BILD-Journalist Schuler: „Lasst uns Populisten sein“

Populismus ist ein politisches Schimpfwort. Dabei sollte Populismus im ursprünglichen Sinn des Wortes eine demokratische Urtugend sein. Der Leiter des Berliner Parlamentsbüros der BILD hat einen schonungslosen Weckruf veröffentlicht

Man kann die BILD Zeitung mögen, man kann sie ablehnen, man kann sie ignorieren. Jedenfalls ist es gut, dass es sie gibt. Denn man bekommt dort zu lesen, worüber die meisten anderen Blätter und vor allem die „Öffentlich-Rechtlichen“ aus Gründen der politisch-korrekten Selbstzensur nichts oder fast nichts berichten: über Probleme mit Flüchtlingen, mit Clankriminalität, mit Parallelgesellschaften, mit dem Euro und anderem mehr. Und es ist gut, dass der führende politische Kopf von BILD Ralf Schuler ist.

Dieser hat nun ein 240 Seiten starkes Buch geschrieben, das Wirbel verursachen wird und muss. Die politische „Elite“ dieser Republik wird es nicht lesen. Eine Kanzlerin wird es als nicht „hilfreich“ abtun. Und alle Systemparteien inklusive CSU werden es ebenfalls nicht lesen – allein schon deshalb, weil sie mit Blick auf die Wahlen zum EU-Parlament vom 26. Mai 2019 sich alle, so Schuler, „verbissen“, ja „giftig aggressiv“ einig sind, dass man die Populisten bekämpfen muss.

„Haltung zeigen“
Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss
Schulers Buch ist alles andere als eine Gebrauchsanweisung für AfDler oder Pegida-Aktivisten. Nein, es ist eine knallharte Abrechnung mit einer Politik, die sich mehr und mehr vom Volk (lateinisch: populus) entfernt und – so Schuler – zu einer schier heiligen Hetzjagd gegen das Gespenst des Populismus verbündet hat. Für Schuler ist diese Hetzjagd samt „Vertotschlagwortung“ indes ebenfalls blanker, in diesem Fall linker Populismus, dem ein „rechter“ Populismus nicht in den Kram passt, weil er beim Regieren stören könnte. Dafür scheint den Systemparteien jedes Mittel recht, auch das der Pathologisierung „populistischer Kräfte“. Die Verwendung von Begriffen wie Xenophobie, Islamophobie, Homophobie lassen jedenfalls dunkelste Abschnitte deutscher und sowjetischer (Psychiatrie-) Geschichte assoziieren.

Zurecht bevorzugtes Objekt der Kritik Schulers sind Merkel und die Merkel-CDU. In letzterer habe sich „Duckmäusertum“, ein Wegducken unter „absolutistischer Herrschaftsgeste“ breitgemacht, alle Alarmglocken seien verstummt, und am Ende sei die CDU als „Merkel-Applausverein“ mit ihrer teils beliebigen, teils rot-grün angehauchten Politik für das Auftreten und Erstarken der AfD verantwortlich. Merkel habe zwar „Dialoge“ mit der Basis geführt, aber es seien Scheindialoge mit ausgewähltem Publikum gewesen. Die Vermittlung von „Kompetenzvermutung“ (Begriff des Wahlanalytikers Karl-Rudolf Korte) sei das Ziel gewesen.

Schuler lässt nichts aus. Und hat so ein höchst ehrliches Buch vorgelegt. Selbst seine BILD bekommt eine Ohrfeige ab. Denn Schuler führt den Absturz der BILD-Auflage von 2,2 Millionen Exemplaren auf jetzt rund 1,6 Millionen vor allem auf die einseitige „Refugees-welcome“-Positionierung von BILD im Herbst 2015 zurück.

