Um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, investierte die Bayerische Versorgungskammer in den vergangenen Jahren in riskante Immobilienprojekte in den USA. Nun drohen Abschreibungen in Höhe von 700 Millionen Euro. Kein Einzelfall, da die Institute angesichts der Zinspolitik in immer problematischere Geschäftsmodelle gedrängt werden.
picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Wenn klassische Anlageformen wie Staatsanleihen immer weniger Rendite abwerfen, gleichzeitig aber anstehende Zahlungsverpflichtungen eine Mindestrendite erzwingen, gibt es nur eine Konsequenz: Man bewegt sich auf der Risikokurve weiter nach außen. Genau dies ist im Fall der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) geschehen. In ihrer Zinsnot investierte die Kammer in den vergangenen Jahren rund 1,6 Milliarden Euro in Immobilienprojekte in den USA, die sich nun angesichts der Krise im gewerblichen Segment und der aktuellen wirtschaftlichen Lage als unrentabel erweisen.
Fehlentscheidungen und Konsequenzen
Der Schwerpunkt des Immobilienengagements der BVK lag vor allem bei Bürogebäuden und leerstehenden, sanierungsbedürftigen Objekten in Manhattan und Miami. Darüber hinaus gehörte auch die Transamerica-Pyramide in San Francisco zu den ausgesuchten Einzelinvestitionen der BVK. Medienberichten zufolge musste die Kammer für das Jahr 2024 eine Abschreibung in Höhe von 160 Millionen Euro realisieren, wobei davon auszugehen ist, dass sich die gesamten Abschreibungen dieser Projekte auf einen Betrag von etwa 700 Millionen Euro kumulieren werden.
Operativ hatte die BVK das Geschäft dem US-Investor Michael Shvo anvertraut. Shvo wurde 2018 wegen Steuerbetrugs verurteilt – man ignorierte sämtliche Warnsignale, was intern erste Konsequenzen nach sich zog: Zwei Investmentmanager wurden entlassen, und auf Druck der bayerischen Staatsregierung findet derzeit ein externes Audit statt. Für die BVK könnten nun mögliche Schadenersatzforderungen in Deutschland und Prozesse in den USA bevorstehen. Gleichzeitig betont die Kammer, dass die Rentenzahlungen nicht akut gefährdet seien, da ein langfristiger Anlagepuffer die Zahlungsverpflichtungen absichere.
Doch es droht wohl weiteres Ungemach aus den USA: Ironischerweise ist es ausgerechnet Shvo, der von der BVK die Zahlung noch ausstehender Gebühren für seine Arbeit einfordert. Mutmaßlich steht ein Betrag von etwa 85 Millionen US-Dollar im Raum.
Die 1923 gegründete staatliche Kammer BVK des Freistaats Bayern bietet Finanzdienstleistungen vor allem für berufsständische und kommunale Altersversorgungseinrichtungen an und verwaltet ein Gesamtkapital von rund 117 Milliarden Euro. Insgesamt 12 Versorgungseinrichtungen, die 2,7 Millionen Mitglieder, Versicherte und Leistungsempfänger betreuen, vertrauen der BVK ihre Einlagen an.
Derweil bemüht sich das Bayerische Innenministerium, das den Vorstand der staatlichen Kammer beruft und die Anlagepläne genehmigt, um eine Distanzierung von jeglicher Verantwortung. Die Süddeutsche Zeitung zitiert das Ministerium mit den Worten, dass keine aufsichtsrechtliche Zuständigkeit bestanden habe und zudem keine risikolosen Anlagen existierten.
Ohne an dieser Stelle zu tief in die Bewertung der Geschäftspraktik einzusteigen, fällt dennoch auf – und dies kennen wir bereits aus der großen Finanz- und Schuldenkrise vor anderthalb Jahrzehnten –, dass es vor allem staatliche Banken oder semi-staatliche Akteure sind, die immer wieder windigen Geschäftsprojekten zum Opfer fallen und so Kundeneinlagen existenziell gefährden.
