Internationale Studie: Warum sind Viele für Umverteilung?

Ein internationales Team von Psychologen führte 13 Studien mit 6.024 Teilnehmern in den USA, Großbritannien, Indien und Israel durch. Leitfrage war die psychologische Motivation zur Unterstüzung von Umverteilung.

© Getty Images

Was sind die psychologischen Hintergründe dafür, dass Viele für Umverteilung durch höhere Steuern für die Reichen Vermögen eintreten? Welche Rolle spielt beispielsweise der Neid? Welche Rolle spielen Vorstellungen von Fairness? Hierzu gab es eine bahnbrechende und groß angelegte internationale Studie, die jüngst von Daniel Sznycer und anderen in einer amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Titel: „Support for redistribution is shaped by compassion, envy, and self-interest, but not a taste of fairness.“

Das Design der Studie
  1. Die Zustimmung der Befragten zur Umverteilung wurde durch Fragen wie diese gemessen: „Wealth should be taken from the rich and given to the poor“ oder auch „The government spends too much money on the unemployed“.
  2. Mitgefühl (dispositional compassion) wurde gemessen mit Aussagen wie: „I suffer from others‘ sorrows“ oder „I tend to dislike soft-hearted people“.
  3. Neid wurde mit Fragen gemessen wie: „I feel envy every day“ und „It is so frustrating to see some people succeed so easily.“
  4. Der erwartete persönliche Vorteil von Umverteilung wurde durch folgende Frage gemessen: „Imagine that a policy of higher taxes on the wealthy is implemented. What overall impact do you think the higher taxes on the wealthy would have on you?“ Auf einer Skala von 1 bis 5 konnten die Befragten angeben: „My own economic situation would significantly worsen – improve.“
  5. Es wurden zwei Szenarien als Folge höherer Steuern alternativ dargestellt:
    – a) Die Reichen (definiert als das 1% der vermögendsten Personen) zahlen 10% mehr Steuern. Die Armen bekommen entsprechend mehr Geld, das sind in diesem Fall 200 Millionen Euro.
    – b) Die Reichen zahlen 50% mehr Steuern, aber die Armen bekommen statt 200 Millionen nur 100 Millionen mehr Geld. (Um dies für die Befragten zu plausibilisieren, wurde erklärt, dass die Reichen mehr verdienten als die Steuersätze niedriger waren, so dass mehr Steuern generiert wurden, die dann an die Armen umverteilt werden konnten).
  6. Fairness ist schwerer zu messen, da jeder etwas anderes darunter versteht. Die Autoren der Studie entschieden sich, in getrennten Fragen die Zustimmung zur „procedural fairness“ und zur „distributional fairness“ zu messen.
    – a) Die Zustimmung zur „procedural fairness“ wurde gemessen mit Fragen wie: „The law of the land should apply to everybody in the same way.“ Oder: „It would not bother me much, if different groups or people were subject to different rules“ (reversed).
    – b) Die Zustimmung zur „distributional fairness“ wurde gemessen, indem sieben Entscheidungsfragen gestellt wurden, wie eine bestimmte Summe unter Individuen und Gruppen verteilt werden sollte. Es differierte sowohl die Summe als auch die Art der Verteilung.
Die Ergebnisse

Die Untersuchungen in allen vier Ländern ergaben, dass Fairness-Vorstellungen nur geringe oder gar keinen messbaren Auswirkungen auf die Befürwortung von Umverteilung hatten. Dies trifft für beide Fairness-Varianten (gleichmäßige Verteilung oder gleiche Regeln für alle) zu.

Das Alter hatte ebenfalls in keiner der Länderstudien Auswirkungen auf die Zustimmung der Umverteilung. Das Geschlecht hatte in den USA und Großbritannien stärkere Auswirkungen – Frauen waren hier eher gegen Umverteilung als Männer. Der sozioökonomische Status der Befragten hatte nur in Großbritannien einen (negativen) Effekt auf die Befürwortung von Umverteilung, in den anderen drei Ländern nicht. In den USA hatte auch die Parteipräferenz einen Einfluss – Demokraten unterstützten erwartungsgemäß eher die Umverteilung als Republikaner.

