Maybrit Illner – Das macht die Berliner Luft!

Weit ab vom Schuss, dafür umso aufgeregter, wurde die Demokratie verteidigt – nicht in Afghanistan, sondern in Washington. Aber keine Sorge, wir versuchen die Causa Trump so wenig wie möglich zu erwähnen, und gucken uns lieber die Gäste genauer an.

Screenshot: ZDF/maybrit illner

Deborah Feldman, der engen wie strengen Lebenswelt orthodoxer Juden in New York entflohen und nach Deutschland emigriert, scheint vom Regen in die Traufe geraten. Nun hockt sie anscheinend in der engen wie strengen Lebenswelt orthodoxer Linker in Berlin. Verflogen ihr Witz vergangener Talkshow-Auftritte, kein origineller Gedanke erfrischte die erwartungsgemäß öde Illner-Runde. Schade, das macht also die Berliner Luft!

Julian Reichelt, der neueste Wunderknabe der Axel-Springer Journalistenschmiede, aufgestiegen zum Chefredakteur der Chefredakteure bei Bild, hat eigentlich die Glotze gar nicht nötig fürs „Brand yourself!“, aber vielleicht hoffte er als telegener Sympathieträger über die Jahre verlorene Bild-Käufer zurückzugewinnen. Das Ergebnis dürfte durchwachsen ausfallen. Zwar beteiligte er sich eher widerwillig am Illnerschen Trump-Bashing, ansonsten aber blieb er der Auflagen schwächenden Gesinnung treu, der zu Folge alles nur Flüchtlinge aus Syrien in diesem unserem Lande sind, Massenmörder Assad und dessen Mordbruder Putin tragen die alleinige Schuld am Elend der Welt. (Ok, wir haben es Bildmäßig ein wenig zugespitzt.)

Sofort schoss uns der Ohrwurm „Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ in den Sinn, als der Blick auf Matthias Platzeck fiel, eingeblendet als „Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und ehemaliger SPD-Parteivorsitzender“. Bestimmt kann er uns noch was zum Männerbund Trump-Putin sagen.

Eine kollegiale Polemik
Trump oder Die mediale Erregungsspirale
Wirr ging es zu bei den Illnuminaten, von „dass so jemand Präsident werden konnte“ bis „Sternstunde der Demokratie, dass ein Richter sagt: ‚Das ist nicht in Ordnung, Mister President’“. Die arme Deborah sah ihre „Mitbürger in den USA gefangen“, Reichelt mag „diese Putsch-Sehnsüchte“ nicht, der österreichisch-amerikanische Peter Rough vom Hudson-Institut verwies darauf, auch Obama habe Richter gemaßregelt, zudem sei die jetzige Angelegenheit noch vor dem Supreme Court. Schade, dass uns hierzulande die obersten Richter, fein säuberlich nach Parteien-Proporz besetzt, eine solche Sternstunde der Demokratie vorenthalten. Illners Praktikanten-Team hatte diverse Filmchen vorbereitet, von denen wir nur das zitieren wollen, in dem ein Journalist zu Trump sagt: „Aber Putin ist ein Killer“, und Trump antwortet „Wie haben auch eine Menge Killer.“ Und als der Journalist sich doof stellt, verweist Trump auf den Irak-Krieg. Früher hätte die Vereinigte Linke auch noch Obamas Drohnen hinzugefügt, aber inzwischen spielen die linken Kompass-Nadeln verrückt, diese Truppe fährt nur noch auf Sicht.

Der Leser möge verzeihen, dass wir aus Überdruss das Thema „Trump macht ernst – ist dieser Präsident zu stoppen?“ nur peripher betrachten. Keiner der Anwesenden hat einen Funken mehr Ahnung als meine Tante Ilse, und die ist lange tot. Platzeck erzählte dann noch, dass in Russland anfängliche Euphorie nach der Trump-Wahl einer gewissen Ernüchterung gewichen sei. Das weiß er aus russischen Zeitungen, die der gelernte DDR-Bürger lesen kann, und regelmäßigen Moskau-Reisen. Die seien ihm bekannt, raunte der Bild-Mann, und dann ging das Tänzchen los:

„Syrien und die Welt sind ein bisschen komplexer als in der Bild-Zeitung steht.“
„Was Sie hier bezahlt oder unbezahlt äußern …“
„Das ist eine Denunziation! Ich gebe da privates Geld hin und bekomme keins …!“

Dass wir im Schulz-Jahr noch einen Sozialdemokraten verteidigen müssen, hätten wir auch nicht für möglich gehalten, aber wenn Bild keine Butter bei die Fische tut …

Illner fiel die Klappe runter (welche geheime Botschaft sollte ihr Kinn-Pflaster vermitteln?) und sie blieb geschlagene 12 Minuten so perplex wie stumm. Diese 12 Minuten nutzte bis zur letzten Sekunde der Genscher-Schüler Wolfgang Ischinger, als „ganz toller Diplomat“ vorgestellt und als Chef der Münchner Sicherheitskonferenz bekannt, um noch mal alles haarklein zu erklären, was erklärungsbedürftig sein könnte.

Die Zeit hätte Illner besser dem Politikwissenschaftler Josef Braml gegeben, der vorher schon unaufgeregt erklärt hatte, Trump habe durchaus gute Argumente auf seiner Seite bei dem vorübergehenden Einreiseverbot aus sieben muslimischen Staaten. Nämlich die „Nationale Sicherheit“. Mit genau diesem Argument kam Obama mit seinen Drohnen-Angriffen, bei denen viele Zivilisten umkamen, durch. Zudem sei China das Problem, und wir müssten aufpassen, nicht zwischen die Fronten zu geraten, wenn die Riesen tanzen.

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