Ähnliche Fälle in Deutschland
Im vergangenen Jahr geriet unter anderem in Schleswig-Holstein das Versorgungswerk der Apotheker gemeinsam mit dem der Zahnärzte in finanzielle Schieflage, ausgelöst durch eine Investition in ein größeres Büroprojekt im Frankfurter Bankenviertel. Beide Einrichtungen mussten aufgrund ausbleibender Mieter und steigender Zinslasten hohe Abschreibungen von jeweils etwa 54 Millionen Euro vornehmen. Dies führte dazu, dass die Finanzreserven aufgezehrt und geplante Rentenerhöhungen blockiert wurden.
Ein weiteres Beispiel verfehlter Anlagepolitik bot der Berliner Zahnärztepensionsfonds: Auch hier wurden Wertberichtigungen in Höhe von 60 Millionen Euro vorgenommen, nachdem Investitionen in Hotel- und Start-up-Beteiligungen verloren gingen.
Die beschriebenen Fälle ähneln sich markant: Steigen die Zinsen, da Investoren angesichts wachsender Staatsschulden höhere Risikoprämien erwarten, fallen die Kurse bestehender Anleihen automatisch, da deren feste Kupons im Vergleich zu den neuen, höher verzinsten Papieren weniger attraktiv wirken. Für Pensionskassen und Rentenfonds, die langfristige Verpflichtungen bedienen müssen, bedeutet dies, dass die bisher als sicher geltenden Anlagen an Wert verlieren und die kalkulierte Rendite nicht mehr hinreicht.
Um die zugesagten Zahlungen an Rentner und Versicherte dennoch sicherzustellen, sehen sich die Fonds gezwungen, in riskantere Anlageklassen auszuweichen – etwa Immobilien, Private-Equity-Anlagen in ausländischen Märkten. Diese Verschiebung auf der Risikokurve erklärt, warum selbst traditionell konservative Institutionen wie die BVK in die Falle spekulativer US-Immobilien gerieten.
Ursache und Konsequenzen für Anleger
Nun zahlen möglicherweise die Anspruchsberechtigten dieser Institutionen den Preis für die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und anderer Zentralbanken weltweit, die jede der vergangenen Krisen mit dauerhaft niedrigen Zinsen beantworteten. Dadurch konnten Staaten ihre Schuldenlasten fast problemlos erhöhen. Nun jedoch nehmen Investoren Abstand, insbesondere von langlaufenden Staatsanleihen, die allerdings bis heute das wesentliche Fundament des globalen Finanzsystems bilden.
Für den einzelnen privaten Investor ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Staatliche Renten, Versicherungen, aber auch Kammern und berufsständische Versorgungswerke werden ihre Zahlungsversprechen in der Zukunft nicht mehr zuverlässig erfüllen können. Eigenvorsorge wird damit unverzichtbar: Wer sich über Finanzmärkte informiert und das Drittparteienrisiko bei seinen Investitionen reduziert, handelt klug. Edelmetallmärkte und Bitcoin als digitales Gold erleben nicht zuletzt aus diesem Grund ihren stetigen Auftrieb.

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Wie kann ihnen das passieren nach der Finanzkrise? Lehman Brothers, nie gehört? Subprime Krise? Eine Katastrophe, die die ganze Welt betraf? Wie kann man danach noch in den USA in Immobilien investieren, wenn man bei Verstand ist? Und auch noch Renten verzocken? Manchmal denke ich, sie zerstören alles mutwillig.
„Eigenvorsorge wird damit unverzichtbar“
Ja – und das ist die nächste Falle. Denn sobald sich da „genug“ angesammelt hat, wird das sofort mittels Vermögenssteuer etc einkassiert und jegliche Flucht unmöglich gemacht (Auslandsbesteuerung, Verbot der Niederlegung der Staatsbürgerschaft, Wegzugsbesteuerung usw.).
