Ein paar Fakten zur Umweltbilanz im Sozialismus

„Klimaaktivisten“ behaupten, der Kapitalismus sei schuld an Klimawandel und Umweltzerstörung. Sie empfehlen mehr staatliche Regulierung und weniger Markt. Aber die geschichtliche Erfahrung spricht gegen sie.

IMAGO / Rainer Unkel
Der sogenannte Silbersee , eine Industriekloake in Bitterfeld , im Februar 1990

Die DDR schrieb bereits im Jahr 1968 den Umweltschutz als Staatsziel in die Verfassung und gründete bereits 1972 – 15 Jahre vor der Bundesrepublik – ein eigenes Umweltministerium. Ständig behauptete die DDR-Propaganda, der Kapitalismus sei schuld an der Umweltzerstörung und allein der Sozialismus mit seiner staatlichen Planwirtschaft könne für eine saubere Umwelt sorgen.

Doch wie sah es in der Realität aus?

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
In dem Bericht der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, hieß es 1990: „Die ökologischen Probleme… sind verheerend. Auch für die Bevölkerung der DDR sind die Umweltbelastungen fast überall wahrnehmbar. Besonders gravierend ist die Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid und Kohlendioxid, die durch die Verbrennung von Braunkohle entsteht. Die Braunkohle ist der größte Energieträger in der DDR, doch die Kraftwerke sind veraltet; es fehlt an Entschwefelungsanlagen. Die Belastung ist so stark, dass viele Menschen in den betroffenen Regionen, z.B. rund um die Industriezentren Leipzig, Halle, Karl-Marx-Stadt und Dresden, überdurchschnittlich oft an Atemwegserkrankungen und Ekzemen leiden. Der ‚Industrienebel’ sorgt regelmäßig für Smog-Alarm in Städten und Dörfern und hinterlässt Staubschichten auf Autos, Fensterbänken und zum Trocknen im Freien aufgehängter Wäsche. Auch die Gewässer sind hochgradig belastet. Die chemische Industrie leitet ihre Abwässer ungeklärt und schadstoffbelastet in die Flüsse und Seen ein. Der in der DDR häufig kolportierte Witz ‚In der DDR ist alles grau, außer den Flüssen’ spiegelt dies wider. Der ‚Silbersee’ bei Bitterfeld/Wolfen gilt als Synonym für eine besonders drastische Gewässerverschmutzung. Das ehemalige Tagebauloch diente der Filmfabrik Wolfen als Abwassergrube, in das Schlämme und Abfälle eingebracht werden. Die schwermetallverseuchte Schlammschicht beträgt 1990 an einigen Stellen bis zu 12 Meter. Zur Verschmutzung der Gewässer tragen aber nicht nur Industrieabwässer, sondern auch die großzügig eingesetzten Düngemittel aus der landwirtschaftlichen Produktion bei. Insgesamt waren viele Flüsse und Seen in der  DDR 1990 ökologisch zerstört.“ 

Auf vielfältige Weise, so der Bericht, war auch der Boden in vielen Gegenden der ehemaligen DDR mit Schadstoffen belastet, sei es durch die intensive Landwirtschaft bzw. Massentierhaltung oder die unsachgemäße Ablagerung giftiger Industrie- und Siedlungsabfälle auf ‚wilden’ Mülldeponien.

Sieben Liter Schnaps zum Trost 

Die Bergleute, die in Wismut unter gesundheitsgefährenden Bedingungen Uran abbauten, bekamen zum Ausgleich bis zu sieben Liter Schnaps im Monat. Das Wort „Uran“ durfte nicht ausgesprochen werden und selbst in den Broschüren der Wismut-Berufswerbung wurde es streng gemieden. Auch in den privaten Gesprächen unter den Beschäftigten und Anwohnern des großen Uranbergbauunternehmens Europas war von Uran nie die Rede.

Daten zur Umwelt waren in der DDR spätestens seit einem Ministerbeschluss vom 19. März 1974 „Geheime Verschlusssache“. Günther Mittag, Sekretär des Zentralkomitees der Staatspartei SED für Wirtschaft, behielt sich die Entscheidung über die Verteilung vor. Nach 1982 durften nur noch er selbst, der Staatsratsvorsitzende Willi Stoph und Stasi-Chef Erich Mielke den jährlichen Umweltbericht erhalten. Die volle Wahrheit über den katastrophalen Zustand der Umwelt in der DDR erfuhren viele Bürger erst nach der Wiedervereinigung. 

