Hinein in den Höllenschlund – Dresden im Februar 1945

Für sein Buch über die Bombardierung Dresdens hat Sinclair McKay zahlreiche Augenzeugenberichte aus dem Dresdner Stadtarchiv herangezogen. Die Schilderungen unbekannter wie berühmter Zeitzeugen (darunter Victor Klemperer und Kurt Vonnegut) sind ebenso berührend wie erschütternd

Matthias Rietschel/Getty Images

Ihr Klang besaß eine industrielle Konnotation, er verhieß eine Dringlichkeit, aber auch Zweckmäßigkeit – im Gegensatz zu den Sirenen in England, deren hohe Tonlage schwach außerweltlich erschien wie der Schrei einer Banshee in der Dunkelheit, ertönten die Fliegeralarme in Deutschland eine Oktave niedriger. Sie hoben an und nahmen wieder ab, wie alle Sirenen, aber sie klangen eher wie eine Warnung oder gar die Werkssirene bei Schichtende: Sachlich, kein Grund zur Panik, jeder begebe sich ganz ruhig zum Ausgang. In ganz Dresden waren Sirenen auf Dächern und Mauern installiert, und im Februar 1945 hatte für viele Menschen ihr Geheul an Gefährlichkeit eingebüßt, hatten sie doch Nacht für Nacht mit den Fehlalarmen ihre ursprünglich furchteinflößende Wirkung verloren. Am 13. Februar 1945 um 21 Uhr 40 wurde erneute Fliegeralarm ausgerufen, und als sein Dröhnen von den engen Straßen der hohen Wohnblöcke widerhallte und die Luft der breiteren Alleen und der wohlhabenderen Vorstadtstraßen schwängerte, machten sich viele Einwohner nur noch resigniert auf den Weg in die Luftschutzkeller, auch wenn der Moderator sogar das laufende Radioprogramm unterbracht und den Zuhörern verkündete, dass eine Staffel feindlicher Flugzeuge entdeckt worden war, die auf die Stadt zuhielt.

Albert Fromme war immer noch auf einer Geburtstagsfeier, als das kehlige Heulen des Fliegeralarms ohne Voralarm einsetzte. Einer der Gäste schaltet das Radio ein, um zu hören, ob man sich ernsthaft Sorgen machen müsse. »Ich spürte sofort, dass etwas Bedeutendes vor sich ging«, schrieb Dr. Fromme später. Im Radio wurde angekündigt, dass sich tatsächlich Bomber auf dem Weg nach Dresden befanden. Die Feier löste sich umgehend auf, seine Nachbarn und er sammelten ihre »Luftangriff-Ausrüstung« ein und gingen hinunter in den Schutzraum im Keller.

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Solch gelehrsame Besonnenheit war Erwachsenen vorbehalten, aber bei kleineren Kindern war daran nicht zu denken. Georg Frank, der den Tag in seinem bunten Clownskostüm [der 13. Februar 1945 war Faschingsdienstag – Anm. d. Red.] verbracht hatte, lag in seinem Bett; seine Mutter hatte für seinen Vater das Abendessen zubereitet. Frank Senior hatte die Versammlung des Volkssturms hinter sich gebracht und lauschte nun, ebenso wie der verwirrt aus dem Schlaf hochgeschreckte Junge, dem Radio, aus dem mit allem Nachdruck der Befehl ertönte: »Achtung, Achtung! Starke anglo-amerikanische Bomberverbände im Anflug auf Dresden! Entfernung circa zwanzig Kilometer! Suchen Sie die Luftschutzräume auf!«

Frank konnte sich später nicht mehr daran erinnern, ob seine Mutter ihn noch im Halbschlaf aus dem Bett geholt hatte. »War es nur der Schreck, so plötzlich aus dem Schlaf gerissen zu werden, weshalb ich weinen musste?« Und mit dem Schreck kamen die Sirenen, die für den kleinen Jungen »scheußlich« klangen. In eine Decke gehüllt trug ihn seine Mutter eilig aus der Wohnung.

