Kaffeesatzleserei bei Illner. Kann und muss Deutschland im Irankrieg militärisch tätig werden, um seine wirtschaftlichen Interessen zu schützen? Aus der Bundesregierung ist in dieser Runde niemand vertreten – die geht auf Tauchstation. Ob sie wohl verbergen will, dass sie keinen Plan hat?
Screenprint: ZDF / Maybrit Illner
Der Angriff gegen den Iran ist für US-Präsident Donald Trump nicht so verlaufen wie erhofft. Durch präzise Angriffe aus der Luft, die die Führung des Iran auslöschte, wollte Trump das Mullah-Regime in die Knie zwingen.
Doch das Regime ist zäh und wehrhaft. Die verstorbene Führung wurde schnell durch neue Kräfte ersetzt. Mit Raketenangriffen auf die benachbarten Golfstaaten und die Sperrung der Straße von Hormus terrorisiert der Iran die gesamte Region und die Welt. Der Konflikt hat Auswirkungen auf die globalen Rohstoffpreise, wie deutsche Autofahrer tagtäglich leidvoll erfahren müssen.
Weil Trump durch seine Angriffe bisher nicht die erwünschten Ziele erreicht hat, greift er aktuell zu diplomatischen Mitteln. Die Waffen sollen vorerst schweigen und die USA treten mit dem Iran in Verhandlungen.
Die Entwicklung des Konflikts ist das Thema der donnerstäglichen Talkrunde bei Maybrit Illner. Regierungsvertreter sind nicht Teil der Runde. Es scheint fast so, als befände sich die Bundesregierung aktuell auf Tauchstation. Eventuell will die Regierung auch öffentlich nicht eingestehen, dass sie gar keinen Plan hat. Die außenpolitische Allzweckwaffe der Union, Norbert Röttgen, ist der einzige aktive Politiker unter den Gästen.
Alles in allem verläuft die Debatte erwartungsgemäß. Es wird seziert und wiedergekäut, was Donald Trump gesagt oder getan hat. Genauere Erkenntnisse kann aber niemand in der Runde liefern. Viel mehr als Kaffeesatzleserei hat die Runde nicht zu bieten.
Trump versucht die diplomatische Lösung
Donald Trump ist für mächtiges Getöse und markige Drohungen bekannt. Meistens setzt er wenig davon konkret in die Tat um. Den Iran bombardierte er nicht wie angekündigt. Stattdessen versucht er es jetzt mit einer diplomatischen Lösung.
Militärexperte Carlo Masala ist deswegen erleichtert. An eine schnelle diplomatische Lösung glaubt er allerdings nicht. “In den Verhandlungen sind die Amerikaner und die Iranis maximal voneinander entfernt”, erklärt er. In der Tat ist es nur sehr schwer vorstellbar, wie eine tragbare diplomatische Lösung aussehen könnte. Die USA wollen in jedem Fall an das angereicherte Uran des Iran und die Straße von Hormus frei bekommen. Das Regime in Teheran hat bei diesen Punkten aber überhaupt kein Interesse nachzugeben.
Die Atombombe ist mit dem amerikanischen Angriff noch mehr zu einem Ziel des Irans geworden, als sie es schon zuvor war. Der Iran hat außerdem Gefallen daran gefunden, seine verfeindeten arabischen Nachbarn durch die Blockade auf See zu schwächen. Gut möglich, dass Donald Trump noch oft mit dem Säbel rasseln muss, bis sich Teheran bewegt.
Bei Illner ist die Journalistin Souad Mekhennet zugeschaltet. Sie berichtet: “Seit der Waffenruhe werden wenige Schiffe durch die Straße von Hormus durchgelassen.” Für den ehemaligen Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ist dies ein gutes Zeichen. “Es ist gut, dass es keine weitere Eskalation des Krieges gibt”, meint der SPD-Mann. An eine schnelle Lösung des Konflikts glaubt auch Gabriel nicht. „In vierzehn Tagen ist wohl kaum eine Lösung zu erwarten”, bezweifelt er.
Deutsche Marine in der Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist ein wichtiger Seeweg für den globalen Rohstoffhandel. Im Moment wird sie militärisch vom Iran blockiert. Die Amerikaner könnten irgendwann nach deutscher Hilfe rufen, um den Seeweg wieder schiffbar zu machen. Wie wird Deutschland dann reagieren? Norbert Röttgen von der CDU möchte diese Frage noch nicht endgültig beantworten. “Die US-Marine hat bisher auch nichts unternommen”, meint der Rheinländer.
Er wisse nicht, was Trump beispielsweise zu NATO-Generalsekretär Mark Rutte gesagt habe, so Röttgen weiter. Es wird kolportiert, dass der amerikanische Präsident sich eine Bestrafung der Länder vorstellen kann, die sich nicht an Unterstützung beteiligen. Röttgen beschwichtigt: “Die Bundesregierung weiß nichts davon.” Für den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ist klar, dass Deutschland sich besser aus allem raushalten sollte.
Aus seiner Sicht ist eine passiv-ablehnende Haltung gegenüber Trump die richtige Strategie. “Man soll sich bloß nicht aus der Ruhe bringen lassen”, findet Gabriel. Auch die bekannte Bestsellerautorin Juli Zeh sieht es ähnlich wie ihr Parteifreund. “Es ist ein völkerrechtswidriger Krieg”, kritisiert sie scharf. “Es ist in unserem Interesse, wenn wir uns raushalten”, fügt sie an.