Klimakiller DDR

Hier einige Fakten zum Vergleich:

  • Klimagefährdung: Der Historiker Hubertus Knabe, Experte für DDR-Geschichte, konstatiert: „Einer der größten Klimakiller der Welt war nämlich ein Land, das den Kapitalismus abgeschafft hatte – die DDR.“  Im Jahr 1989 wurde für jede Einheit BIP in der DDR mehr als dreimal so viel CO2 emittiert wie in der Bundesrepublik.
  • Luftverschmutzung, Schwefeldioxid: Im Jahr 1989 stieß die DDR 15 mal so viel Schwefeldioxid pro Einwohner aus wie die Bundesrepublik (4,6 Tonnen/qm gegen 48,1 Tonnen/qm).
  • Luftverschmutzung, Schwebstaub: Pro Quadratmeter lag die durchschnittliche Belastung mit 20,3 Tonnen/qm in der DDR bei mehr als dem Zehnfachen des Wertes in der Bundesrepublik (1,8 Tonnen/qm).
  • Kohleöfen: In privaten Haushalten wurden zur Wende in der DDR fast zwei Drittel der Wohnungen mit festen Brennstoffen wie Braunkohlebriketts beheizt.
  • Verschmutzung der Flüsse: Fast die Hälfte aller größeren Flüsse in der DDR war 1989 biologisch tot. 70 Prozent durften nicht mehr für die Trinkwassergewinnung genutzt werden.
  • Knapp die Hälfte der DDR-Bewohner erhielt beim Aufdrehen des Wasserhahns zeitweise oder ständig kein sauberes Trinkwasser. Verantwortlich dafür war der hohe Eintrag von Stickstoff, Phosphor, Schwermetallen und anderen Schadstoffen in die Gewässer.

Der Historiker Knabe konstatiert: „Wie viele Klimaaktivisten heute vertrat die DDR-Führung die Auffassung, dass nur die Abschaffung des Kapitalismus die Umweltprobleme lösen könne. Verantwortlich für den rücksichtslosen Umgang mit der Natur sei die Profitgier der Konzerne, an deren Stelle gesamtgesellschaftliche Vernunft und Planung treten müsse. Dies sei nur im Sozialismus möglich.“

Planwirtschaft führt also zur größtmöglichen Umweltkatastrophe. Umso absurder ist es, dass uns „Klimaaktivisten“ heute einreden wollen, wir müssten den Kapitalismus abschaffen und mehr auf staatliche Regulierung der Wirtschaft setzen, um Umwelt- und Klimaprobleme zu lösen.

Mehr Fakten zum Thema finden Sie hier und hier.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 21 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

21 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
horrex
27 Tage her

Erklären sie das nicht mir! Erklären sie das Anna-Lena Bärbock, Tiefroten, Eskens, Borjans, deren „Gesicht“ und – selbstverständlich Frau Dr. Merkel. Erklären sie das 90% der Medien-Schaffenden Schreiberlinge und 85% der Menschen im Land die noch immer nicht begreifen mit welch Geschwurbel sie in die „goldene sozialistische Zukunft“ geführt werden. Wenn sie können!!! K E I N Märchen: Sie kamen in buntem Gewand, tanzeten gar possierlich zu den lieblichen Klängen der Schalmei und versprachen das Land von den Ratten zu befreien. Und all die Kindlein waren begeistert dnd folgten dem tanzenden Musikanten im bunten Gewand in eine dunkle Höhle. Und… Mehr

alter Preusse
28 Tage her

Es gibt einen wesentlichen Unterschied: Die drastische Umweltverschmutzung in der DDR war sehr, sehr real. Die heutigen Probleme mit der Umwelt in Deutschland sind weitgehend durch absurde Grenzwerte verursacht und damit meist imaginär-ideologisch.

Melante
29 Tage her

wohl wahr! Aufgewachsen bin ich in Eberswalde, einer Industriestadt nördlich von Berlin. Mit zwei Walzwerken, einem Kranbau, einem Rohrleitungsbau, einer Papierfabrik, einer Chemischen Fabrik….was vergessen? Der Oder- Havel- Kanal war Auffangbecken für die Abwässer der Papierfabrik und 1989 tot. Denn Umweltschutz hieß, ein paar leere Fässer vor dem Abwasserrohr zu plazieren. Und „die Chemische“ wie wir sie nannten, war bei beinem letzten Besuch schon seit Jahrzehnten abgerissen. Schloss ich die Augen, schien sie immer noch dort: der Geruch, der dem Boden entstömt, ist immer noch da. Der Kanal ausgebaggert, man soll darin sogar wieder angeln können. Das alte Walzwerk als… Mehr

Lotte
29 Tage her

Ich bin im Kohlepott aufgewachsen und kann nur bestätigen was im Artikel steht. Wo andere normalen Staub auf den Möbeln hatten, war es bei uns immer Kohlestaub. Wenn der Wind ungünstig stand war die Wäsche dreckiger wie vorher. Jede Nacht hörte man das quietschen der Großtagebaugeräte. Mit den gesundheitlichen Auswirkungen haben wir heute noch zu kämpfen.

