Bundeswehr: Abschaffen, wegtreten!?

Mit mehr Geld für die Bundeswehr allein wird es nicht getan sein. Ein neues Buch zeigt das Versagen von Ursula von der Leyen - die jetzt zur EU-Kommissionspräsidentin befördert werden soll.

© Getty Images

Deutsche Tüchtigkeit und Präzision sind passé. Darf man eigentlich noch Witze machen über eine Bahn, die meist nur verspätet fährt, den Flughafen Berlin, dessen Eröffnung  seit 10 Jahren verschoben wird, oder die Bundeswehr, die „den Steuerzahler ca. 43 Milliarden Euro im Jahr kostet, aber für ihre primäre Aufgabe, die Verteidigung Deutschlands, kaum einsetzbar“ ist, fragen die beiden Autoren eines neuen Schwarzbuchs, Josef Kraus und Richard Drexl.

Es geht um mehr als eine Aufzählung der Panzer, die nicht fahren, der Tornados, die nicht in die Luft und der U-Boote, die nicht unter Wasser können. Es bietet eine tiefgreifende Analyse, die damit beginnt: Wozu taugt eigentlich noch eine Armee in einer „post-patriotischen Gesellschaft“? Will sich Deutschland eigentlich noch wehrhaft zeigen – oder vertraut es darauf, dass im für sowieso unwahrscheinlich gehaltenen Verteidigungsfall die Bündnispartner einspringen werden? Ist Verteidigung überhaupt noch notwendig auf dem pazifistischen Sonderweg durch Raum und Zeit? Oder ist das alles nicht vielmehr Selbsttäuschung einer infantil gewordenen Politik?

Ein neues Milliardengrab?
Frankreich, Spanien und Deutschland basteln an einem neuen Kampfflugzeug
Kraus und Drexl analysieren die strategische Lage Deutschlands in einer Welt, in der China zu ungeheurer Macht aufsteigt, Nordafrika nicht mehr Urlaubsziel der TUI-Reisenden ist, sondern Krisenherd und Ausgangspunkt gigantischer Migrationsströme und Russland die Krim annektierte.  Ins Bewusstsein geholt werden die Auslandseinsätze im Kosovo, Libanon, vor Somalia, im Mittelmeer, der westlichen Sahara, in Syrien und Irak. Die Kriegseinsätze finden im Bewusstsein der Öffentlichkeit nicht statt, aber vernichten Menschen, Material, Steuergelder. Dass dort Männer sterben im Dienst für Deutschland und ihr Leben riskieren, wird verdrängt, auch weil die dafür zuständige Ministerin Fragen nach der Ausstattung von Panzern für Schwangere und die richtige Anzahl gendergerechter Klos für relevanter erachtet als den Blutzoll, den die ihrer Befehlsgewalt anvertrauten Söhne und Ehemänner erbringen. Denn bei allem Getändel um den richtigen Allwetter-Taft für den demonstrativen Unernst einer Ministerin, bei allem Gerede über Cyberwar im klimatisierten War-Room und milliardenteure High-Tech-Waffen geht es doch immer um die letztentscheidende Frage: Leben oder Tod.

Nicht einmal bedingt abwehrbereit
In die Bundeswehr muss wieder massiv investiert werden
Die Bundeswehr ist politisch orientierungslos, führungslos – und weitgehend gesellschaftlich verachtet bis geächtet. Aber ihre Sprache ist gendergerecht. Im alten Matrosenlied „Auf einem Seemannsgrab“ weint künftig nicht mehr nur ein Mädel um den ersoffenen Geliebten, sondern alternativ auch ein „kleiner Bube“. Für das Umdichten der Militärlieder sind Zeit, Geld und Energie vorhanden, für passende Einsatzkleidung nicht. „Den Beruf des Soldaten ließ man im öffentlichen Bewusstsein so verfallen, dass viele unserer Soldaten beginnen, an sich selbst und ihrem Amtseid zu zweifeln – ein verheerender Befund, für den auch die politische Führung der Bundeswehr in hohem Maße und schon seit längerer Zeit verantwortlich ist“, schreibt der frühere Bundesminister der Verteidigung, Rupert Scholz im Vorwort.

Das höchst kompetente Autoren-Duo zeigt das alles auf, bis hin zu den korrupten Zuständen in der Beschaffung und Verwaltung. Josef Kraus gehörte 20 Jahre dem Beirat für Fragen der inneren Führung der Bundeswehr an. Richard Drexl war zuletzt Oberst, Kommandeur verschiedener Einheiten und im Verteidigungsministerium verantwortlich für Rüstungsvorhaben der Luftwaffe und des „fliegenden Geräts“.

„Abschaffen, wegtreten!“  taugt als Titel für eine Buchbesprechung, aber nicht als gesellschaftspolitische Option.


Josef Kraus/Richard Drexl, Nicht einmal bedingt abwehrbereit. Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine. 240 Seiten, FinanzBuch Verlag, 22,99 €.


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Kommentare ( 115 )

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Es ist doch immer so! In der Politik – wie in der öffentlichen Verwaltung – führt das größte Versagen zur schnellsten Beförderung und zur steilsten Karriere. 46 Jahre lang konnte ich dieses aus nächster Nähe beobachten.