Ihr Luftschutzraum lag im Keller; ein langer Ziegelsteinkorridor mit kleinen Parzellen, die von ihm abgingen. Auf dem Weg hinunter registrierte er bewusst die »schwache Treppenhausbeleuchtung« und die absolute Dunkelheit vor dem Treppenhausfenster. Sein Vater hatte ein paar Wertsachen aus Familienbestand mitgebracht, und jetzt nahmen sie in der gewölbeartigen Parzelle an ihrem einfachen Tisch auf selbst gezimmerten Stühlen Platz, während sein Vater ihre kleinen Habseligkeiten in einer Ecke verstaute. Etwas Proviant, den sie mitgebracht hatten, wurde auf den Tisch gelegt. (…)

Einige Keller fielen bequemer als andere aus. Helmut Voigt verließ zusammen mit seiner Mutter und seinem älteren Cousin Roland ihren Wohnblock südlich des Bahnhofs und machte sich auf den Weg zum Eingang eines Lagerkellers, der sich unter einer regionalen Brauerei befand. Dieser moderne Luftschutzkeller – Treppen aus Beton, nackte Glühbirnen und kahle Wände – lag mehrere Geschosse unter der Erde. Voigt schätzte, dass er für etwas hundert Personen ausreichend Platz bot. Aber als in dieser Nacht die Sirenen aufheulten, bemerkte der Jugendliche mit einigem Unbehagen, dass es dieses Mal anders war: Der Keller füllte sich nicht nur mit vertrauten Nachbarn, sondern auch mit einer Flut von Fremden, die nicht abzureißen schien.

»Viele Menschen strömten herein, die ich noch nie dort gesehen hatte«, erinnerte er sich später. »Einige von ihnen waren die Fahrgäste einer Straßenbahn der Linie 6, andere waren Flüchtlinge, die plötzlich begriffen hatten, in welcher Gefahr sie sich befanden, weshalb sie sich anderen Dresdnern anschlossen und ihnen in die Luftschutzkeller folgten.« Mit jedem weiteren Neuankömmling, der die Treppe hinunterkam, verschob sich das Gefühl für den Raum spürbar. War der Keller ansonsten recht geräumig, waren nun alle Plätze besetzt; wer jetzt noch hier Schutz suchte, musste stehen. Es gab auch einen Vorraum und einen kurzen Korridor, aber auch hier drängelten sich mittlerweile die Menschen.

In all dem Trubel wusste niemand von denjenigen, die die Luftschutzkeller aufsuchten – Tausende von Menschen die sich so geordnet wie möglich verhielten -, wie viel Zeit ihnen blieb, bevor die ersten Bomben fallen würden. Die Sirenen und die Radiodurchsagen kündeten von einer Katastrophe, die kurz bevorstand, aber was bedeutete das genau? Sekunden? Eine Stunde? Viele Menschen versuchten, durch den unaufhörlichen Heulton der Sirenen hindurch das herannahende Gebrumm der Flugzeuge auszumachen. Tatsächlich gab es im Herzen der Altstadt viele Passanten, die mit zum Himmel erhobenen Blick noch immer in den engen Gassen unterwegs waren und das Gebrüll der Bereitschaftspolizei ignorierten. (…)

Die Distanz, die sich zwischen der kleinen Welt unten und den gepflasterten Gassen darüber auftat, war groß. Abgesehen von der ständigen Klage der tiefkehligen Sirenen war es auf der Straße, die zum reich verzierten Eingang des Zwingergartens führte und schließlich weiter zum heiteren klassizistischen Bau der Semperoper, nun ruhig geworden. Die letzten Nachzügler hetzten auf der Suche nach weniger gesicherten Luftschutzkellern vorbei an der Katholischen Hofkirche und die Freitreppe hinauf zur Promenade der Brühlschen Terrasse mit ihren Balustraden. Entlang dieser Terrasse ragten die eleganten Fassaden der Kunstakademie und des Albertinums auf, in dem die Stadtverwaltung ihren Sitz hatte. Das Albertinum verfügte über einen eigenen, großzügigen Keller, in den nun von der Straßenseite her Beamte und Zivilisten strömten, die sich zu weit entfernt von ihren üblichen Luftschutzkellern aufhielten.