Aegnor
29 Tage her

Völlig richtig. Allerdings kam in der DDR auch keiner auf die Idee, man müsste für das Klima (sprich den Rest der Welt) Verzicht üben. Die Leute waren aufgrund der Mangelwirtschaft schon frustriert genug. Hätte man das versucht, wäre die Lage schon früher explodiert und nicht erst ’89 implodiert. Heute dagegen erzählen die Jungen (zumindest der aktivistische Teil) den Alten sie müssten verzichten, weil sie sich ja in der Vergangenheit an der Umwelt versündigt hätten, aber diese Jungen selber denken nicht im Traum daran, auf irgendeinen Konsum zu verzichten. Am Schlimmsten Aktivisten a la Luisa, die sich nicht zu blöd sind… Mehr

Max Anders
30 Tage her

Naja Herr Zitelmann die Umweltbilanz der Bundesrepublik der 60er und 70er Jahre ist sicher auch nicht so berauschend. Richtig ist natürlich, daß die pleite gegangenen sozialistischen Staaten ein verheerendes Erbe hinterlassen hatten. Die Wälder kahl vom sauren Regen, schäumende jauchige Elbe, Moldau und Weichsel und einen überalterten Autofuhrpark ohne jegliche Katalysatoren. Das ist nunmal so, wenn Staaten pleite gehen, egal ob DDR oder Venezuela oder ein afrikanisches Land. Es gab mal einen Anreiz, neue Technologien zu entwickeln. Z.B. die Rauchgasentschwefelung oder der geregelte Kat im Auto waren solche Meilensteine, welche wirklich sehr viel zum Umweltschutz beigetragen hatten. Dies kann man… Mehr

egal1966
27 Tage her
Antworten an  Max Anders

Nun, eher war es wohl so, dass die sozialistische Planwirtschaft diese ökonomischen „Möglichkeiten“ erst gar nicht zuließ, da sie nicht einmal imstande war die eigene Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. dazu noch dringend benötigte Devisen zu erwirtschaften.

So verwundert es kaum, dass die DDR gar nicht die finanziellen Möglichkeiten für die von ihnen angesprochenen „Anreize“ hatte und man noch 1989 mit seinen Trabi zweitaktgetrieben durch die Gegend fuhr….

Wolfbert
30 Tage her

Solange die faktenresistente Linksgrün-Journaille ein propagandistisches Trommelfeuer auf allen Kanälen veranstaltet, besteht wenig Aussicht auf nüchterne Risikobewertung und vernunftgeleitete Entscheidungen. Vor allem nicht bei unseren sendungsbewussten Kompetenzlieseln.

Und weil die Steuereinnahmen aus CO2-Bepreisung und dem Zertifikatehandel „sprudeln“, läuft ja alles wunderbar: Hauptsache, genug Kohle zum Raushauen an die eigene leistungsskeptische Klientel ist da.

Howard B.
30 Tage her

Fakten sind auch (ergänzend) für neofeudalistische/ techno-feudalistische Kreise nur insoweit relevant, als sie behilflich sind, eine Agenda durchzudrücken.

Die Züchtigung ist heute etwas weniger sichtbar drastisch, aber dennoch sehr wirkungsvoll. Bist du anderer Meinung, bleibst du außen vor und wir entziehen dir deine gesellschaftliche Teilhabe und Lebensgrundlagen. Beängistend ist, dass weltweit trotz aller angeblichen Lehren, die „Massen“ den ideologischen Rattenfängern hinterherlaufen. es liegt wohl in der menschlichen Natur, möglichst alle Verantwortung abzugeben. Alles so „woke“.

Last edited 30 Tage her by Howard B.
Julius Schulze-Heggenbrecht
30 Tage her

Ich habe in der DDR gelebt, bin dort aufgewachsen, habe Schule, Berufsausbildung, NVA und den Berufsalltag mitgemacht und denke daher, dass ich beurteilen kann, was Sozialismus ist. Dieses persönliche Erleben gilt allerdings bei jungen West-Linken, die allein schon aufgrund ihres jugendlichen Alters die DDR nicht selbst erlebt haben können, rein gar nichts. Sie maßen sich an, es besser zu wissen … Da in der DDR die Diskrepanz zwischen dem, was uns versprochen wurde und der erlebten Realität täglich größer wurde, erklärte die Partei-und Staatsführung kurzerhand, die Zustände in der DDR seien der „real existierende Sozialismus“. Die paar kleinen „Nebenwidersprüche“ (viel… Mehr

Last edited 30 Tage her by Julius Schulze-Heggenbrecht
nachgefragt
30 Tage her

Dabei könnte FFF es heute noch in China sehen, wenn sie die Augen aufmachen würden. Ich würde darauf wetten, dass es in Venezuela auch nicht besser aussieht. Wenn es in Nordkorea besser aussieht, dann liegt es wohl eher daran, dass es dort nichts zu kaufen gibt, womit man die Umwelt verpesten kann. Was einem nicht gehört, das pflegt man nicht. Was nicht gepflegt wird, geht kaputt, kaputte Anlagen verursachen Umweltschäden.

Holger Wegner
30 Tage her
Antworten an  nachgefragt

An der Spitze von FFF stehen aber solche Leute, die in der DDR im Westauto zur Datscha gefahren wären