Wer sich nicht wehrt, wird nicht geehrt (respektiert). Auf diese einfache Formel läuft es doch überall hinaus, im privaten, beruflichen sowie politischem Leben. Diese Erkenntnis entspricht aber nicht der Logik unserer „weiblicher“ gewordenen Gesellschaft (Kindergarten, Schule, Politik…). Denn die Damen setzen eher auf einen „pädagogischen Ansatz“ (das müssen wir jetzt mal ausdiskutieren). Dass derartiges „Geschwurbel“ einen militärischen Aggressor kalt lässt, kann man doch immer wieder beobachten (siehe Annexion der Krim, chinesische Provokationen im südchinesischen Meer etc.). Das Geld für Sicherheit ist eine „Versicherungsprämie“. Unsere Bundeswehr steht für den Willen, sich zu wehren. Wenn dieser Wille nicht klar erkennbar ist, sinkt… Mehr

Meiner Meinung nach muss sich Deutschland in naher Zukunft nicht auf einen Angriff von außen einstellen, denn der nächste Angriff kommt garantiert von innen. Und wenn man die Entscheidungen/Entwicklungen der letzten Jahre Revue passieren lässt, könnte man auf den verschwörungstheoretischen Gedanken kommen, dass exakt das gewollt wird. Von wem auch immer….

Gerade heute sind drei Tornados eine halbe Stunde lang über unseren Wohnort geflogen! Immer wieder zogen sie ihre Kreise! Und ich habe mich darüber gefreut! Ich habe sie beobachtet, ihre Flugkünste bewundert und gedacht, „Jungens, (schuldig, nicht gendergerecht) gut dass es euch gibt und Schande über die, die euch missachten“! Wir wohnen in der Nähe der ehemaligen Zonengrenze, unser Gebiet liegt im Fulda -Gap! Also in dem Gebiet, dass im kalten Krieg von ein Angriff des Warschauer Pakts wahrscheinlich als erstes betroffen gewesen wäre! Es gab immer viel Militär und viele Manöver in unserer Ecke und wir waren dankbar für… Mehr

6 U-Boote, die alle nicht einsatzbereit sind. Man kann noch 6 gleiche dazu kaufen – erfüllt damit die Forderung von USA – und alles bleibt bei Altem.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann bin ich doch froh über den derzeitigen Zustand unserer Bundeswehr.

Man stelle sich nur vor, was unsere faschistoid-sozialistisch agierende Bundesregierung, unterstützt von einer reichspropagandaanstallt unter dem Deckmantel der ‚demokratieabgabe‘, sonst noch hätte alles anrichten können…

Erst Jena und Auerstedt werden helfen.

Es sieht aber mehr nach ‚Alesia‘ aus.

Die D. denken dass sie keine Identität brauchen die wertvoll genug ist um sie als Ziel der Integration für Millionen der Neuen gesetzt werden konnte. Selbst der Staatsoberhaupt also die Kanzlerin offen missachtet und versteckt die Nationalfahne – niemand fühlt sich gestört damit. Sie (mehrheitlich) denken auch dass man keine Grenzen braucht. Sie schätzen auch ihre Soldaten nicht – nicht in der Gesellschaft in jedem Fall. Da ist es auch kein Wunder dass die Regierung nicht bereit ist die notwendige Maßnahmen zu treffen um die Truppe einsatzbereit zu halten. Wozu auch? Da ist tatsächlich viel wichtiger dass es Gendertoiletten gibt… Mehr

Was wollt ihr eigentlich ihr 13% ? Die Schwulen-und Lesbenparade in Köln hat doch klar gezeigt wo die Schwerpunkte deutscher Interessen liegen. Bunte Welt, wo sich alle in den Armen liegen und Freudentränen vergiesen. Deutsche Kultur, Forschergeist und Fleiß-so ein Quatsch! Geht nach Hause u7nd macht die Tür zu. 87% der Wähler haben sich für das Gute und Richtige entschieden. Schließlich leben wir in einer Demokratie !
Blöder deutscher Michel !

Da ist schon etwas dran, an Ihrer Argumentation. Allerdings – darf ich das überhaupt sagen? – gab‘ es mal eine Partei, die in zwei Jahren von 18,3 auf 37,3 gesprungen ist. Und ja, das war ein verbrecherischer Haufen, wie sich herausstellen sollte. Demokratie besitzt eine innere Dynamik, die nicht zu unterschätzen ist.

Korruption in der Materialwirtschaft, Günstlings Wesen und Verschwendung hat es wohl in der Bundeswehr schon immer gegeben, wie in wohl allen Streitkräften der Welt. Nichts Neues, also. Trotz dieser Unzulänglichkeiten war die Bundeswehr aber bis zur Wiedervereinigung immer einsatzbereit. Neu ist nur der politische Wille. Er steht nicht mehr für das Land, für die Bundesbürger und auch nicht mehr für Verteidigung. Der politische Wille scheint sich heute an den negativen Figuren von Ayn Rands Trilogie „Atlas shrugged“ von 1957 zu orientieren. Diese alles zerstörenden Politiker führten ständig die Floskel „for the common good“ im Munde. Damit wurden selbst die idiotischsten… Mehr