Anne Will mit immer den gleichen Gästen Lauterbach und Söder

Schon bald wird man nicht mehr zwischen Geimpften und nicht Geimpften unterscheiden können, weil beide der gleichen Gefahrenlage ausgesetzt sind. Ob dann bei Anne Will die verheerende und widersprüchliche Politik der letzten beiden Merkeljahre in Sachen Corona zur Sprache kommt? Vielleicht sogar mit einer Vielfalt der Meinungen?

Screenprint: ARD/Anne Will

Normalerweise ist es für Journalisten ein Glücksfall, wenn gleich der Erste in einer Diskussion die Kernfrage des Abends stellt. Bei Anne Will war das die Anästhesistin und praxiserfahrene Intensivmedizinerin Carola Holzner, die auf die während der ganzen Sendung über im Raum stehende Frage: „Warum lassen sich so viele in Deutschland nicht impfen?“, antwortete: „Weil wir die Menschen nicht mitnehmen.“

Doch Anne Will ist eben Anne Will und bleibt sich treu. Warum Kritik zulassen, wenn die Schuldigen auch so von vornherein feststehen? Sogenannte „Impfverweigerer“, „Verschwörungstheoretiker“ und immer wieder Vorwürfe gegen eine zu wenig hart „durchgreifende“ politische Klasse. Und so zog es sich wieder wie immer, in einer Art Redundanz vorheriger Sendungen dahin.

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Manchmal aber erfuhr man auch etwas Neues. So, wenn das Mensch gewordene Orakel der Apokalypse, der SPD-Politiker Karl Lauterbach, verrät, dass auch die Booster-Impfungen schon nach kurzer Zeit ihre Wirksamkeit verlieren würden. Logischer Schluss: Wir stehen vor Jahrzehnten des Dauerimpfens. So es denn mit den Impfstoffen klappt. Wie bereits in anderen Städten zuvor mussten nun auch in Berlin Hunderte am Wochenende in der Kälte anstehen, um schließlich aufgrund mangelnden Impfstoffes doch wieder nach Hause geschickt zu werden. Nach all den Pannen der vergangenen zwei Jahre löst das Ganze bei immer mehr nur noch Unverständnis und Wut, im besten Fall Gelächter und Kopfschütteln aus.

Ebenso hörte man aus dem Munde des TV-Corona-Spezialisten, dass jederzeit immer wieder neue Viren und Mutationen auftreten könnten. Stellt sich dem durchschnittlich gebildeten Zuschauer automatisch die Frage, warum man für derartige Überraschungen nicht heute schon über einen Ausbau der Intensivmedizin nachdenkt. Nur Anne Will fällt das nicht ein.

Schon jetzt ist doch absehbar, dass aus Geimpften immer wieder mehr „Ungeimpfte“ werden mit dem gleichen Infektionsrisiko und Ansteckungsgrad. Das alles kann man nun wirklich nicht den „Ungeimpften“ von heute in die Schuhe schieben. Wo ist die vorausschauende Strategie? Und – die schon oft gestellte Frage harrt immer noch einer Antwort: Warum wurden Tausende von Intensivbetten erst in jüngster Zeit abgebaut? Wo sind die vielen Tausende Pflegekräfte? Was wäre erst los, wenn uns ein völlig neuer und aggressiverer Virus schockiert? Nein, der Bürger wird mit all dem allein gelassen – nicht nur „nicht mitgenommen“, wie es Carola Holzner eingangs charakterisiert, sondern nie ernst genommen oder gar respektiert.

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Das gilt auch für die Aussage des Chefs der Ständigen Impfkommission, Professor Dr. Thomas Mertens, er würde seine Kinder nicht impfen lassen, da die möglichen Langzeitwirkungen noch nicht ausreichend abgeklärt und damit die Risiken zu groß seien. Millionen Eltern haben das in dieser Woche an den Abendbrottischen Deutschlands diskutiert. Für Anne Will kein Thema. Wie überhaupt jede Form von Kritik – sei sie nun berechtigt oder nicht – ignoriert oder als Geschwätz von „Staatsfeinden“ abgetan wird. Die Verschwörungs-Mythen schaffen doch die Regierenden selbst, wenn sie am Bürger vorbei handeln. Oder wenn man wie Ministerien, Politiker und einige Medien Corona erst als normale Grippe deklariert und als Verschwörungsgemurmel von Rechten, als Nächstes bevorstehende Ausgangsbeschränkungen sowie eine Impfpflicht als Fake News abtut und kategorisch ausschließt, sowie vieles mehr – und Position um Position räumt. Viel lieber setzt man auch bei Anne Will auf immer noch mehr Kontrolle und immer noch repressivere Maßnahmen. Das ist nicht mehr nur schlechter Stil. Oder hält man die Leute wirklich für so unmündig?

