Wo bei Tesla die Gewinne wirklich herkommen

Tesla-Gründer Elon Musk hat zugegeben, dass er kurz vor der Pleite stand. Die Börse ahnte davon nichts. Bleibt die Frage, wie lange sich Tesla weiter auf das Geschäftsmodell mit den staatlichen Boni stützen kann.

imago images / Future Image
Elon Musk beim ersten Richtfest auf der Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg. Grünheide, 03.09.2020

Kaum zu glauben, aber der Glamourboy der weltweiten Elektroautoszene hat doch tatsächlich mal Tacheles geredet. Kürzlich bekannte Elon Musk, der Chef von Tesla, freimütig, dass es gar nicht lange her ist, dass Tesla beinahe pleite gegangen wäre. Ein Umstand, den dossierB schon länger immer wieder beschrieben hat. Musk hat via Twitter offen gesagt, dass es ziemlich knapp war.

In dem elektronischen „Gezwitscher“ mit einem Gesprächspartner sprach er davon, dass der Konzern insbesondere wegen des Model 3 zwischenzeitlich „nur einen Monat vor der Pleite stand“. Musk berichtet ferner von „Stress und Schmerzen“ wegen des Model 3. Dabei wurde gerade dieses Auto von angeblichen Marktkennern vorab als Hoffnungsträger schlechthin beschrieben. Doch dann brach die Produktions- und Lieferhölle über den Autobauer herein, der mit diesem Auto ein Massenhersteller werden wollte. Musk dazu: „Die Anlaufphase des Model 3 war für lange Zeit – von Mitte 2017 bis Mitte 2019 – extrem belastend und schmerzhaft. Die Hölle für Produktion und Logistik.“ Hier ein Vergleich, was einen Massenhersteller rein zahlenmäßig ausmacht: Der Volkswagen-Konzern (VW, Audi, Seat, Skoda) setzte im ersten Halbjahr 2020 weltweit etwa 2,9 Millionen Fahrzeuge ab, Tesla knapp 180.000 Stück.

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Lange standen bei Tesla die Produktionszahlen des Model 3 im Fokus und galten als Maß der Dinge. Hinzu kam noch der Anlauf einer neue Fabrik in Shanghai, was die Probleme nicht verringerte. Weil die Sorgen außerhalb des Unternehmens aber kaum jemand kannte, kletterte die Aktie wegen des Massenhersteller-Anspruchs in unvorstellbare Höhen – plus 400 Prozent –, was schließlich zu einem Aktiensplit führte, um das Papier auch für Kleinanleger einigermaßen erschwinglich halten zu können. Inzwischen haben sich diese Turbulenzen zwar gelegt, aber das Zahlenwerk ist dennoch bei weitem nicht vielversprechend. Denn obwohl auch für das fünfte Quartal in Folge offiziell schwarze Zahlen in der Vierteljahresbilanz geschrieben werden, ist festzuhalten, dass sich Teslas Gewinn hauptsächlich auf den Verkauf von Umweltzertifikaten stützt, wie kürzlich wieder ein US-Analyst bemängelte. Im Geschäft Auto gegen Geld hingegen bleibt kein Groschen in der Kasse übrig. Das Unternehmen verlässt sich nach wie vor auf den Verkauf von behördlichen Gutschriften in den USA, die es für den Verkauf von Elektroautos gibt.

Diese Boni sind nichts anderes als Abgasrechte, mit denen Strafzahlungen wegen zu hoher Abgaswerte reduziert oder ganz vermieden werden können. Und weil Tesla keine Modelle mit Verbrennungsmotoren anbietet, fließen diese staatlichen Zuschüsse direkt in die Bilanz. So kommt es, dass sich der Nettogewinn im Ende September abgelaufenen Jahresviertel auf 331 Millionen US-Dollar belief – eine Steigerung um 131 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Doch ohne den Verkauf dieser Gutschriften/ Abgasrechte an andere Autobauer mit „dreckigen“ Antrieben, so bemängelt der MarketWatch-Analyst Garrett Nelson, wäre Tesla nicht profitabel gewesen. Wieder einmal, denn das geht schon lange so. Zachary Kirkhorn, Chief Financial Officer von Tesla, hat Analysten bereits im letzten Quartal in einer Telefonkonferenz mitgeteilt, dass sich die Einnahmen aus dem Verkauf von behördlichen Gutschriften im Jahr 2020 gegenüber 2019 „ungefähr verdoppeln“ werden. Allein in den ersten neun Monaten 2020 hat Tesla laut Kirkhorn auf diesem Weg 1,179 Milliarden Dollar eingenommen. Im gesamten Jahr 2019 waren es noch 594 Millionen Dollar.