Die BVK hatte meines Wissens auch Gelder über Corestate oder die Deutsche Finance Group investiert, über die Loipfinger in seinem Investmentcheck einiges berichtet hatte. Auf der Risikoleiter nach oben, ist angesichts der Nullzinsära nachvollziehbar. Dann sollte man aber umso genauer prüfen, mit wem man sich einlässt. Das ist scheinbar, aus welchen Gründen auch immer, nicht erfolgt. Die Spitze des Eisbergs ist das Zahnärzte-Versorgungswerk Berlin (VZB), dem ein Verlust in Höhe von 1,1 Mrd. Euro droht. Damit wären rd. 45% des Anlagevermögens, das Ärzte dort für ihre Altersversorgung eingezahlt haben, verloren.
Das ist alles richtig, aber die Versicherten müssen dann halt auch AFD wählen, kritische Medien wie TE konsumieren, einlullende „Wissenschaftler“ wie Prof. Fratzscher ignorieren, Läden wie Rossmann meiden, Künstler wie Hape Kerkeling boykottieren und anderen Gewerkschaften angehören. Wer vom Innenminister berufen wird, von dem kann man nicht erwarten, dass er die Geldpolitik der EZB massiv kritisiert. Sonst kann er gleich seinen Hut nehmen. Wer unseriöse Politiker wählt, bekommt unseriöse Staatsfonds.
Angesichts der Tatsache, dass neulich Milliardenverluste des Versorgungswerkes der Zahnärzte in Berlin bekannt wurden, darf man sich schon fragen:
erstens:
was sind da für Friseure am Werk (garantiert persönlich haftungsfrei) ?
zweitens:
u.a. auf diesem Feld soll der Bürger zukünftig seine Altersvorsorge aufbauen, nachdem gerade das Vertrauen dafür so massiv beschädigt wird?
drittens:
Warum sollte es in Deutschland ausgerechnet auf diesem Gebiet funktionieren ?
Tja … Nun sind sie halt da, die absehbaren Konsequenzen einer willfährig überdehnten Niedrigzinspolitik zugunsten einer Planwirtschaftsagenda, die Politikern nebst deren friends & families, inkl. vieler CEOs eben auch der Versorgungskassen, nur ihre Pfründe und darüber ihre selbstgefällige Weltfremdheit promoviert hat. Und die Konsequenzen einer über Jahrzehnte erodierten, in den letzten gut 2 Jahrzehnten gar regelrecht aberzogenen Eigenverantwortung in der breiten Bevölkerung auch in finanziellen Dingen. So hat man sich über die nach 2008 viel zu lange niedrigen Zinsen dann mehr echauffiert statt diese, nach Verwässerung ihrer bisherigen passiven Altersvorsorge via primär zinsabhängiger Kapitalversicherungen, auch aktiv zu nutzen. Namentlich die deutsche… Mehr
“…US-Investor Michael Shvo…”. Hahaha. Da haben sich die tumben Wessis von einem windigen US-Israelischen “Investor” über den Tisch ziehen lassen. Muss der sich nun eigentlich auch Sorgen um seine Rente machen…^^?
Das Witzige daran ist, dass der Anglikaner dafür sogar einen eigenen Fachbegriff hat – ‘stupid german money’.
Sorry…..hahahahahahahaha!
„Kein Einzelfall, da die Institute angesichts der Zinspolitik in immer problematischere Geschäftsmodelle gedrängt werden.“
Das ist aber nicht der entscheidende Grund für die Misere. Hauptgrund ist, dass an in den Spitzen dieser Institute raffgierierige Idioten sitzen, die eben genau nicht GUT mit Geld umgehen können, nichts vom Geschäft verstehen, sondern auf alle nur erdenklichen dubiosen Finanzgeschäfte im Ausland reinfallen. Gerade im Bereich Immobilien. Banker mit ein wenig Restverstand sollten das nach so vielen schlechten Beispielen der letzen 20 Jahre eigentlich wissen. Aber für ihr „Unwissen“ fürstlich bezahlt werden wollen sie alle.