Jetzt soll es also doch eine allgemeine Impfpflicht richten, die von allen Politikern verneint wurde. Zwingen will man auch dann niemanden. Dafür sollen hohe Geldbußen die Zweifler zur Vernunft bringen. Wer genügend Geld hat, kann sich also freikaufen. Sage noch einer einmal etwas gegen die Zwei-Klassen-Medizin.

Allgemeine Empörung bei Will auch über den Fackelmarsch vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin in Grimma. Selbstverständlich ist auch diese Art der Nötigung, die die Schwelle zur Gewalt überschreitet, mit aller Härte zu verfolgen. Seit 1933 habe es so etwas in Deutschland nicht mehr gegeben, hörte man – leider stimmt das nicht. Wenn wir schon in die Geschichte zurückgehen, war das sogenannte „Bauernlegen“ der SED-Agitationstrupps im Rahmen der Kollektivierungskampagne der DDR-Landwirtschaft im Sommer 1952 ein ebenso abstoßendes Gebaren. Zum Teil mehrere Tage und Nächte hindurch wurden die Gehöfte einzelner Bauern umringt, um sie mit Brüllkanonaden, Lautsprecherbeschallung und Drohungen zur Vergesellschaftung ihres Eigentums zu zwingen. Viele Landwirte sahen den einzigen Ausweg in der Flucht über die Grenze nach Westen. Die Folge war eine schwere Versorgungskrise im Frühjahr 1953.

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Erinnert sei auch an die Hausbelagerungen von Abgeordneten der CDU, CSU und der FDP während der Nachrüstungsdebatten zu Beginn der 80er Jahre. Angehörige der „Friedensbewegung“ umkreisten Töpfe schlagend die privaten Heime der Parlamentarier und blockierten – sozusagen als „Höhepunkt“ – durch das sogenannte „Die-In“ jede Mobilität. Das Startzeichen gab jeweils das Zünden einer Leuchtrakete, worauf die „Friedensfreunde“ weiße Gewänder um sich schlungen, ihr Gesicht mit weißer Farbe einrieben, um sich schließlich den „Atom-Tod“ symbolisierend für längere Zeit auf den Boden zu werfen. In der linken Journaille fand man das höchstens spaßig! Die unter Druck gesetzten Politiker hatten sicherlich ganz andere Gefühle. Auch heute ist man vorzugsweise auf dem linken Auge blind. Um glaubwürdig zu bleiben, gehören aber alle Aktionen dieser Art jedweder Couleur verfolgt. Es gibt leider viele Anlässe, um so etwas eigentlich Selbstverständliches immer mal wieder zu betonen.

Doch noch einmal zurück zu Anne Will. Schon bald wird man nicht mehr zwischen Geimpften und nicht Geimpften unterscheiden können, weil beide sich durchmischend der gleichen Gefahrenlage ausgesetzt sein werden. Man gibt die Hoffnung nicht auf, dass dann auch bei Anne Will die verheerende und widersprüchliche Politik der letzten beiden Merkeljahre in Sachen Corona zur Sprache kommt. Vielleicht dann auch mit einer größeren Vielfalt der Meinungen.

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Kommentare ( 104 )

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Fabmeister77
1 Monat her

Wäre die Berichterstattung insgesamt ausgewogener gewesen, wären wir deutlich besser durch die Pandemie gekommen. So war es spätrstens im Juni schon klar, dass die Impfung nur 4-6 Monate hält. Auch die Saisonalität war lange klar (danke an TE übrigens für diese Infos).

Entsprechend habe ich meine Impfungen so gelegt, dass ich für die Grippesaison optimal geschützt bin. Hätte man nicht nur auf die Apokalyptiker wie Lauterbach gehört und diesen Weg allen nur moderat gefärdeten (also < 60) empfohlen, gäbe es jetzt keine 4. Welle, zumindest nicht in diesem Ausmaß.

November Man
1 Monat her

Immer Ein und das Selbe .
Ich verstehe nicht, warum und weshalb man solche Sendungen überhaupt macht und dann auch noch ausstrahlt.
Und wieder wurde es versäumt, den Menschen umfassend und wahrheitsgemäß zu erklären, wie es sein kann, dass so viele Doppelt-Geimpfte nachträglich an Covid-19 erkranken.  
Dabei wäre ein ehrliche Antwort so einfach.

Last edited 1 Monat her by November Man
alter weisser Mann
1 Monat her

Ganz ernsthaft: Spielt es nicht nur dem örr in die Karten sich immer wieder mit deren Talk-Müll zu befassen? Das Ergebnis ist doch erwartbar und der wöchentlich neue Beweis ergötzt oder bildet nur sehr mäßig.

