Maybrit Illner: Ursula in Love

Wir haben eine englische Überschrift gewählt, weil das ganz wichtig ist für die weltweite Wirkung unseres Qualitätsjournalismus. Haben wir bei Illner gelernt. Worum es ging? Das ist doch nun wirklich zweitrangig ...

Wir haben eigentlich nur eingeschaltet, weil unsere Kita-Bauerin, Herrin über fliegenden Schrott, krumme Gewehre und leicht knackbare Panzer mit dabei war. Geht sie wieder auf den Kriegspfad mit dem Gerümpel? Das wollten wir auf keinen Fall verpassen.

Ja, so geht Entertainment – eben noch tanzte sie um die heiße Stange in der Kantine der Kaserne Pfullendorf, jetzt ist sie schon wieder bei uns auf der Showbühne: Ursula von der Leyen. Vorgestern Litauen, gestern Amerika, heute Berlin, wer immer das Drei-Wetter-Taft erfunden hat, muss jemanden wie sie vor Augen gehabt haben. Solche Bemerkungen sind Ihnen zu leicht? Zu Gala-mäßig? Es wird noch besser! Muss leider sein, denn Ursula hat anscheinend einen richtigen Mann getroffen. Einen echten Kerl. So einen, wie es sie früher einmal gab. Oder mit ihren Worten: „Einen außenordentlich gradlinigen und erfahrenen Mann. Einen ausgezeichneten Mann.“

Wir sagen nur: US-Marine Corps. Vorname General, Nachname Mattis. Zusatz Vier Sterne. Einer seiner Leute berichtete mal von einem Hausbesuch beim General, wo er ein Bärenfell auf dem Boden sah. Der Marine schwört: Der Bär war nicht tot. Der wagte nur nicht, sich zu bewegen.

Bei so einem Teufelskerl kann man die Gefühle unserer Verteidigungsministerin nun wirklich nachvollziehen. Fast fröhlich saß sie da. Dass Mattis der neue US- Verteidigungsminister unter Trump ist – geschenkt. Jetzt ist sie noch zuversichtlicher, alle „Probleme der Weltgemeinschaft lösen“ zu können. Sie wartet nur noch auf einen Befehl!

Die Illner-Redakteure hatten diesmal das Thema „Zwischen Trump und Putin – Muss Europa aufrüsten?“ ausgewürfelt, deshalb konnte auch der alte Kämpe Fred vom Atlantic Council wieder eingeladen werden. Der freut sich, weil es womöglich doch so weitergeht wie bisher in den USA und damit auch im Rest der Welt. Immerhin soll „The Donald“ gesagt haben, Russland müsse die Krim zurückgeben.

Dem russischen Botschafter Wladimir Michailowitsch Grinin war es wohl zu blöd, sich noch einmal in so eine Schwatzrunde zu setzen, deshalb war der Gesandte Oleg Krasnitzky abkommandiert worden, sich den Tort anzutun. Seinem Gesicht war im Laufe der Sendung die eine Frage überdeutlich zu entnehmen: Sind die wirklich so schlicht, oder tun die nur so? Bevor Ursula und die 28 einzumarschieren gedenken, machte er deutlich: Die Krim ist russisch und bleibt russisch. Punkt.

Aber natürlich ging es nicht um die eigentliche Frage der Sendung. Es ging sogar kaum ums Militär. Nur einmal wallten Ursula von der Leyens Gefühle auf, als sie von russischen Bombenteppichen auf Aleppo sprach. Fred Kempe empfahl seine Website, wo man die russische Barbarei im Video präsentiert bekomme – und schon sind wir beim anderen Meta-Thema des Abends: Fake News.

Für Fred und Uschi kommen die alle aus Russland. Als Bots. Über Algorithmen. Computergesteuert. Massenhaft. Und Illner malte gleich den elektronischen Teufel an die Wand: Will Putin mit seinen Trolls die Wahlen in Deutschland beeinflussen? Wie denn, bitte? Mit Fake News über die von welchen Mächten auch immer ferngesteuerte Angela? Den geldgierigen Schulz?

An dieser Stelle müssen wir Wolfgang Blau einführen, Digitalchef Conde Nast International. Conde Nast? Was hat denn jetzt die Vogue mit der Sache zu tun? Nichts natürlich, aber Blau war früher bei Zeit online und beim Guardian, und redete wenigstens nicht so einen Digitalquark wie unsere vom Thema völlig unbefleckte Ministerin.

Blau zitierte eine Studie, der zufolge im Ranking der wichtigsten Nachrichtenquellen 11 chinesische, 11 amerikanische und drei europäische auftauchen, und die drei sind aus England. Das heißt, das angeblich so mächtige Deutschland spielt keine Rolle in der News-Welt. Für Blau sind daher auch englische Tabloids gefährlicher als Russland, wenn es darum geht, wie die Welt Europa und Deutschland sieht.

Entsprechend habe er auf seinen zahllosen Weltreisen von Taxifahrern und Journalisten (seine persönliche Blase?) in Japan, Schanghai oder Boston gehört: Alle wissen, dass Le Pen die Wahlen in Frankreich gewinnt, die AfD mächtig wird, Merkel gehen muss, und die EU zusammenbricht. Weil die englische Zeitungen lesen, „sogenannte Qualitätspresse“.

Dann empfahl er journalistisch aufzurüsten, nicht propagandistisch, aber das dürfte selbst sein ehemaliger Arbeitgeber Zeit nicht verstanden haben.

Der Höflichkeit halber sei erwähnt, dass noch Robin Niblett vom englischen Think Tank Chatham House in der Runde saß, der ein exzellentes Oxford-Englisch sprach, das aber von einem Synchronsprecher gnadenlos und lautstark überspielt wurde. Diese Kakophonie war uns dann doch zu viel. Wir erinnern nur noch, dass Robin die Frage, ob die USA und Russland jetzt ziemlich beste Freunde würden, für ziemlich blödsinnig hielt, was er allerdings vornehmer ausdrückte.

Ursula, unsere beigefarbene Friedenstaube, forderte dann noch mehr Selbstvertrauen in der EU. Auch damit wir dann alle zusammen den „Nachbarkontinent Afrika stabilisieren können“, die Polizei und das Militär aufbauen. Investitionen in Ackerbau und Wirtschaft tätigen. „Das kann Europa besser als jeder andere.“ Stimmt. Sieht man ja in Afghanistan. General Mattis wird’s egal sein, was Uschi in Afrika treibt, Hauptsache sie zahlt mehr für die NATO. Und so viel ist sicher: Ihrem General kann sie nichts abschlagen!.

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