Dieter Borchmeyer: „Was ist deutsch?“

Der Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer hat in seinem neuen Buch eine Antwort geliefert auf die Frage "Was ist deutsch?" - Über das deutsche Wesen zwischen Großbürgertum und Größenwahn.

 

Was ist deutsch? Der große Germanist Dieter Borchmeyer erzählt in seinem Opus Magnum die Geschichte einer weltbürgerlich gedachten Nation.

„Wir sind das Volk der Unsicherheit und Selbstbefragung. In seiner monumentalen Studie „Was ist deutsch?“ legt der Heidelberger Professor Dieter Borchmeyer die deutsche Geschichte und Kultur auf die Couch.“, beschreibt Thomas Schmid auf Welt.de.

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Kommentare

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  • Dieter Hausmann

    Der Deutsche Geist ist eine Jndegestion,er wird mit nichts fertig.
    F.Nietzsche.

  • Hellweg

    Ein sehr schönes Interview, Herr Herles, danke.
    Dem Herrn könnte ich noch stundenlang zuhören und ja, die schöne Uta hat mich auch sehr beeindruckt, als ich vor Jahren den Naumburger Dom besuchte und mich auch dort sehr wohl fühlte.

  • Brandanus

    Borchmeyer will den „deutschen Kosmopolitismus“ des 19. Jahrhunders wiederbeleben. Schön gedacht! Bevor nun aber die Göring-Eckarts und Trittins dieser Nation das als Plädoyer für „Multikulti“ mißdeuten, sei gesagt: Diese Wiederbelebung ist gewiß nicht dadurch zu schaffen, daß man mal eben ein paar Millionen Migranten aus fremden, überwiegend muslimischen Kulturen ins Land holt.

    Im übrigen ist das Interview ein hochgelehrtes Gedankenspiel, in dem ich einige Aspekte vermisse (vielleicht steht’s im Buch?). So etwa den schichtenspezifischen Charakter der Sache oder den Regionalismus. Borchmeyer zieht z.B. den Vergleich mit Spanien, womit der Katalane, der Galizier, der Baske, der Canario etc. auch so seine Identitäts-Probleme hat. Als Preuße, der seit über 30 Jahren unter Bayern lebt, habe ich den Eindruck: Mit der „deutschen Identität“ kann der Durchschnittsbayer auch nicht allzuviel anfangen, aber das bayerische „Mir san‘ mir“ weiß er sehr kraftvoll zu vertreten.

    • Aus dem „Mir san mir“ spricht sehr viel Deutsches!

      Als Preuße, der mit großem Vergnügen Ihr Schicksal teilt, in Bayern leben zu dürfen, würde ich sagen, dass die Bayern die Schule geschwänzt haben, als den anderen Bundesbürgern beigebracht wurde, Pfötchen zu geben.

  • Hellerberger

    Welches Defizit haben denn „stramme Nationalisten“? Und was ist das, ein „strammer Nationalist“ zu sein? Dem Kuß der ganzen Welt nicht zu bedürfen?

    • Herbert Wolkenspalter

      Doch, sie bedürfen sogar besonders. Nur bekommen tun sie’s nicht.

  • Hellerberger

    Fest steht: Wir Deutschen haben zu unserer Kultur, Nation und Identität keine positive Einstellung. Damit beginnt es, darauf läßt sich alle zurückführen. Das betrifft nicht nur die Linken, sondern alle: Bürgerliche, „Rechte“, die Unterschicht und das Kleinbürgertum. Das ist für Deutschland konstituierend.

    Der heutige Staat Deutschland leitet sein Selbstverständnis, ja sogar seine Legalität daraus ab, bewußt nicht deutsch sein zu wollen. Bewußt keine Nation mehr sein zu wollen. Weite Teile der Deutschen sehen und empfinden es als Kompliment und Erlösung, wenn man Ihnen konstatiert, sei seien jetzt aber „gar nicht deutsch“.
    Wir sitzen im Herbst unter Heizpilzen und sind insgeheim so stolz, uns jetzt so richtig „wie in Italien“ zu benehmen. Wir lassen unsere Städte verdrecken und verkommen und definieren es innerlich stolz (oder tapfer) als Mediterranisierung, hach wie pittoresk ist doch der morbide Charme von Venedig oder der Plaka in Athen? Dagegen diese sterile Sauberkeit wie in der Schweiz, ätzend. Wir fahren bei Rot über die Ampel – dito, machen das in Rom oder Istanbul nicht auch alle, von Rio ganz zu schweigen? Und da wollen wir in Deutschland aus der Reihe tanzen? Denn sich an Gesetze halten ist eine deutsche Sekundärtugend, die geradewegs zu Auschwitz geführt hat. Somit ist der Asoziale in dieser Nation Elite und Trendsetter, der, der sich an die Regeln hält, Spießer, Ewiggestriger, Rassist.