Schlimmste Erinnerungen werden wach
Befördern Funktionäre der Kirche die Spaltung der Gesellschaft?
Schuler problematisiert, ob der Islam zu Deutschland gehöre; er zweifelt an der „Traumwelt des wahren, unbefleckten Islams“ (Begriff übernommen von Ruud Koopmanns“); er zerpflückt die „Willkommenskultur“; er fragt, ob das Dulden der Abtreibung durch die C-Parteien noch christlich sei; er problematisiert den Umgang der Bundesregierung mit dem UN-Pakt zur Migration. Er scheut sich nicht zu schreiben, dass die „tiefen christlichen Wurzeln Europas“ kaum überschätzt werden könnten und dass das Kreuz ein Zeichen der Inklusion sei – Ende 2016 freilich auf dem Jerusalemer Tempelberg verleugnet von den sonst so gern  politisierenden Kirchenoberen Kardinal Reinhard Marx und Bischof Heinrich Bedford-Strom. Auch Merkel bekommt in diesem Zusammenhang ihren Seitenhieb ab, wenn Schuler schreibt, dass sie sich kaum der „christlichen Grundierung“, die den Rechts- und Sozialstaat ausmachten, bewusst sei und nur einen „Frömmigkeitswettbewerb“ auf Lager habe, nämlich die Leute aufzufordern, in die Kirche zu gehen. Mit dieser Union könne man jedenfalls alles haben: die Aufforderung zum Kirchgang, das Singen christlicher Weihnachtslieder, aber auch die Homo-Ehe.

Allein viele Überschriften in Schulers Buch sind provokative These: „Mehr Realismus in der Migrationspolitik“, „Vielfalt ist kein Selbstzweck“, „Wir brauchen eine schonungslose Bestandsaufnahme“, „Medien müssen immer dagegen denken“, „Rechts ist keine Krankheit“, „Kein Streit ist auch keine Lösung: Politiker müssen wieder ja, ja und nein, nein sagen“.

Zu „Dunstkreis“-Kritik gg Gender-Sprache
Reiner Kunze: „Ich fühle mich im Dunstkreis einer mehr und mehr zurückkehrenden DDR“
Da hat ein Profi wirklich „hingelangt“. Und er kennt sich aus. Schuler (Jg. 1965, verheiratet, drei Kinder) ist Leiter der Parlamentsredaktion von BILD. Regelmäßig begleitet er Merkel – auch auf Auslandsreisen. Aber Schuler hat sich nie vereinnahmen lassen, wiewohl auch er eine frühe DDR-Vita hat. Dort absolvierte er nach dem Abitur eine Lehre als Mechaniker in der Metallverarbeitung, als Journalist begann er 1985 bei der „Neuen Zeit“. 1989 folgte ein Fernstudium in Literatur- und Kulturwissenschaften. Von 1995 bis 1998 war er Redakteur der „Welt“, danach unter Herausgeber Alexander Gauland bis 2010 Politikchef der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam. 1993 bekam er den Theodor-Wolff-Preis. Ralf Schuler liebt Heavy Metal und ist Motorradfahrer. Vielleicht kommt von daher sein argumentatives und verbales „Gasgeben“. Mit seinem Buch tut er der Demokratie in Deutschland jedenfalls einen riesigen Gefallen. Dass der sonst eher betuliche und selten systemkritische Herder Verlag Schulers Buch veröffentlicht hat, lässt hoffen.

Ralf Schuler, Lasst uns Populisten sein. Zehn Thesen für eine neue Streitkultur. Herder Verlag, 240 Seiten, 22,- €.


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Kommentare ( 76 )

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Liebe @Sozia: Sie sollten zunächst einmal Ordnung in Ihre Kategorien bringen, bevor Sie der bösen christlichen Welt eine bessere „säkulare“ vorschlagen. In Ihrem Kommentar geht es jedenfalls ziemlich wild durcheinander: Kirche ist nicht Christentum, Religion – zumindest das Christentum – ist nicht Unterwerfung, sondern ethische und spirituelle Resource (auch wenn Sie mit Spiritualität nichts anfangen können oder „religiös unmusikalisch“ sind [wie es Habermas nennt] haben Sie Ihre »Religion«, in diesem Fall eine säkulare – denn auch Sie gehen von weltanschaulichen Prinzipien aus, die ich IHRE DOGMEN nenne…). Das Wort „säkular“ stammt übrigens selbst aus dem Christentum – genauso wie die… Mehr

„Mit dieser Union könne man jedenfalls alles haben: die Aufforderung zum Kirchgang, das Singen christlicher Weihnachtslieder, aber auch die Homo-Ehe.“

Nicht nur Weihnachtslieder singen – nein, nein: Auf der „Blockflöte“ sollen wir die Weihnachtslieder spielen. Ein Schelm, wer dabei an die Bezeichnung für die „Oppositionsparteien“ der ehemaligen „TäTäRä“ denkt…

Schuler, ich lache mich schäpp. Hat der nicht vor ein paar Tagen bei Achgut um Absolution für den 2015 BS gebettelt? Wenn es Schuler wirklich ernst meint, mit seiner Läuterung, DANN STEHT DAS HIER: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/neue-migrantentrecks-aus-griechenland-und-der-tuerkei-nach-deutschland/ MORGEN IN DER BamS! Ansonsten kann er einfach seinen Rand halten und Kochbücher schreiben!

