Das Schicksalsthema Flüchtlinge und das Spiel der Polizei

Norbert Zerr berichtet aus 22 Jahren im Polizeidienst und erzählt, wie das war, als seine Flüchtlingsfamilie nach dem 2. Weltkrieg in den deutschen Südwesten kam.

Ob in den Printmedien oder im Fernsehen, überall prallen wir auf Helene Fischer. Das russlanddeutsche Mädel, das es auf den Olymp des Showgeschäfts geschafft hat, ist nebenbei ein optimales Aushängeschild, fast wie unsere Karrieristen mit orientalischem Migrationshintergrund. Inzwischen wurde unsere Volks-Helene allerdings etwas vom Dauerthema Flüchtlinge verdrängt. Keine Sorge, in den Klatschblättern ist sie weiterhin präsent, doch diese Medien sind vollkommen unwichtig für unsere Situation. Und die Leitmedien, der gute Journalismus, gute Recherchen, was ist damit? Naja, sie passen bis auf wenige Ausnahmen zur Situation.

Der Polizeiberuf im Namen der Gerechtigkeit

Mit 20 Jahren schaffte ich als Flüchtlingskind den Einstieg bei der Polizei im „Ländle“, Polizei ist Ländersache, also in Baden-Württemberg. Die Ausbildung war zuweilen richtiger Drill. Ich glaube einige der älteren Ausbilder hatten noch leichte Wehrmachtsträume in den Köpfen.

Was mir relativ früh auffiel, ist die Tatsache, dass eine strenge Hierarchie, verstärkt durch die Dienstgrade, herrschte. Ein Hauptkommissar war damals ein kleiner Gott. Um das zu werden, musste man inzwischen studieren.

Das System nach oben buckeln und nach unten treten wurde gleich von Anfang an verinnerlicht. Dies war in meinem Fall vor über drei Jahrzehnten üblich. Das System ist heute noch das Gleiche, nur zeitgemäß und die Methoden haben sich in manchen Bereichen geändert.

Ich war bei der Fahndung, erlebte die Drogenszene intensiver. Bereits damals dominierten Dealer, wie man so schön sagt mit Migrationshintergrund. Oder Banden von Romas und Sintis, die damals nicht immer so bezeichnet wurden, wurden in Berichten als Landfahrer oder Personen ohne festen Wohnsitz genannt. Ich hatte einige nette Begegnungen mit diesen Volksgruppen. Schrottdiebstahl, Schrotthandel und ähnliches waren die Aktionsfelder von ihnen. Manche Besuche konnte man nicht nur mit einer Streife abstatten. Eigentlich hätte es egal sein sollen. Wer eine Straftat begeht, ist zunächst einmal ein Täter und nicht Sinti, Roma, Schwabe, Nordafrikaner oder Asylant. Das größte Problem war für manche Vorgesetzte, wie soll man die Täter mit Herkunft nennen? Immer politisch korrekt bleiben. Als ich noch Dienstgruppenführer war, gab es manche Diskussionen der politisch gesteuerten Führungskräfte, wie man die Täter nennt, die jetzt nicht unbedingt Bayer, Hesse, Hamburger oder Schwabe waren. Vor allem musste man zehn Mal überlegen, wenn aus den internen Vorkommnisberichten Presseberichte abgeleitet wurden. Vor allem wenn man bei seinen Formulierungen die Nazikeule im Nacken spürte.

Insgesamt war ich etwa sieben Jahre als einfacher Streifenbeamter im Streifendienst, also dem operativen Dienst. Nach dem Studium zog es mich wieder zurück in den operativen Dienst. Danach war ich etwa noch einmal sieben Jahre, mein letzter Dienstgrad war Hauptkommissar, als Leiter einer Dienstgruppe im Streifendienst.

Ich habe in meiner gesamten Dienstzeit die Polizei immer als Büttel empfunden. Das hätte ich anfangs nie gedacht. Am Ende bist du in der untersten Ebene immer der Arsch, wenn etwas schief geht. Vor allem wenn man in der Sandwichfunktion steckt. Das ist besonders als Dienstgruppenführer der Fall.

Wie tickt die Polizei?

Man kann es nach diesem Vorspann fast schon ahnen. Es sind die Befehlsempfänger von oben, die nur an Bedeutung gewinnen, wenn die Schieflage der Inneren Sicherheit öffentlich als äußerst bedenklich angesehen wird.

Damit sind wir in dem Hier und Jetzt angekommen. Nun wird die Polizei mit Lob und Tapferkeitsbekunden überschüttet, das auch noch von denen, die für die Zustände verantwortlich sind. Kaum verhallen die öffentlichen Lobhudeleien, ist man wieder alleingelassen.

Wie fühlt man sich in manchen Einsätzen? Man hat einen Einsatz, wo es oft um Leben und Tod geht und wenn etwas schief geht, hält man als Einsatzbeamter und als Dienstgruppenführer den Kopf hin. Kommt mal ein Polizeibeamter zu Tode, dann sind sie wieder sofort schnell öffentlichkeitswirksam zur Stelle, unsere Politheuchler. Mitleidig begleiten sie gern Trauerzüge und legen einen Kranz nieder. Fast jeder Polizeibeamte ist schon in lebensbedrohliche Situationen gekommen.