Und nur wenige Meter davon entfernt lagen einige Judenhäuser. Nach einem qualvollen Tag, an dem Victor Klemperer seinen jüdischen Mitbürgern die »Evakuation für alle Einsatzfähigen« ausgehändigt hatte, trank er mit seiner Frau gerade einen Kaffee, als die Sirenen ertönten. Eine Nachbarin rief voll Bitterkeit aus, dass sie hoffte, die Bomber würden kommen, auf dass sie alles »zerschmissen«. Offensichtlich lag jeder andere Ausweg außerhalb ihrer Vorstellungskraft, und Klemperer schien von dem bitteren Nihilismus nicht im Mindesten schockiert.

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Es gab einen separaten »Judenkeller«, da den Juden nicht erlaubt war, mit »Ariern« Schutz zu suchen. Wie viele andere Keller in diesem Teil der Altstadt zeigte das Ziegelmauerwerk an den Wänden erste Risse; außerdem lag der Keller im Souterrain, mit Fenster zum Gehweg hin. Wie andere Keller in den benachbarten Straßen war auch hier die Einrichtung rudimentär: Stühle, Wassereimer, Decken. Klemperer, seine Frau und all die anderen, die in dem alten Fachwerkhaus wohnten, machten sich auf den Weg die Treppe hinunter. Dort unten gab es angesichts solcher Umstände wenig, was man tun konnte, außer still dazusitzen. (…)

Etwas nördlicher, wo die Schienen die Elbe überquerten und in den bescheideneren Bahnhof Neustadt führten, drängten sich unzählige Flüchtlinge, die auf Anweisungen warteten. Winfried Bielss und sein Freund Horst hielten sich ein paar Straßen weiter auf und waren noch für die Hitlerjugend unterwegs; gerade erst hatten sie eine Flüchtlingsfamilie zu einer provisorischen Unterkunft in einem requirierten Schulgebäude gebracht. Als die Sirenen losheulten, waren sie noch ziemlich weit von ihren Elternhäusern entfernt gewesen. Nun mussten sie sich sehr schnell entscheiden, wie sie vorgehen wollten.

In der Katharinenstraße, unter den eleganten Villen und Bürgerhäusern aus dem 19. Jahrhundert, fanden sie einen Luftschutzkeller; es war kaum mehr als ein einfacher Kellerraum, noch dazu unbequem und verständlicherweise überfüllt. Ungewöhnlicher war da schon, dass den Jungen gesagt wurde, sie könnten wegen Platzmangel nicht bleiben und müssten sich woanders umsehen. Sekunden später fanden sich Winfried und Horst auf der Straße wieder, inmitten des infernalischen Lärms der Sirenen.

Was tun? Sollten sie zum Bahnhof Neustadt zurück? Winfried zögerte, da war auch kein Platz mehr. Horst schlug vor, über die Brücke und durch die Gassen der Altstadt zum Haus seiner Familie in der Nähe der Kreuzkirche zu rennen, aber das bedeutete rund zwei Kilometer zu laufen, und Winfried glaubte nicht, dass die Zeit dafür noch reichte.

