Der RBB gibt 18 Millionen Euro für nichts aus

Der RBB stoppt sein „digitales Medienhaus“. Das kreditfinanzierte Funkhaus war angesichts des Skandals um die geschasste Intendantin Patricia Schlesinger nicht zu halten. Trotzdem bleiben Kosten von 18 Millionen Euro.

IMAGO / Schöning

Jan Schulte-Kellinghaus geht. Wer ihn nicht kennt: Schulte-Kellinghaus ist ein Top-Fernsehmann. 215.000 Euro verdient er laut FAZ im Jahr. Von 2017 an war er Programmdirektor beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. Mit seiner Auswahl verschaffte er dem RBB stabile Quoten: letzter Platz im Vergleich der Dritten Programme. Lange füllte der RBB unter Schulte-Kellinghaus Plätze, die für lokales Programm vorgesehen waren, mit Konserven aus der ARD auf. Nun geht der Verantwortliche dieses innovativen Konzepts. Zwei Jahresgehälter nimmt er zum Abschied mit.

430.000 Euro. „Eigentlich sprechen wir von Peanuts“ angesichts dessen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk derzeit das von den Bürgern staatlich erpresste Geld rauswirft. Denn das Rundfunkhaus sollte noch viel teurer werden. Ursprünglich mal unter 100 Millionen Euro, dann drüber und zuletzt berichteten einzelne Medien sogar von über 300 Millionen Euro Gesamtkosten. Schließlich war es als „digitales Medienhaus“ konzipiert. Ein Stecker, um das iPhone aufzuladen, sichere W-Lan-Verbindung in der Hauptstadt – da schießen die Kosten schnell mal durch die Decke.

Das digitale Medienhaus kommt nicht. Der Verwaltungsrat hat den Bau diese Woche abgeblasen. Zu teuer, die Kosten zu wenig kalkulierbar und von der Mitarbeiterschaft auch nicht akzeptiert. Die neue Intendantin Katrin Vernau hat das Aus vorgeschlagen, auch um finanzielle Ressourcen zu retten. Blieben also die Planungskosten: Vergabe an einen Architekten, Entwürfe, Beraterverträge, Dienstessen im Haus der Intendantin Patricia Schlesinger – beim RBB macht das unterm Strich 18 Millionen Euro. 18.000.000 Euro nur für die Planung eines Hauses, das nicht gebaut wird und für das nicht ein Stein bewegt wurde. 81.700 Haushalte müssen ein Jahr Rundfunkgebühren bezahlen, um diese Verschwendung auszugleichen.

Der RBB wollte die Kosten für den gesamten Bau durch Kredite finanzieren. Doch wie die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Dorette König, nun in der Pressekonferenz zugeben musste, sei noch nicht einmal die für den Bau benötigte Fläche richtig ausgemessen worden. Beziehungsweise hätten „veränderte Arbeitsmodelle“ zu einem anderen Flächenbedarf geführt und technologische Weiterentwicklungen hätten zu neuen Erkenntnissen geführt. Der Sender müsse nun nicht zusätzlich sparen, verspricht der Chef der RBB-Hauptabteilung Finanzen, Claus Kerkhoff. Die Verluste des Medienhauses seien bereits eingeplant.

Doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird eine Finanzdebatte erhalten. Eigentlich arbeiten die Sender, die Behörde KEF und die dem ÖRR wohlgesinnten Länder an einer Gebührenerhöhung für 2023. Der lose Umgang mit Geld macht die auch notwendig. Allerdings haben die Berichte über die feudale Verschwendungssucht in den Sendern die Debatte verändert. Die drohen nun mit Einsparungen im Programm. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks Martin Grasmück sagte gegenüber der Saarbrücker Zeitung: „Wir können nicht mehr alles anbieten.“ Angesichts des real-existierenden Programms des SR ist diese Ankündigung nur mit Ironie zu verstehen:

Schon jetzt füllt der SR sein Programm massiv mit Konserven des SWR auf. Für saarländische TV-Zuschauer gehören die Schwäbische Alb und der Westerwald schon längst zur französischen Grenzregion. Wie sieht das aus, wenn Grasmück den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf seine Kernaufgaben reduzieren will? Nur noch Geld für die sechsstelligen Gehälter des Führungspersonals, für ihre Dienstwagen und ihre Ruhegelder? Fürs Publikum gibt es dann ein Band, auf dem in Dauerschleife „Hannes und der Bürgermeister“ läuft? Aber um das zu bezahlen, müsste erst die Rundfunkgebühr erhöht werden.

