Bei Lanz punktete Hamed Abdel-Samad

Das Ergebnis hatte Markus Lanz nicht geplant. Hamed Abdel-Samad erklärte den Deutschen ihre nicht gemachten Hausaufgaben.

Screenshot: ZDF/Markus Lanz

Ulrich Kienzle (Sie erinnern sich? „Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser!„) führte es jedem vor Augen und Ohren, dem es noch nicht aufgefallen ist. Die Identität von „Linken“ und „Linksliberalen“ besteht immer öfter nicht mehr in einem eigenen Standpunkt, den es zu beschreiben und begründen gilt, sondern in der Ersatz-Identität „Abgrenzung“ von der AfD oder einfach von „Rechts“. Da gilt Begründung als nicht notwendig.

Bei Markus Lanz, höflich formuliert: keinem politischen Profi, war Kienzle zwar, wie er mehrfach betonte, mit Hamed Abdel-Samad einer Meinung. Sogar bis hin zur unmissverständlichen These, dass der Islam höchstens in Teilen reformierbar sei. Aber in seiner Gesamtheit nicht davon abginge, dass Frieden in der Welt erst dann herrschen könne, nachdem durch Gewalt und Töten der Islam über die ganze Welt herrsche. Doch dann formulierte Kienzle zwei höchst denkwürdige Abgrenzungen.

Der Islamkritiker aus dem ägyptischen Imam-Haushalt hätte seine Mohammed-Kritik doch nicht mit dem Säbel oder dem Vorschlaghammer vortragen müssen, sondern mit dem Florett. Dieses Florett stand Kienzle nicht zur Verfügung, als er Abdel-Samad vorwarf, er hätte seine Ansichten über den Islam nicht bei der AfD vortragen dürfen.

Er sei in letzter Zeit oft in den U.S., erzählte Hamed Abdel-Samad. Dort dürfe er selbstverständlich überall reden, wo er wolle: „In Amerika werde ich daran gemessen, WAS ich sage, nicht WO.“ Na, da hatte Kienzle das verlangte Florett, touché. Wie andere weiß er nicht, dass Florett die gefährlichere Waffe ist als Säbel, wenn der Stich sitzt. Der Zuschauerapplaus gehörte Abdel-Samad.

Mit bei Lanz saß Nikeata Thompson, Choreografin und Tänzerin, die als Andersfarbige in ihrer Schule in Wermelskirchen fünf Jahre Mobbing ertrug, bis sie diesem als 14-Jährige ein Ende setzte. Lanz fragt wie? Die ansteckend fröhliche Lady antwortete trocken und mit gewinnendem Lächeln, ich habe zugeschlagen, habe mir einen geschnappt. Näheres wollte Lanz nicht wissen. Und auch sonst fragte keiner. Aber offensichtlich gibt es die Welt und den Schulhof weiterhin, die ich kenne. Auch im vordergründig abgerüsteten Deutschland.

Vor Lanz hatte ich mir Illner angeschaut, weil ich nicht sicher war, ob Stephan Paetow dazu kommt. Tat er aber und berichtete hier heute früh. Mein Blick auf die Illner-Runde gestern ist einfach der: Jene Zuschauer, die ausgeharrt haben, sahen und hörten Parteipolitiker, für die kein Thema so ernst sein kann, dass sie sich nicht darin erschöpften, die Schuld für alles jeweils anderen Parteien zuzuschieben. Die ganze Veranstaltung das Gegenteil von Vertrauensbildung.

Lanz war im Ergebnis erhellend, Illner verdunkelnd.

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Kommentare

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  • Störk

    Das glauben Sie nur.

    Ein „Selbstbestimmungsrecht“ kann nur wahrnehmen, wer über freien Willen verfügt, und der freie Wille ist ein Geschenk Gottes.

    Wobei ich natürlich nicht beweisen kann, daß „Joachim Datko“ tatsächlich real existiert und nicht nur ein Bot ist, das vollautomatisch jeden religionsbezogenen Artikel mit denselben Plattitüden kommentiert.

  • Störk

    Preussen, Sachsen, Hessen, Bayern, Österreicher, Rheinländer, Westfahlen, Friesen und Schwaben sind im Grunde lauter Völker für sich, aber miteinander verbunden durch die deutsche Sprache und Kultur. Insofern kann entweder das Königreich Bayern vor 1871 als Nationalstaat gelten, oder das „großdeutsche Reich“ nach dem „Anschluß“ Österreichs 1938. Das Deutschland, das sich 1990 mit Preussen wiedervereinigt hat, aber nicht mit Österreich, als einen Nationalstaat zu betrachten, ist schon etwas weit hergeholt. Die einzelnen Bundesländern mit den „deutschen Nationen“ zu identifizieren, ist aber genauso haarsträubend – Nordrhein-Westfalen ist klar ein Vielvölkerstaat, während Hanseaten auch außerhalb des Bundeslandes Hamburg siedeln.

  • Reinhard Peda

    „Warum nicht leerer Raum?“

    Wo kam der Platz her, den der Raum einnehmen konnte? Hintergrundstrahlung seit dem Urknall? Gott hat sich sicher auch selbst erschaffen, samt der übrigen Energie, oder etwa nicht?

    Ich hör jetzt auf mit dem „Sarkasmus“ (markmunich:-). Sonst befindet man sich noch in der Endlosschleife wieder, und das bringts einfach nicht.

  • markmunich

    Der staubtrockene Sarkasmus, der Eurem Randgefecht inne wohnt, ist einfach köstlich, um nicht zu sagen genial:-)

  • Ralf

    Der dringende Aufklärungsbedarf bei uns selbst in der Mitte der Gesellschaft wird in diesem aktuellen Artikel der „Jüdischen Allgemeinen“ passend zu diesem guten Beitrag im „Tapfer im Nirgendwo“ zur Sendung von Markus sehr ernüchternd aufgezeigt:

    „Der Antisemitismus-Forscher Wolfram Stender hat an die Schulen appelliert, viel differenzierter über den Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aufzuklären.

    Das könne ein wirksamer Beitrag gegen Antisemitismus sein, sagte der Sozialwissenschaftler aus Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). »Die Leute haben unglaublich wenig Wissen über das, was da abläuft, und ersetzen Wissen häufig durch Stereotype, die ihnen angeboten werden.« Die Schulen beschäftigten sich heute zwar gründlich mit der Zeit des Nationalsozialismus, nicht aber mit der Zeit nach 1945.

    ISRAEL Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hegten heute einen »israelbezogenen Antisemitismus«, sagte Stender, der als Professor an der Hochschule Hannover lehrt. Dabei werde Israel als rassistischer Apartheid-Staat dämonisiert und für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht. Zugleich würden Juden pauschal mit Israel gleichgesetzt: »Israel wird als kollektiver Jude wahrgenommen.« Am rechten Rand der deutschen Gesellschaft ist diese Sicht laut Stender ebenso verbreitet wie am linken, aber auch in der Mitte der Gesellschaft.

    Verschärft werde dies durch Antisemitismus aus der arabischen Welt. Dort gebe es einen Judenhass, der bis hin zu »Vernichtungsfantasien« reiche. Einwanderer brächten dieses Feindbild mit nach Europa und äußerten sich zum Teil ganz offen antisemitisch, während sich der klassische europäische Antisemitismus eher hinter vorgehaltener Hand abspiele. Der Hass reiche bis hin zu physischer Gewalt, wie unter anderem jüngste Angriffe auf einen Rabbiner und andere Juden zeigten. »Das ist eine Bedrohung für die jüdischen Gemeinden“

    Quelle:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/28554