Der neue Gesundheitsminister stellt als Talkshow-Gast einen einsamen Rekord auf

Karl Lauterbach war in diesem Jahr in jeder fünften Ausgabe und damit am häufigsten Gast bei den Talkshows in ARD und ZDF. Weniger überraschend: Die Vielfalt in den Talkshows hat noch einmal um einiges abgenommen. Die Grünen sind deutlich überrepräsentiert.

IMAGO / teutopress

In diesem Jahr war Karl Lauterbach 29-mal in den vier großen Talkshows zu Gast. Damit saß er in jeder fünften Runde. Wie interessant diese Zahl ist, zeigen die Vergleichswerte: FDP-Chef Christian Lindner kam mit 14 auf weniger als halb so viele Besuche und belegt dennoch im Ranking Platz zwei. Den bisherigen Rekord an Talkshow-Auftritten hielt auch schon Lauterbach mit 14-mal – aufgestellt im vergangenen Jahr. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) war in dem Jahr genauso oft in den Runden vertreten.

Das Thema Corona hätte die Chance geboten, einer Vielzahl von Gästen ein Forum zu bieten, etwa aus der Wissenschaft oder auch Betroffenen – zum Beispiel aus der Pflege oder der Wirtschaft. Doch das Gegenteil trat ein: 373 unterschiedliche Gäste luden Anne Will, Maischberger, Hart aber fair! und Maybrit Illner ein – 51 weniger als im Vorjahr.

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Bis zur Bundestagswahl waren die Grünen die sechstgrößte und damit kleinste Fraktion im Bundestag. Doch in den Talkshows belegten sie Platz drei hinter Union (109 Auftritte) und SPD (95). Die Grünen kamen auf 59 Auftritte – mehr als FDP (44) und Linke (13) zusammen. Die AfD, bis zur Wahl die größte Oppositions-Fraktion im Bundestag, war nur 7-mal in den Runden vertreten.

Das alles dominierende Thema war 2021 Corona: In 108 Sendungen sprachen Will, Illner und Frank Plasberg 63-mal über die Pandemie – also in mehr als der Hälfte der Sendungen. Maischberger rechnet Meedia.de hier nicht mit, da es zum Konzept der Show gehört, dass mehrere unterschiedliche Themen besprochen werden. Warum die Grünen bei dem Thema Corona so überrepräsentiert waren, bleibt das Geheimnis der Redaktionen. Der Klimawandel, das Kernthema der Grünen, war nur 4-mal Thema in den Shows.

Wobei 4-mal Klimaschutz immer noch so viele Sendungen bedeutet wie Wohnungsnot und Sozialpolitik zusammen. Diese beiden Themen kamen in den drei Talkshows jeweils nur 2-mal vor. Digitalisierung, vergammelnde Brücken und Straßen oder zu starke Bürokratisierung tauchen im Ranking von Meedia.de gar nicht auf.

Den Boulevard-Talk Lanz im ZDF listet Meedia.de extra auf. Hier konnte tatsächlich jemand Lauterbachs Vorherrschaft brechen. Der Welt-Journalist Robin Alexander kam hier auf die meisten Besuche: auf zwölf – Lauterbach nur auf mickrige elf Besuche. Im Jahr davor waren es noch 17 Besuche.

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Die Frau mit den meisten Auftritten bei den großen Shows von ARD und ZDF war Spiegel-Journalistin Melanie Amann. Sie belegte mit elf Auftritten Platz drei des Gesamt-Rankings – im Jahr davor war sie noch Zweite. Die Politikerinnen mit den meisten Auftritten waren Manuela Schwesig (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) mit je acht Auftritten.

Was auffällt: Annalena Baerbock hat sich 2021 aus den Talkshows eher zurückgezogen. Mit sieben Auftritten belegt sie im Meedia-Ranking Platz elf – im Vorjahr war sie noch Vierte. Olaf Scholz und Armin Laschet kamen jeweils nur auf fünf Besuche und teilen sich mit vielen anderen den 25. Platz. 2020 waren sie noch Dritter beziehungsweise Sechster der am häufigsten anwesenden Gäste. Wer also ein wichtiges Amt anstrebt, macht sich offensichtlich eher rar.

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Kommentare ( 9 )

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November Man
7 Monate her

Neuer Gesundheitsminister Karl Lauterbach zum Talkshow-König gekrönt17.12.2021, 00:13 Uhr | dpa
In den vier wöchentlichen Shows von ARD und ZDF – also „Anne Will“, „Hart aber fair“, „Maischberger – Die Woche“ und „Maybrit Illner“ – sei der SPD-Politiker Lauterbach 29 Mal eingeladen gewesen (Vorjahr 14 Mal und auch damit Sieger). Hinzu kamen 11 Einladungen (Vorjahr 17) beim dreimal die Woche ausgestrahlten ZDF-Talk „Markus Lanz“.

November Man
7 Monate her

Lauterbach der Talk-Schow-Arzt und TV-Epediomiologe.
Ein Blender der seinesgleichen sucht.
Als Gesundheitsminiminister wird dieser Bluffer zu unser aller Lasten krachend scheitern.

Soeren Haeberle
7 Monate her

Bekommen Politiker als Talkgäste „Aufwandsentschädigung“?
Wenn ja, wer hat sie wem „gespendet“?
Wenn nein, müssen sie als „Nebeneinkünfte“ angegeben werden, oder gelten sie als „Dienstzeit/Arbeitszeit“ mit ermäßigtem „Überstundenzuschlags-Steuersatz“.

Flik Flak
7 Monate her
Antworten an  Soeren Haeberle

Interessante Frage. Was sagt die Redaktion?

country boy
7 Monate her

Gab es in den letzten Jahren überhaupt einen einzigen Talkshow-Gast, der echt konservative Positionen vertrat? Der deutsche ÖRR ist eine Schande für ein demokratisches Land. Vielleicht sollten die Kurpfuscher, die den öffentlichen Rundfunk in diesem Land aktuell verantworten, ein Praktikum z.B. bei französischen Sendern machen. Dort bedeutet Information des Bürgers nicht eine linksgrüne Dauerbeschallung.

StefanB
7 Monate her

Das nenne ich mal Planübererfüllung! Gibts im Sozialismus sonst nur auf dem Papier.

Schorschi
7 Monate her

„Wer also ein wichtiges Amt anstrebt, macht sich offensichtlich eher rar.“ Wollen Sie damit andeuten, Herr Lauterbach hätte keine Ambitionen auf das Gesundheitsministerium gehabt und man hätte ihn – mangels Alternativen – zum Amt gezwungen?

Howard B.
7 Monate her

Unseren stündlichen Lauterbach gib‘ uns heute und immerdar.

Ein Corona-Propagandist kann eben nichts außer Propaganda. Und ohne die freundliche Unterstützung der Proagandamaschinerie wäre ein Karl L. heute noch ein kleiner unbedeutender Hinterbänkler.

Last edited 7 Monate her by Howard B.
Alfonso
7 Monate her

Es gibt in vielen Berufen Schwätzer und Macher, Nichtskönner und Könner.

Zu welchen Kategorien wohl dieser Lauterbach gehört?