Verbrennungsmotoren sind nicht das Problem, allenfalls der Brennstoff

Angesichts ihrer existenziellen Bedrohung ist die deutsche Autoindustrie endlich aufgewacht. Sie muss der Politik klarmachen, welche fatalen Folgen das forcierte Ende des Verbrennungsmotors hätte.

Ein Jahrhundert-Roman von Ernest Hemingway (1940) ist auch noch heute so präsent, dass sein Titel vor kurzem einem Automobiljournal als Aufhänger zur Beschreibung des Schicksals des Verbrennermotor diente. Haupttitel: Wem die Stunde schlägt –Untertitel: Das Jahrhundert des Verbrenners geht schneller zu Ende als gedacht. Die Autobauer beschleunigen ihre Elektro-Fahrpläne.

Aber ist das auch richtig? Schlägt dem Verbrenner die Stunde, oder ist es die Stunde des Verbrenners? – das ist hier die Frage. Und die Frage ist nicht nur semantischer Natur.

Ende März (24.03.2021) tagte bei Bundeskanzlerin Merkel der sogenannte „Autogipfel“. Haupthemen waren erneut Klimaschutz im Verkehr und die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. Dabei drehte sich alles um den Verbrennungsmotor – seit über 100 Jahren Rückgrat und Wachstums- und Wohlstandsmotor der deutschen Volkswirtschaft. 

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Die Streitfrage lautet: Soll es ein festes Ausstiegsdatum aus dieser Technologie geben, wie es Grüne und Umweltverbände wollen? Dazu Grünen-Schlachtross Cem Özdemir: „Wir Grüne wollen ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zulassen…“. Wobei der grüne Politiker offenbar der irrigen Auffassung anhängt, CO2-Emissionen eines Autos seien nur das, was aus dem Auspuff kommt, nicht aber, ob und wie die Batterie mit „grünem“ Strom geladen wird. 

Es wäre völlig falsch, diese Forderungen als Wahlkampfgetöse abzutun. Im Hintergrund sind noch viel schwerere Geschütze auf den Verbrenner gerichtet; und dabei „ geht’s ans Eingemachte.“ Zum einen haben die europäischen Nachbarländer – zumeist selber ohne eigne Autoindustrie – reihenweise schon feste Abschiedstermine vom Verbrenner veröffentlicht: 2025: Norwegen; 2030: Großbritannien, Niederland, Dänemark, Schweden, Belgien; 2040: Frankreich. Nur Deutschland weigert sich bisher standhaft, den Ast abzusägen, auf dem die Wirtschaft sitzt.

Erheblich größere Gefahren drohen dem Verbrenner und den 850.000 automobilen Arbeitsplätzen durch die geplante neue Euro 7-Abgasnorm , die im Juni der EU-Kommission vorgelegt werden und in 2025 in Kraft treten sollen. Diese Abgasnorm ist faktisch -quasi durch die Hintertür-  der Tod der Verbrennermotoren. Denn die Kommission will vorschreiben, dass künftig ein Fahrzeug in jeder Fahrsituation quasi emissionsfrei bleiben muss –ob mit Anhänger am Berg oder im langsamen Stadtverkehr. 

Das ist technisch nicht machbar. Die Autoindustrie wäre damit über Nacht um ihr Geschäftsmodellgebracht, denn trotz aller Erfolge beim Absatz von Elektroautos, mehr als max. 30 Prozent Marktanteil traut man dieser Antriebstechnologie langfristig nicht zu. Und selbst das setzt ein noch erheblich dichteres Netz an E-Tankstellen und –Ladepunkten und größere Reichweiten voraus. 

Branchenreport Elektromobilität
Der Markt für Elektroautos verliert an Dynamik
Angesichts ihrer existenziellen Bedrohung ist die deutsche Autoindustrie endlich aufgewacht.  Beherzt hat VDA-Präsidentin Hildegard Müller vor dem faktischen Aus für Autos mit Verbrennermotoren ab 2025 gewarnt. Die geplante Euro 7-Abgasnorm sei „…technisch unmöglich (zu erfüllen), und das wissen auch alle“! Die geplante Verschärfung käme einem Verbot von Autos mit Verbrennermotoren gleich. Und davon gibt es in Deutschland 48 Millionen.

VDA-Präsidentin Müller hat auch nicht gescheut, die strategische Richtung der deutschen Autoindustrie zu ändern, weg von der alleinseligmachenden E-Mobilität, wie sie vor allem von Volkswagen vertreten wurde und wird, hin zu mehr Technologieoffenheit mit alternativen Antriebsquellen in Form von Brennstoffzellen, Wasserstoff und synthetischen Treibstoffen –wie von BMW vertreten. Dazu Präsident*in Müller: „Statt eines Verbotes brauchen wir Innovationen und Investitionen in E-Fuels und die Brennstoffzelle. Nicht der Verbrenner ist das Problem, sondern der Kraftstoff“.

Bravo! So wie nicht die Kaffeemaschine negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat, sondern allenfalls der Kaffee.


Unterstützung
oder

Kommentare ( 86 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

86 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
November Man
4 Monate her

„Earth Hour“ Hier geht heute überall fürs Klima das Licht ausHeute noch freiwillig.
In der DDR gab es das bittere Sprichwort, dass der Letzte das Licht ausmachen würde. Im Blackout werden die Letzten in unserem Land diese kleine Mühe nicht mehr haben.

