Wie die SED ihre Gegner „nützlicher Arbeit“ zuführen wollte

Wenn der Chef der umbenannten SED davon spricht, Menschen "für nützliche Arbeit" einzusetzen ist das angesichts der Geschichte nicht lustig. Denn davon sprach schon einmal ein führender SED-Genosse. Und noch schlimmer: Seinesgleichen setzten das auch um.

ADN-Bildarchiv/ullstein bild via Getty Images
Albert Norden

Linken-Vorsitzender Bernd Riexinger kommentierte vor kurzem auf einer Strategiekonferenz seiner Partei die Bemerkung einer referierenden Genossin „… wenn wir das eine Prozent Reiche erschossen haben“ mit der launigen Bemerkung: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein.“

Zahlreiche Zeitungskommentatoren meinten sofort, das sei ein eher harmloser Scherz gewesen, schließlich sei nicht zu erwarten, dass die Linkspartei Gegner künftig erschieße oder der Zwangsarbeit zuführe. Darum geht es allerdings nicht. Sondern um den Punkt, dass der Kommentar von dem Vorsitzenden einer Partei kam, die – damals noch unter dem Namen SED – tatsächlich für politische Exekutionen und Verfolgung verantwortlich war. Bei der Strategiekonferenz in Kassel zeigte sich, wie wenig Scham ihre Vertreter bis heute darüber verspüren, und in welchem Maß sich die alten totalitären Denkmuster bei ihr über den Bruch von 1990 erhalten haben.

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TE dokumentiert im Folgenden eine Ansprache des SED-Propagandachefs Albert Norden (1904-1982) aus den fünfziger Jahren, in der er darüber sinniert, oppositionelle Geistliche einer „nützlichen Arbeit zuzuführen“. Der westdeutsche Gewerkschafter Riexinger war nie Mitglied der SED – aber gerade deshalb ist es erstaunlich, wie sehr sein Duktus dem des Funktionärs Norden ähnelt. Norden und seine Partei verfügten damals auch über die Mittel, ihre Vorstellungen umzusetzen. Mitglieder der Jungen Gemeinde wurde in den fünfziger Jahren vom Abitur ausgeschlossen, Pfarrer unter Druck gesetzt, viele verließen deshalb die DDR über die damals noch offene Grenze. Später arbeitete die SED nicht mehr mit offenen Drohungen gegen geistliche und andere Oppositionelle, sondern mit Unterwanderung vor allem der Kirche durch ein Spitzelsystem, und so genannter „Zersetzung“.

Der zitierte Text stammt aus dem Buch von Martin Ehm: „Die kleine Herde – die katholische Kirche in der SBZ und im sozialistischen Staat DDR“, (LIT-Verlag, Münster)

„Natürlich sollen wir eins nicht vergessen, was uns Genosse Maron in der Volkskammersitzung eindringlich gesagt hat: Habt auf diese Dunkelmänner acht! Wenn sie es wagen sollten, ihre Kanzel zur Wahlhetze zu benutzen, dann werden wir sie greifen und einer nützlichen Arbeit zuführen. Dann würden diese Herrren das erste Mal in ihrem Leben produktive Arbeit leisten und das hätte dann auch sein Gutes (Heiterkeit)! Das jedenfalls sollen sie wissen und wenn nötig auch am eigenen Leibe erfahren: Wer sich unserer sozialistischen Umgestaltung in den Weg stellt, der bekommt die Fäuste der Arbeiter zu spüren. Natürlich werden wir uns fortschrittlichen Pfarrern gegenüber höflich verhalten, aber die kann man leider mit der Lupe suchen, und es sind auch meist 1 Prozent alter Herren, die noch einen ruhigen und gesicherten Lebensabend haben wollen. Na, das wollen wir denen von Herzen gönnen, denn die tun ja nicht weh. Die anderen 99 Prozent schwarzen Drohnen werden sich ja kurz oder lang eine nützliche Arbeit suchen müssen. Wenn sie sich dann ein paar Jahre mit Schippen und Spaten bewährt haben, dann können sie auch weiter bei uns ihr Brot finden. Es wird nun an euch liegen, liebe Genossen, die Abgrenzung der von mir aufgezeigten Unterschiede der verschiedenen religiös gebundenen Gruppen unseres Volks gut vorzunehmen, dann wird die große Masse dieser Leute freudig zum Sozialismus ja sagen. Auf die anderen 1 Prozent unbelehrbarer Finsterlinge verzichten wir lieber gern, denn sie sterben schneller aus als die Auerochsen (Heiterkeit, Beifall)!“

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