Börsen: Kanonen und Konzernzahlen

Die Quartalszahlen der drei Großbanken Citigroup, JPMorgan und Wells Fargo wurden von Anlegern mit hohen Verlusten quittiert. Damit erlitt die beginnende Saison der Quartalsberichterstattung einen Fehlstart.

© Spencer Platt/Getty Images

Vor dem Hintergrund enttäuschend eingestufter Ergebnisse aus der Bankenbranche ist den US-Börsen vor dem Wochenende die Luft ausgegangen. Der Dow Jones Industrial gab am Freitag um 0,5 Prozent auf 24.360 Punkte nach. Anleger dürften vor dem Wochenende Gewinne eingestrichen haben, immerhin hatte der Dow vom Tief Anfang des Monats um knapp fünf Prozent zugelegt. Im Laufe dieser Woche brachte es der Dow auf einen Zugewinn von 1,8 Prozent.

Die Quartalszahlen der drei Großbanken Citigroup, JPMorgan und Wells Fargo wurden von Anlegern mit hohen Verlusten quittiert. Damit erlitt die beginnende Saison der Quartalsberichterstattung einen Fehlstart. In der Branchentabelle verzeichneten Finanzwerte mit Abstand die höchsten Verluste.

Gegenwind gab es auch von der Konjunktur. So hatte sich die Stimmung der US-Verbraucher im April – von hohem Niveau aus – deutlicher verschlechtert, als Experten vorhergesagt hatten.

Der NASDAQ 100 verlor am Freitag ebenfalls – um 0,4 Prozent auf 6.628 Punkte. In dieser Woche rückte der technologielastige Index jedoch um drei Prozent vor. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es am letzten Handelstag der Woche um 0,3 Prozent auf 2.656 Punkte abwärts.

Citigroup verloren 1,5 Prozent, für Wells Fargo ging es um 3,4 Prozent abwärts und und für JPMorgan um 2,7 Prozent. Bei letzterem blieben die Einnahmen aus dem Anleihegeschäft hinter den Erwartungen zurück. Gleiches galt für die Gebühren und die Zinseinnahmen im Bondhandel der Citigroup. Im Aktiengeschäft hatten beide Geldhäuser überraschend gut abgeschnitten, Das überzeugte die Investoren jedoch nicht. Der Chef von JPMorgan, Jamie Dimon, sprach zudem von einem immer härteren Wettbewerb.

Bei Wells Fargo drückte eine Rückstellung von bis zu einer Milliarde US-Dollar auf den Kurs. Die Bank trifft damit Vorsorge für einen Vergleich mit amerikanischen Aufsichtsbehörden. Hintergrund ist ein Skandal um fingierte Konten und andere dubiose Geschäftspraktiken. Aber auch die Ergebnisse der Bank seien „unter der Oberfläche schlechter“ als erwartet, sagte Analyst Ken Usdin von Jefferies.

Aktien von Tesla legten um 2,1 Prozent zu. Der Hersteller von Elektroautos wolle im dritten und vierten Quartal profitabel werden, kündigte Firmenchef Elan Musk an. Analysten rechnen gegenwärtig damit, dass Tesla in diesen beiden Quartalen weitere Millionenverluste macht.

Papiere des Börsenneulings Dropbox brachen um fast zehn Prozent auf 30 US-Dollar ein. Das japanische Analysehaus Nomura hatte die Bewertung mit „Reduzieren“ und einem Kursziel von 21 US-Dollar gestartet. Der Anbieter von Online-Speicher-Diensten sei zwar hervorragend aufgestellt, schrieb Analyst Christopher Eberle. Allerdings zahle nur ein sehr kleiner Teil der vielen Nutzer für den Dienst und es kämen pro Jahr auch nur wenige Zahlende hinzu.

Aktien des Pharmakonzerns Mylan sanken um 1,5 Prozent. Zwischenzeitlich hatten sie sogar fast vier Prozent eingebüßt. Mylan sei mit der Merck KGaA (Merck) in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Kauf von deren Consumer-Health-Sparte, hieß es in einem Medienbericht. Einem anderen Bericht zufolge hat Mylan dies mittlerweile jedoch dementiert. Merck hatte im Herbst das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten zur Disposition gestellt und will sich stattdessen auf neue Krebsmittel konzentrieren.