Während die Jungen unter dem schwarzen Nachthimmel beratschlagten, wurden sie von zwei Polizisten, die es sehr eilig hatten, aufgegriffen und zu einem anderen Luftschutzkeller gebracht. Draußen im Freien sei es viel zu gefährlich für sie, sagte einer der Beamten zu ihnen. (…) Aber Bielss versicherte ganz ungerührt, dass sich sein Zuhause nur eine Straße weiter befände und er fast da wäre. Davon war natürlich kein Wort war, aber die Polizisten gaben sich zufrieden und suchten selbst eilends den nächsten Luftschutzkeller auf. »Ich wollte einfach nur durch die ruhig daliegenden Viertel nach Hause gehen«, erinnerte sich Winfried Bielss später. (…)

Sie passierten nun einen kleinen Park, der dunkler als die Straße war und in dem die Jungen mutterseelenallein waren. Sie befanden sich auf der Alaunstraße, die unweit der Mitte des Knicks, den die Elbe in Dresden macht, in Richtung Norden sanft bergauf führt. Von hier aus konnten sie die Silhouette der Altstadt und die Wolken darüber sehen, und jetzt nahmen sie zum ersten Mal auch das Brummen bewusst wahr. »Die Propellergeräusche waren jetzt schon zu hören«, erinnert sich Bielss. (…)

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Als Winfried und Horst die breitere Allee der Jägerstraße erreichten, wurde das Dröhnen noch lauter, der tiefere Tonfall schwang noch stärker mit, sodass die beiden Jungs an Tempo zulegten. Dieses Geräusch stand unmittelbar für ein drohendes Unheil, es setzte geradezu Urängste frei. Die Jungen bogen in die Zittauer Straße ab, die etwas näher am Fluss lag, und hier bekamen sie ein Gefühl dafür, was auf Dresden zukam: unzählige Bomber, Tausende von Metern hoch fliegend, fast unsichtbar gegen die Dunkelheit; das immer lauter werdende Dröhnen, jetzt mit einem unerbittlichen und aggressiven Einschlag. Die Jungen blickten zum Horizont und sahen, wie zwei leuchtend rote Kugeln vom Himmel fielen, die über dem Stadion Ostragehege niedergingen. Die grüne und silberne Leuchtmunition bildete mit den roten Zielmarkierungen die faszinierenden »Christbäume«, die von den Führungsmaschinen, den Mosquitos, abgeworfen wurden, um das Zielgebiet für die nachfolgenden Bomber zu markieren.

»Jetzt rannten wir los«, erinnert sich Winfried Bielss. Die Jungen waren nicht mehr weit von seinem Haus entfernt. Beide zeigten sich augenblicklich fasziniert und entsetzt zugleich von der Art und Weise, wie der Himmel und die Stadt immer heller erleuchtet wurden. Aus den schwarzen Wolken und der Dunkelheit regnete es nun unzählige »Christbäume« hinab; das zu bombardierende Gebiet lag weit verstreut und erstreckte sich von der Altstadt bis zur Johannstadt. Bielss weiß noch von weiterer Leuchtmunition in verschiedenen Farben, darunter leuchtendes Blau, intensives Grün und sogar ein sehr helles Orange, das die Wolken über Dresden in ein kränkliches Gelb tauchte. Von diesem Aussichtspunkt, von dieser sanften Erhebung aus mag die Verlockung groß gewesen sein, stehen zu bleiben und dem Spektakel zuzuschauen, wenigstens für ein paar Sekunden. Aber die Jungen hatten nun endlich verstanden, vielleicht war die Erkenntnis durch die immer lauter werdende Kakofonie der herannahenden Bomber gereift, dass sie rennen mussten, sich im Laufschritt in Sicherheit bringen mussten.

Gekürzter Auszug aus:
Sinclair McKay, Die Nacht, als das Feuer kam. Dresden 1945. Aus dem Englischen übersetzt von René Stein. Goldmann Verlag, 560 Seiten mit Bildteil, 22,00 €.


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Kommentare ( 41 )

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Balthasar
4 Jahre her

Meine Mutter, damals in Sebnitz zuhause, wollte am 13. Februar 1945 nach Dresden fahren, bekam aber wegen der überfüllten Flüchtlingszüge keine Genehmigung/Fahrkarte. Sie wandte sich sogar an die Sebnitzer Reichsbahndirektion, aber auch die winkte ab.

