Bei Miosga: Gute Tipps für den Schah von Persien

Wie geht es im Iran weiter? Wird Trump den Menschen wirklich zu Hilfe eilen? Wird er einen Krieg provozieren?, fragt Miosga. In ihrem abendlichen Gesprächskreis bekommen alle wertvolle Tipps – die USA, die Europäer und sogar der nächste Schah von Persien. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Wer schaut sich allen Ernstes live einen Talk bei Caren Miosga an? Wer investiert eine Stunde wertvoller Lebenszeit in den Besuch eines TV-Studios, um einer Debatte zu lauschen, die schon am Fernsehschirm zur Qual wird, zum Langeweile-Marathon zwischen Kühlschrank und Klo. Ein Kameraschwenk durchs Publikum an diesem Abend gibt Aufschluss: Die Leute wissen es erkennbar selbst nicht. Lauter gelangweilte Gesichter, die sogar für den Schluss-Applaus ein Kommando brauchen.

Das hat einen Grund: Sowohl das Thema wie auch die eingeladenen Experten aus der altbekannten ÖRR-Experten-Monokultur machen den Abend zu einer öden Mischung aus Stochern im Nebel und scheinklugen Ratschlägen. Die Aufstände, Donald Trump, seine Kriegsschiffe. Quo vadis, Iran?

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Immerhin einer weiß ganz genau, was Sache ist: Peter Neumann (Politikwissenschaftler am King’s College London), der in den vergangenen Wochen zum Dauerentertainer der deutschen Talkshow-Szene aufgestiegen ist (allein im Januar zweimal bei Lanz, jetzt schon wieder bei Miosga), kann offenbar in Donald Trumps Kopf hineinschauen. Der US-Präsident „baut ’ne unheimliche, große militärische Drohkulisse auf“, aber ob er wirklich angreifen wird, „das hat Trump selber noch gar nicht entschieden“, sagt Neumann. Und damit es nicht langweilig wird, widerspricht er sich gleich selbst: „Ich glaube, es ist nicht genügend an militärischem Gerät und auch an Truppen vor Ort, um einen langwierigen Konflikt durchzuhalten.“ Und überhaupt: „Ich persönlich glaube gar nicht, dass er tatsächlich einen Regimewechsel verfolgt.“ Neumann kennt Trump ganz genau: „Wenn wir eines von Trump verstehen, dann ist es ja, dass er nicht vor dem Einsatz militärischer Mittel zurückschreckt, aber vor langwierigen Verpflichtungen.“

Wie gut, dass wir Experten wie Neumann haben. Nächste Woche zu Maischberger, bitte. Unbedingt.

Natalie Amiri, ehemalige Iran-Korrespondentin der ARD, ist überrascht: Das militärische Aufgebot vor der Straße von Hormus sei „momentan größer als vor dem Afghanistan-Einmarsch“. Für sie ist völlig klar: „Er will auf jeden Fall auf der Gewinnerseite stehen.“

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Wahnsinn, diese Erkenntnistiefe. Kurzer Schwenk durchs Publikum: Auch hier wird gekämpft. Mit Lethargie und Müdigkeit.

Aber Amiri hat noch mehr: „Also Trump geht’s nicht um Menschenrechte“, sagt sie. „Trump ist interessiert an Öl. Er will Rohstoffe haben, er will ’nen Deal haben, er will glänzen und vielleicht auch innenpolitisch von Problemen ablenken.“

Daniel Gerlach (Herausgeber des Nahost-Magazins „Zenith“) wundert sich, dass die Anrainerstaaten „eigentlich business as usual betreiben. Das finde ich bemerkenswert angesichts dieser Bedrohungslage“. Schnelles Zuschalten der US-Korrespondentin. Gudrun Engel, eigentlich in Washington, steht heute neben einem Protestzug in Minneapolis, wo gegen die Einwanderungsbehörde ICE marschiert wird. Prima, wäre auch das Thema untergebracht. Engel bestätigt: Trump will im Iran sicher keine „Boots on the Ground“, also keinen Einmarsch, lieber „einmal schnell rein“.

Ob er wohl von den Epstein-Files ablenken will, fragt Miosga. Engel winkt ab: Das sei „gar nicht mal so das große Thema“ momentan in den USA.

Doch Miosga hat das offenbar überhört. Sie bleibt bei ihrer These: „Gelingt Donald Trump so ein Ablenkungsmanöver?“, fragt sie Neumann. Der wiederum ist schon um die nächste Kurve in den Trump’schen Gehirnwindungen gebogen. „Die übernächste Station ist wahrscheinlich bereits Kuba“, sagt er. Das Thema wird nicht vertieft. Hatte Neumann bei Lanz schon vergeblich versucht.

Was den Iran angeht, hat Neumann für den US-Präsidenten bereits eine Strategie: Er werde wohl zunächst die Luftabwehr außer Gefecht setzen, dann die Raketensysteme vernichten und schließlich ein paar „symbolische Angriffe auf Einrichtungen der Revolutionsgarden“ vornehmen. Amiri warnt: „Es ist kein Kinderspiel, diesen Angriff zu organisieren. Das muss perfekt durchgeführt werden.“

Sofa-Generäle bei der Arbeit. Kurzer Schwenk durchs Publikum? Ach, lassen wir das.