Die drei Faktoren Mitgefühl, Neid und Eigeninteresse hatten indes messbare Auswirkungen auf die Zustimmung zur Umverteilung, und zwar jeder einzelne Faktor, unabhängig voneinander. 14 – 18 Prozent der Befragten gingen sogar so weit, dass sie für eine Umverteilung durch sehr hohe Besteuerung der Reichen (50% mehr) auch dann wären, wenn im Ergebnis die Armen weniger (nämlich nur die Hälfte) bekommen würden als bei einer moderaten Steuererhöhung (10% mehr). Ihnen war offenbar das Gefühl der Befriedigung, wenn der Reichen möglichst viel weggenommen wird, wesentlich wichtiger als die Frage, was die Armen davon haben.

Ein weiteres Ergebnis: Je neidischer die Befragten sind, desto stärker präferierten sie bei den Befragungen in USA, Großbritannien und Indien das „wealthy-harming scenario“. Die Analyse zeigte, dass das Ausmaß des Mitgefühls die Bereitschaft erklärte (durch eigene Spenden) den Armen zu helfen, während das Ausmaß des Neides keine Auswirkungen auf die Hilfsbereitschaft hatte. Umgekehrt: „Envy, but not compassion, predicts a desire to tax the wealthy even when that costs the poor.“

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Kommentare ( 38 )

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„In den USA hatte auch die Parteipräferenz einen Einfluss – Demokraten unterstützten erwartungsgemäß eher die Umverteilung als Republikaner.“
Hier wird Korrelation mit Kausalität verwechselt. Nicht weil sie Republikaner unterstützen sind Wähler gegen Umverteilung, sondern sie wählen die Republikaner, weil sie gegen Umverteilung sind.

Die ‚Armen‘ brauchen nicht primär Geld von den Reichen, sie brauchen Leistungen einer öffentlichen, physischen und sozialen, Infrastruktur (Bildung und Gesundheit) und Lebensbedingungen, bei denen Grundbedürfnisse befriedigt werden können. Das ist natürlich viel komplexer als es sich sagt. Es stellt auch enorme Anfordungen an einen Staat, diese Leistungen mit der notwendigen qualitativen Effektivität und Effizienz zu organiseren. Fast noch grösser erscheinen die Herausforderungen für Staat und Politik die Besteuerung so zu organisieren, dass jede ‚passive Rendite‘ im allgemeinen höher besteuert wird als ein Leistungseinkommen. Es gibt weltweit wenig Bereitschaft von einem hart erarbeiteten Leistungseinkommen mehr als 20-30% Steuern zu zahlen.… Mehr
„Die ‚Armen‘ brauchen nicht primär Geld von den Reichen, sie brauchen Leistungen einer öffentlichen, physischen und sozialen, Infrastruktur (Bildung und Gesundheit) und Lebensbedingungen, bei denen Grundbedürfnisse befriedigt werden können.“ Aha, und wer bestimmt, was notwendige Leistungen für offentliche, physische, soziale Infrastruktur und Grundbedürfnisse sind? Ich vermute mal weise und allwissende Sozialisten wie Sie. Ihre Unterscheidung zwischen hart erarbeiteten Leistungseinkommen und ‚passiver Rendite‘ ist ja Marxismus pur aus der Mottenkiste. Was soll das Maß sein, mit dem man ‚hart erarbeitet Leistung ‚ misst: das physikalische Analogon über Energie pro Zeiteinheit? Dann müsste der (kaum qualifizierte) Hilfsarbeiter im Steinbruch 10 * mehr… Mehr

Mit der maßgeblichste Grund ist die ständige Propaganda zugunsten von immer mehr Umverteilung, zum großen Teil zudem Lügenpropaganda übelster Sorte (z.B. werden Renten- und Pensionsanwartschaften bei Vermögensverteilungen häufig nicht berücksichtigt).

Die Ursachen der als „Neiddebatte“ verniedlichten zunehmenden Ungleichheit der Vermögensverteilung wird in einem Teil der ausgezeichneten Reihe von Karl-Heinz Thielmann im BlickLog: http://www.blicklog.com/2018/01/31/die-zukunft-des-kapitalismus-teil-4-asien-und-staatsfonds/ beleuchtet.

Die Tendenz der zunehmenden nationalen Abschottung ist Hauptursache wachsenden Ungleichverteilung der Vermögen.

