Die Inflation wird Alltag: Bahn, Post, Strom und Bier werden teurer

Im Dezember und verstärkt ab Januar verlangen viele Anbieter höhere Preise von ihren Kunden. Der Kaufkraftverlust durch Inflation nimmt erst richtig Fahrt auf.

IMAGO / Steinach

Die Inflation, mittlerweile über 5 Prozent in Deutschland, bleibt auch 2022 auf hohem Niveau. Das lässt sich an den Tarif- und Preiserhöhungen ablesen, die Unternehmen jetzt ankündigen. Am deutlichsten steigen die Stromtarife im kommenden Jahr – eine Reaktion auf die stark gestiegenen Gas- und Kohlepreise. Die Versorger nehmen aber auch schon höhere CO2-Preise vorweg. Die Münchner Stadtwerke etwa verlangen ab 1. Januar 2022 für die Kilowattstunde 27,65 Cent brutto pro Kilowattstunde (statt wie bisher 26,18 Cent) und heben den Grundpreis pro Jahr von 90,65 Euro auf 104,72 Euro brutto. Andere Stadtwerke kündigten ihren Kunden Aufschläge in ähnlicher Höhe an.

Sendung 02.12.2021
Tichys Ausblick Talk: „Inflation kommt plötzlich“ – Hans-Werner Sinn im Gespräch
Sehr viel kräftiger klettern 2022 die Gaskosten. Laut Verbraucherportal Check24 kündigten bisher 439 Versorger ihren Kunden deutlich höhere Preise für das kommende Jahr an. Dem Portal zufolge verlangen die Anbieter dann durchschnittlich 24,6 Prozent mehr. Die Bahn verlangt ab 12. Dezember höhere Preise für die Bahncard: Die Bahncard 25 kostet dann in der 2. Klasse 56,90 Euro statt 55,70 Euro, für die Bahncard 50 werden 234 Euro statt 229 Euro fällig. Auch die Post greift ab Januar 2022 stärker zu: Der Standardbrief soll dann 85 Cent statt 80 Cent kosten, die Postkarte 70 Cent statt 60 Cent.

Teurer wird 2022 auch das Bier, denn beim Brauen handelt es sich um einen energieintensiven Prozess. Laut Branchenblatt „GetränkeNews“ planen die großen Hersteller eine merkliche Preisanhebung. Ein Glas Bier in der Gaststätte würde nach Schätzungen der Fachzeitschrift zwischen 30 und 50 Cent teurer. Für einen Kasten Bier dürfte der Handel im Schnitt einen Euro mehr pro Kasten verlangen.

Engpässe beim Material und gestiegene Energiepreise verteuern auch das Bauen erheblich. Laut Statistischem Bundesamt legten die Baupreise im 3. Quartal 2021 um 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – der stärkste Preissprung in diesem Sektor seit 1970. Die von der neuen Bundesregierung geplante Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro, weiter steigende Energiepreise und deutlich aufwändigere Energiespar-Vorschriften dürften die Baupreise auch 2022 weiter treiben – und damit mittelfristig das Miet- und Kaufpreisniveau im Neubaubereich.

Die anhaltende Schwäche des Euro, der auch im Dezember immer wieder unter die Marke von 1,13 zum Dollar fiel, macht Importe aus dem Dollarraum teurer.


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Kommentare ( 12 )

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Iso
1 Monat her

Man merkt es doch deutlich, an der Kasse sind die Preise gleich, aber man hat nur noch die Hälfte im Korb. Die 5% können nicht stimmen, der Aufschlag bei vielen Artikeln ist mitunter 25%. Kein Witz!

giesemann
1 Monat her

„Die anhaltende Schwäche des Euro, der auch im Dezember immer wieder unter die Marke von 1,13 zum Dollar fiel, macht Importe aus dem Dollarraum teurer.“ – und Exporte dahin leichter. Ist das gut oder schlecht??

butlerparker
1 Monat her
Antworten an  giesemann

Nicht alles läßt sich mit „gut“ oder „schlecht“ beantworten. Kommt halt immer darauf an, für wen „gut“ oder „schlecht“. Thema des Artikels ist die Inflation, von der die EZB weiterhin steif und fest behauptet, daß diese nur temporärer Natur und nicht dauerhaft wäre. Ein hoher $ hat eine importierte Inflation zur Folge. Bedeutet, daß die Importe teurer werden und damit auch die Preise (oft sind das auch Vorprodukte, besonders merken wir das gerade bei Nudeln, weil der Hartweizenpreis explodiert ist). Viele Güter auf dem Weltmarkt werden eben in $ gehandelt, was (ich komme auf die Nudeln und den Hartweizen zurück)… Mehr