Hat der Wolf Kreide gefressen? Ich glaube nicht so recht daran. Bild-Abwiegler Ernst Elitz antwortete auf die Kritik an der Bild-Berichterstattung an Chemnitzer „Hetzjagden“ auf haarspalterisch-dreiste Art, es sei eben nicht definiert, ab wie viel Metern man von einer Hetzjagd sprechen könne. Damit hat Bild-Elitz ‚in effectu‘ die 7-Meter-Hetzjagd erfunden. Wer so eisern entschlossen ist, eigene Fake News bis aufs Messer zu verteidigen, dem muss man den festen Willen zur Lüge unterstellen. Bild ist allerdings auf anderem Gebiet Experte für Hetzjagden. Wenn es um Trump geht, zum Beispiel. Die bizarrsten, absonderlichsten Trivia waren Bild nicht zu primitiv, um sie gegen… Mehr

Es muß eine andere ‚kritische’ BILD sein, die hier beschrieben wurde. Oder wurde Herr Fest wieder eingestellt?

@Sozia: »Deutschland hat zwar christliche Wurzeln, ist aber in der Ausprägung tatsächlich schon längst eine säkulare Gesellschaft auf der Basis von Vernunft und Menschenrechten. Diesen Status gibt es zu verteidigen, gegen jeglichen religiösen Wahn, auch gegenüber dem Christentum.« Sie wissen offenbar gar nicht, welchen »wahnhaften« Gemeinplätzen Sie aufsitzen. Anscheinend haben Sie nie auch nur ansatzweise einen christlichen Mathematiker und Philosophen wie Pascal oder einen Theologen wie Thomas v. Aquin gelesen – oder auch einen der ‚modernen‘, wie Karl Barth oder Hans Urs von Baltasar… Andernfalls wüssten Sie, wie rational das Christentum ist. Offenbar haben Sie sich nie gefragt, warum sich… Mehr
Die Menschenrechte, die Basis für unser Grundgesetz sind, verdanken wir der französischen Revolution, die sich nicht nur gegen die unmenschliche Herrschaft des Adels, sondern auch gegen die des Klerus richtete. Angesichts all den Brutalitäten und Grausamkeiten, die in den letzten 2000 Jahre von der christlichen Kirche begangen wurden, bleibt Ihr Text leider nichts als sinnloses Geschwafel. Ein Glaube mit totalitärem Anspruch ist immer ein Grund, gegen Andersdenkende vorzugehen, so war es und so wird es immer sein. Lustig finde ich es auch, wenn jemand, der offenbar einen unsichtbaren Freund braucht, um das Leben zu meistern, anderen vorwirft, „wahnhafte“ Vorstellungen zu… Mehr

PS. Bringen Sie übrigens nicht – wie leider viele aus Unwissenheit – die Kirchliche Inquisition mit der viel härteren Spanischen oder Portugiesischen Inquisition durcheinander (die aus Gründen der Staatsraison von den betreffenden Königen – nicht vom Papst – veranlasst bzw. eingeführt wurden und zu verantworten sind).