Deutscher
1 Monat her

„Ob dann bei Anne Will die verheerende und widersprüchliche Politik der letzten beiden Merkeljahre in Sachen Corona zur Sprache kommt?“

Wohl kaum.

Olaf W1
1 Monat her

Der Apokalyptiker Lauterbach und der Diktator in spe Söder sind die Gesichter dieser Pandemie. Ihr ewiges, immer neues mediales Eskalieren (pardon, für mich wirklich nur noch Dummgeschwätz) mit drakonischen Sanktionen und Ideen, die sie nur Stunden zuvor ausgeschlossen haben (und wer das voraussagte und prophezeite, ist lt. Kretschmer „bösartig“), machte diese Protagonisten zur größeren Belastung als das Virus selbst. Der eine spielt in Bayern Diktator, der andere wird der neue Gesundheitsminister und arbeitet mit schließenden Krankenhäusern und weiter massiv abgebauten Intensivbetten dem fränkischen König der Bayern weiter zu. Fakten und Sachverstand hingegen haben beide nicht vorzuweisen, dass stünde ihrer Ideologie… Mehr

Kaltverformer
1 Monat her

Lauterbach ist für das Gesundheitsministerium das, was Annalenchen für die Volkswirtschaft und das Außenministerium ist.
Nämlich untragbar und der Supergau!

Fritz Wunderlich
1 Monat her

Mich würde interessieren, wie viele und welche Deutsche sich immer wieder dieselben Gesichter und dieselben Aussagen bei Anne Will anschauen.

Last edited 1 Monat her by Fritz Wunderlich
SB
1 Monat her
Antworten an  Fritz Wunderlich

Leider genügend Wahlberechtigte jenseits der 80. Kann da aus meinem eigenen Familienumfeld berichten. Die Glotze ist sowieso ständig an, aber selbst wenn Will und ihr Talkshow-Mitbewohner Lauterbach nur im Hintergrund vor sich hinplätschern, irgendwelche Wortfetzen bleiben eben immer hängen, meistens „Ungeimpft“ und „Unsolidarisch“…

alter Schwede
1 Monat her
Antworten an  Fritz Wunderlich

Ich tu mir das schon an, denn ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, nur wenn ich weiß wie der politische Gegner tickt, kann ich ihn auch erfolgreich begegnen. In diesem Sinne zieh ich mir dieses Geschwafel rein.

sarah23
1 Monat her

Die Versäumnisse bestehen nicht nur in dem Abbau von (Intensiv-)Betten, sondern auch in der immer noch ausbleibenden Behandlungsmöglichkeit von Angesteckten in der Frühphase (Tag 1-2) der Erkrankung. Das RKI empfiehlt immer noch, man solle „zu Hause bleiben, sich isolieren, desinfizieren, lüften“ – und abwarten, bis der Notarzt kommen muss. Die Behandlungsempfehlung (an Ärzte gerichtet) beinhaltet Ivermectin „offlabel“ und im Rahmen von Studien, nicht ohne vor der Lebensgefahr bei Überdosierung dringend zu warnen. Bei einem Blick auf die Literaturliste stellt sich heraus, dass diese Warnung auf zwei in den USA breitgetretenen Pressemeldungen basiert, die sich als falsch / gefälscht herausgestellt haben… Mehr

sarah23
1 Monat her

Wir schlittern immer tiefer in den Totalitarismus, aus dem es kein Entrinnen mehr geben wird. Keine noch so geringe Machterweiterung werden die Regierenden wieder hergeben. Medien und Politik sind so eng miteinander verbündet, dass es kaum noch Gegenstimmen zu hören/lesen gibt, und diese lassen sich auch noch wunderbar auseinander dividieren durch den Vorwurf der Kontaktschuld und Forderung nach „Distanzierung“ – die selbstredend nur immer für die der offiziellen Linie widersprechende Seite gilt. Die Beschimpfungen für die Nichtkonformen nehmen immer bizarrere Formen an. Was folgt nach der fortwährenden Entmenschlichung? Mich fröstelt schon lang.

bfwied
1 Monat her

Ein Charakteristikum von totalitären Staaten ist, dass grundsätzlich nur dieselben Protagonisten in allen Medien ihre Meinungen sagen können. Alle anderen bleiben ungehört. Heutzutage macht man es so, dass auch immer nur dieselben Leute zu sehen und zu hören sind, nur zwischendurch darf ein Andersdenkender gesehen und gehört werden, der aber regelmäßig in die Pfanne geschlagen wird – die Zuschauer im Saal sind sowieso entsprechend ausgesucht und dirigiert. Das war in der Vor-Merkel-Zeit anders. Und noch ein wenig weiter zurück, zu Strauß, Schmidt und Co: Da waren alle möglichen Leute zu sehen und zu hören, auch die ersten Grünen. Damals flogen… Mehr