hart aber fair: Um die eigentlichen Themen umher

Deutschland live aus einer rotlackierten Pappkiste mit Moderator, aber ohne jede Bereitschaft jene Themen zu verhandeln, welche die Menschen wirklich interessieren.

Screenprint: ARD/hart aber fair

„Merkels neue Mannschaft – sieht so Erneuerung aus?“, fragt Frank Plasberg und der Zuschauer mag sich dabei fragen, wie es Plasberg schafft, dabei nicht selbst laut zu lachen. Gut, wer oft genug hart aber fair schaut, der sah das Lachen trotzdem. Dieser Plasberg ist also ein Schelm. Aber so lustig ist es dann doch nicht, zuzuschauen, wie auch Thomas Oppermann – Ex-Fraktionschef der SPD und mittlerweile als Vizepräsident des Deutschen Bundestages auf das Altenteil gesetzt – also wie der es schafft, sich durch diese Sendung zu schmunzeln, als wolle er mit jedem hochgezogenen Mundwinkel sagen: Na klar, ich weiß es ja auch, ich weiß sogar, dass ihr es auch wisst, aber schaut doch bitte mal, dieser Markus Feldenkirchen vom Spiegel, wie ernst der das alles nimmt. Schmunzel, Schmunzel.

So geschmunzelt, als wolle Oppermann mit dem Finger in Feldenkirchens Gesicht auf einen respektabel erzählten Witz zeigen, aber auch der Spiegel-Mann ist nicht witzig, erkennt dann auch Oppermann und scherzt einfach ein wenig mit Paul Ziemiak, dem ebenfalls eingeladenen Chef der Jungen Union, über die Frauenquote in der SPD, während Plasberg gerade mal kurz ans Stehtischchen wechselt und mit einer jungen Berliner Unternehmerin spricht.

Neu ist noch lange nichts
CDU: Der Erbfolgekrieg hat begonnen
Die ist seit zehn Jahren in der SPD und beklagt, dass sie immer in öden Ortsvereinen rumsitzen muss, warum es keine digitale Revolution oder so was in der SPD gebe, also den digitalen Ortsverein. Na, die hat Sorgen. Dafür kämpft sie sogar in einer SPD-Parteigruppe, die sich wohl SPD++ nennt, als ginge es um die Auslobung eines besonders energiesparenden Kühlschranks im Elektrogeräte-Markt. Oppermann lächelt kühl, sagt sowas wie: „Ja, machen wir doch schon.“ Er selbst sei ja mit dem Thema ständig – also ständig! – in seinem Göttinger Ortsverband und darüber hinaus unterwegs. Lustig. Man stelle sich vor, es wäre nicht geflunkert! Schmunzel. Schmunzel.

Thomas M. Stein ist auch eingeladen. Der sitzt sonst mit seinem blütenweißen aber immer noch vollem Haar bei RTL (oder SAT1? Völlig egal) auf dem Sofa, wenn alte Schallplatten im countdown bis Platz 1 von irgendwas durchgenudelt werden und spielt dort irgendwas zwischen Zeitzeuge und sympathischem Pausenclown. Der Ex-Musikmanager, der schon mit dreißig die oberen Etagen einer Plattenfirma besiedeln durfte, möglicherweise vor einhundert Jahren oder so mal Nena im Schlüpfer sah und sich seitdem immer so schrecklich langweilt zu Hause in Villahausen.

Entsprechend selten meldet er sich auch bei Plasberg zu Wort. Macht nix. Neben ihm sitzt ja Nicola Beer, die FDP-Generalsekretärin, die wahrscheinlich der einzige Grund ist, nicht sofort auf dem Sofa einzupennen. Warum? Weil sie zwar hart im Ton sein will, aber zwischendurch selbst noch den bösesten Angriff weglächelt, so breit lächelt auf der politischen Bühne sonst keine. Und sie macht das auf eine Weise überzeugend, dass man sich vorstellen kann, was passiert, wenn man der dumm kommt. Nicola, der lächelnde Dolch. Gut, das uns Wikipedia verrät, dass sie mit Zweit- und Drittnamen Gertrud und Ruth heißt – so wird ein Schuh draus.

Das Schicksal der Republik also verhandelt am Montagabend in einer Valiumplauderei. Es beginnt wohl irgendwie damit, dass einer nach dem anderen Angela Merkel auf die Schulter klopft, weil sie diese unionale Ministerwahl so überraschend und geschickt aus dem Hut gezaubert, weil sie Jens Spahn ins Gesundheitsministerium verbannt hätte, wo ihm nun vier Jahre lang der Rezeptekönig der SPD, Karl Lauterbach, dazwischen quatschen und auf den Keks gehen wird.

Mittendurch
Merkels CDU ist nicht die Mitte, aber ihre Minister sind Mittelmaß
Ja, Merkel wird bei Plasberg abgefeiert für ihren Ministerstreifen, aus dem die lecker Rosinen also angeblich nur so rausquietschen würden. Dass da auch Altbrot mit verbacken wurde, von der Leyen und Altmaier sind mit dabei, wird ignoriert, die Runde scheint von irgendwas geblendet, so, wie die Leitmedien schon den ganzen Tag, als wären Spacepilze im Streifen. Dabei ist das ganze Desaster noch gar nicht auf dem Tisch: die echten, die wichtigen, die bestimmenden Ressorts sind alle an die SPD gegangen und die wird einen Teufel tun, selbige aus der Mottenkiste springen zu lassen, bevor die SPD-Führung ihren Feierabend-revolutionären Mitgliedern das „Ja“ zur großen Koalition ausgewrungen hat. Und sie wird es bekommen.