Obwohl Sie »viel über die Inquisition gelesen« haben, ist Ihnen anscheinend entgangen, dass diese Entgleisung in Fanatismus – vor der weder Religionen, noch Atheïsmus gefeit sind (letztere erst recht nicht, darauf komme ich noch…) – bereits 50 Jahre VOR der Französischen Revolution eingestellt wurde, und zwar in der Rückbesinnung auf die christlichen Evangelien. Wer an Zahlen und »Schreckensbilanzen« der Inquisition und anderer Fanatismen interessiert ist, kann solche bei Jean Delumeau [frz. Historiker und Mitglied der Académie Française] nachlesen. Nach seinen Berechnungen beträgt alleine die Zahl der zivilen (!) Opfer atheistischer Ideologien des 20. Jhdts. (Leninismus, Stalinismus, Maoismus, Nationalsozialismus, Pol Pot,… Mehr
Die Aufklärung begann ja nicht mit der französischen Revolution, sondern jene war tatsächlich Folge der Aufklärung. Dass sich die Inquisition in der beginnenden Moderne irgendwann nicht mehr rechtfertigen ließ, heißt nicht, dass die Kirche ihr Schreckensregiment ohne den entsprechenden Gegenwind nicht immer weiterbetrieben hätte. Die Kirche hat noch nie etwas verschenkt, alles musste ihr abgerungen werden, so ist es bis heute. Man hätte längst in echter Selbstkritik mit dem Thema Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen aufräumen können, man wartete aber, bis der Druck der Opfer und durch massenhafte Kirchenaustritte überwältigend wurde. Das Beste am 21. Jh. finde ich, dass Religion… Mehr
Sie sollten zunächst einmal Ordnung in Ihre Kategorien bringen, bevor Sie der bösen christlichen Welt eine bessere „säkulare“ vorschlagen. In Ihrem Kommentar geht es jedenfalls ziemlich wild durcheinander: Kirche ist nicht Christentum, Religion – zumindest das Christentum – ist nicht Unterwerfung, sondern ethische und spirituelle Resource (auch wenn Sie mit Spiritualität nichts anfangen können oder „religiös unmusikalisch“ sind [wie es Habermas nennt] haben sie Ihre »Religion«, in diesem Fall eine säkulare – denn auch Sie gegen von weltanschaulichen Prinzipien aus, die ich IHRE DOGMEN nenne…). Das Wort „säkular“ stammt übrigens selbst aus dem Christentum – genauso wie die Trennung dieses… Mehr

Mutig wäre, dieses Buch als Folge in der (Bild)Zeitung zu veröffentlichen.
Da dürften die Abschnitte auch nicht zu lang sein.
das würde Wirkung erzielen.
Also bitte, frisch voran!

Auf Achgut waren zwei Auszüge zu lesen, klare, unaufgeregte Sprache, analytisch, einfach gut, hätte ich nie bei Bild vermutet. Wenn Bild die „Kurve kriegte“, wäre wieder Grund zu hoffen. Andererseits ist die Frage, ob es wirklich einen Grund, zu hoffen gäbe, wenn es dazu der Bild bedurfte ….

Ich stimme Ihnen zu und bin darüber hinaus hier der Meinung: Der Zweck heiligt die Mittel.

Auch dieses Buch wird nicht ändern. Solange die Medien und Propagandazentren in den Händen der Machthaber sind. Nicht umsonst beginnt so gut wie jede Revolution in dieser Welt mit de dem Sturm und der Übernahme von Fernseh- und Sendeanstalten. Solange das nicht passiert passiert hier gar nichts.

Aber die ARD gehört uns doch schon.
„Wir sind Deins“!
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Zum K…….!

In der Frühzeit seiner M5S- Bewegung hat Beppe Grillo bei seinen öffentlichen Veranstaltungen auf die Populismus-Vorwürfe der korrupten Alt-Parteien in Italien mit Spott reagiert: Er brüllte genüsslich ins Publikum „Noi siamo populisti!“ (wir sind Populisten). Heute sind sie an der Regierung. Es ist eine Spezialität der Linken, mit Sprachmanipulationen Politik zu machen. Was ihnen nicht passt, wird mit allerlei griffig, sogar oft irgendwie wissenschaftlich klingenden Begriffen mit negativer Assoziation niedergemacht. Sie enden fast immer mit „-ismus“ und sind meistens aus dem Lateinischen abgeleitet (irgendwie muss der Linke ja seine Halb-Bildung zeigen). Das hat zwei Vorteile: meist kann keiner definieren, was… Mehr

Sie haben völlig Recht . Die bedenkliche Sprach- und Formulierungsweise für “ nicht angepasste “ Meinungen bekommt nun ja sogar S. Wagenknecht zu spüren . Eben weil sie dabei DENKEN als wichtigste Faktor und nicht Dogmatismus in der politischen Weltbetrachtung einsetzt