Max-DO
1 Monat her

Die Geldmenge M3 ist im Euroraum seit 2014 um rund 50% gestiegen. Klar, dass das Kapital der Marktakteure Rendite sehen will. Da aber mitnichten 50% mehr Güter und Dienstleistungen produziert wurden, müssen allein schon deshalb die Preise steigen, damit die Gewinnmargen passen. Inflation folgt (früher oder späer) der Geldmenge. Dazu noch die politischen Instrumente zur Verarmung der gemeinen Bevölkerung. Luftsteuer (CO2-Preis) und demnächst saftige Abgabenerhöhungen bei den Kommunen (Wasser, Müll usw.) als Beispiele. Dinge, denen sich der gemeine Bürger praktischerweise nicht entziehen kann.

alter weisser Mann
1 Monat her

Das wird noch längst nicht reichen, um die Leute wach zu machen.
Da muss man noch drauf warten, bis die Kosten von rot-grün richtig reindrücken und selbst dann wird die Mehrheit weiterklatschen zu EU, Bereicherung und Weltrettung.

89-erlebt
1 Monat her
Antworten an  alter weisser Mann

Das erste Erwachen kommt, wenn im Winter bei Flaute die Stromversorgung aufgrund der folgenreichen EnergieWende nicht mehr gewährleistet werden kann. Gestern zwei Kohle Kraftwerke in NDS raus, heute eines in Sachsen Anhalt. Ende des Monats werden zwei Atomkraftwerke im Norden stillgelegt, Moorburg ist seit Juli im Abriss. Ob dann bei Kälte die Nachbarn noch helfen können. ? Sagt man dort doch: „Geld kann der Olaf drucken, Strom nicht.“

bfwied
1 Monat her

Die pandemiebedingte Preissteigerung wird sich im Laufe des nächsten Jahres rückabwickeln, jedenfalls zum größten Teil, weil die Transporte sich langsam wieder normalisieren werden – jeder will verdienen! Aber die gewollten Preissteigerungen, von denen die Grünen, denen mal wieder nicht einmal die FDP sich ernsthaft entgegenstemmt, gar nicht genug haben können in ihrem Wahn, werden langsam aber sicher den Leuten das Genick brechen. Und wenn man hört, was die „Denkfabriken“, die den Grünen v. a. zuarbeiten, alles ausbaldowern, z. B. mit zu erzwingenden Energieeinsparungen, kann man nur von einem Zusammenbruch ausgehen. Z. B. entstanden nach 1990 nur etwa 13 % aller… Mehr

butlerparker
1 Monat her
Antworten an  bfwied

„Z. B. entstanden nach 1990 nur etwa 13 % aller Wohngebäude, d. h. ca. 87 % der Häuser haben einen hohen bis sehr hohen Energiebedarf. Diese Häuser zu dämmen übersteigt mit Sicherheit die Möglichkeiten der allermeisten Besitzer „ Da geht es gar nicht um die finanziellen Möglichkeiten, denn 1. gibt es hier KfW und L-Bank Mittel im erheblichen Umfang, 2. refinanziert sich das ein gutes Stück dann über die Einsparungen der Heizkosten. Das Problem ist vielmehr, daß es viel zuwenige Handwerker gibt, die das umsetzen können. Selbst wenn man alle dafür in Frage kommenden handwerklichen Ressourcen 24h und 365 Tage im… Mehr

egal1966
1 Monat her
Antworten an  butlerparker

Nun ja, auch die Mittel für die Kredite und Förderungen kommen nicht aus dem Nichts, sondern müssen auch bereitgestellt und gegenfinanziert durch die Steuerzahler werden.

Inwieweit sich die Kosten dann auch noch wirklich „rechnen“, ist ganz unterschiedlich und lässt sich nicht so einfach mit “ ja“ oder „nein“ beantworten…

cernunnos
1 Monat her

Bier wird teurer?? Also jetzt ist Schluss!

Peter Gramm
1 Monat her

die Inflation trifft doch die Politiker nicht., Sie greifen halt immer wieder in die Kasse um das Problem der Geldentwertung zu lösen. Meinen sie.Es gibt genügend Pseudoökonomen im Politkbetrieb.. Entsprechende Expertise ist nicht vonnöten. Parteibuch genügt.

B. Reuber
1 Monat her

Läuft doch alles in die erwünschte Richtung….wenn es nicht möglich ist, alle ungefähr auf den vergleichbaren Wohlstand zu bringen, dann muss man sie halt alle gleich arm machen ! Mutti hat den Weg dazu bereitet, nun wird es ein Selbstläufer.