China, der Mai und der Ifo-Index

Ziemlich genau zwei Jahre hat es im DAX zum neuen Allzeithoch gedauert. Im Frühjahr 2015 gipfelte eine stürmische Rallye knapp unter 12.400 Punkten, erst jetzt wurde die Marke überwunden. Nicht auszudenken, wie es ohne politische Behinderung liefe.

© Jeff Pachoud/AFP/Getty Images

Ziemlich genau zwei Jahre hat es gedauert, bis der DAX ein neues Allzeithoch erreicht hat. Im Frühjahr 2015 gipfelte eine stürmische Rallye knapp unter 12.400 Punkten, erst jetzt wurde diese Marke überwunden. Ein neuer DAX-Rekord, endlich. Und dennoch sollten Anleger nicht euphorisch werden. Dem April-Hoch vor zwei Jahren folgte eine volatile Abwärtsbewegung des Leitindex bis hinunter auf etwa 9.300 Punkte Anfang September. Sorgen über einen Abschwung in der chinesischen Wirtschaft belasteten, sie führten schließlich auch zum Crash Anfang 2016. Und mit dem Mai naht ein Börsenmonat mit zweifelhaftem Ruf. Laut Statistik verliert der Leitindex hier im historischen Schnitt erstmals seit dem Monat Oktober. Bange sollte Anlegern aber nicht werden. Die Konjunktur läuft – nicht nur in Deutschland, sondern auch in China. Das ist ein Unterschied zum Jahr 2015. Und verkaufen, bloß weil es Mai wird — das ist auch keine gute Idee. Die Bilanzsaison ist im DAX vielversprechend angelaufen, der Index ist noch vergleichsweise moderat bewertet. Anleger bewahren einen kühlen Kopf und bleiben wachsam investiert. Der Börsenindikator bestätigt dies. Das Barometer bleibt unverändert bei 100 Prozent Aktienquote.

Sechsjahreshoch

Das vor zwei Wochen veröffentlichte Ökonomen-Barometer der Wirtschaftszeitung €uro am Sonntag hat es mit einem Sechsjahreshoch angezeigt: Die Lage der deutschen Wirtschaft ist so hervorragend wie lange nicht mehr. Vergangenen Dienstag nun kam die Bestätigung durch den Ifo-Index. Der von Börsianern vielbeachtete Konjunktur-Frühindikator für Deutschland kletterte auf den besten Wert seit 2011. „Die deutsche Wirtschaft wächst kräftig“, erklärt Ifo-Chef Clemens Fuest dazu. Besonders im Groß- und Einzelhandel sowie in der Bauwirtschaft herrsche ausgelassene Stimmung. Kein Wunder, ist die Konsumlaune der deutschen Verbraucher doch ebenfalls auf einem Höhenflug, wie die GFK vergangene Woche vermeldete. Ein Grund für die gute Laune der Konsumenten, und hier schließt sich der Kreis, sind wiederum die guten Konjunkturaussichten.

Auch wenn derzeit der wirtschaftliche Absturz der Fluglinie Alitalia Schlagzeilen macht, gibt es auch italienische Konzerne auf Wachstumskurs. So plant der an der Mailänder Börse notierte Infrastrukturkonzern Atlantia im Besitz der Unternehmerfamilie Benetton eine einvernehmliche Übernahme der spanischen Gesellschaft Abertis. Aus der Fusion soll ein europäischer Marktführer im Autobahnbereich entstehen, der auch Interessen im Flughafen- und Bahnsektor hat. Gespräche seien mit Abertis-Hauptaktionär La Caixa im Gange, erklärte Atlantia, der an ein Angebot in Aktien und bar denkt. Bei einem Erfolg der Verhandlungen würde einer der größten Infrastrukturkonzerne in Europa mit einem Marktwert von etwa 36 Milliarden Euro und einem Jahresumsatz von 19 Milliarden Euro entstehen.

Allianz bei Atlantia

Atlantia betreibt die beiden römischen Flughäfen sowie Mautautobahnen mit einer Länge von 5.000 Kilometern. Atlantia, mehrheitlich unter der Kontrolle von Edizione (Holding der Familie Benetton), meldete 2016 einen Umsatz von 6,18 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,12 Milliarden Euro. Abertis verzeichnete 2016 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 796 Millionen Euro. Auch Abertis ist im Autobahnbereich spezialisiert. Die Abertis-Aktie reagierte mit einem Kursplus auf die Ankündigung der Fusionsgespräche.

Ein Teil des Erwerbspreises stammt offensichtlich vom Münchner Versicherungsriesen Allianz, der am Freitag bekanntgegeben hat, sich mit mehr als einer halben Milliarde Euro an der Betreibergesellschaft der italienischen Autobahnen beteiligt zu haben. Ein von der Infrastruktur-Tochtergesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) geführtes Konsortium erhielt den Zuschlag für einen Anteil von fünf Prozent an Autostrade per l’Italia. Atlantia ist damit nicht mehr Alleineigentümer.

Ein aktuelles Anschauungsbeispiel, wie „Linkspopulisten“ ein Land in den Ruin treiben können, ist Venezuela. Die Bevölkerung des ölreichen Landes leidet sowohl unter einer grassierenden Inflation als auch unter hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender Mangelversorgung. Und das hat weniger mit dem Ölpreisverfall als mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik des sozialistischen Regimes in Caracas zu tun. Das beweist das ebenso rohstoffreiche, aber boomende Nachbarland Kolumbien. Zudem treibt Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro sein Land nun noch weiter in die Isolation. Vergangene Woche kündigte er Venezuelas Exit aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) an, die ihn wegen seiner diktatorischen Maßnahmen mehrmals kritisiert hatte. Ein Vexit in der Not sozusagen.

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