Läuft die Wirtschaft eines Landes gut, so läuft auch die heimische Börse gut und umgekehrt. Diese Gleichung geht aber nicht immer auf. Denn wer in nationale Indizes investieren will, sollte beachten, wie groß die Bedeutung des Heimatmarktes für die Unternehmen des jeweiligen Index tatsächlich ist. So zeigen neue Zahlen des Analysehauses Factset, dass DAX-Unternehmen im Schnitt nur 20 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland generieren. Das Gleiche gilt für die Mitglieder des CAC 40 in Frankreich. Eine deutlich höhere Abhängigkeit der Konzerne von der nationalen Konjunktur gibt es im chinesischen Hang Seng mit knapp 80 Prozent und im S & P 500 mit immerhin 60 Prozent Anteil der Umsätze aus ihrem Heimatmarkt.

Der Datenskandal um Facebook hat dem Unternehmen nicht nur viel Wert an den Börsen, sondern auch viel Reputation gekostet. Bei der Bewertung des Unternehmens in den Leitmedien gab es im März 70 Prozent mehr negative als positive Wertungen. Dies ist vergleichbar mit den Darstellungen beim Volkswagen-Diesel­skandal. „Die Auswertung des Meinungsklimas der Analysten in internationalen Leitmedien zu Technologietiteln hat sich im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark eingetrübt (von 32 auf 17 Prozentpunkte), der weiterhin positive Saldo zeugt aber ­davon, dass die Finanzexperten die Lage bei den Technologieaktien noch differenziert sehen und nicht in Panik verfallen sind“, so Matthias Vollbracht, Leiter der Unternehmens­analyse bei Media Tenor International in Zürich.

Eine zusätzliche Analyse der Technologietitel im Hinblick auf das Bekenntnis zu konkreten Nachhaltigkeitszielen (SDG) zeige, dass viele der großen Unternehmen hier noch schlecht aufgestellt sind und allgemeine Aussagen, die Welt besser machen zu wollen, keinen konkreten Niederschlag in den Geschäftsberichten finden. Hier sei Veränderung notwendig, wenn Vertrauen zurückgewonnen werden soll, so Vollbracht. Insgesamt wurden 34.518 Aussagen von Analysten für den Zeitraum Januar 2017 bis März 2018 ausgewertet.

Es sind eindrucksvolle Wachstumszahlen, die die ETF-Branche Monat für Monat melden kann. Ein großer Treiber sind dabei sogenannte Smart-Beta-ETFs, die andere Kriterien der Aktienauswahl als die Marktkapitalisierung der Unternehmen berücksichtigen. Inzwischen sind weltweit über 800 Milliarden US-Dollar in Smart-Beta-ETFs angelegt — eine Verdoppelung des investierten Kapitals im Vergleich zu 2013. Ein Grund ist die Suche der Anleger nach präziseren, systematischen Lösungen, um ihre Anlageziele zu erreichen, ein anderer die Erfolgsbilanz dieser Strategien. „Smart Beta und faktorbasierte Anlagestrategien haben sich inzwischen vielfach bewährt“, meint etwa Chris Mellor, Spezialist für Aktien­produkte bei InvescoPowerShares. „Aktive Manager greifen seit vielen Jahrzehnten auf Konzepte wie Dividenden, Bewertung und Wachstum zurück. Faktor-ETFs machen diese Konzepte präziser, transparenter und zugänglicher.“ Daher sei es auch kein Wunder, so Mellor, dass das in Smart-Beta-ETFs angelegte Vermögen schnell wachse.


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ICH REDE HIER MAL ALS NORMALBÜRGER, der kein Geld hat, das er in Aktien anlegen könnte, und der zu den Vielen gehört, die unter der €-Nullzinspolitik zu leiden haben. Es wird uns vor allem von den Mainstreammedien vorgegaukelt, wir seien alle ach so reich, fast so wie Saudische Ölscheichs (das sind jene, die sich erfolgreich das syrische „Flüchtlingsproblem“ vom Hals gehalten haben-das wurde unserem geschundenem, überstrapazierten Land aufgehalst). Vermutlich um uns zu bewegen, wie brave Lämmer die Riesengeldverschwendung dieses Staates abzunicken. Wir dürfen brav zur Maloche und uns Steuern zahlen, und die daraus resultierenden Milliarden gehen dann in die €-Rettungsfässer… Mehr

Jetzt aber mal ’ne blöde Frage: Wenn man kein Geld hat, um es in Aktien anzulegen, dann sind Nullzinsen auch ziemlich egal oder?

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