Hier die Elektroauto-Verkaufszahlen weltweit im ersten Halbjahr 2020

(Quelle: statista.com)

Bleibt die Frage, wie lange sich Tesla weiter auf das Geschäftsmodell mit den staatlichen Boni stützen kann. Denn auch andere Autobauer haben den Wandel hin zur Elektromobilität längst in Angriff genommen (s. Grafik oben). Zum einen wird die Konkurrenz am E-Automarkt weiter wachsen, was zum anderen bedeutet, dass bei Tesla des-wegen die Millionen-Einnahmen aus den Verkäufen der Gutschriften weniger werden oder ganz wegfallen dürften, da andere Autobauer mit Elektrofahrzeugen im Angebot ihre eigenen Boni sammeln. Bereits nach den Zahlen des zweiten Quartals gab Analyst Gordon Johnson von GLJ Research zu bedenken, dass das Geschäftsmodell „auf geliehener Zeit“ basiere und die Gewinne schon bald wieder zurückgehen dürften, da sich das Unternehmen bisher nur auf behördliche Gutschriften verlassen könne. Tesla versucht mit Preissenkungen gegen zu steuern, um mehr Autos für den Fall verkaufen zu können, dass demnächst diese staatlichen Zuschüsse deutlich weniger werden. So wurde kürzlich der Preis für das Model S nach unten korrigiert. Und offenbar wird bei dem Autobauer wohl erwogen, die Preise insgesamt zu senken.


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Kommentare ( 61 )

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61 Comments
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Maurice
6 Tage her
  • Musk hat schon vor Jahren gesagt, Tesla vor der Pleite stand. Das war nicht erst beim Model 3 so, wie der Autor suggeriert.
  • Tesla mit dem VW-Konzern (der aus mehreren Autoherstellern besteht) zahlenmäßig zu vergleichen; damit täuscht der Autor die Leser bewusst.
  • Tesla senkt die Preise, weil die Preise der Batterien in der Herstellung sinken und das an die Kunden weitergibt.
Martin
8 Tage her

Elektroautos werden uns als umweltfreundlich verkauft, sind sie aber nicht: da wir den Energiebedarf für Verkehr auf absehbare Zeit nicht durch erneuerbare Energien abdecken können, führt der zusätzliche Strombedarf größtenteils zu einer Erhöhung der Auslastung von (Braunkohle-)kraftwerken mit ~1100g CO2 pro kwh. Da ein E-Auto ca. 16kwh/100km verbraucht, kommen wir auf ca. 176 g/km, für ein Toyota Corolla hybrid bspw. nur auf 85g/km und dabei ist noch nicht einmal der enorme Energieverbrauch für die Akkuproduktion eingerechnet. Lösung wäre der Bau neuer Atomkraftwerke oder Kernfusionskraftwerke, das Sparc-Projekt in den USA hofft auf einen Fusionsreaktor in 10 Jahren. Leider sperrt sich unsere… Mehr

