Wer soll das bezahlen?

Eine „Kreditprovision“ von 0,5 Prozent „auf den nicht beanspruchten Teil Ihres Kontokorrentkredits“? Nein, das ist kein verfrühter Aprilscherz, sondern Realität. Gerd Maas erklärt warum.

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Was bringt uns 2016 Neues? Außer dass wir als erzieherische Maßnahme ab 1. Februar ausschließlich die IBAN verwenden müssen – anstatt Kontonummer und Bankleitzahl, die bisher ohne Aufwand automatisch umgewandelt wurden? Und außer dass die EEG-Umlage wieder einmal die Stromkosten erhöht, dafür aber die öffentliche Hand mit weiteren Energieeinsparverordnungen beim Bauen und mit der ausufernden Mietpreisbremse die Freiheit des Eigentums weiter schleift?

Nun, darüber hinaus könnte Ihnen in diesem Jahr wirklich Neues unterkommen. Nachgerade Fantasievolles: vielleicht beim Schuhe-Kaufen oder beim Buchhändler oder in der Apotheke. Zumal, wenn Sie in einem entsprechenden Laden Stammkunde sind. Da könnte es Ihnen 2016 passieren, dass man Sie beim Betreten gemeinsam mit den Neujahrsgrüßen um den Ausgleich der jährlichen Bereitstellungsgebühr bittet. Auf Ihren ungläubig entgleisenden Gesichtsausdruck hin wird Ihnen die geschulte Fachkraft freundlich auseinandersetzen, dass man ja schließlich jahrein, jahraus ein passendes Sortiment zusammenstellt und bereithält und sich zudem auch laufend Gedanken macht, ob Sie sich als Kunde das überhaupt leisten könnten, um Ihnen im Zweifel – quasi als angedienter Selbstschutz – die Tür vor der Nase zuzuhauen. Und das kostet natürlich alles. Da wäre es doch mehr als angemessen, wenn Sie, als nicht zu leugnender unmittelbarer Kostenverursacher, dafür auch etwas berappen.

Auch ein ungenutzter Kontokorrentkredit kostet

Absurd, meinen Sie? Aberwitzig? Unvorstellbar? – Nein, bare Wirklichkeit. Noch nicht bei Schuhen/Büchern/Medikamenten, aber bei der Sparkasse Passau. Die verlangt von ihren gewerblichen Kunden ab dem 1. März 2016 eine „Kreditprovision“ von 0,5 Prozent p.a. „auf den nicht beanspruchten Teil Ihres Kontokorrentkredits“. Begründung: „Auch ein ungenutzter Kontokorrentkredit kostet. Die Sparkasse prüft vor der Zusage und während der Laufzeit die Bonität. Wir halten die vereinbarte Kreditsumme rund um die Uhr für Sie bereit.“ So die Weihnachtsgrüße der Sparkasse an Ihre Cash Cows.

Nun so abwegig diese Forderung und ihre Begründung sind, so nachvollziehbar ist ihr Hintergrund. Aufgrund der Baseler Bankregularien erhöhen sich die Mindesteigenkapital-Aanforderungen der Banken für Risiken insbesondere bei Krediten von kleineren Unternehmen, und mit der Niedrigzinspolitik der EZB kommen generell gerade solche Institute unter Druck, die ihr Geschäft nicht im Finanzkasino, sondern mit echten Unternehmen und Privatkunden suchen. „In fünf Jahren, wenn der Zins weiter so bleibt, werden zentrale Mechanismen der klassischen Kreditversorgung außer Kraft gesetzt“, zitiert die Welt den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Georg Fahrenschon.

Draghi sei’s getrommelt und gepfiffen

Ohne die besagte Sparkasse, die vermutlich kein Einzelfall ist, aus der Bütt zu lassen – da und nirgendwo anders gehören solch närrische Einfälle nun einmal hin – originär schuld ist der Größenwahn von Mario Draghi, der ohne Auftrag eines demokratischen Souveräns weit über das Zentralbankmandat der Geldwertstabilität hinaus agiert. Und schuld sind das Gros der europäischen Regierungen, die ihn nolens volens gewähren lassen, weil ihre uferlos verschuldeten öffentlichen Haushalte schon bei der kleinsten Zinserhöhung gewaltig ins Wanken geraten würden. Die Sparkasse Passau ist da nicht mehr als die Narrenkappe auf dem staatlichen August, der uns für dumm verkaufen will.

Oh, du lieber Augustin, alles ist hin. / Geld ist weg, o du Schreck, / Das ist schlecht und nicht recht, / Oh, du lieber Augustin, alles ist hin.

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