„Envy, but not compassion, predicts a desire to tax the wealthy even when that costs the poor.“

Ich habe es schonmal an anderer Stelle hier erwähnt, aber der gute Charles Dickens hat schon vor über 100 Jahren, im Anfangsstadium des Sozialismus erkannt: „Sozialisten haben kein Herz für die Armen, sie hassen lediglich Reiche.“

Ich war immer mit Menschen aus den unterschiedlichsten Einkommensverhältnissen befeundet. Manchmal habe ich mir auch etwas von dem gewünscht was sie besaßen. Aber eher selten. Familie, Krankheit und sonstige Probleme wollte ich nicht tauschen. Ich habe für mich immer eigene gute Wege gefunden. Was mir fehlt sind Möglichkeiten und Freiheit. Diese Durchreglementierung macht mich fertig und schnürt mir die Luft ab. Wenn ich mein Leben falsch gelebt habe oder Fehler gemacht habe, kann ich damit gut alt werden. Nicht jedoch mit den Steinen die mir von staatswegen in den Weg gelegt werden.

… also, wenn mein Nachbar etwas hat, was ich ebenfalls gerne hätte …. und ich kann es ihm unter Zuhilfenahme mir selbst zurechtgebogener Gesetzte wegnehmen, dann finde ich das schon toll …

Schöne neue NWO mit einem Hang zu eigenartigem Gerechtigkeitsempfinden.

Ups, .. hatten das die Kommunisten nicht auch schon mal versucht?

neid ist immer negativ. für alle beteiligten. parteien, die mit dem neid der menschen spielen und diesen auch noch befeuern sind gefährlich und populistisch. sie zerstören aus machtgier die fundamente funktionierender, freiheitlicher gesellschaften.

O ja, der Neid ist eine ganz üble Variante menschlicher Befindlichkeiten und besonders furchtbar, wo sich komplette Staats- und Gesellschaftssysteme darauf gründen. Er macht so unfroh. Ein vernünftiger Gesellschaftsentwurf geht deshalb immer vom Freiheitsrecht und, als dessen Bedingung, vom Eigentumsrecht aus, die das gerade Gegenteil davon sind, vom Staat und denen, die sich seiner bemächtigt haben, bestohlen und für ’soziale‘ Aberwitzprojekte beliebiger Art ausgeplündert zu werden. Daß den Neid- und Ressentimentgetriebenen das arme Volk ziemlich wurscht ist, scheint mir durch historisch wirkmächtig gewordene Totalitarismen und Kollektivismen vielfach belegt. Da wirtschaftet man enteignete Unternehmen mitsamt ihren Arbeitsplätzen lieber in den Abgrund,… Mehr

Hr. M. Hudson beschreibt in seinem Buch „Sektor“ ausführlich: Wie die globale Finanzwirtschaft uns zerstört!
Im Grunde geht es um „höfische Rentierabschöpfung“: eine Umverteilung von unten nach oben – wenn Sie die Richtung vom Geldfluss betrachten.

Wenn der Staat diesen Geldfluss neu organisieren will, ist es die Sorge um den staatlichen Zusammenhalt!
M. E. ein legitimes Interesse!

Sie halten Wirtschaft für ein Nullsummenspiel. Aber das ist nicht so. In den letzten Jahrzehnten ist weltweit die Zahl der Milliardäre und deren Vermögen gestiegen und ZUGLEICH die Zahl der Armen massiv gesunken. Nehmen Sie China: Dort ist die Ungleichheit sehr groß, aber die Zahl der Armen, die in die Mittelschicht aufgestiegen sind, liegt bei mehreren Hundert Millionen. Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel , in dem irgendein festes Vermögen verteilt wird. Das ist der große Irrtum aller Umverteiler.

Wenn ich von Wirtschaft rede, differenziere ich zwischen Finanz- und Güterkreislauf:
Da der Finanzkreislauf in einem unbegrenzten Zahlenraum stattfindet, kann es monetäre Zuwächse bei wachsenden Vermögenswerte geben: also definitiv kein Nullsummenspiel
Für den Güterkreislauf gelten die thermodynamische Hauptsätze: d. h. bei jeder chemisch-physikalischen Transformation arbeiten wir mit Energieverlust: auch kein Nullsummenspiel.

Was mich im Finanz- und Güterkreislauf interessiert, ist ein stabiles Fließgleichgewicht mit zyklischen Schwankungen: Fließgleichgewichte können wachsen und fallen! Ein fallendes Fließgleichgewicht kann mein Risikoportfolio berühren. Ggf. werde ich aktiv.

Warum unterstellen Sie mir ein Nullsummenspiel???

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