In der Nacht darauf sah sie von Sebnitz aus (ca. 40km Luftlinie entfernt) den Feuerschein über Dresden und angekohlte Papierfetzen, die es vom Himmel regnete.

Seither hat sie nie mehr geklagt, wenn ihr Pläne durchkreuzt wurden.

Kaltverformer
4 Jahre her

Ich bin erschüttert über die diversen „Dokumentation“ auf NTV, N24, Phönix und ZDF.

Es wird nicht sachlich berichtet, schon gar nicht, dass Massenbombardierungen ein Kriegsverbrechen waren und sind, sondern es schwingt immer mit, dass die Deutschen selber schuld waren, weil sie ja die Nationalsozialisten gewählt hatten.

All diese Dokumentationen zeichnet aus, dass alles, was die Alliierten so verbrochen haben, durchaus vertretbar war, weil es ging ja gegen die Bösen.
Das das unsere Vorfahren waren, Menschen wie du und ich mit Träumen und Hoffnung, dass wird völlig ausgeblendet.

Schlaubauer
4 Jahre her

Freudscher Versprecher, Absicht oder Versehen? O -Ton 16Uhr Nachrichten DLF 250 000 Tote

Detlef Rogge
4 Jahre her

Kurze Klarstellung zum Kriegsrecht hinsichtlich Bombardements von Städten im II. WK aus Richard Overy »Der Bombenkrieg Europa 1939-1945« Rowohlt Berlin 1. Auflage 2014 S. 57-58. »…Auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz von 1922, die zu einer erfolgreichen Beschränkung zur See führte, kam man überein, einen internationalen Juristenausschuss zu bilden, der verbindliche Regeln für die Luftkriegsführung entwerfen sollte. Dieser Ausschuss tagte in Den Haag von Dezember 1922 bis Februar 1923 und entwickelte die unter dem Namen >Haager Luftkriegsregelnin unmittelbarer Nähe der kämpfenden Landtruppen< befanden. In solchen Fällen konnte ein Bombenangriff also rechtmäßig sein, selbst wenn sich das militärische Ziel nahe zivilem Wohnraum befand….«… Mehr

Peter Mueller
4 Jahre her
Antworten an  Detlef Rogge

Angesichts der Tatsache, daß durch das IMT im Nachhinein der Tatbestand des „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ definiert wurde, sind solche Rechtsinterpretationen obsolet.

Wolodja P.
4 Jahre her
Antworten an  Peter Mueller

>Haager Luftkriegsregeln in unmittelbarer Nähe der kämpfenden Landtruppen<
Hier handelt es sich, was der von mir sehr geschätzte Overy nicht näher ausführt, um unbestritten legitime Angriffe von sog. Erdkampfflugzeugen, also um taktische Lufteinsätze zur Unterstützung der kämpfenden Front.
Von – unsinnigen – strategischen Terror-Bombardements konnte seinerzeit noch keine Rede sein.
Unsinnig deswegen, weil auch Richard Overy sagt, dass auf die demoralisierende Wirkung seitens der Vertreter der Douhet'schen Überzeugung vergeblich gehofft wurde.

Wolodja P.
4 Jahre her
Antworten an  Peter Mueller

Harris war als ***-General nur Befehlsempfänger. Spiritus Rector war neben Churchill der Feldmarschall (Marshal of the Royal Air Force) Sir Charles Portal.
Dieser Portal gab die Befehle, Harris stellte die Bomber zur Verfügung.
Es ist übrigens bezeichnend, dass zur Enthüllung des endlich auch Harris zugestandenen Denkmals keine andere als die beinahe schon mumifizierte Mutter der Königin Elisabeth – sozusagen der personifizierte Deutschenhass – erschien.

