Börsenwoche: Rekordjagd geht weiter

In der ersten vollen Handelswoche des neuen Jahres ist die Rekordjagd an den Börsen weitergegangen. Der DAX knackte die Marke von 25.000 Punkten. Gleichzeitig schleppt sich die Konjunktur nach wie vor dahin, und viele Marktteilnehmer sorgen sich über eine KI-Blase bei amerikanischen Technologieaktien.

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In der ersten vollen Handelswoche des neuen Jahres ist die Rekordjagd an den Börsen weitergegangen. Der DAX knackte die Marke von 25.000 Punkten, auch die US-Leitindizes Dow Jones und S&P 500 stiegen auf neue Rekordstände. Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Datenkranz alles andere als berauschend: Die Konjunktur schleppt sich nach wie vor dahin, und viele Marktteilnehmer sorgen sich über eine KI-Blase bei amerikanischen Technologieaktien. Dies wirkt auf den ersten Blick paradox.

Die Hoffnungen der Anleger auf die Zukunft der künstlichen Intelligenz (KI) und auf einen entsprechenden Produktivitätsschub sind nach wie vor sehr hoch. Ob sich die Rieseninvestitionen am Ende auszahlen und und sich die KI als Wachstumskraft erweisen wird, steht aber immer noch in den Sternen. Letztlich stellt sich die Frage, ob es sich um eine industrielle Revolution oder um eine Übertreibung handelt.

In Europa, vor allem in Deutschland, ruhen die Hoffnungen der Börsianer auf den milliardenschweren Investitionspaketen für Rüstung und Infrastruktur. Wie man da mit Blick auf den Flughafen in Berlin, den Hauptbahnhof in Stuttgart oder die zweite Stammstrecke der S-Bahn München so optimistisch sein kann, scheint allerdings etwas blauäugig. Massive Verzögerungen und erhebliche Kostenüberschreitungen entsprechen doch eher der deutschen Wirklichkeit. Hoffnungen hängen auch an der nun nach jahrzehntelangen Verhandlungen endlich beschlossenen Freihandelszone Mercosur, die schrittweise die südamerikanischen Märkte für die EU und umgekehrt öffnet.

Viele Marktteilnehmer rechnen zudem mit weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, was der Konjunktur Rückenwind geben und die Aktienkurse beflügeln könnte. Allerdings verharrt auch die Inflation in den USA auf erhöhtem Niveau, was das Potenzial für Zinssenkungen schmälert. Auf die angespannte geopolitische Situation haben die Aktienmärkte dagegen (noch) nicht negativ reagiert. So gab es nach der Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro keinen Kurseinbruch. Vielmehr weckten die Nachrichten bei den Investoren Hoffnungen auf sinkende Ölpreise. Die jüngste Entwicklung bringt aber auch Risiken. Sollten die tatsächlichen Gewinne der Unternehmen hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben, könnte es zu deutlichen Kurseinbrüchen kommen. In den zwei Jahren nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 fiel der S&P 500 um mehr als 35 Prozent und der Technologieindex Nasdaq mehr als 75 Prozent.

Die Aussicht auf Zinssenkungen durch die Fed war es dann auch, die am Freitag für steigende Kurse an den US-Börsen sorgte. Der marktbreite S&P 500 erreichte ein Rekordhoch, zur Schlussglocke betrug das Plus knapp 0,7 Prozent auf 6.966 Punkte. Der Dow Jones Industrial legte um knapp 0,5 Prozent auf 49.504Punkte zu, konnte die Höchstmarke vom Mittwoch aber nicht toppen. Mit plus 2,3 Prozent in der ersten kompletten Börsenwoche 2026 startete der Dow stark ins neue Jahr. An der Technologiebörse Nasdaq ging es mit dem Nasdaq 100 um gut ein Prozent auf 25.766 Zähler aufwärts. Hier lagen erneut die Aktien aus der Halbleiterbranche ganz vorn. Intel-Aktien etwa zogen um fast elf Prozent an. Zuletzt hatte auch eine Maßnahme von US-Präsident Donald Trump für Bewegung gesorgt. Trump hatte einen Ankauf von Hypothekenanleihen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar angeordnet, um damit Immobilienkredite günstiger zu machen. Davon profitierten Aktien von Hypothekengebern. Rocket Companies stiegen um fast zehn Prozent. Opendoor Technologies schnellten sogar um gut 13 Prozent nach oben.

Auch eine Übernahme sorgte für Gesprächsstoff. Wie die „Financial Times“ berichtet, will der Pharmariese Merck & Co den Krebsmittelspezialisten Revolution Medicines übernehmen. Dessen Aktien zogen nochmals um mehr als zehn Prozent an, nachdem sie ihren Rekordlauf in den vergangenen beiden Tagen schon deutlich beschleunigt hatten. Merck & Co gaben leicht nach. Als Kaufpreis ist in dem Bericht von 28 bis 32 Milliarden Dollar die Rede. Eine größere Kursschwäche zeigten General Motors mit minus 2,7 Prozent. Der Autobauer hatte am Vorabend hohe Abschreibungen auf seine Elektroautos bekanntgegeben. Diese kosteten den Konzern im vierten Quartal rund sechs Milliarden Dollar. Hinzu kommen gut eine Milliarde an Sonderkosten für den Umbau in China.

Zuvor hatte sich schon die Rekordjagd im Dax fortgesetzt. In der Spitze stieg der deutsche Leitindex erstmals bis auf 25.281 Punkte und ging letztlich gut 0,5 Prozent höher bei 25.262 Zählern ins Wochenende. In der ersten Handelswoche des neuen Jahres hat der Dax damit knapp drei Prozent zugelegt. Der MDax legte derweil am Freitag um knapp 0, Prozent auf 32.167 Punkte zu.

Einer der stärksten Dax-Werte war Volkswagen mit einem Zuwachs von zwei Prozent. Jefferies-Analyst Philippe Houchois hielt an seiner Kaufempfehlung für den Autobauer fest. VW dürfe für 2026 Verbesserungen im operativen Geschäft voraussagen. Für Barclays-Experte Henning Cosman zählt Volkswagen zu den Branchenfavoriten. Fresenius Medical Care (FMC) gewannen 1,3 Prozent. Der Dialyse-Anbieter drückt bei seinen geplanten Aktienrückkäufen aufs Tempo. Nachdem die erste Tranche des Programms am 29. Dezember vorzeitig abgeschlossen worden sei, solle die zweite am 12. Januar starten und voraussichtlich früher abgeschlossen werden als ursprünglich geplant.

Versicherer waren dagegen erneut schwach. Morgan Stanley verwies auf das herausfordernde Branchenumfeld mit einer schwächeren Preiserneuerungsrunde für Rückversicherer. Hannover Rück, Munich Re und Allianz verloren bis zu zwei Prozent.

Teamviewer gewannen im MDax 4,4 Prozent. Für die Papiere des Internet-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 ging es sogar um 6,2 Prozent aufwärts, womit sie über 30 Euro kosteten. Analyst James Tate von der US-Investmentbank Goldman Sachs erhöhte sein Kursziel und sieht noch Luft bis 39 Euro. Die Voraussetzungen fürs neue Jahr seien vielversprechend. Bei Sartorius nahmen die Anleger nach der Erholungsrally dagegen Gewinne mit, die Aktie büßte drei Prozent ein. RBC-Analyst Charles Weston stufte den Pharma- und Laborausrüster ab. Das weitere Aufwärtspotenzial sei in naher Zukunft begrenzt.

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