Unklar ist, welche Folgen der Krieg im Iran auf die globale Energieversorgung haben wird. In solch einer Phase der Unsicherheit nimmt man an, dass sich Unternehmen mit großen Engagements zurücknehmen. Das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein: Seit Anfang 2026 gab es bereits 22 Megadeals, weitere könnten folgen.
Der Iran-Krieg nimmt täglich neue Wendungen, und es ist niemandem klar, welche Folgen er noch für die globale Energieversorgung haben wird – Waffenstillstand hin, Friedensvertrag her. In einer Phase, in der sich die Unternehmen weltweit auf schwankendem Boden bewegen, sollte man eigentlich annehmen, dass sie sich mit großen Engagements zurückhalten.
Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Nicht weniger als 22 Megadeals – also Transaktionen, bei denen das Volumen mindestens zehn Milliarden Dollar beträgt – verzeichnete das „Wall Street Journal“ in diesem Jahr bereits. So viele hat es in einem ersten Quartal noch nie gegeben. Darunter waren der Kauf der Warner Bros. Discovery durch Paramount für 111 Milliarden Dollar nach einem harten Bieterstreit mir Konkurrent Netflix, aber auch die 50 Milliarden, welche Amazon bei der Finanzierungsrunde im Februar in das KI-Unternehmen Open AI pumpte.
Weitere Megadeals könnten folgen. Zahlreiche Unternehmen bestätigten bereits Fusionsgespräche. So befindet sich Estée Lauder mit der familiengeführten spanischen Beauty- und Parfum-Gruppe Puig Brands (u. a. Rabanne, Jean Paul Gaultier) in vertieften Verhandlungen. Der Spirituosenhersteller Pernod Ricard (Absolut Vodka) aus Frankreich ist an Brown-Forman (Jack Daniel’s) aus den USA dran. Offenbar wollen viele Firmen jetzt die strategischen Weichen für die Zukunft stellen. Da spielen Faktoren wie die Energiepreise eine untergeordnete Rolle. Nach dem Motto: Wenn der Deal sinnvoll ist, dann passt er auch in unsicheren Zeiten.
Hinzu kommt in den USA, dass Donald Trump kürzlich Gail Slater fallen ließ, die oberste Kartellwächterin des Landes. Sie verfolgte eine eher restriktive Linie. Vergangenen Sommer blockierte sie beispielsweise die 14-Milliarden-Übernahme des Netzwerkausrüsters Juniper durch Hewlett-Packard. Das Department of Justice, dem Slater zugeordnet war, gab dann aber doch noch grünes Licht. Slater konnte sich daraufhin nicht mehr halten. Der nächste Deal, der unterschrieben werden dürfte, ist wohl die Gewürzhochzeit zwischen dem amerikanischen Lebensmittel-Multi McCormick und der niederländisch-britischen Unilever-Foods-Sparte (Knorr, Aromat). 45 Milliarden Dollar ist der komplizierte Deal wert, eingerechnet eine Barauszahlung an Unilever-Aktionäre in der Höhe von 15,7 Milliarden.
Ins Bild passt da der nächste Streich, den Elon Musk führen will: Mit Paypal revolutionierte er den Zahlungsverkehr, mit Tesla die Automobilbranche und zuletzt mit SpaceX die Raumfahrt. Die will er nun an die Börse bringen. Laut Medienberichten hat SpaceX am Mittwoch den noch vertraulichen Emissionsprospekt bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht. Für die Öffentlichkeit einsehbar werden die Unterlagen voraussichtlich Anfang Mai. Der erste Handelstag soll für Juni geplant sein. Musk wird vermutlich nur einen kleinen Teil der Firma an die Börse bringen. Dennoch soll das Emissionsvolumen rekordhohe 75 Milliarden Dollar betragen. Der bisher größte Börsengang war jener des arabischen Erdölkonzerns Saudi Aramco im Jahr 2019 mit 29,4 Milliarden Dollar. Insgesamt könnte SpaceX mit bis zu 1,75 Billionen Dollar bewertet werden. Damit wäre der Konzern das sechstgrößte amerikanische Unternehmen nach Nvidia, Apple, Alphabet (Google), Microsoft und Amazon.
In dem 2002 gegründeten Unternehmen hat Musk inzwischen verschiedene Firmen gebündelt. Kerngeschäft von SpaceX ist die wiederverwendbare Trägerrakete Falcon 9, mit der Satelliten sicher in den Orbit gebracht werden. Das Unternehmen absolviert mehr Starts als alle anderen Firmen in der Branche zusammen, derzeit etwa viermal pro Woche. Im Jahr 2024 hat SpaceX laut der Unternehmensberatung Arthur D. Little 1500 von global 1800 Tonnen Fracht ins All gebracht. Mit der Starship-Rakete arbeitet das Unternehmen an einem noch deutlich größeren Trägersystem.
Jüngst brachte Musk zudem seine KI-Firma XAI inklusive der Online-Plattform X in SpaceX ein. Das steigerte den Wert des Unternehmens um geschätzte 250 Milliarden Dollar, obwohl XAI laut Medienberichten jeden Monat eine Milliarde Dollar verbrennt. Die KI-Firma konkurriert mit Open AI und Anthropic. Musk braucht aus verschiedenen Gründen eine Armada an Satelliten, beispielsweise, um damit in Zukunft ein rund um den Globus erreichbares Mobilfunknetz aus dem Weltall zu betreiben. Darüber hinaus ist SpaceX ein zentraler Partner der Nasa und hat in der Vergangenheit von lukrativen staatlichen Aufträgen profitiert. Schon heute ist SpaceX allerdings nicht mehr voll im Besitz von Elon Musk. Beobachter gehen davon aus, dass er bereits zu Jahresbeginn nach vielen Finanzierungsrunden weniger als die Hälfte der Anteile besaß. Sollte der Börsengang zustande kommen, wird die Transparenz des Unternehmens aufgrund ausgiebiger Berichtspflichten deutlich zunehmen.