NerdmitBrille
8 Tage her
Antworten an  Martin

Hmm. Wo nehmen sie die Info her, dass vor allem Braunkohlekraftwerke durch E-Autos stärker ausgelastet werden? Öffentliche Ladesäulen sind nur förderfähig wenn sie Ökostrom nutzen, die meisten E-Autonutzer kaufen privat Ökostrom. Das Geld fliest also zum Ökostromanbieter und in den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien. In ihrer Rechnung ist übrigens beim E-Auto diegesamte Vorkette enthalten, beim Verbrenner nur die direkten Emissionen. Wenn sie beides berücksichtigen sieht das Ergebnis ganz anders aus. Ja, wir hätten die KKW nicht abschalten sollen und wir sollten neue bauen. Aber selbst wenn wir das tun würden sollten wir trotzdem noch alles mit Windrädern und Solaranlagen zukleistern.… Mehr

NerdmitBrille
9 Tage her

Das ist keine Spezialität von Tesla. Viele moderne Technologiefirmen schreiben jahrelang Verluste bevor sie profitabel werden. Für Tesla geht es gerade nur um Wachstum. Das war auch z.B. bei Amazon lange Zeit genauso.

Andreas aus E.
9 Tage her

Ein genialer Vermarkter (altmodisch: Propagandist) ist der Musk, das muß man ihm wirklich lassen. Die Tage erst kam was über eine Art Rohrpost, die eines der von ihm geführten Unternehmen ausprobiert hatte, DLF zeigte sich begeistert – ich dachte da spontan an einen Artikel, den ich etwa vor 35 Jahren in der „P.M.“ gelesen hatte (luftleere Röhre für extrem schnelle Transporte, Idee seinerzeit transatlantische Verbindung). Es blieb bislang bei kurzem Strohfeuer, aber immerhin, Assoziation Musk = Innovation war mal wieder eingebleut. Musk könnte auch das abrollbare Toilettenpapier als Weltneuheit verkünden – Applaus seiner Fans, besonders bei linksgrünen Medien, wäre ihm… Mehr

Maurice
6 Tage her
Antworten an  Andreas aus E.

Mag sein, dass er ein guter Vermarkter ist. Er ist aber vor allem ein exzellenter Ingenieur. Nicht vergessen: Er ist Chefingenieur bei SpaceX, wo sie die innovativsten Raketen aller Zeiten bauen.

Last edited 6 Tage her by Maurice
H. Hoffmeister
9 Tage her

So ein Geschäftsmodell ist nur in einer ökosozialistischen Ideologiewirtschaft für eine gewisse Zeit – und auf Kosten des Wohlstandes vieler anderer, die nach objektiven Kriterien marktfähigere Produkte anbieten – tragfähig. Tesla, aber auch Windmühlen/Solarpanelbauern- und -betreiber wären allesamt bereits marktbereinigt, wenn unbestrafte Nachfrage herrschen würde. So ist das ganze eine einzige Farce und nur ein weiterer Treiber in den wirtschaftlichen Abgang.

ComCom
9 Tage her

Tesla ist zur Zeit quasi eine Inhaber geführte Firma, die ohne Ruecksicht auf Verluste wachsen will. Das macht Herr Musk genau richtig, sein Vorbild ist Herr Besoz der mit Amazon eine Blaupause fuer den Durchmarsch nach ganz ober gezeichnet hat. Ein sehr cooles Rezept, alleine wenn man sieht, das Tesla auf lange Sicht auch die Zulieferindustrie austrocknet. Wer so mutig und tüchtig ist, dem gebührt mein Respekt!

usalloch
9 Tage her
Antworten an  ComCom

Es kann aber auch sein, das der Herr sich demnächst einer seiner Raketen bemächtigt, und auf Nimmerwiedersehen im All verschwinden. Der Grund Bezos Erfolg beruhte auf die Schläfrigkeit seiner Konkurrenten. Die Automobilindustrie weltweit spielt allerdings in einer anderen Liga als die selbstzufrieden Krämer in Europa.