Und klar, es wurde bei Plasberg noch mehr geplaudert, aber Langeweile hier spannend erzählen, das wäre ein Arbeitsaufwand, den man zum einen erst einmal hinbekommen muss, ohne zu lügen, und den diese Runde wahrlich nicht verdient hat. Deutschland live aus einer rotlackierten Pappkiste mit Moderator, aber ohne jede Bereitschaft jene Themen zu verhandeln, welche die Menschen wirklich interessieren. Man könnte sich aufregen und virtuelle Ohrfeigen verteilen oder die Glotze einfach umschalten und sagen: „Dann macht halt alleine weiter.“

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Kommentare ( 14 )

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Ich vermisste einen Vertreter der größten Oppositionspartei! Welche war das noch gleich?

Im Gegensatz zu der letzten Plasberg-Sendung (Justiz) hier also wieder das in den letzten Jahren übliche Geschwafel. Wahrscheinlich ist Plasberg nach der letzten Sendung zurückgepfiffen worden.

Feldenkirchen, ach!
Und Oppermann. Sachte neulich: Neuwahlen wären der Untergang der SPD. Im Klartext:Ich weiß genau, dass ich Polititik gegen meine Wähler mache. Na sowas.
Bruno Kreisler sang dereinst: Doch was für Ticker sind die Poly-Ticker, eines Tages gibt’s die ganz bestimmt nicht mehr … .

Ich sing mal: 99 Lüftballons … .

(Treppen-)Witzig war aber auch die „junge“ SPD-Frau. Erst mäkelte sie, dass junge „Talente“ in der SPD, wie die Juso-Vorsitzende aus Bayern, nicht auf aussichtsreiche Listenplätze kommen würden, um später doch mehr oder weniger einzugestehen und zu bemängeln, dass eine Karriere/Listenplatz in der Partei nur für Vollzeit-Berufs-SPD-Politiker drin ist und nicht für Quereinsteiger. Also genau die Karriereleiter ohne praktische Berufserfahrung außerhalb der Partei, die die zunächst beispielhaft genannte Juso-Vorsitzende seit 10 Jahren hinlegt, wodurch die Juso-Vorsitzende genau zu dem Kreis gehören wird, die Leuten mit echter Berufserfahrung als Quereinsteiger ein politisches Amt verwehren wird. Wieso überhaupt jemand über eine Liste den… Mehr

Warum werden bei all diesen Plauderrunden eigentlich nicht normale Bürger eingeladen die den dort Anwesenden Politikern mal die Fragen stellen die Otto Normalverbraucher umtreiben? Natürlich darf man sich dann als Bürger nicht mit den leeren Worthülsen und den Nichtssagenden Antworten dieser Politiker zufrieden geben! Ich würde mich sofort dafür zur Verfügung stellen. Aber,ich glaube,dass kein einziger Politiker zu solch einer Sendung kommen würde. Sehenswert wäre solch eine Sendung mit Sicherheit.

Als ich diesen Juso CDU Yuppie lächelnd hören sagte zu beginn der Sendung, wie toll die Ministerauswahl doch sei, schaltete ich um. Mehr brauchte ich nicht mehr zu sehen bzw zu hören. Der Abend war gerettet.

Uschi ist unfähig als Ministerin für Verteidigung. Das hat sie uns häufig genug gezeigt. Peter Altmaier hat als Flüchtlingskoordinator auch kein Talent gezeigt. Warum also sollte er plötzlich Wirtschaft können. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Sturm zu deren Unfähigkeit erneut losbricht. Die Neuen in Merkels Kabinett müssen beweisen was sie können. Mal abgesehen von Spahn sind sie alle Kopfnicker, wenn es darum geht Merkels Kurs zu folgen. Spahn hat eine schwierige Aufgabe und es darf bezweifelt werden, dass Merkel ihn lässt wie es erforderlich ist. Bei der SPD sieht es nicht weniger desolat aus. Sollte sie… Mehr

Kennen sie Frau Wanka? CDU Bildungsministerin. Jetzt ist sie mal in die Medien gekommen. Warum? Sie wurde vom Bundesverfassungsgericht verurteilt.

Ja, sicher kenne ich Frau Wanka. Sie ist mir kaum durch Leistung aufgefallen, sondern lediglich durch die Auffälligkeit, dass sie in der damaligen DDR eine wissenschaftliche Karriere ähnlich wie Merkel machen konnte und dass sie die gleiche verschrobene Sicht wie Merkel hat.

Also handelt es sich bei M. und W. um „birds of a feather“….
Nicht überraschend.

Spahn. Merkel läßt ihn. Gesundheitsministerium. Abschätziges Pfffft (aus Merkel-Mund). Die SPD hat mehr Schlüsselministerien inne (Aussen, Finanzen!, Justiz, Soziales). Ist der Merkel-CDU egal. Hauptsache Madam sitzt weiter auf ihrem Thron.

Thomas M. Stein als Bundespräsident, Nena als Kanzlerin und Grönemeyer als Kanzleramtsminister, und vielleicht noch Dieter Bohlen für Verteidigung – das wär doch mal was.

Ich bitte um Volksentscheid.

Ändern würde das nichts, es wäre wohl etwas unterhaltsamer.