    Eine derart verquere Umdrehung aller Wertigkeit kann nicht ohne Folgen bleiben. Autoaggressivität, wohlstandsgetriebene Dekadenz und Unbildung gehen eine fatale Allianz ein, die inzwischen von kaum noch einem realisiert wird. Längst haben wir unser kulturelles Gedächtnis verloren. Nein?
    Seid ehrlich hier bei TE. An was erinnert Ihr Euch eher: Goethes Faust, Texte von Heine, Hölderlin, Schiller oder Thomas Mann oder Casablanca, Star Wars, Dallas, Raumschiff Enterprise, Vom Winde verweht oder Shades of Grey (die Damen)?
    Wird Euer Bild vom 2. Weltkrieg bestimmt von
    Amerikanischen Kriegsfilmen
    Kopien und Referaten in der Schule, bei dem es um das „3. Reich“ ging
    Erzählungen von deutschen Kriegsteilnehmern.
    Gibt es einen deutschen Kriegsfilm über den 2. WK, der nicht anklagend, pazifistisch oder schulmeisternd wäre? Warum ist in diesen Filmen immer nur von „den Deutschen“ die Rede, aber nie von „uns“, „wir“? Waren die Soldaten der Wehrmacht (und heute der Bundeswehr) nicht „unsere Jungs“ oder Aliens vom Mars, jedenfalls etwas ganz fremdes, ekliges? Wie also ist unsere Selbstsicht auf diese Zeit? Eine deutsche, oder eine alliierte? Ich rate mal im November nach England zu fahren, jeden 11. November, wenn der Gefallenen im Ersten Weltkrieg gedacht wird. Vergleicht das mit der Praxis in Deutschland. 95 % aller Deutschen könnten nicht mal sagen, an welchen Tag der 1. WK begann und wie der deutschen Oberbefehlshaber hieß (Hinweis: Hindenburg war es nicht und auch nicht der Kaiser). Wir Deutschen wissen nur: Wir waren wieder mal schuld.
    Wann wurde Siemens gegründet? Wann begann der Bergbau an der Ruhr? Kennt Ihr einen deutschen Nobelpreisträger vor 1919 und, damals waren fast alle Preisträger Deutsche! Keinen? Nein, Willy Brandt war es nicht, der kam er nach 1945 und bekam auch den für Frieden. Einen nenne ich mal: Wilhelm Conrad Röntgen. Jeder von uns hat ihm im Laufe seines Lebens etwas zu verdanken.
    Aber Ihr wißt natürlich, das wir schuld sind, die Russen ein Grundrecht haben, sich Siegesdenkmäler von uns teuer in Berlin pflegen zu lassen (wehe das ist auch nur ein Hauch deutsche Farbe zu sehen), das unser Land bunt sein muß, wir den Rechten keinen Fußbreit zu lassen haben und natürlich – nicht deutsch zu sein. Und nun auf zum Osterbrunch beim Italiener und morgen abend schon beim Vietnamesen reserviert. Multikulti ist toll. Wie schön, daß dieses Land nicht mehr so bedrückend deutsch ist.

    PS. Hört auf, hier auf die Grünen zu schimpfen oder Angela Merkel. Sie tragen keine Schuld, sondern sind nur so wie alle anderen.

    • Jedediah

      Genau das sind die peinlichen Momente im Ausland. Wenn der deutsche Unbildungsbürger seinem einheimischen Gegenüber stolz verkündet, dass die deutsche Historie (die der Unbildungsbürger gar nicht kennt) irgendwie sowieso Nazi ist, aber jetzt sind wir alle ganz locker drauf. Wobei der einheimische Gegenüber doch eigentlich gerne hören wollte, wie die Deutschen mit ihren Tugenden bedeutende Errungenschaften hervorgebracht haben. Es gibt dafür kein Zurück und keine Heilung mehr. Die geistig-kulturelle Verfall hat sich vollkommen durch Deutschland durchgefressen. Die Führungsschicht besteht aus nichts anderem mehr. Eine Unfug stammelnde Kanzlerin, die gerne Deutschlandfahnen wegwirft. Ein Zensurminister, der seine geistige Dürftigkeit mit hinterfotziger Gemeinheit paart.