Deutschlands Wirtschaft wächst laut Statistik minimal – und das nur, weil der Staat immer mehr ausgibt. Ohne Konjunkturprogramme, Bundeswehr, Klimaschutz und Infrastruktur wäre das BIP geschrumpft. Das bestätigt das IW und warnt vor langfristigen Schäden für Produktivität und Wohlstand.
picture alliance / Andreas Gora | Lenny Karpe
Deutschland hat sich sein ohnehin kümmerliches Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre mit Staatsausgaben erkauft. Unternehmen und private Haushalte haben im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 zusammengenommen keinen Beitrag zum Wachstum geleistet. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.
Dass die gesamtwirtschaftliche Leistung in diesem Zeitraum überhaupt um durchschnittlich 0,2 Prozent pro Jahr gestiegen ist, verdankt Deutschland demnach allein dem „aggregierten staatlichen Beitrag“. Ohne die Ausgaben des Staates für Konjunkturprogramme, Bundeswehr, Klimaschutz und Infrastruktur wäre das Bruttoinlandsprodukt nicht nur stagniert, sondern geschrumpft.
Besonders stark gingen die Investitionen in Wohn- und Gewerbebauten sowie in Maschinen und Fahrzeuge zurück. Als Gründe nennt die Studie Geschäftseinbrüche infolge der Corona-Pandemie, Probleme in den Lieferketten, unsichere Finanzierungsbedingungen, Handelskonflikte und geopolitische Schocks wie den russischen Überfall auf die Ukraine.
Einen Lichtblick gibt es lediglich bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für Software und Datenbanken. Sie legten deutlich zu. Doch sie können die breite Investitionsschwäche nicht ausgleichen.
„Für eine Marktwirtschaft auf Dauer nicht normal“
Wie weit sich Staat und Privatwirtschaft bereits auseinanderentwickelt haben, zeigt der Vergleich mit dem Jahr 2019. Im zweiten Quartal 2026 lagen die öffentlichen Investitionen preisbereinigt um gut 20 Prozent über dem damaligen Jahresdurchschnitt. Die Investitionen der Privatwirtschaft blieben dagegen um mehr als zehn Prozent darunter.
Für IW-Konjunkturexperte Michael Grömling ist dieser Zustand „für ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem auf Dauer nicht normal“. Das Problem beschränkt sich nicht auf die gegenwärtige Konjunkturschwäche. Bleiben Investitionen aus, werden Maschinen und Anlagen nicht ausreichend modernisiert. Die Folgen reichen weit über den nächsten Wirtschaftsbericht hinaus.
„Das schwächt die ökonomischen Produktionsmöglichkeiten und den daraus resultierenden Wohlstand über Jahre hinaus“, warnt Grömling. Staatliche Investitionen und Konsumausgaben etwa für Bildung könnten private Investitionen nicht ersetzen. Zur Sicherung des Wohlstands seien deshalb „Konjunktur- und Wachstumsimpulse aus der privatwirtschaftlichen Investitionstätigkeit dringend notwendig“.
Die Studie liefert damit einen ernüchternden Befund: Der Staat hält die Statistik mit immer höheren Ausgaben über Wasser, während die wirtschaftliche Grundlage erodiert. Auf Dauer lässt sich fehlende private Dynamik nicht durch staatlich finanziertes Wachstum ersetzen.



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