Männer raus aus der Küche? Die feministische Kulturrevolution macht selbst vor der Sternegastronomie nicht halt. Wer einmal fällt, soll für immer erledigt sein – so das Credo von Cancel-Aktivistinnen, die Biologie und Realität durch Moralkeulen ersetzen. Von Georg Etscheit und aufgegessen.info
IMAGO
Nein, Pardon wird nicht gegeben, wenn es um die endgültige Niederringung des Patriarchats geht, das sind Feministinnen gnadenlos. Das gilt auch für die Spitzengastronomie, wo in der Regel Männer den Ton angeben. Die Gründe dafür liegen vor allem in der unterschiedlichen körperlichen Beschaffenheit von Männern und Frauen in einer Branche, die so hart ist, wie kaum eine andere, psychisch und physisch. Und solange Männer noch Männer, Frauen noch Frauen sind, wird sich daran nicht allzu viel ändern. Warum gibt es eigentlich keine Drahtflechterinnen am Bau, weibliche Gerüstbauer, kaum weibliche Metzger oder Stahlkocher? Punkt, Ende der Debatte.
Doch das Thema ist natürlich immer wieder einen Aufreger wert, vor allem in Organen wie der Süddeutschen Zeitung (SZ), die merkwürdigerweise der „Genussredakteurin“ des längst unterhalb der Wahrnehmungsschwelle dümpelnden Magazins „Stern“ in ihrer Wochenendausgabe Platz für eine Abrechnung mit der männerlastigen Sterneküche eingeräumt hat. Vielleicht war ihrem Hamburger Arbeitgeber die Story einfach zu dünn, sodass sie sich an die Kollegen der fast noch wokeren SZ wandte, die das längliche Stück, ausgesprochen unüblich, als „Gastbeitrag“ ins Blatt hoben.
Darin kommt die Journalistin Denise Snieguolé Wachter noch einmal auf den Fall des ehemaligen bayerischen Drei-Sterne-Kochs Christian Jürgens zu sprechen, der nach einem reißerischen „Spiegel“-Artikel Knall auf Fall entlassen wurde. Er habe, so die damaligen Vorwürfe, Mitarbeiter schikaniert und belästigt, die Staatsanwaltschaft ermittelte – ohne Ergebnis. Jürgens machte schwere Zeiten durch, später bekannte er sich in Interviews zu einem großen Teil dieser Vorwürfe, die niemals vor Gericht kamen, und entschuldigte sich für sein Verhalten.
Einige Zeit wurde es still um Jürgens, bis an die Öffentlichkeit drang, dass der Spitzenkoch zum Executive Chef der „Villa Florhof“ in Zürich, einem Prestigeprojekt der Gastrounternehmer Silvio Denz und Peter Spuhler, ernannt worden sei. Skandal! Ein Mann mit einer solchen Vergangenheit! Snieguolé Wachter zitiert in der SZ eine geistesverwandte Aktivistin namens Alexandra Zykunov, die in Wikipedia als Autorin feministischer Bücher vorgestellt wird. Sie will in der Berufung von Jürgens einen typischen „Mechanismus“ sehen: „Es zeigt, dass Cancel Culture für erfolgreiche Männer nicht existiert. Es werden Vorwürfe erhoben – und der Nächste denkt: Den will ich haben.“
Dass Jürgens gravierende Fehler gemacht hat, ist unstrittig, dass er danach durch die Medienhölle ging, ebenso. Doch Pardon wird nicht gegeben. Ein Mann wie er hat sich, wenn überhaupt, nur noch als Alleinkoch in einem Landgasthof durchzuschlagen oder als Bulettenbrater bei McDonalds. Sogar NZZ Bellevue, das Lifestyle-Portal der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) hieb in diese Kerbe, wenn man Jürgens und anderen Gefallenen zwar gnädig zugestand, dass sie eine zweite Chance verdient hätten. Doch dass der Koch nun in der Villa Florhof, übrigens zusammen mit einer Frau, für die Gesamtleitung des Etablissements verantwortlich sein soll, stehe laut NZZ „auf einem anderen Blatt“, denn für Führungsaufgaben seien heute „nun einmal besondere Anforderungen gefragt“.
Dass es die Cancel Culture bei „erfolgreichen Männern“ nicht gebe ist ein Witz und eine Lüge. Man wünscht sich, dass aktivistische Schreiberinnen wie Snieguolé Wachter und Alexandra Zykunov auch einmal die volle Wucht des Medienprangers zu spüren bekommen.
Überhaupt wimmelt der SZ-Text von dümmlichen Klischees wie der Behauptung, dass „auf den Tellern“ nicht nur die „edlen Krustentiere“, haha, immer größer würden, weil es den Köchen, typisch Macho, „nicht um Geschmack, sondern um Imponiergehabe“ gehe. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Hummer und Langusten so gut schmecken und die meisten Gäste nicht auf sie verzichten wollen.
Dass Frauen unter sogenannten „Supertastern“, ich habe das Wort noch nie gehört, überrepräsentiert seien, weil sie überdurchschnittlich viele Geschmacksknospen hätten, kann man schon fast für obszön halten. Und wenn der Münchner Drei-Sterne-Koch Jan Hartwig mit dem Satz zitiert wird, wonach Frauen oft „differenzierter, sensibler beim Abschmecken“ seien, wird diese Behauptung merkwürdigerweise nicht hinterfragt, obwohl sich hier wieder das patriarchalische Narrativ der von Natur aus ach so sensiblen Frauen spiegelt, ein rotes Tuch für wackere Frauenrechtlerinnen.
Natürlich wird auch der Guide Michelin dafür gerügt, dass die meisten Tester Kerle seien und mithin, so der messerscharfe Schluss der Autorin, die Kochkunst von Männern bevorzugten und deshalb besser bewerteten. Im Ernst: Wer würde beim Essen im Gastraum erkennen, ob eine Sauce oder ein Filet von einer Frau oder einem Mann hergestellt wurde? Widewidewitt – so einfach ist sie eben, die Welt der Feministinnen.


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