Memphrite
9 Tage her

Der zugrundeliegende Mechanismus für diese und all die anderen Fehlentwicklungen der letzten 10 Jahre ist der 0% bis negativ Zins. In der „alten“ Welt (so ca. vor 20 Jahren) mit normalen Zinsen, wären solche Geschäftsmodelle schon längst abgewickelt. Jetzt können alle schlechten Firmen und „Blender“ Schulden mit neuen Schulden“ decken. Die Staaten können jeden Blödsinn fördern, da man ebenfalls „Schulden mit neuen Schulden“ decken kann. Da sammelt sich eine Fehlallokation von einmaliger geschichtlicher Dimension überall in der Welt an. Ich glaube und hoffe das eine Lektion für die späteren Generation sein wird, es nie wieder mit 0% Zinsen zu versuchen.… Mehr

Last edited 9 Tage her by Memphrite
Riffelblech
9 Tage her

Dieser Co2 Irrsinn befördert solche Geschäftsmodelle ,die die angeblichen CO2 Reduktionen von Verbrennerflotten runterzurechnen . Das ist völliger Blödsinn ,denn die Verbrenner fahren trotzdem ,die Elektrischen sind noch dreckiger als Verbrenner ( in der Produktion aller Komponenten) ,die Benötigte Infrastruktur ist auch „ Umweltbelastend“ . Also was soll der Unsinn ? Nur die grüne Seele streicheln und Kaspertheater vormachen . Die Verbrenner sind heute so gut wie niemals zuvor . Nur eine sinnvolle und langsame Entwicklung im Reichweitenverhalten und in der Batterieproduktion ohne seltene Erden ist die Zukunft . Und vor Allem ohne Knüppel aus Brüssel und von grünen Spinnern… Mehr

NerdmitBrille
9 Tage her
Antworten an  Riffelblech

Ihre Aussage ist irreführend. ja – die Produktion von E-Autos ist co2-intensiver: „Nimmt man also den Mittelwert von 150 Kilogramm Treibhausgasen pro Kilowattstunde an, so entstehen bei der Herstellung einer gängigen E-Auto-Batterie mit 35 kWh Leistung rund fünf Tonnen Treibhausgase. Addiert man die Emissionen der restlichen Herstellung, kommen die verschiedenen Studien am Ende auf Werte zwischen zehn und zwölf Tonnen. Zum Vergleich: Für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – egal ob Benziner oder Diesel – rechnen Experten im Schnitt mit sechs bis sieben Tonnen Treibhausgasen.“ die 5 zusätzlichen Tonnen haben sie nach einigen zehntausend km wieder raus und sparen damit über ein… Mehr

jansobieski
9 Tage her

Zu klären, wäre noch, warum Tesla überhaupt am Verschmutzungsrechtehandel so profitiert, ist doch die Gesamtbilanz der Teslafarzeuge in der normalen Nutzungszeit eines PKW möglicherweise schlechter, als bei einem modernen Dieselfahrzeug. Wer hat so einen Unsinn abgesegnet und wann hat Deutschland hier sinnvollerweise im eigenen Interesse, dagegen gestimmt?

NerdmitBrille
9 Tage her
Antworten an  jansobieski

Können Sie dazu eine aktuelle Quelle nennen? Die Ökobilanz von E-Autos hat sich ziemlich verbessert die letzten Jahre.

usalloch
9 Tage her
Antworten an  NerdmitBrille

Interessant. Die Ökobilanz der E-Autos verbessert sich durch größere Produktion. Wo haben sie das denn her?

NerdmitBrille
9 Tage her
Antworten an  usalloch

Was genau meinen Sie? Ich bezog mich mit meinem Post vor allem auf den technischen Fortschritt. Aber natürlich spielen bei Effizienzsteigerungen oft auch Skaleneffekte eine Rolle. Ist es der Skaleneffekt den Sie in Zweifel ziehen?

Onan der Barbar
9 Tage her

Was sagt eigentlich die Börsenaufsicht zu der ganzen Elektromorbidität?

Der Prophet
9 Tage her
Antworten an  Onan der Barbar

Die haben keine Zeit, die prüfen gerade den 2019er Jahresabschluss von Wirecard auf Vollständigkeit.

NerdmitBrille
9 Tage her
Antworten an  Onan der Barbar

Was sollte Ihrer Meinung nach denn die Börsenaufsicht gegen Elektromobilität unternehmen und mit welcher Begründung?