Waffen Bankräuber

Waffen Bankräuber

Einmal fehlt bei mir nicht viel und ich wäre mit einer Pumpgun bei der Festnahme eines gefährlichen Bankräubers erschossen worden. Ich blickte schon in den Lauf dieser Tötungsmaschine. Wäre die Situation eskaliert, wäre es vorbei gewesen. Ich spürte richtig Todesangst. Die Festnahme verlief anschließend zum Glück noch gewaltfrei und erfolgreich. Da ich nicht zu den braven Beamten gehörte und mein Kollege auch einer war, der aufmuckte und dadurch zumindest seine Karriere ständig hemmte, erwartete uns für diesen Einsatz kein Dank. Das liegt nun etwa 20 Jahre zurück. Der Oberboss im Range eines Direktors, höherer Dienst, war das Paradebeispiel eines Politarschkriechers. Er schleimte um die Politik und die Abgeordneten, wäre nie in brenzligen Situationen hin gestanden und haute die Unliebsamen in seinem Wirkungskreis in die Pfanne, wo es ging. Mit gleichgestrickten Leuten besetzte er auch maßgebende Führungspositionen.

Wir hatten wie gesagt einen Riesenerfolg und ich lebe noch. Am Ende wurden mein Kollege und ich kritisiert, weil wir den Direktor, der alles schon wusste, nicht noch extra per Fax informierten. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu explodieren.

Meiner Frau sagte ich damals, sollte ich im Dienst einmal ums Leben kommen, dann will ich keinen von diesen Heuchlern am Grab. Zum Glück ist es nie soweit gekommen. Aber meine Frau hätte schon dafür gesorgt, dass die besagten Leute fern geblieben wären.

Das Gewaltmonopol des Staates schmilzt dahin

Diesen Zustand lernte ich über Jahrzehnte kennen. Dabei schmolz nebenbei das Gewaltmonopol des Staates dahin und die Polizei wird in der Führungsebene nach wie vor überwiegend mit Opportunisten besetzt. Sollte sich einmal ein anderes Exemplar oder wenige davon nach oben verirren, dann wird auf die feine englische Art die Bremse gezogen. Sich dagegen zu wehren, hat kaum Sinn. Wie will man beweisen, dass der Günstling doch die schlechtere Wahl ist.

Ich wollte damals etwas verändern, habe mich bei der Gewerkschaft der Polizei engagiert, habe mit dem Landesvorsitzenden der GdP von Baden-Württemberg Seite an Seite für eine bessere Polizei gekämpft. Wie ich meinen ehemaligen Weggefährten heute als großen Gewerkschaftsboss erlebe, ist traurig. Manchmal frage ich mich, ob es die GdP überhaupt noch gibt. Vom anderen Lager, der DPolG hört man immer wieder mal den Vorsitzenden, der auch durch Talkshows  bekannt wurde, Kritik äußern. Aber wen interessiert´s groß?

Im Jahre 2003 stieg ich aus und wurde politisch aktiv, um voll und ganz im Sinne der freiheitlich demokratischen Grundordnung und des Grundgesetztes zu handeln. Davon bin ich auch heute noch überzeugt. Aber wenn nicht einmal mehr ein Kanzlerin das Grundgesetz für voll nimmt, wie sieht es dann mit der Polizei und der Ahndung von Rechtsverstößen und der Anwendung des Asylrechts aus? Ich wurde Bürgermeister und war auch in Landesgremien in der CDU aktiv.

Ich erlebte einmal die Kanzlerin und wie ihre engsten Vertrauten und Günstlinge um sie herum schleimten. Da wundert einen eigentlich nichts mehr. Wenn dann die „Wir-schaffen-das-Parole“ von ihr ausgegeben wird, kann diese nur durch die Realität ab adsurdum geführt werden.

Meine ehemalige Partei, die CDU hat es auch geschafft, mich als Bürgermeister abzuschießen. Trotz allem und den gesellschaftlichen Gefahren erlaube ich mir nach wie vor, meine Erfahrungen und mein Wissen so zu äußern, wie die Zustände inzwischen sind, ganz ohne Kosmetik.

Nun bin ich schon über ein Jahrzehnt nicht mehr bei der Polizei. Meine Kontakte, landesweit und teilweise darüber hinaus, sind immer noch gut.

Wenn ich Köln sehe, kann ich mir bildhaft vorstellen, wie sich dort die Polizei im Kreis drehte und von oben her so verwirrt wurde, dass nur zaghaft, nicht wie es die Situation erfordert hat, eingeschritten ist. Ein Teil der Flüchtlinge, die ich aus eigener Erfahrung, nicht mit den Flüchtlingen der Nachkriegszeit vergleichen würde, sorgen für Unruhen im Land.

Ich sage es hier ganz deutlich. Ich verstehe alle Flüchtlinge, egal aus welchem Beweggrund sie hier her kommen. Sie als Zielscheibe des Versagens der Politik und des hochgelobten Europas zu Verantwortung zu ziehen, wäre eine große Schweinerei.  Flüchtlingsheime anzünden machen wirklich nur braune geistige Tiefflieger und ihre Gefolgschaft.

Doch wie ich schon erwähnt habe, müssen auch Flüchtlingen oder besser gesagt alle Menschen, egal welcher Herkunft, für ihr Fehlverhalten zur vollen Verantwortung gezogen werden. Und wenn sie hier kein Aufenthaltsrecht beanspruchen können, lässt sich kein Grund erklären, weshalb gar das Grundgesetz außer Kraft gesetzt oder umgangen wird.

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