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Bedrückend wird der Abend, als Amiri von den Protesten im Iran berichtet. Von Exekutionen auf offener Straße und Revolutionsgarden, die Demonstranten sogar bis in die Krankenhäuser verfolgten und dort ermordeten. Die gesamte Bevölkerung sei „in einem posttraumatischen Zustand“, sagt Amiri. Die Menschen seien „paralysiert, schockiert, aber auch unendlich wütend“. Gerlach nimmt das zum Anlass, Miosga zu widersprechen: „Sie haben gesagt, viele Iraner wünschten sich ein Eingreifen der USA. Ich bin mir da nicht so sicher. Es gibt auch eine große Angst der Menschen.“ Die Lage sei allerdings sehr schwierig für die USA, erklärt der Publizist. „Der Iran kann Verluste verkraften“, aber Trump könne im Gegenzug „mit 50, 60, 100 toten GIs nicht leben“. Genau darauf würde der Iran setzen.

„Ich hab’ eine Idee, also zwei Ideen sogar“, sagt Neumann. „Weil Europa kein Akteur in diesem Konflikt ist: Wir brauchen keine Vermittlungsmission.“ Stattdessen empfiehlt er, dass der Nationale Sicherheitsrat „sitzen“ und „eine Liste zusammenstellen“ solle. Mit „individuellen Sanktionen gegen einzelne Funktionäre“ und anderen Maßnahmen. Man könne zum Beispiel „bestimmte Vermögen einfrieren“ – eine Idee, die ja bereits bei Russland bestens geklappt hat und seitdem das internationale Finanzwesen in seinen Grundfesten erschüttert. Egal. Neumann empfehlt außerdem, „politische Stiftungen könnten die Opposition unterstützen“. Wichtig sei die Erkenntnis: „Wir wollen eine kalibrierte Antwort.“

Ratschläge wolle er ja eigentlich nicht geben, sagt Neumann, aber gut, wenn er schonmal da ist, gibt er sie halt trotzdem. Und zwar an den Sohn des 1979 gestürzten Schah Reza Pahlavi. Pahlavi junior, der in den USA lebt, sei bei den Protesten aus der Ferne bereits „der Taktgeber gewesen“, aber jetzt komme es darauf an. Neumann: „Er muss es schaffen, seine Bewegung zu verbreitern.“

Wow, jemand sollte dringend bei Pahlavi anrufen und ihm das erzählen. Aber der hat diese wichtige Sendung bestimmt selbst gesehen.

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Kommentare ( 6 )

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Anaklasis
22 Minuten her

War Norbert Röttgen an diesem Abend unpässlich?
Oder warum hat er nicht an der Diskussionsrunde teilgenommen?

Dr. Bomke
30 Minuten her

Unterhaltsame Rezension über ein Anti-Unterhaltungsformat. Die letzen solcher Formate habe ich in der Hochzeit der Corona-Krise gesehen. Solche Hustensaftschmugglerproduktionen, als Infotainment getarnt, dienen einzig dazu, geneigtes ÖRR-Persona feudal zu versorgen und eitlen „Experten“-Fatzkes ein bisschen Öffentlichkeit zu verschaffen. Kostet uns nur unnötig Gebühren. Kann weg.

mediainfo
31 Minuten her

Eine interessante Diskussion lebt von unterschiedlichen Standpunkten, die mit jeweils klugen Argumenten vertreten werden. Daran mangelt es im Einheitsbrei der Einheitsmeinungen, an interessant und klug.

OJ
35 Minuten her

Der richtige Tipp:
Aktivierung der USS Abraham Lincoln. Dann werden die Mullahs ruhig, ganz ruhig werden ❗

Guzzi_Cali_2
43 Minuten her

Ich schrieb es schonmal: Wann immer ich die Miosga sehe, frage ich mich, ob man sich mit diesem Traum-Erhalst nicht einen fähigen Friseur leisten kann, anstatt mit dieser Sauerkrautfrisur herumzurennen. Meine Vermutung ist: Da das ÖRR-Publikum ja belegbar zu einem hohen Anteil von Leuten konsumiert wird, die schon weit über das Renteneintrittsalter hinaus sind, könnten diese junge, hübsche, konservative Moderatorinnen nicht neidlos ertragen. Was dann so bräsige Figuren wie Miosga, Illner und Maischberger erklärt. Bei WELT-TV geht das gerade noch so, aber selbst die (zugemalte) Anna Schneider ist jetzt nicht DIE Granate, wenn man mal die konservativen US-Kanäle als Maßstab… Mehr

humerd
45 Minuten her

Deutschland hat für alles „Experten“ und es klappt nichts mehr in Deutschland und in der Außenpolitik.
Erstaunlich finde ich bei diesen „Experten“ sie kennen Trump nicht persönlich, wissen aber ganz genau , was er denkt und fühlt.