Lux Patria
4 Jahre her

Beklemmendes Zeugnis eines 93-jährigen, der als englischer Kriegsgefangener im Räumdienst eingesetzt war. Selbst in der fremden Sprache lässt es mich erschaudern, was er erlebte, wie er seine Empfindungen beschreibt. Äußerst wichtiges Zeitdokument eines Miterlebenden, der über den Tellerand hinausblickt, jenseits des Freund-Feind-Schemas. Durch und durch ein menschliches Zeugnis. Danke.

Magic
4 Jahre her

Am Anfang des Krieges setzten die Briten auf Tagangriffe, in denen Punktziele mit Sprengbomben belegt wurden. Sehr schnell erkannten sie, dass sie damit nicht die erhoffte Zerstörungswirkung erreichen und an der deutschen Luftabwehr scheitern würden. Also verlegten sie ihre Angriffe in die Nacht (die zwar die Abwehr erschwert, das Treffen von Punktzielen aber unmöglich macht) und begannen, zu experimentieren. Der Angriff auf Lübeck bezeichnete das Ende der Experimente und eine neue Zielrichtung: Fortan ging es darum, in den Innenstädten mit Sprengbomben und Luftminen zunächst die Dächer abzudecken, in die nun offenen Häuser Brandbomben zu werfen und einen Feuersturm zu entfachen.… Mehr

Klaus Funke
4 Jahre her

Die Bombardierung Dresdens war ein Menschheitsverbrechen. Bomben auf eine wehrlose, von Flüchtlingen überfüllte Stadt. Zivilterror. Mit dem Ziel, die „Kampfmoral“ des Gegners zu brechen. Die Russen standen 100 km ostwärts. Denen wollte man „verbrannte“ Erde hinterlassen. Heute wird die Opferzahl bewusst und aus vordergründigen politischen Motiven klein geredet, denn die damaligen Gegner sind heute unsere Freunde so wie die Verbündeten von damals zu Feinden geworden sind. Goebbels hat die Opferzahl im Völkischen Beobachter hoch geschrieben. Die Absicht war klar. Dennoch: Der Bombenangriff auf Dresden war ein gemeiner und feiger Terrorakt. Über Tieffliegerangriffe auf Zivilisten, auf Flüchtlinge wird geschwiegen oder sie… Mehr

jugend_attacke
4 Jahre her

Als Dresdner, der in der eigenen Familie Personen hatte, die an den Folgen dieser Nacht (unmittelbar) gestorben sind, möchte ich hier einmal sagen, wie beschämend und widerlich die Instrumentalisierung durch Steinmeier ist. Dieser Mann als Bundespräsident ist eine einzige Schande. Dresden war ein Kriegsverbrechen, aber so sind nun einmal Kriege. Wäre der Krieg anders verlaufen, man würde wohl zerbombten alliierten Städten nicht gedenken. Aber darum geht es nicht, es geht darum einfach mal schweigen zu können. Dieser Mann lässt keine einzige Gelegenheit aus, um seine Agenda voranzubringen. Er redet in Yad Vashem und eine Woche später gratuliert er den Mullahs.… Mehr

Andrea Dickerson
4 Jahre her

11 Kommentare – das spricht für sich…

Schwabenwilli
4 Jahre her
Antworten an  Andrea Dickerson

Es ist die Scham und vermutlich, meinerseits, Unkenntnis.

Marie-Jeanne Decourroux
4 Jahre her

ZDF-Kleber wusste besser als alle Historiker, dass es in Dresden »zehntausende Tote« gegeben habe und dass es Hamburg, mit vierzigtausend Toten, »am schlimmsten getroffen« habe.

Und sein subtiles Habt-euch-mal-nicht-so-ihr-Dresdner rundete er ab, indem er »heute mal« von »anderen Städten« sprechen wolle, eine Karte mit Städten einblendete und einen Zeugen aus Wesel berichten ließ.

Dies ist die einfühlsame Art, Trauernde zu trösten, indem man an andere Trauernde erinnert…