sagen ist im Grunde, wir müssen das regulieren, wir müssten es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten?“ beantwortete Günther ohne jede Umschweife mit: „Ja.“ Später behaupten Journalisten inklusive Lanz faktenwidrig, der CDU-Mann hätte nie Zensur und Verbot von Medien bejaht.

Die für Moderator Lanz mehr als peinliche Fortsetzung des Günther‘schen Anti-Pressefreiheit-Tribunals folgte am 14. Januar – diesmal gegen die AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Die sprach Günthers geforderte Maßnahmen an: „Sie (gemeint ist Lanz) haben ihn gefragt, müsste so etwa wie ‚Nius‘ dann reglementiert werden.“ Worauf Lanz sie anblaffte: „Nein, das ist falsch, Fake News.“ Man darf vermuten, dass Herr Lanz kurz zuvor vom ZDF-Intendanten Norbert Himmler oder von der ZDF-Verwaltungsratsvorsitzenden Malu Dreyer (SPD) gehörig eingenordet wurde, um Wohlverhalten seinerseits zu gewährleisten.

Doch woher rühren derlei eklatante Mängel, die eines öffentlich-rechtlichen Senders unwürdig sind?

Das ZDF leidet offenbar darunter, nur das „Zweite“ zu sein. Die Mainzer meinen, dies kompensieren zu müssen, indem sie hoffen, die ohnehin bereits reichlich linksschiefen ARD-Sender auf der Linksspur noch woker überholen zu können. „Mit dem Zweiten sieht man besser“, behaupten die Lerchenberger. Ja, mit dem ZDF sieht man besser in die Trickkiste volkspädagogischer Bevormundung und in das Arsenal eines indoktrinierenden „Journalismus.“ Das ZDF wird in seinem Missverständnis von ÖRR tagtäglich ertappt. Das Ganze hinter der Tarnkappe des „gemeinwohlorientierten Zusammenhalts.“

Sätze wie aus einem Big-Brother-Manual

Allerdings bilden sich die ZDF-Oberen ein, ihr Wirken mit einer professoralen Gefälligkeits-„Studie“ vertuschen zu können. Am 11. April 2025 veröffentlichte ZDF-Intendant Norbert Himmler eine vom ZDF in Auftrag gegebene, „interdisziplinäre“ „Potenzialanalyse – Perspektiven für Digitalen Public Value im ZDF“. Fünf Professoren haben daran gearbeitet: Frank Lobigs (TU Dortmund, Medienökonom), Tobias Gostomzyk (TU Dortmund, Medienrechtler), Katharina de la Durantaye (HU Berlin, Juristin), Leyla Dogruel (Uni Erfurt; Kommunikationswissenschaftlerin) und Christina Elmer (TU Dortmund, Medienwissenschaftlerin). Die Kosten des Gutachtens sind nicht bekannt. Erfahrungsgemäß dürfte es sich um einen satten sechsstelligen Eurobetrag handeln.

Unter anderem werden in der „Potenzialanalyse“ die „vielfaltssichernden“ Gegengewichtsfunktionen (GGF) des ÖRR betont. Es soll ein wirksames Common-Ground-Gegengewicht geschaffen werden: gegen die „marktmächtigen digitalen Aufmerksamkeitsplattformen, die die größten Disruptionen verursachen.“ Das ZDF könne einen „infrastrukturellen digitalen öffentlichen Mehrwert (Digital Public Value)“ erbringen – als „Ermöglicher eines Gegengewichts zu marktdominanten Plattformen.“

Das Wort „Gegengewicht“ kommt im „Gutachten“ denn auch 51mal vor. Vor allem als „gemeinwohlorientierte Alternative zu den dominierenden, privatwirtschaftlich organisierten sozialen Netzwerken.“ Das Wort „gemeinwohlorientiert“ kommt übrigens 57mal auf den 134 Seiten vor.

Die fünf Damen und Herren griffen denn auch verbal voll in die Klaviatur: Dem ZDF komme eine besondere Rolle als Ermöglicher von Netzwerk-Partnerschaften auf einer faktenbasierten, an demokratischen Grundwerten orientierten gemeinsamen Basis zu. Aufgezeigt wurden dazu „Entwicklungspfade“, etwa zur „freien Lizenzierung von ZDF-Inhalten oder zur grundsätzlichen Offenlegung der Quellcodes von mit öffentlich-rechtlichen Mitteln entwickelter Software bzw. Algorithmen als Open Source für alle.

Die verquasten und bombastischen Formulierungen können nicht darüber hinwegtäuschen: Meinungslenkung wird nicht als Problem aufgefasst, sondern als Aufgabe. Nicht neutrale und weitgehend objektive Berichterstattung wird als Ziel formuliert, sondern aktive Steuerung – natürlich nur zu besten Zwecken, nämlich der Schaffung eines Gegengewichts gegen „disruptive“ Elemente.

Die Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, Ex-Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), begrüßte die „Klarheit“ der Studie: „In Zeiten von global agierenden Plattformen, die den öffentlichen Diskurs mit ungefiltertem Populismus beherrschen, kann das ZDF Räume für freie und unabhängige Meinungsbildung zwischen und mit Nutzerinnen und Nutzern schaffen und so auch unter schwierigeren Bedingungen gemäß seines Auftrags zu gesellschaftlicher Verständigung und Zusammenhalt für alle Zielgruppen beitragen. Um die nötige Schlagkraft gegenüber den auf Profitmaximierung optimierten Mega-Plattformen und ihren Algorithmen zu entwickeln, braucht es Partner aus dem öffentlichen wie privatwirtschaftlichen Sektor. Der ZDF-Verwaltungsrat kontrolliert dabei die Grundlagen notwendiger Investitionen.“

Professor Frank Lobigs, Sprecher der fünf Gutachter, wird ungewollt/gewollt noch deutlicher. In einem Interview sagte er: Es brauche „eine entschlossene politische Unterstützung durch die zuletzt vielbeschworene demokratische Mitte“. Lobigs ist sich dabei nicht zu schade, dem ÖRR „Staatsferne“ zu attestieren und die „marktmächtigen Plattformen“ direkt oder indirekt auch zu einer Mitfinanzierung des ergänzend benötigten Investitionsbedarfs heranzuziehen, „ohne die unabdingbare Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu gefährden.“ Vulgo: Das ZDF will noch mehr Geld.

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Kommentare ( 1 )

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Raul Gutmann
2 Stunden her

Der Artikel entbehrt nicht einer gewissen Humoreske.
Die Regierungsmedien, die spätestens seit „Corona“ vor der Verfälschung seitens der – avant la lettre – alternativen Medien warnen, sollen statt dessen die größten Verbreiter von Falschnachrichten sein?
Wie meinen? Wer dies gedacht hätte? Nun, zumindest diejenigen, die versuchen, sich substantiell zu informieren und ihre „Nachrichten“ zu hinterfragen…
Sie vermuten, die gegenwärtige Regierungspropaganda stelle die der DDR als auch die des NS-Regimes weit in den Schatten? – Sie Lump, Sie. Schämen sie sich. Alles dient nur dem Schutz unserer Demokratie.

Last edited 2 Stunden her by Raul Gutmann