Im Klein-Klein des Tagesgeschäfts ist die jüngste Erholung der Wall Street trotz dieser Aussichten am Gründonnerstag vorerst ins Stocken gekommen. Die wichtigsten Indizes beendeten einen nervösen Handel mit kaum veränderten Schlusskursen. Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu fortgesetzten Angriffen gegen den Iran hatten zunächst für deutlichen Abgabedruck gesorgt. Ein positiv aufgenommener Bericht zu den Plänen des Irans für die Straße von Hormus sorgte dann im Verlauf dafür, dass die Verluste fast vollständig eingedämmt werden konnten. Der Leitindex Dow Jones Industrial gab am Ende um gut 0,1 Prozent auf 46.505 Punkte nach. Für die verkürzte Börsenwoche ergibt sich damit ein Plus von fast drei Prozent. Der marktbreite S&P 500 gewann am Donnerstag 0,1 Prozent auf 6.583 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 legte um 0,1 Prozent auf 24.046 Punkte zu. An Karfreitag fand kein Handel statt, die US-Börsen öffnen wieder am Montag.
Trump hatte in einer Rede an die Nation zwar erneut ein Ende des Krieges in Aussicht gestellt, aber auch frühere Drohungen bekräftigt. Die USA seien auf dem Weg, alle militärischen Ziele „sehr bald“ zu erreichen. Bis dahin werde es im Iran noch heftige Angriffe geben, potenziell wie schon angekündigt auch gegen Kraftwerke des Landes. „Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen“, sagte Trump. In der Zwischenzeit liefen weitere Gespräche. Für Entspannung sorgte im Handelsverlauf dagegen eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, wonach der Iran derzeit an einem Protokoll mit dem Land Oman zur Überwachung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus arbeite. Dabei gehe es unter anderem um eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge, hieß es unter Berufung auf den stellvertretenden iranischen Außenminister.
Deutliche Schwäche zeigten die Aktien von Fluggesellschaften, denn der wieder gestiegene Ölpreis verteuert das Kerosin und erhöht damit die Kosten für die Unternehmen. So fielen Southwest Airlines, American Airlines und United Airlines um 1,7 bis drei Prozent. Auch Papiere von Halbleiter-Unternehmen wurden gemieden. Arm Holdings etwa büßten 3,8 Prozent ein. Der Sektor leidet unter der Furcht, dass die Energiepreise für längere Zeit hoch bleiben könnten. Dann könnte sich die US-Notenbank gezwungen sehen, wegen des ölpreisbedingten Teuerungsschubs die Leitzinsen konstant zu halten oder gar zu erhöhen.
Hoffnungen auf ein Ende der Blockade der Straße von Hormus hatten zuvor die zunächst deutlichen Verluste am deutschen Aktienmarkt eingedämmt. Der Dax, der am frühen Nachmittag noch fast drei Prozent eingebüßt hatte, verringerte sein Minus vor den Osterfeiertagen letztlich auf knapp 0,6 Prozent und ging bei 23.168 Punkten aus dem Handel. In der verkürzten Karwoche hat sich der deutsche Leitindex damit um knapp vier Prozent erholt. Der MDax mit den mittelgroßen Werten schloss am Donnerstag ein Prozent tiefer auf 28.916 Zählern.
Branchenweit blieben wegen der hohen Ölpreise Energie-Aktien gefragt, wobei Eon im Dax mit plus 2,2 Prozent die Index-Spitze einnahmen. RWE legten um 0,5 Prozent zu. Im SDax glich die Aktie des Biosprit-Herstellers Verbio einen Teil ihrer kräftigen Gewinnmitnahmen vom Vortag mit plus 7,4 Prozent aus.
Der Anteilsschein der Deutschen Börse stieg mit plus 1,9 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende August. Der Marktbetreiber profitiert von den derzeit starken Schwankungen an den Finanzmärkten, was die Handelsaktivität antreibt. Für Kion ging es dagegen nach einer Analysten-Veranstaltung zu den Ende April erwarteten Zahlen zum ersten Quartal um neun Prozent nach unten. Kritisch gesehen wurden Aussagen zur Gabelstapler-Sparte ITS, in der sich rückläufige Auftragseingänge abzeichnen. Laut JPMorgan erwartet Kion zwar keine direkten Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Lieferketten, berücksichtigt aber eine schwächere Nachfrage – und dies hauptsächlich im Geschäftsbereich ITS.
Von diesen Erwartungen wurde auch die Aktie des Konkurrenten Jungheinrich in Mitleidenschaft gezogen. Sie büßte 4,7 Prozent ein. Mit minus 2,8 Prozent beendeten Mutares den Tag recht versöhnlich, nachdem es zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit November gegangen war. Die Beteiligungsgesellschaft hatte am Vorabend mit der Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung überrascht.
advertisement-block provider=“Heft“ location=“posts“]

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
> Die USA seien auf dem Weg, alle militärischen Ziele „sehr bald“ zu erreichen.
Nachdem 100% erreicht wurde, wie er schon mal verkündete? Denkt überhaupt einer der Börsianer nach?