Aber könnte Deutschland überhaupt militärisch helfen, wenn sich die Bundesregierung doch genötigt sehen würde, zu unterstützen? “Wir könnten eine ganze Palette anbieten”, meint Militärexperte Carlo Masala. Deutschland könne militärisches Material entsenden oder bei der Koordination helfen, so Masala. Interessant wäre an dieser Stelle eine Einordnung der Bundesregierung gewesen. Aber es ist kein Vertreter in die Sendung gekommen. Die Bundesregierung drückt sich so um einen klaren Standpunkt herum.




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Das die Bundesregierung den Krieg im nahen und mittleren Osten nicht unterstützt, halte ich persönlich für ein Gerücht.
Seit Wochen fliegt mindestens jeden zweiten Tag ein Airbus A400M der Luftwaffe von Wunstorf über meine Heimatstadt Richtung Nahost.
Nachzuverfolgen auf flightradar24.com
„Maybrit Illner“: Das sind ihre Gäste am Donnerstag (9. April)
# Norbert Röttgen, Stellv. Vorsitzender CDU/CSU-Fraktion.
# Sigmar Gabriel, SPD, Vorsitzender „Atlantik-Brücke e.V.“
# Juli Zeh, Schriftstellerin, Juristin. Juli Zeh vom Brandenburgischen Landtag auf Vorschlag der SPD-Fraktion…
# Carlo Masala, Militärexperte. Bundeswehr
# Souad Mekhennet, ARD, deutsche Journalistin in Washington.
Und die reden über: Kann Trump den Iran-Konflikt diplomatisch lösen? Alles klar.
Wer ist denn bitte so naiv, bei Fanatikern, für die es nur Sieg oder Tod (mit dicker Belohnung im islamischen Paradies) gibt, auf eine diplomatische Lösung zu hoffen?
45 Jahre hat das Mullah-Regime nur Terrorismus exportiert, es gab jede Menge an diplomatischen Versuchen und Abkommen – und jedes Mal sagten die Mullahs „ja, ja“ – und dachten sich LmA…
Das ist doch die bittere Wahrheit.
Das war für Trump der berühmte Griff in den Dachsbau und sein Teckel wird auch nicht mehr viel bewirken können, außer ihn auszuräuchern, was auch nicht hilfreich ist, wenn man Hinterausgänge besitzt und ihn noch lange nicht erlegt hat, selbst wenn die Absicht besteht, ihm den Garaus zu machen. Da hilft das ganze gesundbeten auch nicht mehr viel, auch wenn sich stramme Transatlantiker mit in der Runde befinden, deren Mehrwert ehedem zu bezweifeln ist, was das Land und seine Bürger angeht und nur den eigenen Interessen und des Hegemons dienen, was unerträglich für jeden anständigen Deutschen ist, der wie alle… Mehr
Bisher hat Trump das gezeigt, was eigentlich fast alle Politiker gemein haben, sinnlose Schwätzerei.Trump lebt davon, dass er ein überstarkes Militär in der Hinterhand hält,mehr aber nicht. Was hat ererreicht nach seine Angaben ? Die Eroberung Grönlands, den ewigen Frieden in der Ukraine, das Unschädlichmachen der Mullahs, die Eroberung Venezuelas mit dem zufälligen entdecken der Ölfelder. Dann wird Trump wach und … ? Nichts davon ist real.Was bleibt , ist, dass er ein gefährlicher Schwätzer aufgrund der militärischen Macht ist- Ich wäre froh, wenn nicht nur die USA, sondern auch viele andere Staaten, wieder Denker an ihrer politischen Spitze haben.… Mehr
„Es ist ein völkerrechtswidriger Krieg“
Gibt es denn auch einen völkerrechtsgerechten Krieg??????
„Deutschland könne militärisches Material entsenden oder bei der Koordination helfen.“
Pusteblumen? Zahnstocher? Schwangergerechte Sitze? Und was meint er mit Koordination? Wenn Deutschland koordiniert, kommt selten was Vernünftiges bei raus.
Das Land der Denker und Dichter, wa? Nee, hat es niemals gegeben. Ich bin inzwischen überzeugt, das Schiller, Goethe, Einstein, Kant, Nietzsche et al. Außerirdische waren.
Die außenpolitische Allzweckwaffe der Union, Norbert Röttgen, würde ich eher als außenpolitischen Rohrkrepierer bezeichnen. Und die Haltung der Bundesregierung hat sich schon gezeigt: Möglichst schnell Gespräche mit der iranischen Führung aufnehmen. Dafür gibt es in D ja mit Steinmeier und Roth genügend devotes Personal. Hauptsache, mit der Opposition im Bundestag wird nicht gesprochen, mit den Schlächtern aber schon. Ach ja: Geld überweisen wird auch bald wieder klappen. Für den Wiederaufbau der iranischen Foltergefängnisse.
„Doch das Regime ist zäh und wehrhaft.“
ohne die Bevölkerung geht kein Regime Wechsel, siehe Afghanistan. Ganz offensichtlich wollen die Bevölkerungen keine Änderungen. Auch die Palästinenser stehen weiterhin hinter der Hamas. Daran ändern auch die Berichte über einzelne Protestierer nichts.
Das zu akzeptieren fällt natürlich den Deutschen mit ihrem Helfersyndrom schwer.