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Kommentare ( 12 )

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Hegauhenne
1 Jahr her

Wozu braucht der Landkreis Saarland mit einer Einwohnerzahl von etwa Köln überhaupt einen eigenen Landessender??
Zum Landtag könnte man dieselbe Frage stellen.?

Niklas
1 Jahr her

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist für seine Mitarbeiter eine plüschige Wohlfühloase – ein Zustand der mit irre teurem Geld erkauft wird. Wenn hier in der Führungsetage Stühlerücken angesagt ist, will der oder die Neue gleich ihre ganze Seilschaft mitbringen – dafür werden dann die bisherigen Manager mit Mega-Goldenen-Handschlägen in Frührente geschickt. Alles zu unseren Kosten!! Und dann erdreisten sich diese *********** und schwafeln uns was vor von zwingend nötigen höheren Gebühren um die Qualität zu halten. Was für eine Räuberbande!

ramseshelge
1 Jahr her

Von mir bekommen diese verschwendungssüchtigen selbsbereichernden Aasgeier keinen Cent mehr. Die Einzugsermächtigung wurde zurück gezogen. Pfändung? Beugehaft? Mal sehen, was wird!

Ananda
1 Jahr her

18.000.000 Euro nur für die Planung. Sie habens doch und es muss sich keiner von den öffentlich „rechtlichen“ Mitarbeitern großartig dafür krumm machen.
Wäre die unverschämte Verschwendungssucht mit Zwangsgebühren finanzten Geldern nicht gerade im Licht der Öffentlichkeit würde das auch kein großes moralisches Dilemma bei den Verantwortlichen auslösen. Wetten?
Die neuen Kanzleramt Anbauten samt eigenem Hubschrauberlandeplatz und 250 m2 neuer Kanzlerwohnung mit seinen über 600 Mios (nach oben offen) sind doch auch im Weltprotzmodus ganz weit oben angesiedelt.
Louis dem 14. würde vor Neid die Kinnlade nach unten sinken. Aber der hatte ja auch ein Volk, dass sich gewehrt hat.

Proll27
1 Jahr her

Ein solcher Schritt, so idiotisch er sein mag, ist reversibel. Sobald Rot-Grün abgedankt hat (was hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt), kann die Namensgebung wieder rückgängig gemacht werden. Insofern kann es mir – im Gegensatz zur Zerstörung unserer Industrie oder zur ungesteuerten Masseneinwanderung und womöglich noch Einbürgerung – nur ein mildes Lächeln abringen. Die Id……. sind gekommen und sie werden wieder rausgekegelt, so wie die „Mannschaft“.

Boehm
1 Jahr her

Fuer die monatliche Zahlung bekomme ich statt Informationen nur Regierungspropaganda und alte Wiederholungen. Ich finanziere den Luxus der Sender, Informationen muss ich von auslaendischen Sendern holen.

Tizian
1 Jahr her

Offensichtlich ist in diesem Land nichts, aber auch gar nichts in irgendeiner Art justiziabel, wegen massiver Verschendung von Steuergeldern sowieso nicht. Der neufeudale Hofstaat, seine medialen Hofberichterstatter und der gesamte Apparat können machen was sie wollen. Wahnsinn!

H. Priess
1 Jahr her

Verschwendung aller Orten als gäbe es kein Morgen. Nicht nur beim ÖR zu sehen sondern überall im Land von der „Erweiterung“ des Bundestages gar nicht zu reden. Verballert werden geplant 771 Millionen was in der Praxis bedeutet es wird die Milliardengrenze geknackt. Das finden die Verantwortlichen aber völlig Normal, wo es früher eine Schamgrenze von 1 Million gab reichen 1 Milliarde bei weitem nicht aus. Egal, der ÖR wird weiter seine Zwangsabgaben erhöhen und einfordern.

Last edited 1 Jahr her by H. Priess
ketzerlehrling
1 Jahr her

Die Produktionen sind ebenfalls nichts (wert). Also, passt doch.

Hummi
1 Jahr her

Zu dem Thema , fällt mir immer nur eines ein :

Abschaffen der Zwangsgebühren und ARD und ZDF dem freien Medienmarkt überlassen !