November Man
4 Monate her

Den deutschen, aber auch den ausländischen Autobauern, wird auch noch klar werden, dass sie zukünftig keine Autos mit Elektromotor verkaufen können, weil Deutschland in Zukunft keinen eigenen Strom mehr hat, herstellt oder der Strom so teuer gemacht wird, dass sich die Deutschen kein Elektroauto leisten können. Erdöl, und somit Benzin und Diesel haben wir noch viele Jahrhunderte. Die meisten und größten Erdölfelder sind noch nicht mal gefunden. Außerdem haben wir noch ausgezeichnete synthetische Kraftstoffe für Verbrenner zu Verfügung. Das E-Auto wird sich noch als der zweitgrößte Flop der Grünen aller Zeiten herausstellen. Übrigens, zur Herstellung von Wasserstoff braucht man Unmengen… Mehr

D. Ilbert
4 Monate her

Das Alles ist in meinen Augen Dummfug ohne Gleichen. Wenn man schon an den „menschgemachten Klimawandel“ glaubt und meint, ihn durch die Reduzierung des Spurengases CO2 vermeiden zu können, dann benötigt man sofort greifende Maßnahmen. Keine, die erst in 10 oder 20 oder 30 Jahren ihre Wirkung entfalten. Die einfachste Möglichkeit wäre gewesen, Benzinmotoren auf Gas umzustellen. Fast alle sind nachrüstbar. Mit einem Bruchteil des Aufwandes, der heute für den batterie-elektrischen Wahnsinn getrieben wird, hätte man fast alle in Deutschland laufenden Benzinmotoren auf LPG umstellen können. Sofortiger Effekt bei Neufahrzeugen mit LNG um die 25% weniger Schadstoffe, ohne jegliche Nachbehandlung… Mehr

PM99
4 Monate her

Meine Prognose: Nicht das E-Auto wird die Zukunft für uns sein, sondern der Eselskarren. Das ist Fortschritt! Und passt auch viel besser zu den Grünen (also z. B. auch der CDU) und ihren Wählern.

amendewirdallesgut
4 Monate her

Ob und wieviel Einfluss der Mensch auf den Klimawandel und den endlichen Ressourcenverbrauch hat , ist ein sehr vielschichtiges und vor allem sehr unbequemes bis hässliches Thema , was den Klimawandel angeht halte ich den Einfluss für sehr begrenzt , was die Ressourcenschonung betrifft ( kleine Provokation am Rande ) ist alles möglich . Leider gibt es da ein Problem , daß allem was sinnvoll ist immer wieder im Wege steht und mit reiner Vernunft nicht zu bändigen ist : Der MENSCH Egal was man bisher ausprobiert hat von Religion über Framing Nudging Bildung Nichtbildung Ideologien , nix funktioniert ,… Mehr

myrkf
4 Monate her

Das einzige Problem ist der Energie Erhaltungs Satz.

Los, SED und GRÜNE, macht ein Gesetz, welches dieses Naturgesetz zur Illigalität verurteilt!

HPs
4 Monate her
Antworten an  myrkf

Sie verstehen vermutlich selbst nicht über was Sie reden.
Für ein geschlossenes System gilt, dass die Entropie im Gegensatze zur Energie, keinem Erhaltungssatz unterliegt.
Sie kann sich ändern und diese Änderung besteht immer in einer Vergrößerung der Entropie innerhalb des geschlossenen Systems. Und das ist das Problem.

Hartwig Sendner
4 Monate her

Was soll man noch sagen ? Die Deutschen sind so gutgläubig, dass man Ihnen alles erzählen kann. In 500 Millionen Jahren Evolution hat die Natur keine „batteriespeicherenden Lebewesen“ entwickelt. Vielleicht hat das Gründe ??? Grüne Lesart: Die Natur ist zu dumm. Wir können das !! Dämlicher als die Grünen geht nicht. Ein zusätzliches Beispiel: Li-Ionen Akkus sind die besten Stromspeicher. Trotzdem beträgt die Speicherkapazität gewichtsmässig nur ca 5% im Verhältnis zu Benzin. Die Grünen sagen: Lass diese „Kleinigkeiten“ mal die Ingenieure und Forscher machen. Ein kleine Blick auf das Periodensystem der Elemente könnte sie vielleicht erhellen, das vor Lithium als… Mehr

teanopos
4 Monate her

ja, es ist die „spätgermanische Dekadenz“
Und das „Spät“ ist jetzt schon trefflich, sicher, genau wie eine Atomuhr.
Es ist klar, es ist ausgemacht dass dieses Land(und mit ihm die Rechte der deutschen Bürger) abgeschafft werden soll.
Und mit links-grün passiert das zudem noch vorauseilend, gehorsamst.

alter weisser Mann
4 Monate her

„Nur Deutschland weigert sich bisher standhaft, den Ast abzusägen, auf dem die Wirtschaft sitzt.“
Der von der Standhaftigkeit ist gut.
Aber ehrlich, die deutsche Politik jenseits der Grünen hofft doch einfach nur, dass die EU weiter Vorgaben ausreicht, auf dass man sich selbst nicht unbeliebt machen muss.
PS: Wenn man das Präsidentin schon zweimal richtig geschrieben ht, warum dann beim dritten Mal mit Gender-* ?

Last edited 4 Monate her by alter weisser Mann
Kai Ruhsert
4 Monate her

Becker schreibt: „… trotz aller Erfolge beim Absatz von Elektroautos, mehr als max. 30 Prozent Marktanteil traut man dieser Antriebstechnologie langfristig nicht zu.“
Das Handelsblatt schreibt hingegen: „Die neuen Zielwerte könnten nur über batterieelektrische Autos erreicht werden, sagte ein Vertreter der Branche. ‚De facto müsste bis 2030 der Anteil von Elektroautos an den Gesamtverkäufen auf 75 Prozent steigen.'“
Zocken die Automobilmanager gerade den Staat ab, indem sie sich die Ladeinfrastruktur finanzieren lassen, und zeigen ihm 2030 dann eine lange Nase?